Dieser Frau vertraut der Blick

by

Wenden wir uns nach der BB-Affäre wieder erfreulicheren Themen zu. Der Bankenkatastrophe z.B.

Eveline Widmer-Schlumpf soll jetzt die Finanzkrise lösen.

Schon am letzten Donnerstag ist SNB-Vizepräsident Philipp Hildebrand aufgefallen, dass die Finanzministerin ad interim die Sache voll im Griff hat

meint der Blick.

Dass die Frau mutig ist, hat sie in der Tat bewiesen. Und Vertrauen ist die Währung, von der im Moment alles abhängt. Es ist sicher gut und richtig, den Aktienkurs des Vertrauens zu stützen. Aber wenn sich in dieser Krise eines gezeigt hat, dann, dass niemand mehr irgendetwas im Griff haben kann.

Wer wäre jetzt mutig genug, eine wirkliche Reform durchzusetzen?

In Deutschland soll die Bankenhilfe vom Staat an die Bedingung geknüpft werden, die Managergehälter auf 500 000 Euro im Jahr zu deckeln.  Ohne Boni. Herr Ackermann hat bereits dankend abgelehnt…

Advertisements

Schlagwörter:

2 Antworten to “Dieser Frau vertraut der Blick”

  1. uertner Says:

    Dieser Beitrag verkennt die institutionellen Unterschiede zwischen Deutschland und der Schweiz. In Deutschland gibt es die Figur des starken hegelschen Staates. In der Schweiz gibt es die nicht. 1386 siegten die Eidgenossen bei Sempach über das Adelsheer. Die Süddeutschen Städte wurden aber von den Fürsten geschlagen. 1499 siegten die Schweizer im „Schawbenkrieg“ (der in Deutschland „Schweizerkrieg“ genannt wird) gegen den Anspruch Maxilimians II. die Reichssteuer auch in der Eidgenossenschaft einzuführen (und eine Unterstellung unter das Reichsgericht): damit schied die Schweiz faktisch aus dem „Heiligen römischen Reich deutscher nation“ aus. 1528 konnten sich Luther und Zwingli nicht über die Natur des christlichen Abendmahls einigen: für Luther blieb eine Spur „Katholischer Zauber“ an der Hostie haften, Zwingli wandte die Einsetzungsworte „dies ist mein Leib“ nicht auf die Hostie, sondern die Gemeinde an. Obschon beide Konfessionen in der Schweiz vertereten sind, kam es in der Eidgenossenchaft nach den Kappelerkriegen zu keinen nennenswerten Religionskiregen, während Deutschland im 30jährigen Krieg verwüstet wurde. 1648 schied die Eidgenossenschaft auch de jure aus dem Heiligen Römischen Reich aus.
    Die Schweiz war von jeher Republik. Deutschland war dies erstmals „zufällig“ 1919 – 1933 und stolperte dann in die adolfinische Diktatur. Diese lebte vom Raub an den Juden. Das deutsche Problem ist: Kohl hat Deutschland als grössten Nettozahler der EU-installiert in vorauseilendem Anpassungsdruck. Die Deutschen wollen die besten Europäer sein, um ja nicht mehr als Nazis wahrgenommen zu werden. Der brain-drain, von dem derzeit die Schweiz gerade aus Deutschland profitiert zeigt: es gibt in Deutschland ein organisatorisch-institutionelles-geistiges Problem: es gibt keinen deutschen Nationalstolz, der die Menschen zusammenhält: Individualisierung und Mulitkulti-Romantik verbunden mit einem Staat der seit Bismarck die „Untertanen“ mit grosen Umverteilungsleistungen ruhigstellt (Hartz IV) haben Deutschland zu einem Fluchtgebiet für Kapital und kluge Köpfe gemacht. Deutschland braucht weniger eine Obergrenze für Managersaläre, als eine positive geistige Mission.
    Es wäre nun falsch zu glauben, Frau Widmer Schlumpf sei eine Art deutscher Finanzminister, der von oben herab befehlen könne. Frau Widmer Schlumpf hatte ihren ersten grossen politischen Erfolg in der Beseitigung eines Steuerpaketes, das der Wirtschaft grosse Geschenke machen wollte. Ihre hervorragende politische Leistung bestand darin, den Unwillen der kantonalen Finanzdirektoren in einem „Referendum der Kantone“, das von der Verfassung ermöglicht ist, aber noch nie in der Geschichte der Eidgenossenschaft zum Einsatz kam zu bodigen. Es gibt in der Schweiz durchaus Initiativen „von unten“ wie die „Abzocker-Initiative“ des Kleinunternehmers Minder und es gibt auch von oben her die (von Christoph Blocher wohlgemerkt initierte) verschärfung des schweizerischen Aktienrechts, die nun auf dem Tische der Justizministerin Widmer Schlumpf liegt. Die Verlautbarungen des deutschen Finanzminister Steinbrück, mögen für die deutschen Untertanen verlockend klingen, ob sie nicht die Abwanderung von deutschen Finanzexperten in den angelsächsischen oder eidgenössischen Raum beschleunigen, sollte immerhin gefragt werden. Dadurch, das deutsches Kapital und deutsches Know-How ungehindert in die Schweiz strömen konnte, wuchs die Schweizerische Wirtschaft viel heftiger als die deutsche, der selbst im Augenblick des Wachstums die Ingenieure wegliefen. Dies ist das deutsche Problem: Aufträge wären da, Kapital wäre auch da, Ingenieure auch, nur fliehen beide in die Schweiz, weil die Ingenieure ein höherer Lohn und das Kapital niedrigere Besteuerung (oder eben Steuerflucht) lockt.
    Deutschland hat hier ein ernstes Problem, das ein geistiges ist: die reine Umsetzung von political correctness und religiöser Toleranz, verbunden mit dem willen eine soziale Absichrung auf hohem Nivaeu zu garantieren, schläfert die Triebkräfte des Volkes ein: Im Osten kommen ja nun arbeitswillige Polen und werden zu erfolgreichen Unternehmern, während die gut ausgebildeten Ossi-Fräuleins in den Westen oder die Schweiz ziehen. Deutschland muss sich seiner Aufgabe in Europa und der Welt neu klar werden: wenn es wieder Ideale gibt, für die eine deutsche Gesellschaft leben (und sterben) will, dann werden wieder Deutsche sagen: „Ich zahle gerne meine Steuern, ich bleibe hier; hier ist meine Zukinft“.

  2. flashfrog Says:

    Niemand zahlt gern Steuern. Ich habe jedenfalls noch keinen getroffen, weder in Deutschland noch in der Schweiz, wo auch seine Steuern verflüchtigt wer kann, nur eben auf kantonaler Ebene.

    Und wenn es in fremden Diensten was zu verdienen gab, war es historisch auch mit dem schweizerischen Patriotismus nicht besonders weit her, wenn ich recht informiert bin.

    Die Zahl der Schweizer, die in Deutschland ihr berufliches Auskommen und privates Glück suchen, ist in Proportion zur Gesamtbevölkerung des jeweiligen Auswanderungslandes übrigens doppelt so hoch wie umgekehrt.

    Aber was hat das alles mit obigem Beitrag zu tun?

    Gerade dieses obrigkeitsgläubige Vertrauen in eine Politikerin war es ja, was mich so in Erstaunen versetzte, dass ich diesen Satz hier zitiert habe. Die deutschen „Untertanen“ sind da offenbar sehr viel kritischer ihren Politikern gegenüber eingestellt, und sie wissen warum. Dennoch kann man wohl nicht erwarten, dass die Ospels nun plötzlich einsehen, was sie da angestellt haben und sich aus purem Idealismus jetzt selber freiwillig reformieren.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: