Was einen so bewegt, beim lesen

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Wenn 1000 Leute schreiben, ich bin mir sicher, gibt es zwar 1000 unterschiedliche Texte, aber sicher nicht 1000 unterschiedliche Themen und Meinungen. Es gibt den Mainstream, für den sich scheinbar alle interessieren, – und daneben ein paar Abweichler.

Und wenn dann diese 1000 Texte von, sagen wir mal, 10.000 Leuten gelesen wird. Dann schält sich heraus was ganz besonders Mainstream wird. Eben das was die meisten lesen wollen.

Wenn man also die Qualität von hippen und vielfrequentieren Webseiten bewerten will, oh mich schauderts, und dann frustriert den Seiten attestiert wird, dass früher mal alles besser war (oder alternativ in anderen Ländern) dann wirkt das auf mich wie ein Fingerzeit zurück. Gelesen wird, was gefällt. – der Rest grumpfelt irgendwo in seinem Dasein herum. Der Niedergang eines Mediums ist der Niedergang der Lesekultur. Womit wir wieder beim „früher war alles besser“ sind.

Darf ich für mich die Schuldigen anprangern? Naja, ich darfs, liest ja angeblich auf diesem kleinen Blog eh keiner. Es ist eine Frage der Lesegewohnheiten. Wer morgens Häppchenkost umsonst serviert bekommt verliert die Geduld und Konzentration für lange und schwere, aber gute Kost. (Ich weiss, auch das ist keine neue Erkenntnis, aber wer kann schon immer und stetig Neues denken). Die Welt in drei Sätze zu packen ist automatisch oberflächlich. Wer nur noch Stückwerk aufnimmt, hier ein Bröckchen, dort eine News zu einem völlig anderen Thema, verliert den Blick für das Ganze. Wenn alles aktuell und sofort berichtet werden muss und es nur noch auf das Wann und nicht mehr Wie ankommt, nimmt man sich nicht die Muse genauer hinzuschauen. Und wer liest schon gerne in einem Spiegel von letzter Woche. Geht das denn – interessiert das noch jemand?

Ich bekenne, auch ich schmeisse die Zeitungen von gestern, ab und zu mal ungelesen, am nächsten Tag weg. Ich lese auch gerne in der Tram den neuesten Gossip und ja, ich zwinge mich den kleingedruckten ganzseitigen Artikel über eine Provinz in China zu lesen von der ich früher noch nie gehört habe, wohin ich nie fahren werde und deren Namen wahrscheinlich nicht einmal die chinesische Führung richtig aussprechen kann. Und ja, diese für mich neue Welt ist spätestens ab der 10ten-Zeile spannend und wichtig, kurzweilig und superschnell zu lesen. Und ja, wow, danach fühle ich mich wirklich wie ein Mensch auf Erden.

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4 Antworten to “Was einen so bewegt, beim lesen”

  1. Thinkabout Says:

    ich möchte eigentlich sagen: Willkommen, Mara! Aber im Grunde heisst ja Du UNS willkommen in Deinen Gedanken. Und ich bin sicher, es werden sich viele willkommen und angesprochen fühlen. Schön, dass Du da bist.

  2. zappadong Says:

    Dem schliesse ich mich an. Ist gemütlich hier in der Beiz.

  3. Mara Says:

    Danke….würde ja jetzt gerne angesichts von Gemütlichkeit für was warmes plädieren..aber für nen Grog isses mir fast noch ein wenig zu warm..;-)

  4. Bruder Bernhard Says:

    Hallo Mara. Find ich toll, wie die Beiz Zwei Null sich ausbreitet!!!

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