Liebe (zukünftige) Abonnentin Zappadong

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Kürzlich bekam ich gleich zwei Anrufe von der Tamedia an einem einzigen Tag. Es ging um zwei verschiedene Erzeuginsse, in beiden Fällen hätte man mich gerne als Leserin gewonnen / behalten. Daraus kann man zwei Schlüsse ziehen:

a) Ich bin wider Erwarten nicht auf eine schwarze Liste geraten (was mich fast ein wenig enttäuschte)

b) Man braucht so verzweifelt zahlende Kunden, dass man auch jene Leutchen anruft, die an einer kleinen Revolution gegen den Verlag beteiligt waren – ich sage nur Facts2.0.

Wie auch immer. Im Gegensatz zu anderen Verkaufsgesprächen, die immer sehr schnell und ohne Verkauf enden, liess ich mir diesmal Zeit und harrte geduldig aus.

 

Anruf Nummer 1 kam von einer netten Dame, die mir ein Abo für eine Schweizer Frauenzeitschrift verkaufen wollte.

 

„Kein Interesse“, sagte ich freundlich.

„Darf ich fragen, warum nicht?“, fragte es aus dem Hörer.

Normalerweise dürfen Telefonverkäufer mich nichts fragen, aber eben, es ging um (Ta)Medien. 

„Für dieses Heftchen wiege ich 30 kg zuviel“, antwortete ich wahrheitsgemäss.

Die Dame war etwas perplex, und so erklärte ich bereitwillig: „Ich lese keine Zeitschriften, in denen die abgebildeten Frauen klappern vor Dürre.“

Damit hatte ich zwar die Sympathie der Anruferin, aber sie noch kein Blumensträusschen (sprich, ein Verkaufserlebnis) gewonnen. Also fragte sie weiter. „Was lesen Sie denn gerne?“

 

Okay. Ich gestehe: Ich hätte das Gespräch hier beenden können, aber mir war gerade nach ein wenig Subversion. Und so sagte ich: „Politik, Gesellschaft, Kultur.“

Das Aufatmen am anderen Ende der Leitung war deutlich zu hören. Es dauerte ein Momentchen, bis die Dame die Stelle auf ihrer Verkaufsanleitung fand, an der sie anknüpfen konnte. Dann aber begann sie mir vorzulesen: „Genau darum geht es in der Zeitschrift xyz, da werden …“

Ich hörte ihr eine Weile zu bevor ich sie unterbrach. „Es ist ja nicht so, dass ich die Zeitschrift nicht kenne, aber erstens kommen die Infos in Kleinstportionen und zweitens ist das Heft für eine Landpomeranze wie mich einfach zu städtisch und zu abgehoben.“

 

Es gelang der freundlichen Dame nicht ganz, ihre Enttäuschung zu verbergen. Ich wollte etwas Nettes sagen und sagte deshalb: „Es liegt nicht an Ihnen. Richten Sie doch einfach der Redaktion dieser Zeitschrift aus, dass ich eher bereit wäre, mir die Zeitschrift anzusehen, wenn die Models in der Werbung und den hauseigenen Bildstrecken etwas mehr Fleisch am Knochen hätten und die Beiträge auch für bodenständigere Leutchen wie mich interessant wären.“

 

Vielleicht habe ich das etwas zu nett gesagt, denn nach einem kleinen Päuschen (in dem die Dame den entsprechenden Abschnitt auf der Verkaufsanleitung gesucht und gefunden hat), las sie mir vor, dass es nun im Advent dieses ganz spezielle Angebot gibt, ein wirklich tolles Angebot und ob ich es nicht versuchen möchte.

 

Jeden anderen Tag hätte ich „Nein“ gesagt. Aber mir war nach einem weiteren Experiment. Also sagte ich „Ja“, und legte meinerseits ein kleines Päuschen ein, um nach ein paar Sekunden fortzufahren: „Aber nur, wenn Sie mir die Hefte gratis zuschicken.“

 

Damit muss ich den Bogen überspannt haben. „Das … Das geht leider nicht. Wir dürfen das nicht“, erklärte die Dame am anderen Ende unglücklich.

„Schon gut“, erwiderte ich fröhlich. „Kein Problem.“

Wenigstens nicht für mich. Ich klickte mich ganz zufrieden aus der Leitung.

(Fortsetzung folgt).

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5 Antworten to “Liebe (zukünftige) Abonnentin Zappadong”

  1. flashfrog Says:

    Wieso gehen eigenlich alle Frauenzeitschriftenmacher davon aus, dass alle Frauen sich ausschliesslich für Mode, Makeup, Diäten, Esoterik und Beziehungstests interessieren?
    Wann bringt endlich mal jemand eine Frauenzeitschrift über Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur heraus?
    Und mit „Gesellschaft und Kultur“ meine ich nicht „Promi-Klatsch und Lifestyle“.

  2. goggi Says:

    Gespannt auf Fortsetzung bin…

  3. Thinkabout Says:

    Ich rauche keine Zigarren, habe schon eine Uhr, für Golf keine Zeit und mit meiner Frau bin ich zufrieden. Männerzeitschriften, die meinen Lebensstil aufmöbeln wollen, reden bei mir auch am Thema vorbei.
    Also spreche ich @flashfrog Trost zu und sage: Einfach auch die Zeitungen lesen, die ich auch lese. Da steht auch was für Frauen drin. Bin auf jeden Fall noch nie darauf gekommen, dass ich da als Dreibein angesprochen sein könnte. Und bezüglich der Models in den Caritas-Werbungen (denn darum geht es doch, nicht wahr, ums Füttern?) bin ich ganz Frau Zappadongs Meinung.
    Auch Waschbrettbäuche sehe ich übrigens an der Bahnhofstrasse nur in Schaufenstern.

  4. zappadong Says:

    Der Sonntagszeitung liegt das männliche Gegenstück zu der Frauenzeitschrift bei, die man mir verkaufen wollte.

    Was man zwischen der vielen Werbung als redaktionelle Beiträge findet, interessiert meinen Herrn Zappadong nicht die Bohne. Aber eben: Auch er raucht keine Zigarren, hat schon eine Uhr, spielt kein Gold und ist (hoffentlich) mit seiner Frau zufrieden. Zudem will er sich nicht liften lassen, kein Adonis werden, die Mode geht ihm ziemlich am Hutrand vorbei und wenn er von Luxusferien träumt, dann von Orten, die in bestimmt keiner Männerzeitschrift besprochen werden.

  5. Frau Müller Says:

    Ob Frauen- oder Männerzeitschriften – Hochglanzmagazine werden gemacht, um Inserate von Mode- und Kosmetikunternehmen zu generieren. Diese wiederum inserieren nur, wenn sie im redaktionellen Teil erwähnt werden. In brand eins 12/2006 ist hierzu mal ein interessanter Artikel erschienen:
    «Beim ersten Besuch in der (Armani)-Konzernzentrale erfahren die Bittsteller (Anzeigenverkäufer) von der Lifestyle-Presse erst einmal, wie häufig der Name Armani in letzter Zeit in ihrem Heft auftauchte. Nicht so oft, ist nicht so gut – wenn der Trip erfolgreich sein soll. Herausreden hilft nichts, man führt bei Armani genauestens Buch. Waren es 10 oder 20 Erwähnungen? Und wie viele Male stand die Konkurrenz von Dolce & Gabbana und Ermenegildo Zegna im redaktionellen Teil? „Die messen das mit dem Zentimetermaß nach“, sagt ein Moderedakteur. Je nach Ergebnis gibt es zur Belohnung Anzeigen oder eben nicht.

    Damit auch edlere Marken den Weg ins Blatt finden, ist man erfinderisch. So publizierten die »Park Avenue«-Macher ein mehrseitiges Interview mit dem südafrikanischen Unternehmer Johann Rupert, der als Chef des Luxus-Konzerns Richemont über Uhren-Marken wie IWC oder Jaeger-LeCoultre gebietet.

    So werden im Männermagazin »GQ« nicht nur die Anzeigen von Boss gedruckt, sondern im selben Heft zwei Hugo-Boss-Designer porträtiert („Auf dem Weg in die erste Liga der Modewelt“). Die Brauerei Pilsener Urquell bezahlt eine Doppelseite Werbung und darf sich über ein ausführliches Interview mit ihrem Deutschland-Chef freuen. Selbstverständlich ein reiner Zufall.»

    Und dann wundern sich die Verleger, dass die Leserinnen und Leser ausbleiben. Schön blöd!

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