Liebe Abonnentin Zappadong – Teil 2

by

Der Anruf Nummer 2 kam von einer (ebenfalls) netten Dame, die mir eine dreijährige Verlängerung meines Kombiabos für den Tagesanzeiger und die Sonntagszeitung schmackhaft machen wollte. Nachdem Sie mir ihr Anliegen vorgebracht hatte, sagte ich freundlich „Nein.“

„Aber“, holte die Dame Anlauf, „Sie sparen damit 42 Franken pro Jahr.“

„Mir egal“, antwortete ich nicht ganz so freundlich. „Ich glaube nämlich nicht, dass ich mein Abo überhaupt verlängere.“

 

Stille am anderen Ende.

 

„Darf ich fragen, warum nicht?“, klang es dann aus dem Hörer.

 

„Weil Ihr Medienverlag die private Post seiner Kunden liest.“

 

Eine noch viel längere Stille am anderen Ende.

 

„Das ist wirklich schlimm“, sagte die Dame schliesslich.

 

„Ja“, antwortete ich. „Sie können das Ihren Vorgesetzten gerne so ausrichten. Ich will eigentlich keine Erzeugnisse eines Verlags, der unter Umständen sogar MEINE privaten Nachrichten gelesen hat.“

 

„Ja, das ist wirklich schlimm“, wiederholte sich die Dame. „Darf ich Ihnen trotzdem nochmals unser Angebot vorlesen?“

 

Das tat sie dann. Ich bekam das ganze Angebot – drei Jahre, Sie profitieren, viel günstiger, vielleicht gehen unsere Preise ja noch nach oben, aber Sie haben dann Ihr Abo, verstehen Sie, vielleicht sparen Sie mehr als 45 Franken ….“

 

Ich finde Verlage, in denen sämtliche Mitarbeiter mit ihren Kunden fühlen – vom Lesen der privaten Post bis zur besorgten Anteilnahme an allfälligen zu hohen Kosten für ihre Klientel – wirklich herzerwärmend rührend.

Advertisements

5 Antworten to “Liebe Abonnentin Zappadong – Teil 2”

  1. goggi Says:

    Herrlich geschrieben, auch wenn ich beim Teil mit der privaten Post zu den Unwissenden zähle – liesse sich das auch auf die AZ-Grümpel-Gruppe übertragen!

  2. zappadong Says:

    Oha. Ich habe vergessen zu verlinken. Das mit der Post finden Sie unter dem Stichwort Facts2.0 in der Blogroll.

  3. Thinkabout Says:

    Hat sie wirklich: „Das ist wirklich schlimm“ gesagt? Die arme Frau. Zum Glück arbeitet sie bestimmt für ein Telefonmarketing-Unternehmen für den Kunden Tamedia. So weit reicht das Horchrohr wohl nicht.

  4. zappadong Says:

    Ja, sie hat tatsächlich ZWEI Mal: „Das ist schlimm“ gesagt.

    Ich fürchte, weniger aus Sympathie mit mir als aus taktischen Gründen. Beide Anruferinnen nahmen mein „Leiten Sie das doch bitte an die zuständigen Stellen weiter“ sehr freundlich auf, um gleich danach mit dem Vorlesen eines vorgefertigten Textes weiterzufahren. Man hat richtig gehört, wie sie den Einstieg zurück in ihren Musterverkaufstext suchten.

    Ich denke, dieses Verhalten wird den Telefonverkäufern eingeprägt und läuft unter „dem Kunden das Gefühl geben, zuzuhören, ihm recht zu geben, ihm das Gefühl vermitteln, ihn ernst zu nehmen.“ Schliesslich will man ihm ja etwas verkaufen. Aber schlussendlich verkauft man damit den Kunden für blöd. Wenn die Printmedien ihre Erzeugnisse weiterhin verkaufen wollen, sollten sie sich langsam etwas anderes einfallen lassen und ihre Kunden WIRKLICH ernst nehmen.

    Verkaufsgespräche am Telefon enden bei mir grundsätzlich immer, bevor sie anfangen. Für die Medien habe ich eine Ausnahme gemacht und war – um es freundlich auszudrücken – doch sehr erstaunt über die plumpen Verkaufsmethoden. Da werden einem tatsächlich noch Texte VORGELESEN. Wie will jemand überzeugen, der selber nicht überzeugt ist, sondern einfach etwas herunterleiert? Unpersönlicher, uninteressierter geht es gar nicht mehr. Wenn dieses gestrige Telefonmarketing auch heute noch angewendet wird, dann ist es kein Wunder, wenn man keine neuen Kunden findet … und alte vergrauelt

  5. Frau Müller Says:

    Das Verhalten der Facts-Geschäftsleitung und -Redaktion müsste wenigstens den Tamedia-Verantwortlichen die Schamesröte ins Gesicht treiben. Die Antworten auf die Reklamationen lassen jedoch keinerlei Unrechtsbewusstsein erkennen. Offenbar ist es für die Tamedia ethisch vollkommen in Ordnung, wenn irgendwelche Angestellten in den Privaten Nachrichten ihrer Kunden rumschnüffeln.
    Was man bei der Tamedia nicht weiss: Kundenfreundlichkeit besteht aus mehr als der ständigen Wiederholung des Namens am Telephon. («Frau Müller, ich habe ein äusserst interessantes Angebot für Sie, Frau Müller»). Kundenfreundlichkeit hat in erster Linie mit Respekt vor dem Kunden zu tun. Und daran mangelt es bei Facts 2.0 ganz gewaltig. Der wachsende Unmut gegenüber dem schlechten Stil von Facts sind ein Risikofaktor für das Unternehmen Tamedia – wie obiges Beispiel zeigt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: