Papierkrieg

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Eine weitere Folge zum Thema „Grenzregiönlerin“

Heute konnte man in der Zeitung nachlesen, dass die EU nicht ganz so glücklich ist mit uns Schweizern. Unter anderem wird bemängelt:

Neben den staatlichen Beihilfen kritisieren die EU-Staaten einmal mehr die Umsetzung der Schweiz bei der Personenfreizügigkeit, insbesondere die 8-tägige Voranmeldepflicht für EU-Dienstleister. Quelle: newsnetz, der Bund

Nun, Sie erinnern sich vielleicht, wie einfach es sich von der Schweiz über die Grenze nach Liechtenstein fahren lässt. Falls nicht, können Sie es hier nachlesen. Etwas ganz anderes ist es, wenn Sie als Schweizer Firma im Liechtenstein eine Dienstleistung erbringen wollen.

Das geht dann so:

1. Ihre Firma muss ein Gesuch um Erteilung einer Bewilligung zur grenzüberschreitenden Dienstleistungserbringung im Ausland einholen. Dazu müssen Sie folgendes einreichen: Gesuchsformular, Handelsregisterauszug (aktuell), Staatsbürgerschaftsnachweis (Passkopie) des verantwortlichen Geschäftsführers sowie CHF 100 im Voraus auf ein Konto der Liechtensteinischen Landesbank überweisen.

Wenn dieses Gesuch bewilligt wird, gilt es für ein Jahr. Dann müssen Sie das Prozedere wiederholen.

2. Sie müssen jeden Ihrer Angestellten, der auch nur einen Fuss zwecks Dienstleistung ins Liechtenstein setzt, im Voraus anmelden. Dazu müssen Sie folgendes tun: Ein Formular ausfüllen, eine Passkopie (und allenfalls die Kopie der Niederlassungsbewilligung) sowie eine Kopie des Arbeitsvertrags Ihres Angestellten beilegen.

Tun Sie dies nicht rechtzeitig, bezahlen Sie nebst der Gebühr von CHF 60.00 pro Person eine Strafe von mindestens CHF 50.00 pro Person.

Wenn die Kopie einer ID oder eines Passes nicht sehr deutlich ausfällt, können Sie schon mal Post bekommen, in der man Sie auffordert, eine bessere Kopie einzuschicken.

Mittlerweile hat das Pass- und Ausländeramt des Fürstentum Liechtensteins von Frau Zappadongs Angestellten bis zu drei Arbeitsverträge und drei Fotokopien pro Person, denn man muss bei jeder Verlängerung alles wieder einschicken.

So was nennt man Papierkrieg. Kürzlich brannten Frau Zappadongs Sicherungen durch, weil sie zusätzlich zu den Bewilligungskosten auch die Strafkosten bezahlen musste (drei Tage zu spät gemeldet!) und sie rief völlig frustriert in den Telefonhörer: „Warum plagen Sie mich so garstig? Wir wohnen im gleichen Tal, 5 km voneinander entfernt.“ (Das „Gopfertori“ dachte ich nur.)

Wollen Sie die Antwort hören?

„Weil ihr Schweizer zuerst angefangen habt mit dieser unsäglichen Bewilligungspraxis – und es uns reicht!“

Ich danke Bundesbern ganz herzlich. Es gibt doch nichts Schöneres als absolut sinnlosen Papierkram. Stellen Sie sich vor: Ihre Leitung platzt, Sie wollen einen Liechtensteiner Handwerker … und der kann (theoretisch) erst in 8 Tagen kommen, weil ihn sein Arbeitgeber erst bei uns anmelden muss.

Ja, so ist es, das Leben in der Grenzregion.

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4 Antworten to “Papierkrieg”

  1. Mara Says:

    Aber jedesmal einen Auszug aus dem Strafregister beizulegen wurde noch nicht verlangt oder? Innerhalb eines Jahres kann sich ja sooo viel ändern.

    Opropo Bürokratie und Kosten:
    Im übrigen neigt das Migrationsamt gerne dazu statt B-Bewilligungen, worauf EU-Bürger eigentlich einen Anspruch hätten, nur die Kurzen L-Bewilligungen zu erteilen… mit der Folge das manch einer alle 9 Monate neu antanzen darf. Ganz billig ist dass dann auch nicht mehr.

  2. zappadong Says:

    Pssst, Mara, sagen Sie das mit dem Strafregisterauszug nicht zu laut … jemand könnte noch auf Ideen kommen!

  3. flashfrog Says:

    http://www.reinhard-mey.de/content.php?id=241&render=text_main

  4. MacZürich Says:

    Warten wir mal ab, wie sich der Beitritt der Schweiz zum Schengen-Raum wirklich auswirkt. Wenn ich die Aussagen auf den Seiten des Grenzwachcorps richtig verstehe, sind sie der Meinung, dass sich im Grunde nichts ändert. An Stelle von Personenkontrollen, die ja zwischen „Schengen-Staaten“ wegfallen, gibt es nur Zollkontrollen, bei denen die Personalien festgestellt werden (müssen). Also wieder einmal “ ’s Foiver un ’s Weckli“. Ob die EU-Staaten da lange mitspielen bleibt abzuwarten.

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