Archive for 2. November 2008

Printmedien online und ihr Blogger-Bashing

November 2, 2008

Den aktuellen Beitrag von David Bauer in der Sonntagszeitung mag ich eigentlich gar nicht analysieren. Aber er erneuert ein paar grundsätzliche Fragen, die ich an die Holzmedien hätte.

  1. Wie kann es sein, dass Holzmedien auf ihren Online-Portalen sich immer wieder über die mangelnde Qualität von Blogs auslassen? Dafür, dass Blogs unerheblich sind, wird über das Phänomen der Blogs ziemlich viel geschrieben…
  2. Ist es ehrlich, Blogs fehlende eigene Themen und mangelnde Recherche vorzuwerfen, wenn es umgekehrt kein Holzmedium der Rede wert findet, über Dinge zu berichten oder selber zu recherchieren, die Blogs beschäftigen und von ihnen auch aufgegriffen werden? Das Beispiel Facts2.0 ist ein wunderbares Beispiel, das den Verdacht nahelegt, dass man in kritischen Blogs nur pinkelnde Hunde sieht, die bei nächster Gelegenheit, wenn sie noch mehr Auslauf kriegen, womöglich den eigenen Garten heimsuchen könnten.
  3. Wenn Bloggern mangelnde Professionalität vorgehalten wird, wie kann es umgekehrt sein, dass sich Online-Portale von Printmedien regelmässig anderer Quellen bedienen, diese bestenfalls knapp erwähnen oder zumindest andeuten, aber ganz sicher nicht korrekt verlinken? Während sich Blogger nicht scheuen, Traffic zugunsten anderer Blogger zu generieren, scheuen Onlie-Portale von Zeitungen den Click auf die verlinkte Quelle und damit „weg“ vom eigenen Artikel wie der Teufel das Weihwasser. Souveränität und Kundendienst sieht anders aus.
  4. Wie fein ist es, einem Online-Artikel über Blogs keine Kommentarmöglichkeit zu geben und damit Blog-Kultur zu bashen, aber jede Kritik am eigenen Erzeugnis im Haus selbst zu unterdrücken?

Fazit: So, wie wir gewisse Mechanismen der Journi-Welt in Printverlagen und in deren Online-Ablegern nicht verstehen mögen, so besteht umgekehrt ein hartes Brett vor dem Kopf und den Fenstern der Web-Journalisten, das den Durch- oder auch nur Anblick der Blogszene verhindert: Das Brett heisst Ignoranz. Über Toleranz müssen wir schon gar nicht reden.

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Bla-Bla-Journalisten vs. Blogger

November 2, 2008

Eigentlich sollte man dazu ja nix mehr schreiben, das Thema ist sowas von abgekaut. Die Bla-Bla-Journalisten, auch genannt Medienwichser (TM Peter Hogenkamp), versinken anscheinend reflexartig immer, wenn ihnen so rein gar nichts Gescheites mehr einfällt, um das eigene Dasein zu rechtfertigen, in Bloggerbashing. Idiotensichere Strategie, um in den Blogs ein bisschen Aufmerksamkeit geschenkt zu bekommen.

So schreibt David Bauer in der SonntagsZeitung:

„Man muss bis Rang 101 der meist gebloggten Begriffe gehen, um abseits des Mainstreams zu landen: bei «Thinkabout», einem Blogger.“

Was für eine bestechende Logik: Man sucht nach den statistisch meistdiskutierten Themen und stellt fest, dass sie die statistisch meistdiskutierten Themen sind. Man moniert also, dass sich unter den dicksten Fischen im See so wenige Sardinen befinden.

Zweiter Fehler: Private Blogs zu vergleichen mit professionellen Seiten, etwa von Holzmedien, die es auf einmal schick finden, das Blogformat als Vehikel zu benutzen, ist ungefähr so wie privaten Sex mit Professionellem zu vergleichen und festzustellen, dass es bei Letzterem mehr Traffic gibt.
Über die jeweilige Qualität sagt das nur sehr bedingt etwas aus.

Es gibt durchaus interessante Blogs in der Schweiz. Beispielsweise all diejenigen, die bei Facts 2.0 nicht mehr aggregiert werden. Waren den Facts-Redaktoren wohl zu mainstreamig gewesen… 😉

Update: Auch in unserem Lieblings-Blogazensier -Newsaggregier-Portal ist der Artikel von David Bauer ganz oben (aufgeschaltet von einem User namens „Redaktion„). Fein, wie man dort für ehemalige Mitarbeiter sorgt.

Oliver Reichenstein kommentiert ihn dort auch gleich:

Ein Schweizer Blog kommt unter Aufbietung enormer schreibender und zeitlicher und marketingtechnischer Kraefte auf etwa 60 Leser pro Tag.

Wow! Da scheinen wir in der Beiz ja eine wahnsinnsmarketingtechnische Arbeit zu leisten! Und das schon nach nur 3 Wochen Blog-Betrieb! Und das Tolle ist: Unsere Leser kommen sogar wieder! Und da bin ich auch ein bisschen stolz drauf.  Zugegeben. Ich lasse mich trotzdem ungern einen „jämmerlichen Lügner“ schimpfen:

Die Behaupung, dass es nicht draufankomme, wieviel Traffic man habe, ist bei dem ganz ganz offensichtlichen Trafficfishing und dem althergebrachten Narzissmus, der jeden(!) Schreiber–wenn auch nicht immer gleich selbstreflektiert–antreibt, nichts anderes als eine jaemmerliche Luege.

aber, lieber Oliver, es kommt mir wirklich nicht darauf an wie viele Leute sich versehentlich durch einen zufälligen Googleklick in unseren kleinen Blog verirren.  Sondern, dass die richtigen Leute kommen. Und wiederkommen. Und kritisch hinterfragen, Diskussionen anstossen, bei denen am Ende alle ein kleines bisschen schlauer sind als vorher. Denn wenn man nur mit Leuten redet, die eh so denken wie man selbst, dann lernt man ja nichts dazu.

Über Treue und Vertrauen

November 2, 2008

Da werden also gewissen (den „besten“) UBS Kundenberatern die Saläre um 10 Prozent angehoben, „damit sie der Bank treu bleiben.“

Ich altmodischer Dödel dachte immer, treu bleibe man jemandem aus Überzeugung, nicht aus finanziellen Gründen. Wenn nun jemand nur (noch) zu halten ist, wenn man ihm mehr Geld anbietet, folgere ich daraus, dass er sonst gehen würde, da ihm die Überzeugung fehlt. Die Überzeugung, für den richtigen Arbeitgeber zu arbeiten. Sprich, er hat kein Vertrauen in seinen Arbeitgeber.

Umgekehrt ist auch gefahren: Wenn ein Arbeitgeber glaubt, seine Arbeitnehmer nur noch mittels finanziellen Anreizen halten zu können, dann traut er ihrer Überzeugung nicht (mehr).

So etwas nenne ich ein sehr gestörtes, wenn nicht gar nicht vorhandenes Vertrauensverhältnis.

Und wir alle, die wir mit unseren Steuern diese Bank finanziell unterstützen, sollen dieser Bank das schenken, was offensichtlich in den eigenen Reihen nicht (mehr) vorhanden ist: Vertrauen.

Oha lätz!