Schöner Schimpfen im Internet

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Ich schaue nur noch selten bei Facts 2.0 rein, aber gefühlt jedes zweite Mal, wenn ichs tue, haben die Top-Themen dort irgendwas mit bösen anonymen Bloggern zu tun.

Der heutige Artikel des Tages (laut Facts: „Autor: Oliver Reichenstein“) ist ein schönes Beispiel für tendenziöse Berichterstattung und Angstmache: Schüler, die ihrem Frust über einen Lehrer Luft machen in einem Atemzug zu nennen mit Kriminellen ist in etwa so, als behauptete man, die Zahl der Schwarzfahrer und Raubmörder sei in der letzten Zeit angestiegen, deshalb fordere man härtere Strafen für diese Art von Verbrechen.

2. verzerrt der Artikel völlig die Verhältnisse: Nicknames gehören traditionell zur Internet-Community-Kultur und die allermeisten Nickname-User sind genauso unproblematisch wie die meisten Realname-User.

Die Forderung von Journalisten nach Realnamen-Zwang im Netz erinnert mich immer an an diese Szene im Supermarkt aus einem Film mit Loriot: „Mein Name ist Lohse. Ich kaufe hier ein.“
Was ist also das wirkliche Problem?
Dazu ein kleiner Test:

Snoopydog1984 says: „Blocher ist eine Knallcharge.“

Kevin-Malte Würstlimann schreibt: „Blocher ist eine Knallcharge.“

Was ist der Unterschied?

Die Antwort ist dieselbe wie die auf die Frage nach dem Weihnachtsmann: Es gibt keinen.
Das Problem anonymer Beleidigungen liegt nicht in der Anonymität sondern in der Beleidigung.

Voser ist realistisch: „Ohne Registraturmassnahmen werden die Delikte massiv zunehmen.“ Nach dem Willen der Strafverfolger dürfte nur noch Fernmeldetechnik auf den Markt kommen, „die überwachbar ist“. (…)
„Zudem“, so Voser weiter, „wären Technologien zur Verfügung zu stellen, die effiziente Direktüberwachungen der Kommunikation über Internet und Mobiltelefonie ermöglichen und die nicht schon deshalb nicht einsetzbar sind, weil sie wegen prohibitiver Kosten nicht bezahlt werden können“. (Zitat aus:  http://onlinereports.ch/News.109+M5bd174eaee5.0.html )

Man will also alle Computer und Handys überwachen?

Richtig so, wenn schon, dann muss man Big Brother richtig anpacken!
Aber damit ist es ja lange nicht getan.
Ich persönlich beispielsweise schimpfe nicht nur im Blog und ins Handy, sondern auch ganz privat über Politiker. Auf dem Klo zum Beispiel. Mitunter minutenlang!

flashfrog*

*Der Name der Verfasserin dieses Artikels ist O.R. bekannt.

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9 Antworten to “Schöner Schimpfen im Internet”

  1. Mara Says:

    Wäre ja auch langweilig endlich mal zu Inhalten überzugehen.

    Ok, ein Briefchen zu verschicken kostet im Gegensatz zu einer e-mail halt Porto, von daher hält sich das Ganze auch in Grenzen.
    Aber meine Herren, am Stammtisch wude auch übelst rumgeschimpft, alle wusstne es, (ganz sicher auch der Adressat), warum wird das jetzt so ernst genommen?
    Auf Fakten kann man ja immer gerne antworten,- am besten mit Fakten, wenn einen der Rest stört – kann man ihn ja link liegenlassen.

  2. flashfrog Says:

    @Mara: Guter Artikel zum Thema von dir: http://marahuepft.wordpress.com/2008/11/24/emporungswellen/

  3. zappadong Says:

    Ich hänge gerne ein Beispiel an:

    Frau Zappadong schreibt: An Weihnachten esse ich meine Katze.

    Gertrud Meier schreibt: An Weihnachten esse ich meine Katze.

    Frau Zappadong kriecht seit 2006 als Frau Zappadong durchs Netz und macht sich mit so einem Satz ziemlich unmöglich. Ihr Ruf geht flöten, also schreibt sie das lieber nicht.

    Gertrud Meier ist ebenfalls Frau Zappadong, die sich – weil sie nicht als Katzenesserin am Pranger stehen will – unter einem Pseudonym eingeloggt hat, das unter dem Deckmäntelchen eines Realnamens daherkommt und unter Umständen einer real existierenden Frau Gertrud Meier den Tierschutz ins Haus beschert, ihr Misstrauen und offenen Hass ihrer Mitbewohner einträgt und sie Weihnachten ganz alleine zuhause verbringen lässt, weil ihre Freunde nichts mehr mit ihr zu tun haben wollen. Den Job beim Tierladen, für den sie bestens qualifiziert ist, bekommt sie übrigens ebenfalls nicht.

    Genau diese Gefahr besteht meiner Ansicht nach bei newsnetz. Es gibt keine Registrierung, jeder kann unerkannt unter IRGENDEINEM Realnamen (also auch meinem) totalen Stuss erzählen und mich ganz schön in die Klemme bringen.

  4. flashfrog Says:

    @zappadong: Guter Punkt.

    Ein Nickname schützt in beide Richtungen.
    Wenn jemand meinen Realnamen beschimpft, reagiere ich zwangsläufig dünnhäutiger als wenn er meinen Frosch eine Kröte nennt oder ähnliches.

  5. flashfrog Says:

    Man sollte übrigens viel öfter kreativ schimpfen. Mir war bis anhin nicht bewusst, dass ein Wort wie „Knallcharge“ (der oder die?) zu meinem aktiven Wortschatz gehört…

  6. Mara Says:

    boo, das wird ja langsam ein Ganztagsjob. Zuerst musste danach suchen wo irgendjemand im Internet einen vielleicht beleidigen könnte. – Und dann noch danach suchen, ob jemand unter dem eigenen Namen irgendwo ein Kommentar geschrieben hat. Wahrscheinlich müsste man dann noch ein Buch führen, damit man nicht aus Versehen die eigenen Kommentare löschen lässt (wobei, manchmal wäre das auch praktisch).

  7. zappadong Says:

    Ach Mara, musst du alles nicht selbst machen. Das machen andere für dich. Habe ich gehört. Gegen Bares halten sie deinen Namen rein und deine Nacktfotos und Karaokeständchen vom Altjahrabend von youtube fern. Und ja, das soll tatsächlich ein Fulltime-Job sein.

  8. Matthias Says:

    Ach, das sind doch alles nur Versuche der FACTS-Macher, von ihren riesigen Fehlern abzulenken: „Schreibt nicht mehr über uns, schreibt über diejenigen, die uns kritisiert haben! Das sind nämlich alles Anonyme! Und Anonyme sind grunsätzlich unsympathische miese kleine Feiglinge ohne Moral!“

    Dass die Kritik in Wirklichkeit gerade eben NICHT von Anonymen kam, und dass die Kritik absolut berechtigt war (und ist), und dass es gerade eben NICHT primitive Beleidigungen waren sondern konkrete Kritik an einzelnen Massnahmen und Verhaltensweisen – zuletzt z.B. die geschäftschädigende Denunziation eines ehemaligen Facts-Mitglieds durch einen FACTS-Administrator- das alles kehrt man dabei raffiniert unter den Teppich.

    Und schon hat man das Publikum im Sack, das nun köpfeschüttelnd über die bösen Anonymen diskutiert, statt über das eigentliche Problem – nämlich die haarsträubenden Fehler der FACTS-Macher.

    So funktioniert das mit dem „Themen setzen“.

  9. Anonymer Steinewerfer a.k.a. Bruder Bernhard Says:

    Auch noch Ach…. lasst doch diese frustrierten Egopromoter ihr Gärtlein weiter pflegen. Was soll diese Verve, wozu? Nicht mal ich mag das mehr lesen. Man muss sich nur mal die Länge der aufs immerwiederkehrende rezyklierten Argumentenkataloge auf der Mini-Plattform dort drüben anschauen. Gähn…

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