Warum Printmedien Kunden verlieren

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Thinkabout hat das Thema in seinem Kommentar zu „verraten und verkauft“ angesprochen und mir sind auf Anhieb ein paar (persönliche) Gründe eingefallen.

1. Viele Printmedien-Abonnenten sind auch im Netz zu Hause. Wenn sie dann auf der Online-Plattform das Gefühl haben, veräppelt zu werden, dann vergeht ihnen die Lust am Printmedium. Zwei aktuelle Beispiele: Der Blogger-Artikel in der SZ und der Artikel über Blogger Leuenberger, in dem ganz bewusst eine Antwort unterschlagen wird, welche alles in ein etwas anderes Licht taucht. Da frage ich mich dann langsam, aber sicher, ob das auch bei anderen Artikeln so ist.

b) Die Kundenanrufe an zukünftige und bestehende Abonnenten zeugen von einem nicht oder kaum vorhandenen Fingerspitzengefühl. Zwei Beispiele habe ich kürzlich hier im Blog aufgeführt. Ich warte immer noch auf einen Anruf, in dem mir jemand sagt: „Schön, dass Sie seit mehr als 20 Jahren unsere Kundin sind, ich hätte da ….“ / …. „ja, ich leite Ihr Anliegen sehr gerne weiter“

c) Die Zeitung landet des öfteren nicht oder zu spät im Briefkasten. Es ist mühsam, wochenlang jeden Sonntag bei der Zeitung anzurufen, und dann der Zeitung doch selber hinterherhecheln zu müssen.

d) Man erfährt mit knapp 70 Jahren (und mindestens 40-jähriger Zeitungsabodauer), dass man als Rentner die Zeitung seit Jahren günstiger haben könnte. Ein lapidares „Da können wir jetzt nichts mehr machen – sie können aber von nun an vom Rabatt profitieren“ (worauf meine Mutter ein beherztes: „Sie können Ihre Zeitung behalten. Wir kommen auch ohne sie aus“ in den Hörer schmetterte“)

Dies ein paar Gründe, die mir spontan eingefallen sind. Eigentlich geht es in erster Linie um die Kundenbetreuung. Wer seine Kunden nicht ernster nimmt, muss sich nicht wundern, dass sie irgendwann genug haben.

Update aus aktuellem Anlass … und weil es so schön zum Thema Kundenbetreuung passt:
https://beizzweinull.wordpress.com/2008/11/08/verraten-und-verkauft/#comment-185

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6 Antworten to “Warum Printmedien Kunden verlieren”

  1. Matthias Says:

    Wir haben den „Bund“ gekündigt, weil die Titelseite dermassen mit Werbung verunstaltet worden war, dass er von einer Gratiszeitung nicht mehr zu unterscheiden war. Gekündigt, obwohl ich mit dem „Bund“ aufgewachsen bin und selber rund zwanzig Jahre lang Abonnent war, über alle Redesigns und Verkäufe hinweg treu geblieben. Einmal war es einfach genug. Jetzt lese ich wieder einmal vermehrt Blogs und richtig dicke Wochenzeitungen und habe mir sogar ein Probeabo der „Schweizer Monatshefte“ besorgt.

  2. zappadong Says:

    Ich bin in einem Zwiespalt. Als kritische Zeitgenossin hätte ich alle Zeitungen ausser meiner Lokalzeitung eigentlich schon länger abbestellen müssen. Als Zeitungsjunkie, die ich nun mal bin, kann ich mich – trotz allen Ärgers – einfach (noch) nicht dazu aufraffen.

    Ich ziehe das gedruckte Wort am Morgen früh und vor allem am Sonntag dem Bildschirmwort vor. Ich mag es, am Küchentisch oder draussen auf der Terrasse zu sitzen und Zeitung zu lesen. Am allerliebsten sehr lange und sehr gründlich.

    Vielleicht tut es deshalb so weh, die Qualitätseinbussen bei den Printmedien verfolgen zu müssen. Schlechter Kundenservice, zum Teil sehr schrottige Artikel (vom Thema und der Schreibe her), Kurzhäppchen statt wirkliche Infos, Werbung, die sich mit Redaktionellem vermischt usw.

    Auch ich suche die Hintergrundberichte und Auseinandersetzungen mit einem Thema nun vermehrt in Blogs oder Internetforen. Aber mir würde sehr viel fehlen, wenn ich meine Zeitungen nicht hätte.

  3. uertner Says:

    @Matthias
    „Schweizer Monatshefte“: gute Wahl. Dies ist nun endlich „content pur“: allerdings rechtsbürgerlich-liberal-konservativ. Sehr gute Literaturkritiken über Schweizer Autoren.

    @Zappadong
    Warum nicht die „NZZ“ probieren? Sie bietet nun wirklich Autoren, die aber nur mit Kürzel auftreten. So ist mir „C.W.“ oder „hof.“ (Dr. Hofmann) oder „P.S.“ (Dr. Schneeberger) meist sympathischer als die mit Getöse angekündigte „Edelfeder“ Constantin Seibt. Zur „Empörungsbewirtschaftung“ beim Tages-Anzeiger habe ich mich schon im Blog geäussert (siehe „Grosse Flaschen“ (botellones) und die „Führung“). Am Schluss des Blogeintrags riet ich (ironisch): „Tamedia-Aktien: kaufen!“. Wie sehr diese Aktie aber gelitten hat, erfuhr ich aus der heutigen Glosse von „upe“ (Dr. Urs Paul Engeler): „Aktionäre: Peters (Hartmeiers) Malus“. Lesen, Frau Zappadong, lesen! Hier hat einer seine Wortkanone auf das Tamedia-Glahaus gerichtet und einen Volltreffer gelandet, dass man das Glas noch lange klirrren hört und durch die Luft fliegen sieht.
    Man mag nun nölen wie man will: Roger Köppel ist es gelungen eine Truppe von wortgewaltigen Saftwurzeln zusammenzustellen, die manchmal ärgerlichen, manchmal aber auch sehr träfen „Content“ herstellen: langweilig ist die „Weltwoche“ selten.
    Und wie die Tamedia ja mit online-Geschäft umspringt sieht man hier: sie hat eine Truppe von wortgewandten Kommentatoren zusammengestellt, die nun sich „selbstständig“ gemacht hat. Herzlichen Dank der Familie Lüscher-Illieva!
    Beim Blick in den heutigen Tages-Anzeiger kamen mir aber vollends die Tränen: Die Leserbriefseite! Einst noch eine der letzten Bastionen für Geist und Verstand in diesem seichten Altpapier! Die halbe Seite gefüllt mit Gratis-Kommentarschrott (anonym natürlich!!!) aus dem News-netz: die Falltiefe nach unten scheint keine Begrenzung zu haben.

  4. zappadong Says:

    Lieber Uertner

    Als junge Frau hat mich die NZZ abgeschreckt. Damals beliebten die Redaktoren nämlich noch, kursiv zu drucken, was sie mir als Leserin einhämmern wollten. Damals ging ich aber noch zur Schule und hatte genügend Lehrer, die schon taten, was die NZZ auch tat.

    Nun, heute lese ich jeden Sonntag die NZZ am Sonntag – sie ist um Meilen besser als die Sonntagszeitung, die ich auch jeden Sonntag lese. Ich sag’s ja: ich bin Zeitungsjunkie.

    Mit der Weltwoche kann ich nichts anfangen. Mich friert, wenn ich den Köppel nur schon sehe.

    Was den Seibt betrifft: seine Satirekolumne ist weit jenseits von lustig. So etwas überdreht hysterisches muss man erst einmal suchen.

    An anderer Stelle wurde mir der Bund empfohlen, aber hier in der Beiz hat Matthias (ich glaube, es war Matthias) geschrieben, er habe genau jene Zeitung abbestellt, weil er zwischen der Werbung die Artikel nicht gefunden hat.

    Die NZZ ist deshalb keine Option, weil Herr Zappadong die im Geschäft liest und findet, die erfülle thematisch seine Kriterienanforderungen nicht (u.a. zu wenig Sport, der mich zwar kalt lässt, für Herrn Zappadong aber wesentlicher Bestandteil der Zeitungslektüre ist).

    Bleibt die Lokalzeitung. Über die habe ich mich jahrelang geärgert und finde sie mittlerweile besser als den Tagi (was entweder für meine Lokalzeitung oder gegen den Tagi spricht).

  5. uertner Says:

    Beim Newsnetz zieht man offensichtlich die Kommentar-Handbremse. Nachdem in der heutigen Printausgabe die halbe Leserbriefseite mit anonymem Kommentarschrott gefüllt wurde, treffe ich heute auf folgenden Hinweis:

    Neu: Ab sofort wird Newsnetz keine anonymen Beiträge, Kommentare mit Phantasienamen oder solche mit ganz offensichtlich falschen Namen veröffentlichen. Bitte haben Sie Verständnis für diese Massnahme.

    Was bei diesen Jungs und Mädels einfach erstaunlich ist: sie denken nie voraus, korrigieren immer im Nachhinein, wenn die Kacke schon am Dampfen ist. Es sind dies die „Führungsgrundsätze“ der Armee XXi.

  6. Frau Müller Says:

    Eine Massnahme, die nach Reichenstein riecht. Und wenn dann eine Person auf Newsnetz frech daher kommt, wird Racheengel Oliver auch noch gleich ihre Geschäftsadresse verpetzen.

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