Warum Ueli Maurer ein guter Bundesrat wird

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Ich bin kein SVP-Wähler. Ich bin Zürcher, aber die Zürcher SVP war für mich ein oft kaum erträglicher Verein unflätiger „Torebuebe“, die ausser Rand und Band zu geraten schienen.
Ueli Maurer stand für diese Politik, es können ihm auch viele O-Töne zitiert werden, die unter aller S… waren, und so manche Werbe-Initiative hat er zumindest so innig vertreten, dass man gerne annehmen mag, er hätte sie auch selbst ausgebrütet.
Dennoch habe ich den Bundesratswahlen heute gelassen entgegen gesehen, und nun ist vielleicht die Gelegenheit, hier ein paar Thesen aufzustellen.
Dazu muss ich sagen, dass meine Einschätzungen und Prognosen nur meinem Gefühl und meinen Beobachtungen als normaler Schweizer Bürger entsprechen. Ich kenne Ueli Maurer nicht persönlich. Aber ich glaube, dass die folgenden Thesen sich alle bewahrheiten könnten:

  1. Maurer sieht im Amt des Bundesrates die Möglichkeit, sich auch in der Wahrnehmung der Schweizer Bevölkerung als Ganzes von der ihm angedichteten Rolle der Nr. 2 zu emanzipieren.
  2. Gerade der direkte Vergleich mit Blocher und die aus der Parteienhierarchie heraus gelöste Position als Bundesrat wird es ihm erlauben, in Stilfragen das Amt als Magistrat anders zu interpretieren und damit erfolgreicher zu sein als Blocher selbst.
  3. Maurer achtet die Institutionen und fragt nach der Rolle, die ein Amt erfordert. So, wie er ein äusserst angriffiger bis bissig-kaltschnäuziger Parteipräsident war, so wird er ein Bundesrat sein, der die Konkordanz nicht nur als Worthülse auf den Lippen trägt.
  4. Maurer ist als Parteipräsident schon abgetreten. Er hat bereits ein wenig durchgeatmet und bestimmt auch schon die Zeit genossen, nicht immer den Karren weiter stossen zu müssen. Das wird es ihm leichter machen, als Bundesrat die Parteipolitik nicht nach aussen hin zu machen, sondern sie im Gremium zu vertreten.
  5. Maurer ist sehr wohl auch ein Teamplayer – und er wird darin von einer erwachenden neuen Führungsriege der SVP mindestens so getragen werden, wie in den letzten Jahren Blocher von schenkelklopfenden Schlaumeiern hofiert wurde.
  6. Maurer wie die SVP werden durch die aufziehenden wirtschaftlichen Probleme jetzt ganz anders einzubinden sein in staatstragende Aufgaben, als dies in sorgloseren Zeiten der Fall gewesen wäre  (die Asylfrage war nicht annähernd so bedrohend, wie sehr die SVP auch davon sprach).
  7. Alle, die Maurer kennen, reden von einem in der Sache hartnäckig argumentierenden und kämpfenden Politiker, aber auch von einem kollegialen Menschen, der nie den Kontakt zu seiner Basis verlor.
  8. Werden wir alle erst mit der Zeit sehen, wie sehr wir Maurer stets nur als Laufbursche Blochers gesehen haben – und wie falsch das war. Es ist nicht nur Maurers Fehler, dass wir ihn nie anders wahr genommen haben. Es ist auch unsere eigene Kurzsichtigkeit – und jene der Medien, von denen genau so wie von Maurer zu erwarten ist, dass sie sich auf die neue Situation einstellen.
  9. Ueli Maurer ist Patriot. Und dies in einer Art, die uns nicht bange machen muss. Er wird danach fragen, wie er dem Land dienen kann, und er stellt sich zu den möglichen Antworten sehr viel offener, als es bei dem älteren Mann aus Herrliberg der Fall war und ist.
  10. Ueli Maurers Ego ist nicht übergross. Er wird es beweisen können. Und es ist eine entscheidende Voraussetzung für die Kollegialbehörde, wie unser Ministerverein zu Recht genannt wird.
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21 Antworten to “Warum Ueli Maurer ein guter Bundesrat wird”

  1. MacZürich Says:

    Dieser Aussage kann ich mich nur vorbehaltlos anschliessen. Maurer ist kein Blocher 2. Ihm fehlen dafür zumindest etliche Millionen im Hintergrund. Davon unabhängig hätte ich auch nichts dagegen gehabt, wenn ein SVP Vertreter gewählt worden wäre, der nicht dem Zürcher Flügel angehört.

  2. zappadong Says:

    Ich schliesse mich ebenfalls an und füge noch einen Punkt hinzu:

    Wenn es einer glaubhaft schafft, der Parteibasis zu erklären, welches die Aufgabe eines Bundesrates ist, dann ist es Maurer. Kein anderer wäre glaubhafter. Wenn er den Rollenwechsel schafft, kann er ganz viele frustrierte Parteimitglieder wieder einbinden.

    Ich habe in den letzten Tagen unzählig viele Kommentare zu Maurer gelesen und habe gesehen, wie gespalten die Schweiz ist. Es gibt eine nicht kleine Minderheit, die sich übergangen fühlt, die aufbegehrt. Sie alle haben nun eine Stimme. Vielleicht wird ihnen diese Stimme von nun an nicht mehr immer sagen, was sie unbedingt hören wollen. Das tut gut. Ich traue Maurer zu, der Parteibasis ein paar unangenehme Tatsachen erklären zu können. Wenn das die „Linken“ tun, hört eh keiner hin.

  3. Lupe, der Satire-Blog Says:

    hoffen wir, dass du in ein paar punkten recht behältst. persönlich hätte ich aber lieber einen echten staatsamm als einen, der sich zutraut nach der messerstecher-rolle locker auch die staatsmann-rolle zu spielen. schauspieler haben wir genug.

  4. ugugu Says:

    ich bin da leider weit weniger optimistisch. kann mir leider nur schwer vorstellen, dass die hydra svp von ihrem „erfolgsrezept“, dem ressentiments und ängste schüren abweichen wird. lasse mich aber gerne positiv überraschen. momentan sieht es leider eher so aus, also ob die noch verbliebenen, halbwegs moderaten kräfte innerhalb der svp gerade mal wieder arg schlagseite erlitten hätten. hier hat es das parlament gestern leider verpasst, ein deutlicheres zeichen zu setzen. nur schon um das comeback eines senilen hetzers vom formate eines ulrich schlüers zu verhindern. flankiert von der weltwoche kommt jetzt die zigeuner-roma- arbeitsplatz-debatte. ich kotz dann schon mal präventiv ab. die verantwortung für brennende asylunterkünfte will dann selbstverständlich von den rhetorischen „zeuslern“ wieder niemand übernehmen.

  5. zappadong Says:

    Optimistisch bin ich auch nicht. Eher pragmatisch. Sie haben noch einmal bekommen, was sie bekommen wollten.

    Hätten sie das nicht bekommen, wäre die Gehässigkeit ins Unendliche gestiegen. Ein Gutes haben die Kommentarfunktionen auf den Newsportalen: Da schlägt ungefiltert das Gedankengut der SVP Basis durch – und das ist wahrlich zum Fürchten. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn Maurer es nicht geschafft hätte.

    Jetzt aber ist er Bundesrat. Von ihm wird erwartet, dass er „den Laden ausmistet.“

    Es gibt zwei Möglichkeiten:

    Maurer hat gestern nicht einfach ein gutes Stück Theater hingelegt, sondern will es wirklich versuchen – dann könnte er ein Problem mit der Basis bekommen. Die kann dann nämlich nicht sagen, dass er nur ein halber Bundesrat ist, denn die hat ihn ausdrücklich auf diesem Posten gewünscht. Wie er diese Probleme angeht, nimmt mich wunder.

    Wenn gestern alles Show war und Maurer ähnlich querschlägt wie Blocher, ist er bald wieder draussen. Es wäre dann Versuch Nummer 2. Ich wage noch nicht einmal zu denken, was passieren wird, wenn der misslingt.

    Wer gestern Toni Brunner zugehört hat, musste schon fast mit dem Kotztütchen vor dem TV Gerät sitzen. Dieses absolut quere Denken ist mehr als beängstigend (praktisch das ganze Parlament hat SVP gewählt, es kann also keine Rede von „Konkorrdanzbruch“ sein). Man konnte das Kotztütchen gleich auf den Knien behalten, wenn man dem alten Mann aus Ems zugeschaut hat und beim Gedanken daran, dass unter Umständen der Schlüer nachrückt, wird es einem auch nicht besser. Und Madame Hutter hat auch noch etwas in die Mikrophone gesprochen … was, das habe ich sehr erfolgreich verdrängt, es kommt mir nämlich nicht in den Sinn.

    Langer Rede kurzes Fazit: Lasst den Maurer versuchen die Geister zu bändigen, die seine Partei gerufen hat. Er ist wohl der einzige, der auch nur den Hauch einer Chance dazu hat.

  6. flashfrog Says:

    Auch ich glaube nicht an die Zähmung der SVP durch Maurer. Mir sieht das eher nach einer Good-Cop-Bad-Cop-Strategie der SVP aus, bei der Maurer unsägliches Gedankengut „stilvoll“ salonfähig machen soll, während der Rest der Partei weiterhin munter „Opposition“ machen kann.

    >> Ein Gutes haben die Kommentarfunktionen auf den Newsportalen: Da schlägt ungefiltert das Gedankengut der SVP Basis durch

    Bookmarken und ausdrucken. Damit hinterher keiner sagen kann, er hätte es nicht gewusst…

  7. MacZürich Says:

    flashfrog, ich befürchte auch, dass Du Recht hast. Aber wenn es überhaupt einer kann, dann ist es Maurer. Allerdings wird er seine Partei nicht zähmen wollen, sondern es aufgrund seines Amtes tun. Die SVP kann es sich schlicht nicht erlauben und ihren früheren Parteipräsidenten desavouieren. Ich denke es gibt nur eine ander Person in der SVP für die dies gilt und die will keiner von uns mehr im BR sehen.

  8. Thinkabout Says:

    Ich glaube nicht, dass die moderaten Kräfte in der Partei Schlagseite erlitten haben. Ich glaube vielmehr, dass sie gestärkt wurden. Es brauchte den Auftritt eines gemässigten SVP’lers mit Format, um die Wahl Maurer überhaupt möglich zu machen. HJ Walter ist so was wie ein Sinnbild für diesen Teil der SVP, und ich bin ziemlich sicher, dass er sich auch intern neues Gehör verschaffen will. Die Zeit wird auch arbeiten.
    Aber natürlich wird auch die nächste Abstimmungkampagne eine angriffige SVP zeigen, und es wird spannend sein, zu sehen, in welchem Spannungsverhältnis sich dann Partei und Bundesrat bewegen werden.

  9. MacZürich Says:

    Ich hoffe Thinkabout hat recht, aber wenn ich mir die Parteiführung ansehe und vor allem anhöre, habe ich so meine Zweifel.
    Ich rechne damit, dass sich der moderate Teil der SVP nach und nach in Richtung BDP absetzt. Frau Widmer Schlumpf tut das ihre dazu. Sie macht genau die Politik, die von ihr zu erwarten war. Eine Politik die, bis auf den Stil, auch von jedem anderen SVP Politiker gemacht werden könnte. Ich denke bis zur nächsten Nationalratswahl in drei Jahre wird die BDP in den meisten Kantonen Fuss gefasst haben und ich erwarte einen Stimmenanteil von 10+X % für sie. Ob diese Stimmen alle zu Lasten der 29% SVP gehen bleibt abzuwarten, aber ich denke die 29% waren für lange Zeit das beste Ergebnis der SVP.

    Eine Frage an alle: Gibt es eigentlich eine Berechnung des SVP-Stimmenanteils nach dem Ausschluss der Bündner? Wenn die SVP eine Sektion ausschliesst, kann sie ja wohl kaum die Stimmen beanspruchen, die diese Sektion „erstritten“ hat. Ich weis, das ist schon sehr blauäugig gedacht.

  10. flashfrog Says:

    @MacZürich: Bei dieser „einen anderen Person“ wüsste wenigstens jeder, wofür sie steht.
    Ein „konkordanter“ Maurer macht die SVP für die gemässigte bürgerliche Mitte wählbar und Blocher hat durch seinen Status gleichzeitig alle Freiheiten, am rechten Rand zu fischen. Eine solche Doppelstrategie ist schon ziemlich clever.

    Ich hätte auch gehofft, dass mit der Zeit mehr von den Vernünftigen und Anständigen aus der SVP zur BDP wechseln würden.

    @Thinkabout: ein eindrucksvolles Video aus der Rundschau zur politischen Einordnung von Maurer, Blocher und Schmid, und zur Veränderung der Position der SVP insgesamt:
    Auf dem Stuhl: Michael Hermann:
    http://www.sf.tv/sf1/rundschau/index.php?docid=20081126

  11. Thinkabout Says:

    @Flashfrog:
    Das Video ist wirklich interessant, danke.
    Zur BDP: MacZürich ist wohl etwas gar optimistisch. Ich bin noch gar nicht überzeugt, dass die BDP
    a) überall Fuss fassen und
    b) 10% Wähleranteil erreichen kann.
    Das ist in der Schweiz eine veritable Gipfelkraxlerei.
    Erst mal ist zu beobachten, wie die Partei über die ersten nationalen Wahlen kommen wird – und ob sie die Basischrampfer hat, die dafür wirklich in allen Kantonen ein Fundament legen. Ich glaube noch nicht daran.

  12. zappadong Says:

    Sehr spannende Sonntagslektüre heute. Der fast gewählte Bundesrat Hansjörg Walter lehnt sich in einem Interview mit der NZZ SEHR weit aus dem Fenster. Ich glaube, das kann er nur, weil er ein paar andere SVP-ler auf seiner Seite weiss.

    http://www.nzz.ch/nachrichten/schweiz/die_parteispitze_muss_vom_system_der_politischen_erpressung_wegkommen_1.1421758.html

    Bin gespannt, ob im Vorstand alles bleibt, wie es ist.

  13. MacZürich Says:

    @Thinkabout
    Es mag sein, dass ich etwas sehr optimistisch bin, aber ich will einfach nicht glauben, dass der Stil, wie er von der SVP-Führung praktiziert wird, und der mich, leider, sehr an die letzten Jahre der Weimarer Republik erinnert, in einem europäischen, demokratischen Staat, „hoffähig“ sein kann.
    Wenn ich mir die SVP anschaue, dann besteht sie doch sichtbar nicht nur aus dem Zürcher Flügel. Allerdings, wenn die „Blocherianer“ so weiter machen wie bisher, wird es die Partei zerreissen. Zwei sich derartig diametral gegenüberstehende Flügel verträgt auf Dauer keine Partei.

    @Zappadong
    Wenn ich von den Parteien in Deutschland ausgehen würde, wäre Herr Walter einer der ersten Kandidaten für einen der nächsten freiwerdenden Posten. Ob sich allerdings eine von Blocher (und seiner Mission) dominierte Partei an derartige „Spielregeln“ hält, bleibt abzuwarten.

  14. zappadong Says:

    Lieber Mac

    Ich habe gestern auf der Newsnetz-Online Plattform die Kommentare zu Walters Aussagen gelesen. Da tun sich Gräben auf, die meiner Ansicht nach kaum zuzuschütten sind. Nicht wenige „Hardcore-SVP-ler“ wollten ihn in die BDP abschieben. Der Kommentarthread ist ein halbes Gruseltheater, spiegelt aber Befindlichkeiten und sollte deshalb gelesen werden (Originalzitat: „Hansjörg Walter scheint mir eine charakterliche Niete zu sein … es wäre besser, er tritt von der SVP zu der BDP über …“ // „Linker Geist bleibt linker Geist, auch unter dem Deckmäntelchen der Rechten“):

    http://www.derbund.ch/schweiz/standard/Walter-SVP-muss-vom-System-der-politischen-Erpressung-wegkommen/story/30821482#kommentar

  15. flashfrog Says:

    @zappadong: Nicht wenige “Hardcore-SVP-ler” wollten ihn in die BDP abschieben.

    Yo, genau das wollte ich damit sagen. 😉

  16. Frau Müller Says:

    Bundesrat Ueli Maurer führt das VBS mit Leidenschaft und erwartet diese Leidenschaft auch von allen seinen Mitarbeitenden, liess er nach 100 Tagen im Amt an einer PK verlauten. Zur Illustration projizierte er das Bild eines Tango tanzenden Paares an die Wand.

    Siehe Photo: http://tagesschau.sf.tv/nachrichten/archiv/2009/04/03/schweiz/maurer_vbs_chef_aus_leidenschaft

    Damit hat er natürlich sogleich meine uneingeschränkte Sympathie gewonnen, bin ich doch selbst mit Haut und Haar dem Tango verfallen.
    Gemeinhin gilt Tango jedoch nicht nur als Sinnbild für Leidenschaft, sondern als Sinnbild für Leidenschaft UND Erotik UND Sinnlichkeit.

    Für Tangueros ist der Tango zudem eine Metapher für die Harmonie, ja Verschmelzung zwischen Mann und Frau. Man könnte die Kombination von Tango und Armee also auch deuten als: Make Tango, not War.

    Welche Schlüsse lassen sich nun aus der Wahl dieses Symbolbildes auf die Motivation von Ueli Maurer ziehen?

    Mein Deutungsversuch als Cocktailparty-Psychologin: Ueli Maurer will insgeheim die Armee abschaffen.

  17. uertner Says:

    @Frau Müller

    😉 als ich das Tangopaar sah musste ich ja unweigerlich an ihren Avatar selig denken. Mit Ihrer Cocktailparty-Analyse würden sie im Kreise der SP-Frauen grosse Heiterkeit auslösen, als Tanguera aber enttäuschen Sie mich ein bisschen :-(.

    Was Maurer meint: eine Armee, die wieder der Frau Fiala erschauern lässt, wenn sie junge Zwanzigjährige Männer zur Offiziersbrevetierung strammstehen sieht. Die Schneid und Entschlossenheit ausstrahlen, wie der Tanguero, der seine Dame entschlossen in die nächste Volte führt.

    Vielleicht werden Sie diese Meinung im Kopf missbilligen. Aber wie ich Sie kenne, haben sie auch nicht Lust mit Andreas Gross einen Tango zu tanzen :-).

    Geist und Waffen müssen wieder zueinander finden, das weichgespülte urbane Credo: „eine Milizarmee find ich rein philosophisch theoretisch das beste, noch besser finde ich aber, dass ich dank Psychiater untauglich bin.“

    Bei Journalistinnen äussert sich dieses Credo so:
    „Ein Substantiv für — jemanden, der das Militär gemacht hat, aber sonst wirklich okay ist“

    Nachzulesen hier:
    http://dasmagazin.ch/index.php/wie-soll-mans-nennen/

    Mein Versuch das Thema im jüngsten „Nebelspalter“ anzugehen:
    http://www.nebelspalter.ch/index.php?id=109

  18. Frau Müller Says:

    @ Uertner: Mit Freude nehme ich wahr, dass Sie das Wesen des Tango Argentino erkennen – oder doch zumindest das Unwesen. Andreas Gross und Tango geht natürlich gar nicht. Wohl gibt es ein paar solcher Gestalten, die mit ihrer Frau den Tango erlernen wollen, um ihre eingeschlafene Ehe zu erfrischen, aber schön anzuschauen ist es nie. Dafür lustig anzuhören. Frau zum Mann: „Könntest Du wenigstens einmal im Leben die Führung übernehmen?“ – Mann zur Frau: „ Kannst Du Dich nicht wenigstens hier mal voll und ganz hingeben?“

    Weicheier und andere Softies, die alles ausdiskutieren wollen und nie an ihre Grenze gehen, bringen es weder auf dem Parkett, noch sonst wo. Führungsstärke, Entschlossenheit, Überzeugungskraft, eine schnittige Haltung beim Mann sind dem Tango tanzen hingegen förderlich – da haben Sie völlig recht.
    Darüber hinaus braucht es aber auch geistige und körperliche Beweglichkeit, Improvisationstalent und nicht zuletzt Rhythmus.

    Die argentinische Militärdiktatur hat den Tango verboten und die Tango-Künstler flüchteten allesamt ins Ausland. Überdies hat schon Kaiser Wilhelm II seinen Offizieren untersagt, den unanständigen Tango zu tanzen.

    Das Thema Tango und Armee ist also durchaus spannungsgeladen.

    Das Credo jener Journalistin finde ich übrigens sagenhaft dumm, wenn vielleicht auch aus anderen Gründen als Sie. Aber dumm bleibt dumm.

  19. uertner Says:

    „Ich weiß für das Ideal des schönen Umgangs kein paßenderes Bild“, schreibt Schiller in den Kallias-Briefen;

    „als einen gut getanzten und aus vielen verwickelten Touren componierten englischen Tanz. Ein Zuschauer aus der Gallerie sieht unzählige Bewegungen, die sich aufs bunteste durchkreuzen, und ihre Richtung lebhaft und muthwillig verändern und doch niemals zusammenstoßen. Alles ist so geordnet, daß der eine schon Platz gemacht hat, wenn der andere kommt, alles fügt sich so geschickt und doch wieder so kunstlos ineinander, daß jeder nur seinem eigenen Kopf zu folgen scheint, und doch nie dem andern in den Weg tritt. Es ist das treffendste Sinnbild der behaupteten eigenen Freiheit und der geschonten Freiheit des andern.“

    Kann es sein, Frau Müller, dass der Tango, mit seiner doch sehr sinnlichen Seite diesem Schillerschen Ideal nicht zu genügen vermag? Da er zu sehr Paartanz ist und die Dame zu sehr „kompromittiert“? Darum wird er in Militärdiktaturen nicht gerne zugelassen, da dort die Erotik der Uniform wichtiger ist als das tänzerische Können des Tänzers. Der Tango ist so ein subversives Element des Matriachats, wo sich die Dame den Bock aussucht, während Militärdiktaturen die Frauen nach Schönheit und Rang auf die Ränger der hierarchie zu verteilen trachten. Da sind die englischen Tänze, a la limite ein Walzer, geeigneter als die erotisch-matriarchalen Tänze des Südens.

  20. Thinkabout Says:

    Also, wenn ich Euch so lustvoll diskutieren „sehe“, freue ich mich richtig aufs Heimkommen!

  21. Frau Müller Says:

    @ Uertner: Der Tango Argentino vermag dem Schillerschen Ideal in der Tat nicht zu folgen, weil er im Gegensatz zu den herkömmlichen Tänzen sehr viel Wert auf Improvisation legt. Wer die Freiheit der Improvisation nicht auszuschöpfen vermag, der sollte sich also besser einem anderen Tanz zuwenden. Denn das Wesen des Tangos liegt gerade in der Freiheit und der Kreativität.

    Der Tango – ein erotisch-matriarchaler Tanz? Eine originelle Sichtweise.
    Die gesellschaftliche Codierung des Tangos als anrüchig machista, erotisch und leidenschaftlich kommt ja daher, dass er in den Bordellen und übel beleumdeten Spelunken am Rio de La Plata entstanden ist, getanzt von Macho-Kleinganoven und Huren. Es ist mir noch nicht aufgefallen, dass dieses Milieu sich durch matriarchale Eigenschaften auszeichnet.

    Aber jeder kann in den Tango hineinprojizieren, was er will. Das ist ja das schöne daran. Und so hat auch der Ueli Maurer, um wieder zu ihm zurückzukehren, den Tango als Sinnbild beansprucht, um seine Mannen und wenigen Frauen zur Leidenschaftlichkeit anzufeuern.

    @ Thinkabout: Ein herzliches Willkommen schicke ich Ihnen! Das wunderbare Frühlingswetter dürfte es Ihnen einfach machen, sich hier wieder einzuleben.

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