Ich liebe Geschichten. Und ich muss diesmal nicht einmal den Fernseher aus dem Keller holen: Man kann die Lesungen und Diskussionen auch ganz bequem im Internet an- und nachhören bzw. lesen: http://bachmannpreis.eu/de
Die „Tage der deutschsprachigen Literatur“, das war einmal „Deutschland (und Österreich und die Schweiz) sucht den Superautor“, mit Marcel Reich-Ranicki als Dieter Bohlen, lange, bevor Casting-Shows überhaupt erfunden wurden! Und ist heute wieder etwas Besonderes: 14 Stunden lang Lesungen und Diskussionen über Literatur im TV in 3 Tagen – soviel Zeit muss schon sein…
Die Jury gefällt mir allerdings von Jahr zu Jahr weniger. Ich vermisse die grossen Literaturkritik-Haudegen. Ich vermisse auch einen Robert Schindel, diesen etwas seltsamen aber absolut wunderbaren Pflichtverteidiger der Autoren-Seite in der Jury, ich vermisse es, einem Iso Camartin beim Denken zuzuschauen, ich vermisse sogar Iris (ti-)Radisch ein bisschen, die mich mitunter ziemlich genervt hat, aber zuletzt wenigstens noch eine Reibungsfläche bot.
Nach dem letztjährigen Tiefpunkt gibt es dieses Mal viele neue Gesichter in der Jury. http://bachmannpreis.eu/de/jury
Hoffen wir, es hilft.
Denn die Jury ist es ja auch, die bestimmt, welche Autoren überhaupt eingeladen werden.
Es wäre schön, der Bachmann-Preis würde wieder mehr eine Entdeckungs-Möglichkeit für neue literarische Talente werden, die noch keinen fetten Vertrag in der Tasche haben und die nicht bloss von den Verlagen nach Klagenfurt geschickt werden, um ihr nächstes Buch im TV zu promoten. Dass ich dieses Jahr fast keine von den Autorinnen und -toren kenne (ausführliche Portraits der Kandidaten gibt es übrigens in der aktuellen Ausgabe der Literatur-Zeitung „Volltext“ nachzulesen), halte ist deshalb für ein eher gutes Zeichen.
Einen Haufen Autoren habe ich in den letzten paar Jahren durch den Bachmannpreis für mich entdeckt. z.B. Sibylle Lewitscharoff , Yoko Tawada, Juli Zeh, Uwe Tellkamp, Lukas Hammerstein, Zoe Jenny, Jochen Schmidt, Pedro Lenz, Kathrin Passig, Christoph Simon. Aber nicht nur Preisgekrönte, sondern z.B. auch „Nichtleser“ Gion Mathias Cavelty, dessen geniale Parabel die Juroren grandios durchfallen liessen – aber wer die Frankfurter Buchmesse in den Luft sprengen will, der kann kein schlechter Mensch sein…
Diesmal lesen Ralf Bönt, Katharina Born, Karsten Krampitz, Lorenz Langenegger (CH), Christiane Neudecker, Jens Petersen (CH), Bruno Preisendörfer, Karl-Gustav Ruch (CH), Gregor Sander, Caterina Satanik, Andreas Schäfer, Linda Stift, Philipp Weiss und Andrea Winkler Geschichten vor.
Termine – im Netz oder auf 3sat:
Donnerstag, 25. Juni
Lesungen und Diskussionen
10.00 – 15.00 Uhr
Freitag, 26. Juni
Lesungen und Diskussionen
10.00 – 15.00 Uhr
Samstag, 27. Juni
Lesungen und Diskussionen
10.00 – 14.00 Uhr
Sonntag, 28. Juni
Preisvergabe
11.00 – 12.15 Uhr