Archive for Dezember 2008

In der Beiz / Au Bistro – ein Hinweis

Dezember 26, 2008

Mit der Beizenkultur in der realen Welt befasst sich eine Ausstellung im Kunstmuseum Olten.
Bin soeben erst darüber gestolpert.
Die Ausstellung läuft noch bis und mit 18. Januar.

Und ich sage schon mal: Auf dass es auch in unserer virtuellen Beiz weiter richtig schön lebendig zu und her gehen möge!

Ich will für die Milch nicht weniger bezahlen!

Dezember 23, 2008

Aber mich fragt ja keiner.

Wenn denn jemand fragen würde, könnte ich sagen: Familie Zappadong trinkt im Schnitt pro Woche ca. 10 l Milch. Damit würde sie pro Woche einen einzigen Franken sparen, pro Monat wären das vier Franken (dass man dafür in den meisten Cafés keinen Cappuccino mehr schlürfen kann, wollen wir an dieser Stelle mal kurz verdrängen).

Nüchtern gesehen hat Familie Zappadong nichts von einem billigeren Milchpreis. Immer noch nüchtern gesehen, will sie deshalb für die Milch gar nicht weniger bezahlen. Ja, stellen Sie sich vor: Familie Zappadong ist irgendwie ab dem Karren der Leute gefallen, die alles immer billiger wollen.

Denn irgendwo muss es so einen Karren geben. Weil. Gewisse Anbieter wissen genau, was „die Leute“ auf dem Karren wollen: Alles immer billiger und noch billiger. Am liebsten mit Kundenkarte, Sonderrabatt und mit einem geilen Aktionspreis darauf – am allerliebsten mit einem Gratishandy dazu, mit dem man die ersten acht Jahre kostenlos telefonieren kann. 

Wer die Zeche für diese Preistreiberei zahlt, spielt keine Rolle. Und sowieso, die Bauern jammern ja eh nur rum. Können ja nichts anderes, nicht wahr?  Oder doch? Ich bin nicht Bäuerin, aber ich glaube, wenn ich Milchkühe zu Hause hätte, wäre jetzt der Moment erreicht, wo ich sagen würde:  „Ihr könnt mich alle mal.“

Finden Sie, ich sei heute ein bisschen aggressiv drauf? Dann finden Sie richtig. Dummerweise komme ich auch noch direkt vom Einkaufen. Die Leute haben Geld ausgegeben wie die Blöden. An jeder Kasse Schlangen länger als die längste Pythonschlange der Welt, Shopper und Shopperinnen mit Einkaufswagen so gefüllt, dass man hätte denken können, dass ebendiese Welt morgen untergeht (samt Schlangen).  Es kann also nicht sein, dass die Kunden die rund CHF 1.55 für den Liter Milch nicht vermögen.

Vielleicht hätte man die Leute an der Kasse fragen sollen, ob sie wirklich billigere Milch wollen. Ob die 10 Rappen pro Liter tatsächlich so entscheidend sind, dass wir damit die Bauern einen Schritt weiter in die Frustration treiben.

Vielleicht hätte die Antwort überrascht. Ich würde es mir wünschen.

Warum ich für die Einführung von Mindestlöhnen in der Postbranche bin

Dezember 20, 2008

Kurz vor Weihnachten erschütterte ein Skandal Deutschland:  Sensible Kreditkarten-Daten landeten in einem anonymen Päckchen bei der Frankfurter Rundschau.  Jetzt ist heraus, was dahinstersteckt: Zwei hungrige Postboten!

http://www.taz.de/regional/berlin/aktuell/artikel/1/weihnachtsstollen-auf-kreditkarte/

(Hoffentlich passieren dem Weihnachtsmann nicht auch solche Missgeschicke, sonst krieg ich wieder geringelte  Socken statt dem Buch von Robert Gernhardt…)

Alltag im Jahr der Krise

Dezember 20, 2008

Die Krise zieht in unseren Alltag ein. Unsere Firma verliert erste Aufträge. Das Amt für Arbeit anzurufen und sich nach Kurzarbeitsbedingungen zu erkundigen,  ist ein Ding der Unmöglichkeit. Der zuständige Beamte hat den Telefonbeantworter eingeschaltet, wahrscheinlich aus Arbeitsüberlastung. Die Vermutung wird bestätigt vom Vertreter des Arbeitgeberverbands, den ich als nächstes kontaktiere, und der mir mit Antworten auf meine Fragen weiterhilft

Das RAV ist bürokratisch wie immer. Betroffene Angestellte müssen sich mit AHV Ausweis persönlich am Schalter melden – nur um sich einen Termin geben zu lassen. Und dann, liebe Frau Zappadong, ist es noch offen, ob am Ende trotz aller Anstrengungen des Arbeitnehmers auch wirklich etwas ausbezahlt wir. Es klingt nach einer langwierigen, wenig erfolgversprechenden, frustrierenden Mission Impossible. Trotzdem. Wir informieren die betroffenen Angestellten.

Aber wir haben ja noch Glück. Wir haben noch Aufträge, Kunden und Arbeit. Im Gegensatz zu den 140 Angestellten der WKW Kunststoffwerke AG, die per sofort entlassen sind. Oder der unzähligen Angestellten der Region, die von Kurzarbeit betroffen sind.

Seit sieben Wochen gibt es bei uns im Ort die W-Leba, eine Organisation, die kostenlos Lebensmittel an Menschen mit geringem Einkommen verteilt.

„Die erst siebenwöchige Geschichte der W-Leba könnte also eine Erfolgsgeschichte heissen, wenn sie nicht auch darauf aufmerksam machen würde, dass dürre statistische Zahlen menschliche Schicksale beschreiben …“

schreibt der Journalist Reinhold Meier heute im W&O.

Alltag Ende 2008.

Ruhige Reflexionen zur Finanzkrise bei Maybrit Illner

Dezember 19, 2008

Eine Empfehlung: Die letzte Talk-Sendung von Maybrit Illner im ZDF ist absolut sehens- und hörenswert:
Das schwarze Jahr des Kapitals
Eine sehr ruhige, bemerkenswert offene Diskussion zwischen Politikern und Wirtschaftsfachleuten aus Bankenkreisen.
Reinsehen und -hören, finde ich.
Eine der interessantesten Punkte:
Das Fallenlassen von Lehman Brothers war ein kapitaler Fehler

iA Zürich übernimmt Facts 2.0

Dezember 19, 2008

Ich zitiere aus einem Mail eines Nutzers an mich, Wiedergabe von der Facts 2.0-Plattform:

Liebe Benutzerin, lieber Benutzer von FACTS 2.0

Das Zürcher Unternehmen Information Architects übernimmt vom Schweizer Medienhaus Tamedia ab 1. Januar 2009 die News-Diskussionsplattform FACTS 2.0. Christoph Lüscher, bisher Geschäftsführer von FACTS 2.0 und Mitgründer von Information Architects Zürich, führt FACTS 2.0 ab 2009 gemeinsam mit seinen Partnern weiter. Für Sie als Benutzer ändert sich dadurch nichts – die Teilnamebedingungen bleiben dieselben. Die aktualisierten AGB finden Sie hier: http://facts.ch/about/terms_of_use .

Die News-Diskussionsplattform FACTS 2.0 wurde im Sommer 2007 unter http://facts.ch als Nachrichtenradar, Treffpunkt und Meinungstribüne lanciert. Die Metaplattform verlinkt relevante deutsch- und englischsprachige Medien aus der Schweiz und dem Ausland. Die Userinnen und User können auf FACTS 2.0 Kontakte pflegen, Nachrichten bewerten und kommentieren, Zeit bei der Suche nach relevanten News sparen und täglich neue Quellen und Artikel entdecken.

Wir freuen uns, Sie auch im Neuen Jahr 2009 auf FACTS 2.0 begrüssen zu dürfen!

Mit freundlichen Grüssen
Das FACTS-Team

Update vom 19.12.08, 20h42:
Links zu Reaktionen im Internet:
persoenlich.com: Information Architects übernehmen Facts 2.0
medienlese.com: Tamedia gibt News-Comunity auf
Journalistenschredder: Tamedia trennt sich von Facts 2.0

Beiziquette – in eigener Sache

Dezember 19, 2008

Liebe Beizianer,

in der Beiz hat sich mittlerweile eine sehr interessante kleine Community zusammengefunden, Menschen verschiedener Herkunft und Nationalität, verschiedenen Geschlechts und ganz unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher politischer und weltanschaulicher Ausrichtungen, mit unterschiedlichen Berufen und unterschiedlichen Interessen.
Eines haben wir aber alle gemeinsam: Wir suchen den Dialog mit einander.

Ich finde das wunderbar, weil wir in unserer kleinen Beiz damit ein bisschen die Heterogenität der sog. realen Welt widerspiegeln. Ich danke an dieser Stelle der Facts 2.0-Redaktionsleitung, die offenbar genau die richtigen Leute vor die Tür gesetzt hat. 😉

Wenn unterschiedliche Vorstellungen auf einander treffen, bietet das allerdings auch immer Konfliktpotential. Vielleicht wäre es deshalb an der Zeit, dass wir uns einmal darüber verständigen, was wir uns für den Umgang mit einander in den Diskussionen hier wünschen.

Ich bitte also um eure Meinungen.

Neuer Beiz-Autor: MacZürich

Dezember 18, 2008

Ganz herzlich als neuen Beiz-Autor begrüssen möchte ich an dieser Stelle MacZürich!

Du warst ja schon bei unserer ersten „Uerte“ im Sommer mit dabei und auch als Kommentator warst du hier ja schon aktiv. Ich freue mich sehr, dass du dich entschlossen hast, jetzt auch als Autor  mitzubloggen.

Für kontroverse Diskussionen ist ja gesorgt in unserer Küche… 😉

Sind die Schweizer ein Volk von Dummköpfen?

Dezember 17, 2008

Einen unbedingt lesenswerten Artikel hat der Bugsierer im Medienspiegel gefunden.

Die Welt verbessern

Dezember 17, 2008

Die Finanzkrise hat gezeigt, dass das Geld inzwischen so global agiert, dass solche Krisen schon lange nicht mehr national zu bewältigen sind.
Absehbar ist, dass wieder einmal viel geredet werden wird, und dann alles wieder genau so weitergeht wie bisher, weil diejenigen, die die Macht und das Geld haben, darüber zu entscheiden wie es weitergeht, logischerweise kein Interesse daran haben, dass sich etwas ändert.

Aber angenommen, wir könnten tatsächlich etwas ändern, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen, was wäre das?

Zum Beispiel

– eine gerechtere Verteilung von Reichtum und Ressourcen in der Welt.
Da wird man jetzt schulterzuckend sagen: Da kann man eh nix machen.
Kann man nicht? Muss man nicht? Können wir uns zivilisiert nennen, während Millionen von Kindern verhungern, an verseuchtem Wasser sterben, an vermeidbaren Krankheiten, durch vergiftete Umwelt und durch Krieg und Terror? Werden die Menschen in späteren Zeiten sich nicht fragen, wie wir das so lange tolerieren konnten? So wie wir uns heute fragen, wieso die Menschen früherer Zeiten nichts gegen die Sklaverei in Amerika oder gegen die Massenermordung der Juden in Deutschland getan haben
Etwas zu verändern wird eine tiefgreifende Veränderung der globalen Zusammenhänge nötig machen.
Die Menschen, die von der derzeitigen Verteilung von Macht und Geld profitieren, werden sich mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen eine Umverteilung zu ihren Ungunsten zu wehren wissen. Man erwarte von Hedgefondsmanagern, Ölmilliardären, Rüstungslobbyisten und Diktatoren keine Einsicht. Aber oft ist ja das normale Volk klüger als diese Leute. Das stimmt mich mittelfristig zuversichtlich.

– Umwelt. Treffen die Voraussagen der überwiegenden Mehrheit der Klimaforscher ein, wird der Klimawandel in nicht allzu ferner Zukunft weitaus schlimmere Auswirkungen haben, als so eine niedliche kleine Bankenkrise. Das mag und kann sich heute noch gar niemand vorstellen. Wenn wir diese Prognosen aber ernst nehmen, müssen wir nicht nur drüber reden, sondern endlich wirklich was tun.

– Krieg. Wir müssen endlich dazu kommen, Krieg als legitimes Mittel zur Durchsetzung politischer und wirtschaftlicher Interessen weltweit zu ächten und Menschen, die Kriege ausbrechen dort unterzubringen, wo sie hingehören: In einer geschlossenen Einrichtung mit geregelten Besuchszeiten.

– Religion. Es wäre schon viel gewonnen, wenn die Mehrheit der Menschen einsehen würde, dass Gott nicht Christ ist und nicht Muslim und nicht Atheist oder Anhänger irgendeiner Stammesreligion. Betrachtet man die Gottesvorstellungen der Geschichte der Menschheit in den letzten paar Zigtausend Jahren, drängt sich die Vermutung auf, dass unsere Religionen wahrscheinlich alle ungefähr gleich richtig oder gleich falsch sind. Dass ausgerechnet Klaus-Heinrich Obermüller im Besitz der alleinigen und unteilbaren Wahrheit sich befindet, erscheint mir auf diesem Hintergrund eher unwahrscheinlich. Lassen wir doch einfach andere Menschen so glauben wie sie wollen, ohne uns gleich gegenseitig zu morden deswegen.

– Kultur. Die Menschen sind von Natur aus ein bisschen geisteskrank. Sie neigen zu Übertreibungen und Zwangshandlungen.
Kultur ist toll.
Was die Menschheit alles an Sprachen, Künsten, Musiken, Schriften, Techniken, Lebensmitteln, Religionen, Werten, Regeln und Ritualen erfunden und tradiert hat, ist atemberaubend.
Gerade diese Vielfalt aber ist das, was sie so wertvoll macht. Bemühen wir uns doch bitte, nicht immer gleich zu werten, nicht immer das Eigene als allem anderen überlegen und wertvoller einzustufen und das Fremde gering zu schätzen oder als Bedrohung zu betrachten.

Versuchen wir doch lieber, ein bisschen was von einander zu lernen.