Bla-Bla-Journalisten vs. Blogger

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Eigentlich sollte man dazu ja nix mehr schreiben, das Thema ist sowas von abgekaut. Die Bla-Bla-Journalisten, auch genannt Medienwichser (TM Peter Hogenkamp), versinken anscheinend reflexartig immer, wenn ihnen so rein gar nichts Gescheites mehr einfällt, um das eigene Dasein zu rechtfertigen, in Bloggerbashing. Idiotensichere Strategie, um in den Blogs ein bisschen Aufmerksamkeit geschenkt zu bekommen.

So schreibt David Bauer in der SonntagsZeitung:

„Man muss bis Rang 101 der meist gebloggten Begriffe gehen, um abseits des Mainstreams zu landen: bei «Thinkabout», einem Blogger.“

Was für eine bestechende Logik: Man sucht nach den statistisch meistdiskutierten Themen und stellt fest, dass sie die statistisch meistdiskutierten Themen sind. Man moniert also, dass sich unter den dicksten Fischen im See so wenige Sardinen befinden.

Zweiter Fehler: Private Blogs zu vergleichen mit professionellen Seiten, etwa von Holzmedien, die es auf einmal schick finden, das Blogformat als Vehikel zu benutzen, ist ungefähr so wie privaten Sex mit Professionellem zu vergleichen und festzustellen, dass es bei Letzterem mehr Traffic gibt.
Über die jeweilige Qualität sagt das nur sehr bedingt etwas aus.

Es gibt durchaus interessante Blogs in der Schweiz. Beispielsweise all diejenigen, die bei Facts 2.0 nicht mehr aggregiert werden. Waren den Facts-Redaktoren wohl zu mainstreamig gewesen… 😉

Update: Auch in unserem Lieblings-Blogazensier -Newsaggregier-Portal ist der Artikel von David Bauer ganz oben (aufgeschaltet von einem User namens „Redaktion„). Fein, wie man dort für ehemalige Mitarbeiter sorgt.

Oliver Reichenstein kommentiert ihn dort auch gleich:

Ein Schweizer Blog kommt unter Aufbietung enormer schreibender und zeitlicher und marketingtechnischer Kraefte auf etwa 60 Leser pro Tag.

Wow! Da scheinen wir in der Beiz ja eine wahnsinnsmarketingtechnische Arbeit zu leisten! Und das schon nach nur 3 Wochen Blog-Betrieb! Und das Tolle ist: Unsere Leser kommen sogar wieder! Und da bin ich auch ein bisschen stolz drauf.  Zugegeben. Ich lasse mich trotzdem ungern einen „jämmerlichen Lügner“ schimpfen:

Die Behaupung, dass es nicht draufankomme, wieviel Traffic man habe, ist bei dem ganz ganz offensichtlichen Trafficfishing und dem althergebrachten Narzissmus, der jeden(!) Schreiber–wenn auch nicht immer gleich selbstreflektiert–antreibt, nichts anderes als eine jaemmerliche Luege.

aber, lieber Oliver, es kommt mir wirklich nicht darauf an wie viele Leute sich versehentlich durch einen zufälligen Googleklick in unseren kleinen Blog verirren.  Sondern, dass die richtigen Leute kommen. Und wiederkommen. Und kritisch hinterfragen, Diskussionen anstossen, bei denen am Ende alle ein kleines bisschen schlauer sind als vorher. Denn wenn man nur mit Leuten redet, die eh so denken wie man selbst, dann lernt man ja nichts dazu.

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8 Antworten to “Bla-Bla-Journalisten vs. Blogger”

  1. zappadong Says:

    Der Verfasser des Artikels ist halt (im Gegensatz zu uns unbedeutenden Bloggerwürstchen) aufgestiegen. Vom Blogger über eine Newsplattform zur Sonntagszeitung. Oben angekommen, wagt er einen Blick (im Zorn? Im Frust?) zurück. Die Frage ist, was er damit bezweckt.

    Als ehemaliger Blogger sollte er wissen, dass sein Artikel bei selbstbewussten Bloggern höchstens ein Gähnen oder ein Mitleidslächeln auslöst.

    Als Mitlied einer Newsplattform, der soeben von vereinigten Blogger(würstche)n ein skandalöser Eingriff in das Privatleben von Usern nachgewiesen wurde, sollte er wissen, dass auch Blogger ihre eigenen Stories finden und bekanntmachen.

    Als Autor der Sonntagszeitung sollte er sich im Angesicht der Karrikatur, die über dem Artikel steht, in Asche wälzen und sich vor Scham in ein Erdloch verkriechen. Dort hat er dann auch Zeit, über den Inhalt seiner Schreibe nachzudenken.

    Also: Wozu die Aufregung? Da schlachtet ein neues Redaktionsmitglied seine Vergangenheit aus, „plöfft“ ein wenig mit seinen Blogkenntnissen (meine Güte, er kennt tatsächlich thinkabouts Blog! – wie er den Bugsierer übersehen konnte, ist mir ein – nicht ganz so grosses – Rätsel) und wirft ein wenig mit Schmutz um sich.

    Nächstes Thema bitte. Das hier stinkt nämlich wie ein toter Fisch nach zwei Wochen.

  2. thinkabout Says:

    Liebe Frau Zappadong,
    nun, es ist ja nicht so, dass er Thinkabouts Blog gefunden hat – den kennt er ja schon, ob er nun will oder nicht. Sondern eine Statistik, die er aufgestöbert hat, erwähnt mein Blöglein. Wie, wird einem nicht so wirklich klar, wenn man den Artikel liest. Und der Herr Dr. Bugsierer wird es verschmerzen können – denn auch dieses Blog kennt der Herr Bauer sehr wohl.
    Eigentlich finde ich ja, dass DB ein Journalisten-Talent ist. Das könnte er allerdings auch ohne Bloggerbashing bleiben oder gar mehr draus machen. Interessant wäre doch, er würde mal die Holz-Zunft fragen, woran es denn liegen könne, dass sich diese so einschiesst wie sie es tut. Aber dazu gibt es hier gleich noch einen separaten Eintrag.

  3. pixelfreund.ch » Archiv » An alle Journalisten Fuzzis, die es noch immer nicht begriffen haben. Says:

    […] darum ist es absolut müssig und unrelevant, die Blogger mit den Journalisten zu vergleichen. Flashfrog bringt es perfekt auf den Punkt: Private Blogs zu vergleichen mit professionellen Seiten, etwa von […]

  4. zappadong Says:

    Nicht wenige Leute (Blogger) haben zu diesem Thema ziemlich spannende und gute Dinge geschrieben. Den allerbesten Beitrag zum Thema fand ich auf „unkultur“: http://unkultur.blueblog.ch/walk-the-line/die-vorteile-des-daseins-als-langweiliger-blogger.html

  5. Frau Müller Says:

    Wunderbar, wieviele kluge, witzige und pointierte Repliken dieser schmalbrüstige Artikel von David Bauer auszulösen vermag. Wenn ich in der SonntagsZeitung schon nichts zum Nachdenken, zum Lachen und zum Mir-merken-müssen finde, dann wenigstens in den Blog-Beiträgen und -Kommentaren darauf.

  6. zappadong Says:

    Ebenfalls eine Klasse für sich:

    http://www.bruderbernhard.ch/latriperie/?p=45

  7. Blogs haben ihre eigene Kultur! « beiz 2.0 Says:

    […] ich bin immer wieder erstaunt, wie lebendig und pointiert die Blogger-Reaktionen auf Print-Artikel über Blogs sind (Vorsicht, die SZ stellt Artikel i.d.R. nur einen Monat online […]

  8. flashfrog Says:

    Und um die Sache vollends zu verkomplizieren: Es gibt ja auch Hoolzmedien-Journalisten, die Artikel, die zu wenig mainstreamig sind, um in den herkömmtlichen Medien abgedruckt zu werden, dann eben bloggen. Ein solcher war bis vor Kurzem in der Beiz zu besichtigen…

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