Ich will für die Milch nicht weniger bezahlen!

by

Aber mich fragt ja keiner.

Wenn denn jemand fragen würde, könnte ich sagen: Familie Zappadong trinkt im Schnitt pro Woche ca. 10 l Milch. Damit würde sie pro Woche einen einzigen Franken sparen, pro Monat wären das vier Franken (dass man dafür in den meisten Cafés keinen Cappuccino mehr schlürfen kann, wollen wir an dieser Stelle mal kurz verdrängen).

Nüchtern gesehen hat Familie Zappadong nichts von einem billigeren Milchpreis. Immer noch nüchtern gesehen, will sie deshalb für die Milch gar nicht weniger bezahlen. Ja, stellen Sie sich vor: Familie Zappadong ist irgendwie ab dem Karren der Leute gefallen, die alles immer billiger wollen.

Denn irgendwo muss es so einen Karren geben. Weil. Gewisse Anbieter wissen genau, was „die Leute“ auf dem Karren wollen: Alles immer billiger und noch billiger. Am liebsten mit Kundenkarte, Sonderrabatt und mit einem geilen Aktionspreis darauf – am allerliebsten mit einem Gratishandy dazu, mit dem man die ersten acht Jahre kostenlos telefonieren kann. 

Wer die Zeche für diese Preistreiberei zahlt, spielt keine Rolle. Und sowieso, die Bauern jammern ja eh nur rum. Können ja nichts anderes, nicht wahr?  Oder doch? Ich bin nicht Bäuerin, aber ich glaube, wenn ich Milchkühe zu Hause hätte, wäre jetzt der Moment erreicht, wo ich sagen würde:  „Ihr könnt mich alle mal.“

Finden Sie, ich sei heute ein bisschen aggressiv drauf? Dann finden Sie richtig. Dummerweise komme ich auch noch direkt vom Einkaufen. Die Leute haben Geld ausgegeben wie die Blöden. An jeder Kasse Schlangen länger als die längste Pythonschlange der Welt, Shopper und Shopperinnen mit Einkaufswagen so gefüllt, dass man hätte denken können, dass ebendiese Welt morgen untergeht (samt Schlangen).  Es kann also nicht sein, dass die Kunden die rund CHF 1.55 für den Liter Milch nicht vermögen.

Vielleicht hätte man die Leute an der Kasse fragen sollen, ob sie wirklich billigere Milch wollen. Ob die 10 Rappen pro Liter tatsächlich so entscheidend sind, dass wir damit die Bauern einen Schritt weiter in die Frustration treiben.

Vielleicht hätte die Antwort überrascht. Ich würde es mir wünschen.

Advertisements

13 Antworten to “Ich will für die Milch nicht weniger bezahlen!”

  1. thinkabout Says:

    Du sprichst mir aus dem Herzen. Da ich die Szene ein bisschen kenne, will heissen das ganze Prozedere, bevor die Artikel im Regal liegen, gebe ich Dir noch einen Hinweis (und anderen auch): Was ist die Folge des Preisdrucks? Wenn man getrost davon ausgehen kann, dass der Produzent nicht zaubern kann und der Handel nicht zaubern will, so wird früher oder später an der Qualität manipuliert. Oder man erfindet neue günstige Produkte. Die Milch mit geringerem Fettanteil, die, etwas „lugger“, dann noch 10 Rappen billiger angeboten wird. Wer also wirklich sparen muss, konsumiert dann für weniger Geld auch weniger Nährwert. Und das zieht sich mit der Zeit durch das ganze Discount-Sortiment.
    Zudem gibt es eine absolut sichere Regel:
    Wenn in der Schweiz Migros und Coop Werbung damit machen, dass sie sich mit M-Budget und Prix Garantie von niemandem unterbieten lassen, und der Auslöser dieser ganzen Preishysterie Aldi ist, dann heisst das nichts anderes, als dass sie Aldi die Bestimmung über die Qualität in diesem Sortimentsbereich überlassen.
    Das ist bestimmt nicht das, was ihre Kunden wollen, die ganz bewusst nie bei Aldi oder bald Lidl einkaufen würden – auch bei Discount-Artikeln nicht. Auf kurz oder lang werden sie aber so keine Argumente mehr haben, es nicht doch zu tun.

  2. Bruder Bernhard Says:

    ein Artikel ganz nach meinem Herzen, Frau Zappadong.

    Was ich allerdings nicht ganz verstehe: Weshalb der Migros- und sonstige Discounter-Mist überhaupt gekauft wird, dort bei Ihnen auf dem Land. Sie haben doch die Landwirtschaft vor der Tür? Bei uns im Seeland ist es sogar so, dass Gemüse und Fleisch im Direktverkauf bzw. vom Markt oftmals billiger ist als die entsprechende Ware von der Migros, von Coop ganz zu schweigen; deren Spezialität ist ja das urchige Labeln gängiger Gemüse (wie etwa Topinambur), um sie dann überteuert zu verkaufen. Ich habe kürzlich von Margen für die Migros et al. von 100% auf Gemüse gelesen!

    Die Konsumenten hätten es in der Hand – und sie wissen es auch relativ genau. Es ist also unnötig, die Konzerne anzugreifen – würden die Sachen nicht gekauft, wäre es bald vorbei mit der Preishysterie. Aber eben: tiefe Preise haben eine magische Wirkung.

  3. zappadong Says:

    Lieber Bruder Bernhard

    Das Fleisch kommt vom Biobergbauern, die Eier von Freilufthühnern, persönlich vorbeigebracht von einer netten Bäuerin, das Gemüse und zum Teil das Obst aus dem Garten der Schwiegereltern, der Honig vom Imker usw.

    Mein Problem – und hier wird es hochnotpeinlich für mich: Ich kann die Milch frisch ab Kuh nicht trinken. Nicht wegen Allergien oder so. Sondern weil ich sie nicht gern habe. Sonst könnte ich auch die Milch beim Bauern holen (da gibt’s einen ganz in der Nähe, der direkt verkauft).

    Ich suche nach (pasteurisierten) Alternativen. Wenn jemand eine kennt, bitte melden.

    Ansonsten kann ich nach heftigen Diskussionen im privaten Kreis zu diesem Thema vermelden: Die Nachfrage bei Direktverkäufern nimmt zu. Sehr stark sogar. Es scheint, dass es ganz vielen Leuten ähnlich geht wie mir.

  4. ugugu Says:

    @Zappadong: Milch in die Pasta-Pfanne (kauf man ja eher in grösseren Mengen ab Bauernhof) kurz aufwärmen (nicht kochen!) und zurück in den Kühlschrank. Im Winter vors Fenster. Voilà!

  5. Mara Says:

    Ich weiss jetzt nicht, ob es besonders ökologisch ist, wenn alle Städter jetzt mit ihrem Milchkannerl je 40 km fahren um all 2 Tage an frische Milch zu kommen. (abgesehen davon hat mir als Kind nur die Industriemilch geschmeckt).

    Als überzeugte und Gernestädterin halte ich es weder für sinnvoll noch besonders klug meine notwendigen Produkte vom Erzeuger zu holen. Die Wege sind zu lang und ich möchte mein Arbeitspensum eigentlich nicht zugunsten eines Fahrdienstes verringern. Von daher – ja ich kaufe beim Grossverteiler. Und als Packerlkonsumentin bin ich auch auf etwas angewiesen, was die Nase und den Fingerdruck ersetzt – transparenz im Herstellungsprozess, in den Inhaltsstoffen und nachprüfbare Qualität. Wenn Tomaten hellrot sind, dann weiss man auch so, dass sie nicht taugen. Aber bei der Milch??? Weder mag ich, dass vorher 20 Leute schon vorher ihre Nase reingestopft haben, noch will ich den Fingerabschlecktest vollziehen. Da bleibt einfach nix anderes übrig als die Preisreduktion dazu zu nutzen, endgültig nur noch Biomilchprodukte zu kaufen.

    (Heute meine erste gute Tat.. bringt Optimismus ins Leben..hüstel)

  6. Bruder Bernhard Says:

    @Mara: als überzeugter und Gerneprovinzstädter weiss ich, dass ein Vorteil der Stadt der ‚Bauernmarkt‘ ist. Ich fahre für meine Einkäufe dorthin genau 3 km, das geht sehr gut mit Velo oder ÖV. Und es profitieren alle Seiten: Der Bauer löst mehr, ich kriege günstigere Produkte, die z.T. sogar besser schmecken als die Grossverteilereinheitsware.
    Bald habe ich mein Kühlhausabteil leergefressen – dann gibt’s wieder 10 Kilo Jungrind assortiert, vom Hohrückensteak bis zum Hack. Und da lass ich mir auch gleich eine fein geräucherte Speckseite liefern, von einer Qualität, da kann der Grossverteiler selten mit halten.
    Und wer jemals Käse aus der Käserei gekauft hat, kauft niemals mehr diese vakuumierten Salzgummis vom Grossverteiler. Um da jetzt auch noch eine neue Front zu eröffnen….
    Aber wie Mara sagt: man kann natürlich jede gut gemeinte Handlung durch Dummheit, Fantasielosigkeit und Engstirnigkeit in einen Schaden verwandeln.

  7. Mara Says:

    @ Bruder Bernhard

    Jep, ich kenne auch diese netten fünf Damen die grossartigen Käse hier um die Ecke verkaufen – immer zu Bürozeiten, Dienstags und Freitags zwischen 9 und 11 Uhr vormittags. Das sind Tage, an denen ich mir überlege einen Hausmann anzuschaffen, mein Putzmann weigert sich nämlich für mich einzukaufen.

  8. Zappadong Says:

    Auch ich bestelle das Fleisch beim Bio-Bergbauern, alle paar Monate mal kommt er vom Berg runter und bringt mir das Fleisch (er ruft vorher an und fragt, wann ich zu Hause bin). Die Eierfrau kommt auch vorbei und wenn ich nicht zuhause bin, legt sie die Eier vor die Tür. Und Gemüse und „Gonfi“ nehme ich von Schwiegereltern und Eltern mit, wenn wir sie besuchen.

    Mein Vorsatz für 2009: Nur noch im Dorf einkaufen. Beim Bäcker, beim Metzger und beim Volg – weil Volg noch zu denen gehört, die in den Käffern noch Läden unterhalten und darum vielleicht ein wenig weniger „effizient“ sind als die Grossverteiler – und auch darum beim Volg, weil ihn südlich der Denner und nördlich die Migros in die Klemme genommen haben. Und einmal pro Woche an den Markt in die „Stadt“ (oder besser gesagt, das grössere Dorf, das sich für eine Stadt hält).

    Nein, Zeit für solche Spässe habe ich nicht unbedingt. Mit zwei Jobs ausgestattet und gleichzeitig auch noch Mutter und Hausfrau, habe ich es mir bis jetzt etwas bequemer gemacht und vieles beim Grossverteiler gekauft. Aber mir reicht’s!

  9. flashfrog Says:

    Diese verantwortungslose Milchtrinkerei müsste sowieso verboten werden. Das Methan aus den Kuhmägen ist ja Schuld an der Klimaerwärmung. Die ist verantwortlich dafür, dass die Gletscher abschmelzen. Das wiederum verursacht erhöhte Niederschlagsmengen, also mehr Schneefall in den Alpen im Winter. Was wiederum zu einem erhöhten Wintertourismusaufkommen in den betroffenen Gebieten führt. Also werden mehr Hotels auf die Berge gebaut. Das sieht 1. nicht schön aus und 2. muss dann da dauernd Zeug raufgekarrt werden, Lebensmittel, Heizöl, Zobelpelze. Und Milch.
    Da trinke ich doch lieber französisches Wasser. Das sichert Arbeitsplätze in der Wasserförderungsindustrie, der Glaswiederverwertungs- und Flaschenwirtschaft und bei den Wasser-durch-die-Gegend-fahr-Dienstleistern und stärkt das europäische Zusammengehörigkeitsgefühl. Und hinreichend teuer ist es auch schon.
    😉

    >> „Die Eierfrau kommt auch vorbei und wenn ich nicht zuhause bin, legt sie die Eier vor die Tür.“

    @Zappadong: Hast du sie mal heimlich bei Eierlegen beobachtet?

  10. Mara Says:

    @ zappadong

    Ich wollte damit keineswegs sagen, dass mir dieses Konzept der Direktvermarktung nicht sehr viel sympathischer ist – aber es setzt etwas voraus, was viele in der Stadt nicht haben. – Bis ich in all den Städten in denen ich die letzten 15 Jahre gelebt habe endlich einen Gemüsenkistenlieferdient gefunden habe sind schon ein paar Monate ins Land gezogen, und dann noch die Eier und und und…
    Dazu kommt, dass ich keineswegs mich mit den grossartigen (keine Ironie!) Hausfrauen messen lassen kann, die ihren Speiseplan bereits eine Woche im voraus haben – und daher auch einfach genau wissen was sie brauchen.
    Hier in Z warte ich noch auf den Bauern der mir sein Saisongemüse wöchentlich vorbeibringt ..(bzw. das Wissen darum).

    PS: hab mal von einer Bioeinkaufskooperative gehört, allerdings mit den öffnungszeiten am Freitag von 17 Uhr abends..und dann noch am Samstag (augenverdreh)

  11. Bruder Bernhard Says:

    na ja, @mara, es gibt ja so Gemüseabos, ähnlich wie die Sockenabos von Blacksocks, nur viel schmackhafter. Die liefern im gewünschten Rhythmus die gewünschte Menge regelmässig per Post ins Haus.
    Aber für mich steht natürlich der Geschmack der Ware im Vordergrund, und wenn ich mich entscheiden muss zwischen 1. Arbeiten bis in die Nacht und 2. weniger arbeiten, dafür mehr Zeit für die Einkäufe – da ist schnell entschieden. Aber man kann sich natürlich sehr leicht in der Welt der selbst geschaffenen Sachzwänge einrichten – und muss dann halt mit der Konfektionsware aus der Welt der ungebremsten Öffnungszeiten vorlieb nehmen. Es ist ein persönlicher Entscheid.

  12. Bruder Bernhard Says:

    @Frau_Zappadong: Ihre jugendliche Radikalität ist beeindruckend! Gruss aus der Provinz.

  13. zappadong Says:

    Ja, und stellen Sie sich vor, ich habe sogar die Migros und die Coop Zeitung abbestellt 🙂

    (War so ein Gewohnheitsdingens … die hatten schon meine Eltern ….)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: