Archive for November 2008

Finanzkrise: Welche Art Presse wollen wir?

November 29, 2008

Frau Zappadong hat als Kommentar zum letzten Artikel interessante und berechtigte Fragen gestellt, und ich versuche gerne, darauf zu antworten, auch, um zu zeigen, dass aus der gleichen Sorge und Unruhe heraus man sich sehr verschiedene Umgangsformen mit der Krise vorstellen und wünschen kann:

Soll / muss / darf die Presse über Schalterhallen berichten, in denen die Leute in meterlangen Schlangen anstehen, um ihr Geld abzuheben?

Ja. Die Frage ist eine des Timings und der Distanz: Wie ein Radioreporter zu rapportieren, was einem die Empfangsdame in der Eingangshalle eingeflüstert hätte, finde ich billige Sensationshascherei. Wenn, wie in diesem Fall, eine Bewegung zum Abfluss der Gelder auszumachen ist, so beginnt eine solche meist schleichend. Und wenn etwas an einer Finanzkrise ganz besonders unkalkulierbar ist, dann ist es der Herdentrieb: Ab wann ist die Bewegung nicht mehr zu stoppen? Für die Medien ist dies eine hohe Herausforderung. Was bedeutet der Informationsauftrag? Die Sorglosen aufrütteln? Oder das Verhalten der Besorgten hinterfragen? „Einfach nur berichten“ funktioniert gar nicht mehr: Es gibt so viele Informationshäppchen, dass schon die Selektion gesteuerte Information bedeutet. Hat ein einziger Journalist gezielt nach UBS-Kunden gesucht und gefragt, die NICHT an der Sicherheit ihrer Gelder gezweifelt haben? Man könnte meinen, es gäbe sie nicht.

Was ich erwarte: Diversifikation. Reportage und Reflexion. Und manchmal, und das ist wohl das Naive daran, auch den Versuch, eine Havarie zu entschleunigen. Man kann z.B. über besorgte Kunden berichten, die ihr Geld abziehen – und gleichzeitig darüber schreiben, was tatsächlich passierte, würde eine UBS Konkurs gehen. Ein positives Beispiel gibt es dazu auch: Der Bundesrat hat über die eigenen Überlegungen zur Krise, über vorbereitete Massnahmen etc. sehr lange sehr wenig gesagt. Und die Presse hat über weite Strecken mitgespielt und dieses Verhalten nicht laut kritisiert. Ich nehme an, dass es Signale gab aus der Führung des Landes, die in diese Richtung um Unterstützung baten, und sie wurden verstanden.
In der Wahl der Themen und in der Art, wie diese angegangen werden, bleiben die Journalisten die Experten – und die Verantwortlichen.

Soll / muss / darf die Presse über jene Banken berichten, die im Geld schwimmen, weil plötzlich alle bei ihnen ihr Geld lagern wollen?

Ja. Sie soll aber auch über die Probleme berichten, die solche Banken haben, um überhaupt dieses Geld anzulegen und sich plötzlich in Anlage-Geschäften zu betätigen, in denen sie keine Kernkompetenzen haben. Und sie soll z.B. darüber aufklären, dass Pensionskassengelder, die aus Konstrukten der 3. Säule der UBS abgezogen werden, unter Umständen vom neuen Hüter des eigenen Altersvermögen genau dort wieder angelegt werden: Die Postfinance z.B. darf, laut eigenen klein gedruckt nachlesbaren Regeln, gar keine Produkte dieser Art selbst auflegen. Sie ist keine Bank. Solches ihr anvertrautes Geld gibt sie – u.a. – an die UBS als Auftragsnehmerin weiter. Ist das jetzt ein Skandal? Nein. Es ist nur ein Beispiel für Desinformation. Und vielleicht zudem eines dafür, dass die UBS selbst nach den Anlagekriterien der Postfinance keine Lotterbude ist.

Die Presse soll z.B. die Problematik beleuchten, die sich ergibt, wenn Kantonalbanken mit umfassender Staatsgarantie mit dem Thema Sicherheit aktiv um Kunden werben: Sollen Wettbewerbsvorteile, die nicht auf eigenem Knowhow, sondern auf Staatsgarantien beruhen, aktiv beworben werden dürfen?

Soll / muss / darf die Presse über meinen Büezer Nachbarn schreiben, der als direkte Auswirkung der Krise seinen Job verloren hat?

Oh ja. Unbedingt! Nicht nur der Büezer liest Zeitung. Der Bankmanager auch. Und die Folgen von Fehlern dürfen nicht blutleer und ohne Gesicht bleiben. Wir alle haben ein Anrecht darauf, dass individuelles Gewinnstreben nicht in dieser Art und Weise auf Kosten anderer geht.

Soll / muss / darf die Presse schreiben, dass jeder Schweizer rund 10′000 Franken an etwas bezahlt, das er freiwillig niemals bezahlt hätte (lieber thinkabout, ich hätte NICHT bezahlt).

Ich vermisse in der Frage die Worte „unter Umständen bis zu“. Ist genau das Thema des letzten Artikels. Ja, sie soll darüber berichten, bei diesen Umrechnungsbeispielen aber genau bleiben. Natürlich ist es störend, dass wir gar nicht gefragt werden und faktisch ja auch gar nicht anders können. Auf letzteres müsste aber mehr eingegangen werden. Man könnte einmal darlegen, was geschähe, die UBS würde tatsächlich illiquid: Die UBS ist in jedes zweite Bankgeschäft in der Schweiz involviert. Sämtliche Geldflüsse würden austrocknen, wie in einem Herzen, in dem kein Blut mehr fliesst, käme es zu einem Infarkt. Wir würden ihn wohl überleben – aber nicht unbeschadet und nicht nur ärmer an Vermögen.

Soll / muss / darf die Presse über die ganz konkreten Auswirkungen schreiben, welche dieser Finanzcrash hatte – auch wenn diese Auswirkungen zum Teil horrend sind und jeden noch einigermassen gelassen gebliebenen Bürger ins nackte Grauen und die Panik stürzen? (Ich bin froh, dass ich nicht in Island wohne!)

Sind die Auswirkungen denn schon abzuschätzen? Was daran ist Prognose, was Realität? Was kann und soll als nächstes getan werden? Dieser Teil der Berichterstattung ist besonders schwierig. Panik? Die ist oft im Zentrum des Hurrikans bereits vorbei. Weil sie nicht weiter hilft. Ich habe aus Island gerade in den letzten Wochen auch manche erstaunlich besonnene Stimme gehört. Die Menschen dort werden mehr zusammen rücken. Sie werden sich auf ihre Ursprünge besinnen, den Gürtel sehr eng schnallen, aber sie werden nicht untergehen. Island könnte in der Geschichte dieses weltweiten Fiaskos als kleiner Kosmos nicht nur Beispiel für das Entstehen der Krise sein, sondern auch die Vorlage für deren Überwindung liefern. Die Zukunft wird es zeigen. Sie wird die Isländer und uns fordern, aber vielleicht auch erden.

Ich frage mich schon längere Zeit, ob mir wirklich alles erzählt wird oder ob da hinter verschlossenen Türen irgendwelche Monster lauern. Es gibt nämlich nicht nur das “Die Leute direkt in die Panik treiben” Schreiben. Es gibt auch noch das “Das schreiben wir besser nicht, weil die Leute sonst ausflippen” Nicht-Schreiben. Das Unbehagen ist da. Und es geht auch nicht so schnell weg.

Es wird bestimmt nicht alles erzählt. Vielleicht kann hier der Stil der Regierung und die Beziehung des Volkes zur Regierung ein bisschen Leitfaden sein. Augenscheinliches Beispiel:
Der Unterschied, wie in Deutschland kommuniziert wird, und wie in der Schweiz. Deutschland ist in einen regelrechten Wettbewerb mit den Euro-Ländern eingetreten: Wer gibt wie schnell welche Garantien ab? Garantien, die in ihrer Konsequenz zu Ende gedacht, kein Staat wirklich leisten kann. Deutsche Minister regieren nie nur. Sie machen immer auch Wahlkampf. Das weiss auch der Bürger – und ist entsprechend skeptisch.

In der Schweiz lief das doch ziemlich anders ab:

Der Bundesrat hat zu den Folgewirkungen eigener Erklärungen ein ganz anderes Verhältnis als ein deutscher Minister. Denn er wird nicht vom Volk gewählt. Er ist dem Parlament verantwortlich und einer überparteilichen Konkordanz verpflichtet. Also sind unsere Chancen viel besser, dass unser Bundesrat tatsächlich regiert. Und darum erklärt er sich viel eher erst dann, wenn er konkrete Massnahmen vorstellen kann. Ja, manchmal kann man bei uns eine richtige Aversion gegen blosse Abichtserklärungen feststellen.  Ein Land mit dieser politischen Kultur kann sich auch eine Presse leisten, die eine Eigenverantwortung wahr nimmt: Wir alle können nicht wissen, wie sehr die Selektion spielt. Aber wir können erwarten, dass unser Unbehagen ernst genommen wird. Und ich denke, wir wünschen uns Medien, die dies im Spannungsfeld zwischen lockender Primeur und fehlender Hintergrundinformationen so hinkriegen, dass wir informiert, aber nicht desinformiert werden.

Und ich denke, wir alle wünschen uns gerade in diesen Tagen Verleger, die wieder mehr ihren eigentlich sehr ideellen Auftrag sehen, mit den Instrumenten der Presse eine uns Lesern, Zuhörern und Zuschauern verpflichtete vierte Macht im Staat zu bilden. Diese Macht, wenn sie denn Macht hat, trägt dann auch eine Verantwortung. Ohne geht es nicht.

Finanzkrise: Sehr beschränkter News-Gehalt

November 26, 2008

Je länger die Finanzkrise andauert, um so klarer wird einmal mehr: Die Qualität der Nachrichten, die nach einem solchen Ausbruch produziert werden, ist höchst durchschnittlich – um es höflich zu formulieren.

Die Medien sind eine Art „Opfer“ des eigenen Flusses, der, reissend geworden, nach und nach jeden mit sich talwärts spült. Kritischer Journalismus ist alsbald nur noch Wadenbeissertum, wobei man im Rudel allenfalls wetteifern mag, wer ein bisschen mehr knurrt als der andere, bevor er beisst.

Manchmal stellt sich dann heraus, dass die bellenden Hunde zwar gebissen haben – aber eher den Falschen, während sich zum System als ganzes niemand den Kopf zerbrechen mag. Das kann in einer solchen Situation allerdings fatale Folgen haben, und die Zeche zahlen jene, die – gezwungen oder freiwillig – in der Öffentlichkeit kommunizieren. Und die Medien tragen dabei unter Umständen zu einem destabilisierenden Ungleichgewicht und damit zu einer Wettbewerbsverzerrung bei.

So habe ich in praktisch allen Medien stets lesen können, dass die Interventionen des Staates bei der UBS Sie und mich, also uns Bürger, mehr als 60 Milliarden gekostet haben – oder, im besten Fall, kosten werden. Schon das Wörtchen „bis zu“ fehlte meistens. Dabei ist Fakt, dass bisher nur rund 6 Milliarden geflossen sind oder besser fliessen sollen (GV der UBS ist erst morgen) – und die mit 12 % verzinst werden.

Also, wenn man mich gefragt hätte, ob ich mich an diesem Darlehen beteiligen wolle, ich hätte liebend gerne und sofort mitgemacht. Fakt ist: In normalen Zeiten würden die Aktionäre ihren Verwaltungsrat psychiatrisch beurteilen lassen, wenn er einem solchen Deal zustimmt. Aber normale Zeiten haben wir tatsächlich nicht.

Weiter weiss niemand, wie hochgradig faul die ausgelagerten Kredite tatsächlich sind. Und das meine ich hier positiv. Sie werden kaum im Ausmass von 60 Milliarden abgeschrieben werden müssen. Darunter dürften sich – zum Beispiel – auch Studentendarlehen befinden. Die sind zwar langfristig zu veranschlagen, haben aber gute Rückzahlungsperspektiven. Überhaupt ist das Wesentliche dieses Deals der Zeitfaktor: Indem diese maroden Kredite aus der Bilanz eines volatilen Geschäftsfeldes heraus gelöst wurden, werden die Chancen verbessert, sie zu retten, statt sie definitiv abschreiben zu müssen. Wer sich Zeit lassen kann, hat mehr Einfluss auf das ideale Timing.

Während eine UBS also im Fokus der Presse stand, weil man sich an den Staat wandte, gingen die Geschäftsgänge der Credit Suisse in der Presse fast unter. Ich bin mal gespannt, wie sich die Situation in ein paar Wochen darstellen wird, würde aber in keinem Fall behaupten, eine Bank wäre „sicherer“ als die andere.

Sicherheit könnte uns aber die nüchterne Einschätzung des ganzen Schweizer Finanzplatzes machen, inklusive der Einsicht, dass es sich die Schweiz nicht leisten kann, auch nur eine der beiden Grossbanken vor die Hunde gehen zu lassen. Dazu gehörte dann aber auch die korrekte Wiedergabe der Fakten, die, ständig aufgeweicht, einen Nachhall in der Bevölkerung behalten, der dramatisiert bleibt.

Dazu passen auch die Episoden um die Frage der Boni:
Ich habe in der Presse sehr viel weniger über sinnvollere Entlöhnungs-Systeme lesen können, als über die Jagd nach Rückzahlung einzelner Super-Ausschüttungen.

Im ersten Fall würde man sich mit konzeptionellen Vorschlägen einer möglichen Kritik aussetzen, im zweiten Fall hechelt man selber „kritisch“ einer Geschichte hinterher, die in einem Schuldigen ein Gesicht hat.

Das illustriert wunderbar das aktuelle Beispiel des UBS-Verwaltungsrates Rainer-Marc Frey, über dessen Haupt ein kollektiver Aufschrei der Presse niederging, gefolgt von der Empörung aller Bürger und Blogger: Was für ein Beweis mangelnden Vertrauens, wenn der Verwaltungsrat Aktien „seiner eigenen“ Bank verkauft!

Das war in der Tat unklug und ein schlechtes Signal. Dabei ging aber unter, dass Frey alle seine Aktienbestände verkaufte, nicht nur UBS, und der Entscheid auch viel mit der Situation seiner eigenen Finanzfirma Horizon21 zu tun haben dürfte, die komplett mit Eigenmitteln finanziert wird. Und auch in Herrn Freys eigener Schatulle dürfte in diesen Monaten die Schwindsucht zu Besuch gekommen sein.

Alle diese Beispiele besagen eines:

Es ist nicht falsch, Missstände anzuprangern und solche Transaktionen zu geisseln. Es fehlt aber das Hinterfragen, das Nachhaken und Nachbohren. Es ist für uns normalen News-Konsumenten nicht nur deshalb schwierig, die Substanz von Nachrichten zu gewichten, weil die Vorgänge tatsächlich sehr komplex sind, sondern auch deshalb, weil immer weniger Energie in die Ergründung der Ursachen fliesst.

In Zeiten, wie wir sie jetzt erleben, wirkt die Presse daher oft wie ein zusätzlicher Brandbeschleuniger. Überhaupt macht sich die Presse für „ein bisschen guten Stoff“ viel zu leichtfertig zum Instrument von Spekulanten und Manipulatoren an den Börsen, wo sehr viel vom Schüren oder Dämpfen der Erwartungen abhängt.

Was also ist von der weiteren Finanzkrise wie von der Presse zu erwarten?

Schöner Schimpfen im Internet

November 24, 2008

Ich schaue nur noch selten bei Facts 2.0 rein, aber gefühlt jedes zweite Mal, wenn ichs tue, haben die Top-Themen dort irgendwas mit bösen anonymen Bloggern zu tun.

Der heutige Artikel des Tages (laut Facts: „Autor: Oliver Reichenstein“) ist ein schönes Beispiel für tendenziöse Berichterstattung und Angstmache: Schüler, die ihrem Frust über einen Lehrer Luft machen in einem Atemzug zu nennen mit Kriminellen ist in etwa so, als behauptete man, die Zahl der Schwarzfahrer und Raubmörder sei in der letzten Zeit angestiegen, deshalb fordere man härtere Strafen für diese Art von Verbrechen.

2. verzerrt der Artikel völlig die Verhältnisse: Nicknames gehören traditionell zur Internet-Community-Kultur und die allermeisten Nickname-User sind genauso unproblematisch wie die meisten Realname-User.

Die Forderung von Journalisten nach Realnamen-Zwang im Netz erinnert mich immer an an diese Szene im Supermarkt aus einem Film mit Loriot: „Mein Name ist Lohse. Ich kaufe hier ein.“
Was ist also das wirkliche Problem?
Dazu ein kleiner Test:

Snoopydog1984 says: „Blocher ist eine Knallcharge.“

Kevin-Malte Würstlimann schreibt: „Blocher ist eine Knallcharge.“

Was ist der Unterschied?

Die Antwort ist dieselbe wie die auf die Frage nach dem Weihnachtsmann: Es gibt keinen.
Das Problem anonymer Beleidigungen liegt nicht in der Anonymität sondern in der Beleidigung.

Voser ist realistisch: „Ohne Registraturmassnahmen werden die Delikte massiv zunehmen.“ Nach dem Willen der Strafverfolger dürfte nur noch Fernmeldetechnik auf den Markt kommen, „die überwachbar ist“. (…)
„Zudem“, so Voser weiter, „wären Technologien zur Verfügung zu stellen, die effiziente Direktüberwachungen der Kommunikation über Internet und Mobiltelefonie ermöglichen und die nicht schon deshalb nicht einsetzbar sind, weil sie wegen prohibitiver Kosten nicht bezahlt werden können“. (Zitat aus:  http://onlinereports.ch/News.109+M5bd174eaee5.0.html )

Man will also alle Computer und Handys überwachen?

Richtig so, wenn schon, dann muss man Big Brother richtig anpacken!
Aber damit ist es ja lange nicht getan.
Ich persönlich beispielsweise schimpfe nicht nur im Blog und ins Handy, sondern auch ganz privat über Politiker. Auf dem Klo zum Beispiel. Mitunter minutenlang!

flashfrog*

*Der Name der Verfasserin dieses Artikels ist O.R. bekannt.

Noch einmal Glück gehabt!

November 20, 2008

Als Grenzregiönlerin hat man ja ganz andere Probleme als die Städter im Herzen der Schweiz. Vor allem wenn man an der Grenze zum Fürstentum Liechtenstein lebt, diesem Kleinstaat mitten in Europa, der so klein ist, dass die Schweizer Armee schon mal zu spät gebremst und sich zu ihrem Erstaunen plötzlich mitten im Feindesland gefunden hat.

Zwar reden die „ennet dem Rhein“ (beinahe) wie wir, bezahlen mit dem gleichen Geld, besuchen unsere Berufsschulen, kaufen bei uns ein, arbeiten bei uns usw., aber sie sind halt doch „das Ausland“.  Und weil die mit der EU ein anderes Abkommen haben als wir, wurden wir Rheintaler zur Schengen-Aussengrenze. Etwas erstaunt lasen wir von Grenzhäuschen, Grenzposten und was es da noch alles an Trennendem und Kontrollierendem gibt. Ein paar von uns überlegten sich schon, in Zukunft schwimmenderweise (über den Rhein) ins derart abgeschottete andere Land zu gelangen, die meisten aber übten sich in Gelassenheit. Wo man seit Jahrzehnten einfach über die Brücke fährt, radelt, skatet, joggt, spaziert, würde es schon keine Schlagbäume geben. Zwar kamen ein paar Politiker die Sache anschauen, zwar wurden ein paar ernste (aber nicht unbedingt ernstzunehmende) Sätze gesprochen, aber nicht wahr, wir würden einfach weiterhin fahren, radeln, skaten, joggen und spazieren.

Jetzt ist auch offiziell eine Entwarnung gekommen. Beinahe jedenfalls. Es wird keine Grenzhäuschen auf den Rheinbrücken geben – dafür werden wir jetzt alle gefilmt, wenn wir über die Grenze fahren, radeln skaten, joggen und spazieren. Und vielleicht begegnen wir dann und wann einer mobilen Patrouille. Aber die kann man ja freundlich grüssen. Und seien wir froh, wird es beim Gruss bleiben, denn die guten Nachrichten seien für einmal zuletzt verkündet: Wir brauchen kein Visum! (Von Schutzimpfungen hat auch noch niemand gesprochen …) Da haben wir ja noch einmal Glück gehabt.

Abstimmung: Welches Bild soll unser neues Beiz-Bild werden?

November 19, 2008

Damit das blaue Rechteck da oben endlich mal verschwindet und es ein bisschen gemütlicher wird in unserer kleinen Stammbeiz, brauchen wir ein schönes Headerbild.

Danke an alle, die sich an dem Aufruf beteiligt und Vorschläge eingesandt haben!

Wichtig bei dem Bild ist, dass das Urheberrecht eindeutig geklärt ist und das Format passt. Diesen Kriterien entsprechend habe ich eine kleine Vorauswahl getroffen über die nun von allen Beiz-Usern abgestimmt werden kann.

Abstimmen darf: jeder Beiz-Autor und jeder Beiz-Kommentator.

Die Abstimmung ist offen bis Dienstag, den 25.11.2008 19:00 Uhr.

Und hier sind die Nominierten:

Nummer 1

Nummer 1

Nummer 2

Nummer 2

Nummer 3

Nummer 3

Nummer 4

Nummer 4

Nummer 5

Nummer 5

Edit: Uertner hat zu Recht auf das Problem hingewiesen, dass die Abstimmung per anonymem Poll manipulationsanfällig ist.
(Das Polldaddy-Verfahren blockiert weitere Abstimmungsversuche mit Hilfe von Cookies: Man kann also mehrmals abstimmen, aber die Stimme wird nur beim 1. Mal gezählt. Möglicherweise ist dadurch der Eindruck entstanden, man könne mehr als einmal voten, was aber nicht der Fall ist. Wer allerdengs seine Cookies ausschaltet oder löscht, kann tatsächlich mehrmals abstimmen.)

Der Tranparenz wegen möchte ich euch deshalb bitten, eure Stimme in den Kommentaren zu diesem Blogpost abzugeben und bitte nur für 1 Bild zu stimmen, damit wir ein eindeutiges Ergebnis bekommen.

Und falls ihr bereits in dem Poll-Dings abgestimmt habt, dies bitte noch einmal in den Kommentaren namentlich zu tun.

Eine kleine Begründung für eure Wahl wäre schön, ist aber keine notwendige Bedingung.

Unbeackertes Land – Weisse Flecken auf der Karte von News1

November 19, 2008

Die Online-Plattformen der Medien scheinen sich schwer zu tun. Newsnetz hat den Kampf gegen die Seichtigkeit und anonyme Kommentierer verloren, News1 weist unschöne weisse Flecken auf der Landkarte auf.

Wegen dieser weissen Flecken habe ich News1 nicht ganz so kürzlich eine Mail geschrieben. Gestern bekam ich eine Antwort, in der man sich für die etwas späte Antwort entschuldigte, sich für mein Feedback bedankte und schrieb: „Wir werden diese in die Zusammenfassung der Resultate der Beta-Phase einfliessen lassen.“

Nun, gestern dachte ich noch, man hätte ganz konkret mein Feedback damit gemeint (=mein Lokalzeitung W&O, die auch zur Südostschweiz gehört, zu berücksichtigen und deren Beiträge hochzuladen), aber heute bin ich nicht mehr so sicher. Vielleicht war das ja nur ganz allgemein eine allgemeine Antwort (das doppelte „allgemein“ ist hier Absicht).

Gestern, als ich noch meinte, mein Anliegen werde berücksichtigt, habe ich mich gleich eingeloggt bei News1. Unter Südostschweiz fand ich kümmerliche vier oder fünf Nachrichten, unter St. Gallen gar keine, schon gar keine aus meiner Region. Auf der Landkarte herrschte im Rheintal / Kanton St. Gallen gähnende Leere. Heute, schon ein weniger naiv als gestern, fand ich das gleiche Bild. Null Texte aus dem Bereich St. Gallen.

Entweder ist mein Computer kaputt oder da wird man sich noch etwas einfallen lassen müssen. Meine Anschlussmail an die Antwort von gestern ist auf jeden Fall schon unterwegs zu News1.


Der Kommentar des Tages

November 18, 2008

Jetzt komme ich – kusch – zur Tageswende noch mit einer Kleinigkeit. Aber dieser Kommentar verdient eine Prämierung, in seiner ganzen Kürze:

Ein gewisser Herr Rainer Bulschidt (ein absolut, wenn auch unnötig selbstkritischer Klarname…)

Ich bin für Nacktscanner in Blogkommentaren.

gelesen beim Journalistenschredder in einer mehr als angebracht kritischen Betrachtung einer Journiblase des Tagi.

Nach Hause schwimmen

November 18, 2008

Nein, es ist nicht so, dass Nachrichten grundsätzlich einen bis zwei Tage verspätet im Rheintal eintreffen. Der Grund, weshalb dieser Artikel ein bisschen wie die alte Fasnacht dem Geschehen hinterherhinkt, ist ein einfacher: Während Rolf Lappert den Schweizer Buchpreis gewonnen  und ihm der Adolf Muschg dabei die Show gestohlen hat, war mein schreibendes Alter Ego auf dem Weg zu Lesungen in Innsbruck.

Das schreibende Alter Ego konnte das ganz gelassen tun, denn es war nicht shortgelistet. Aber auf der Liste war es – und zwar auf der jekami-Liste aller Nomminierten. Chancen hat sich das Alter Ego keine ausgerechnet, aber es war schon ein absolut tolles Gefühl, mit Leuten wie Lukas Bärfuss und Peter Stamm überhaupt auf einer Liste zu stehen.

Zurück zu Innsbruck und den Lesungen. Mein Alter Ego schreibt Jugendromane und liest folgedessen vor Jugendlichen. Ja, genau, diese schrecklichen Zeitgenossen, die nicht mehr lesen, deren Sprache den Bach runtergeht, die keine Ahnung von gar nichts mehr haben und schon gar nicht von Literatur.

Gell, denn letzten Satz haben Sie mir hoffentlich nicht abgenommen. Er ist nämlich total verkehrt. Wenn mein Autorinnen-Alter-Ego vor 15, 20, 70 oder (wie kürzlich) gut 150 Jugendlichen liest und vom Schreiben erzählt, geniesst es volle Aufmerksamkeit. Es bekommt interessante, spannende Fragen zu hören. Wenn es Fragen an die Zuhörer stellt, bekommt es ebenfalls interessante und spannende Antworten zu hören. Und: Ja, Jugendliche lesen durchaus (nicht alle, aber es lesen auch nicht alle Erwachsenen!). Nein, die Sprache geht nicht den Bach runter, sie verändert sich – genau so, wie sie sich immer verändert hat. Glauben Sie mir, Jugendliche haben von sehr viel eine Ahnung – nicht vom Gleichen wie Erwachsene, aber sie wissen nicht wenig(er). Und ja doch, sie wissen schon etwas über die Litertur. Sie mögen den Muschg nicht kennen, aber sie kennen andere. Und sie kennen – nebst einigen Klassikern – solche, die erwachsene Leser, die zu heftig in der „ernsthaften“ Literatur verhaftetet sind, nicht kennen. Fantasyautoren. Vampirromanautorinnen. Thrillerautoren. Liebesromanautorinnen …..

Um ein Beispiel zu geben: Da verglich doch gestern eine der 17-jährigen Zuhörerinnen – die übrigens selber auch schreibt – den „kleinen Prinzen“ mit einem Roman meines Alter Egos. Sprachlich und inhaltlich. Und das coole daran: Es ging um Literaturpreise. Denn: Einer der Zuhörer hatte gefragt, ob mein Alter Ego denn auch gerne einmal einen Literaturpreis gewinnen möchte. Mein Alter Ego stellte eine Gegenfrage: „Möchte jemand von euch keinen Preis gewinnen?“ Keine einzige Hand ging nach oben und auch die Hand meines Alter Egos blieb unten.

Womit wir definitiv wieder bei den Literaturpreisen sind. Ich finde sie gut. Sie stellen Bücher und Geschichten ins Scheinwerferlicht. Sie bringen Gewinner wie den Rolf Lappert hervor, der mir – obwohl ich sein Buch noch nicht gelesen habe – durch seine Art zu leben imponiert. Ich hätte ihm die Aufmerksamkeit gewünscht, die er verdient hat. Ich hätte den anderen Autoren auf der Shortlist ein wenig mehr Licht gewünscht, aber sie alle standen im Schatten jenes Autoren, dem es im letzten Moment eingefallen ist, dass so ein Preis ja nicht das Wahre sein kann, und der deshalb seinen Text in allerallerletzter Minute und sehr publikumswirksam zurückgezogen hat. Und deshalb erinnere ich Sie gerne noch einmal an diese Autoren:

Lukas Bärfuss, „Hundert Tage“
Anja Jardine, „Als der Mond vom Himmel fiel“
Peter Stamm, „Wir fliegen.“

Der Siegertitel von Rolf Lappert heisst „Nach Hause schwimmen“. Die Geschichte klingt verlockend und ich werde mir das Buch kaufen.

Mein Alter Ego ist übrigens nicht nach Hause geschwommen. Es hat die Bahn genommen.

50 Artikel, 100 Tags, 200 Kommentare – in eigener Sache

November 18, 2008

Liebe Beizianer,

drei kleine Jubläen gibt es heute zu feiern in der Beiz.

Ganz besonders danken möchte ich deswegen an dieser Stelle Thinkabout, der mit seinem Engagement und seinen Ideen immer wieder neue Anstösse gibt, diesen Blog zu verbessern, und unseren anderen aktiven Beiz-Autoren zappadong, Mara und tschagrun!

Und natürlich auch all unseren kritischen, witzigen, nachdenklichen, hinterfragenden, ungehaltenen, versöhnlichen,  phantasievollen, unverfrorenen, nicht lockerlassenden Kommentatoren!

Schön, dass ihr hier seid.

Blocher ruft aus einem andern Wald

November 16, 2008

An unseren ersten Informanten ergeht hiermit der vertrauliche Hinweis, dass unser baldige neue alte Landesvater Christoph Blocher mittlerweile den Wald gewechselt hat. Er schreibt seine Nachrichten jetzt auf die Ränder des Hallauer Kirchenblattes, geschätzte und von Bruder Gerhard gehortete Alt-Ausgaben aus vergangenen Zeiten und nur schon deswegen von unschätzbarem Wert. Bruder Gerhard versorgt ihn mit Schüblig, hauptsächlich ernährt er sich aber von Darbellay-Statements, die er einem tarngrünen Kofferradio entnimmt, dessen Antenne in der Nähe der deutschen Enklave/Exklave, so sicher ist sich da der Christoph zuweilen gar nicht, den Äther der Verderbnis anzapft. Es ist sehr früh dunkel und saukalt, aber Christoph wird durchhalten, da können wir Gift drauf trinken.

Die Meldung an seine Zürcher Genossen, dass er sich vor einer Bundesrats-Kandidatur nicht drücken würde, sollten die Zürcher zum Ergebnis kommen, ihnen fehle ohne ihn jede Erleuchtung, dieses heroische, selbstlose Bekenntnis zum Wohl der Schweizer Leidgenossenschaft schmuggelte der Stabsoffizier der Partei, Christoph Mörgeli, völlig unverdächtig in seinen Kniestrümpfen, die er auch zum Schlafen nicht ablegt (warme Socken fördern die Durchblutung und erleichtern so das Denken) in einem verwegenen Akt mitten durch das Feindesland von Jestetten nach Zürich.

Und darum können wir jetzt alle sagen: Wir haben es schon immer gewusst:

Einer Nominierung werde ich mich nicht widersetzen.

Es gibt nichts zu verzichten [auf mich schon gar nicht].

Man will mich zu einem Verzicht drängen, um die SVP, also Euch, liebe Brüder zu schwächen.

Zumindest Bruder Gerhard ist begeistert. Und bastelt in diesen Tagen die Voodoo-Puppe Darbellay fertig. Die extra langen und spitzen Nadeln, die ihm seine Schwägerin geschickt hat, liegen schon bereit.