Die Chance Obamas, die wir selbst verdienen

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Heute ist er also da, der grosse Tag der Amtseinführung von Barack Obama.

Seit seine Wahl fest stand, sind die Probleme der USA und damit der Welt nicht kleiner geworden.
Was sich erhalten hat ist das Übermass an Hoffnung, das auf die Schultern dieses Mannes fokussiert bleibt.
Natürlich ist das übertrieben, natürlich ist Obama nicht der Nabel der Welt. Vielleicht war es der amerikanische Präsident noch nie so wenig wie heute. Die Welt ist wirklich globaler geworden. Ein unmöglicher Satz, ich weiss, und doch wissen wir alle, was damit gemeint ist.
Noch nie war es uns bewusster denn heute, noch nie war es so sehr Fakt wie jetzt:
Es gibt diese eine Welt und wohl definitiv auch den einen Markt, den globalen Wirtschaftsraum mit veränderten Spielregeln, Machtverhältnissen und unveränderten Begehrlichkeiten. Sie wachsen nun nur in noch mehr Köpfen und jenseits aller alten Grenzen.

Was also kann Obama bewirken?

Das Wichtigste scheint etwas Ungreifbares und daher auch sehr Fragiles, vielleicht gar nur Eingebildetes zu sein:
Wann haben wir das letzte Mal einer grossen politischen Figur zugebilligt, dass sie ein Regierungsamt mit dem Willen antritt, für Alle Gutes zu bewirken?

Sind diese Projektionen „berechtigt“? Müssen sie nicht zwangsläufig bitter enttäuscht werden?

Yes, We Can. Es steht da das Wort „Wir“. Schlussendlich vermag ein Politiker, der an ein Gemeinwohl glaubt, nur für das zu kämpfen, wofür er den Support seiner Wähler fühlt. Und im Falle des amerikanischen Präsidenten ist das nicht nur die eigene Wählerschaft, sondern jener Teil der Welt, der sich den Wandel gewünscht hat.

Es wird auf uns ankommen.

Darauf, dass wir alle unsere Politiker danach beurteilen, was sie nach diesen Kriterien für uns tun, für das, was wir wirklich wollen, wenn wir unsere Bedenken und Ängste für die Zukunft unserer Kinder und unserer Welt wirklich ins Zentrum stellen und das letzte Quentchen Luxus und Bequemlichkeit mal beiseite lassen – um mal mit den harmlosen Dingen zu beginnen. Aber wenigstens mit ihnen. Dabei werden wir uns immer darum streiten, welche Lösungen dafür wann, wie und wie rigoros zu suchen sind. Aber wir sollten uns dann auch daran messen, mit welchen Mitteln, in welchem Geist und mit welchem Respekt wir nach Antworten und Wegen suchen.

Wenn Obama das mit bewirken soll, was sich seine Anhänger erhoffen, dann gehört dazu, dass wir unseren Knilchen da oben unmissverständlich sagen, dass wir die Selbstverantwortung aller einfordern, dass wir verlangen, dass man mit dem politischen Gegner spricht, alle Eitelkeiten beiseite lässt und verdammt nochmal den Kompromiss entdeckt, der damit beginnt, dass man die andere Tischseite respektiert und sich für deren Bedürfnisse interessiert.

Wir alle sind gefordert. Wir müssen die längst in unseren Köpfen eingewachsenen Prinzipien überdenken. Arbeitsplätze für möglichst alle? Ja, gerne, aber vielleicht geht das nur, wenn wir den etwas längeren Weg nehmen, weil nicht mal dies das einzige Ziel sein kann, um jeden Preis. Denn den höchsten Preis hat die Welt als Ganzes, der fragile Planet und unsere Menschlichkeit, mit der wir ihn bewohnen sollten, wenn wir ihn erhalten wollen.

Geben wir Obama und allen, die guten Willens sind, die Chance, die wir selbst verdienen.

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29 Antworten to “Die Chance Obamas, die wir selbst verdienen”

  1. uertner Says:

    Hallo thinakabout. Jaja: Obama die neue „Unitopie“. In einem schönen Büchlein eben gelesen:

    „Dsi Gung fragte nach der rechten Art des Regierens. Der Meister Konfuzius sprach: „Für genügend Nahrung, für genügende Wehrmacht und für das Vertrauen des Volkes in die Regierung sorgen.“ Dsi Gung sprach: „Wenn man aber keine Wahl hätte, als etwas davon aufzugeben: auf welches von den drei Dingen könnte man verzichten?“ Der Meister sprach: „Auf die Wehrmacht.“ Dsi Gung sprach: „Wenn man aber keine Wahl hätte, als auch davon eines aufzugeben: auf welches der beiden Dinge könnte man am ehesten verzichten?“ Der Meister sprach: „Auf die Nahrung. Von alters her müssen alle sterben; wenn aber das Volk kein Vertrauen in die Regierung hat, so lässt es sich nicht regieren.““

    Die Geschichte findet sich in einer Predigt von Pfr. Dr. Frank Jehle im sehr empfehlenswerten Bändchen: „Bei offenen Kirchenfenstern: Predigten im Radio und an der Universität“ TVZ, Zürich, 2008.
    Mit dieser Buchempfehlung wünsche ich allen usern der Beiz noch ein gutes Neues Jahr und dass hier wieder geschrieben und kommentiert wird im Sinne von „Yes, we can“.

  2. zappadong Says:

    Frank Jehle war mein Religionslehrer. Man möge mir verzeihen, wenn ich das Buch nicht kaufe …

  3. uertner Says:

    Tja, da wurde offensichtlich ein Frauenzimmer in einen fröhlichen Agnostizismus getrieben ;-). Den Deutschen usern sei hier nur wieder mal deutlich vor die Nase gestellt, wie schrecklich klein unsere liebe Eidgenossenschaft ist (hier handelt es sich um den Kanton St.Gallen). Unsere Höflichkeit rührt also nur daher, dass wir nie sicher sein können, ob wir nicht übermorgen auf den Erzfeind von gestern wieder angewiesen sein könnten.

  4. zappadong Says:

    Volltreffer, lieber Herr uertner 🙂 (in beiden Fällen: dem Agnostizismus und der Ursache unserer Höflichkeit)

    Aber sehen wir die Sache positiv: Wann immer unser Religionsunterricht ausfiel, stürmten wir FREIWILLIG in den Religionsunterricht unserer katholischen Schulkameraden und horchten gebannt, was Pater Giulio Haas zu sagen hatte. Pater Haas hat sich übrigens später der Psychologie zugewandt und ebenfalls Bücher geschrieben.

    Generell scheinen wir sehr umtriebige Theologen zu haben bei uns im oberen Rheintal. Der gute Jakob Vetsch wirkte in meiner Heimatgemeinde, bevor er die Seelsorge ins Internet verlegte.

    Aber wir schweifen hier etwas vom Thema ab …

  5. uertner Says:

    Nun, um wieder in den mainstream unserer Diskussion über Obama einzmünden: thinkabouts Titel: „Die Chance Obamas, die wir selbst verdienen“ tönt ja in meinen Ohren etwas ähnlich wie „Der Opfertod Christi, der uns alle erlöst“, wobei dann calvinistisch gesprochen es darum ginge in Dankbarkeit dafür ein perfektes Leben hinzulegen und ich denke Obama wird von seinen Mitbürgern etwas ähnliches verlangen: er nimmt die Schulden Amerikas auf sich und den Finger am Auslöseknopf, der die Welt auslöschen kann wird er nun alles vernunftgebotene einfordern auf ein „Reich Gottes“ hinzuarbeiten, das für die Amerikaner ja durch ihre Nation gewirkt werden soll. Insofern, liebe Frau Zappadong, lohnt es sich die Bibel zu lesen. Kant meinte, man werde ein besserer Mensch dadurch, Brecht meinte, sie sei einfach verdammt gut geschrieben, Thomas Mann hat sie in „Joseph und seine Brüder“ über weite Strecken nacherzählt. Und wenn Sie dem Frank Jehle eine zweite Chance einräumen wollen, dann lesen Sie sein kleines Barth-Büchlein: „Lieber unanständig laut, als anständig leise“: ein Motto, das ich stets auch aus gewissen Voten von Ihnen herausgehört habe. 😉

  6. flashfrog Says:

    Oder vielleicht „Castellio gegen Calvin“ von Stefan Zweig? 😉

  7. uertner Says:

    Über den feigen Selbstmörder Zweig, der sich 1942 selber auslöschte samt Gattin liesse sich noch einiges sagen. Überhaupt erscheint mir „Utopie und Selbstmord“ ein spannendes Thema: eine kleine vorläufige Zusammenstellung:
    Stefan Zweig 1942 (samt Gattin), Niklaus Meienberg (1993?), Kurt Tucholsky 1936, Petra Kelly und ihr General (1993?) Wer weiss noch von mehr „Werthern“?

    Meine vorläufige Hypothese: „Utopien sind die Mythen der Dummköpfe“. Und Dummköpfe bringen sich irgendwann um. „Utopien“ sind darum schädlicher als das Sturmgewehr im Besenkasten. Oder wie Schnauze Helmut Schmidt es so schön sagte: „Wer Visionen hat, soll den Arzt aufsuchen“.

  8. Mara Says:

    Über das Adjektiv lässt sich wahrlich streiten. In erster Linie finde ich es jedoch beleidigend und herabwürdigend. – wahrlich kaum geeignet eine ernsthafte Diskussion damit einzuleiten.

    Schmidt ist sicherlich alles andere als ein Utopist – in meinem Augen auch sicherlich eher ein politischer Verwalter, denn jemand der Neues auf den Weg bringt. Denn, um Neue Wege zu gehen, muss man genau dass haben, eine Vorstellung davon wie eine ideale Gesellschaft in den eigenen Augen auszusehen hat. Dass sie so vielleicht absolut nicht erreichbar erscheinen – dass ist nun mal das Schicksal von Utopien. Aber Armutsbekämpfung, Menschenrechte, soziale Ungleichheitheit wären ohne diese Utopien wohl kaum denkbar.
    Selbstverständlich bergen Sie auch Gefahren, schliesslich teilen nicht alle Menschen diesselben Ideen und Vorstellungen. Aber nur weil über das „Was“ Uneinigkeit herrscht, kann dies nicht dazu führen den Antrieb zu verdammen.

    Abgesehen davon sind einige Utopien sehr wohl wahr geworden, siehe auch Obama.

  9. Frau Müller Says:

    @ Uertner: Stefan Zweig kämpfte, wie jeder seiner Freunde und Briefpartner wusste und wie es auch zahllose Briefe belegen, seit seinen Jugendjahren mit Depressionen, die sich im britischen und im brasilianischen Exil verschlimmerten.
    Depressionen sind eine psychische Erkrankung. Je nach Schwere einer Depression kann sie mit latenter oder akuter Suizidalität einhergehen. Die Suizidforschung zeigt auf, dass 90% aller Menschen, die Suizid begangen haben an psychischen Erkrankungen, wie schwere Depressionen, bipolare Störungen oder Psychosen litten.
    Menschen, die depressionsbedingt – also auf Grund einer Krankheit – Suizid begehen als «feige Selbstmörder» zu titulieren, ist demnach vor allem ein Zeichen von eklatanter Unwissenheit über die Faktoren und Auslöser von Suizid – und vielleicht auch noch von Selbstgerechtigkeit und mangelnder Sensibilität.

  10. uertner Says:

    @Frau Müller. Da haben Sie bestimmt Recht. Meine Formulierung war ja bewusst gewählt, um Sie zu provozieren. Nur mein Einwand: warum hat sich Indro Montanelli, der Zeit seines Lebens unter Depressionen litt nie umgebracht? Den Punkt auf den ich Hinaus will, ist dass mit dem Begriff der Utopie viel Schindluder getrieben wird. Gerade für die Deutschen hat sich dieser Begriff als fatal erwiesen. Auch Ihr Pantheistischer Baruch Spinoza hat ja die Theorie geliefert, an Hand welcher Goethe den jungen Werther in den Selbstmord laufen liess.
    Hinwiederum möchte ich Calvins Position stärken, der in der deutschen Rezeption Opfer zweier deutscher Krankheiten geworden ist. Zum einen ist es die Obrigkeitsseligkeit der lutheranischen Kirche Deutschlands, die dem Calvinismus mit seinem Modell der Basisdemokratischen Kirchgemeinde und seinem Widerstandsrecht gegen die unchristliche Obrigkeit den Schlüssel für viele Revolutionen in der Geschichte gab:
    Abfall der Niederlande, Cromwell, glorious Revolution, Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika.
    Zum andern wurde der Kulturjude Zweig Opfer seines Abfalls von seinem angestammten Glauben und seinem Versuch sich in das „Deutschtum der Kulturprotestanten“ hineinzuschreiben. Er verteufelt Calvin, der dem Luthertum schon immer Suspekt war, und setzt ihn eins mit dem Hitlerstaat, der ihn trotz all seiner Integrationsbemühungen 1933 auf dem Scheiterhaufen verbrannte: dies ist eine Kolossale Geschichtsklitterung. Da aber der Herr Zweig mit „Sternstunden der Menschheit“ sich ledergebunden und mit Goldprägung in das Hirn der deutschen Bildungsspiesser geschrieben hat und er sich dank „Castellio gegen Calvin“ gar den Namen eines Widerstandskämpfers erworben hat, wird nun seine fiktionale Rekonstruktion der Geschehnisse um den Trinitätsleugner Servet als bare Münze genommen. Flashfrog ist natürlich als reine Literaturwissenschaftlerin entschuldigt, wer aber vom jüdischen-stoischen „aufrechten Gang“ schwadroniert, dem sei gesagt, dass gerade Calvin mit der Wiederherstellung des Zugangs zur ganzen Bibel, der stärkeren Betonung des Alten Testamentes ein grosser Inspirator des Widerstandes gegen jegliche Unterdrückung war. Aber mit „Castellio gegen Calvin“ sind die Ressentiments der Deutschen, die entweder lutherisch oder katholisch sind und in Frankreich ihren „Erzfeind“ sehen, am besten bedient.

    —————————————
    [ flashfrog schreibt:
    Liebe Beizler,
    da es eine Leserbeschwerde gegen den obigen Kommentar von Uertner gab, habe ich gezögert, ihn wieder freizugeben.
    Er schiesst in seiner Polemik offensichtlich übers Ziel hinaus, und ich kann nachvollziehen, dass der Kommentar als antisemitisch interpretiert werden könnte.
    Aber ich bin zu dem Schluss gelangt, Zensur wäre nicht im Sinne von Stefan Zweig, der sich gerade in diesem Buch energisch gegen jede Art von Zensur wendet und für die freie Meinungsäusserung und Diskussion, sogar im Umgang mit einem unbelehrbaren religiösen Hitzkopf, als den er Servet darstellt.

    Mit Thinkabouts Blog-Artikel über Obama hat das alles allerdings nur noch sehr wenig zu tun.
    Ein bisschen Obamismus könnte an dieser Stelle aber nicht schaden. Versuchen wir bitte, zu einer sachlichen Ebene zurückzufinden, statt uns hier in der Beiz mit Tomaten zu bewerfen.

    Und @uertner: Frau Müller wirst du mit solchen Rüpelhaftigkeiten auch nicht imponieren. 😉 ]

  11. zappadong Says:

    Über Stefan Zweig weiss ich zu wenig, aber der Niklaus Meienberg, der war mein Jugendidol. Er hat mich und mein Denken geprägt – und damit viel mehr getan und erreicht als (Sie verzeihen, Herr Uertner) jener Religionslehrer, der mehr oder weniger eine menschliche Teflonpfanne war, kontakt- und diskussionsunfähig und so langweilig und seelenleer, dass es schon fast wehtat.

    Ich bin froh, dass es den Meineberg gab. Ich bin froh um seine Utopien. Ich bin froh, um das, was er mir mit auf den Weg gegeben hat. Und deshalb ziehe ich Utopien und Visionen allemal der allgemeingültigen Lehre vor, die sich nur auf bewährten Pfaden bewegt.

  12. flashfrog Says:

    Ich weiss wenig über Stefan Zweigs Biografie, aber bei seinem Suizid wird nicht nur die individuelle Veranlagung eine Rolle gespielt haben, sondern gewiss auch die weltpolitische Lage: dass die Welt sich in Massenmord, Genozid und Weltkrieg und Chaos befand 1942 und er einsam und enttäuscht im Exil, hat sicher zu seiner Verzweiflung beigetragen.
    1936, als er seinen Castellio schriieb, sah er die Sache noch hoffnungsvoller: Er war überzeugt, dass sich Diktaturen jeweils nur für kurze Zeit an der Macht halten können und mitunter letzlich sogar die Gegenbewegung der Freiheit befördern.

    Wenn Zweig Calvin als eine Folie für seine Anklage gegen Hitler benutzt, ist sicher zu kritisieren, dass er damit einerseits Calvin Unrecht tut und andererseits Hitler verharmlost, das sehe ich auch so.
    Am Ende billigt aber auch Zweig dem (toleranter gewordenen) Calvinismus (bei aller Kritik) zu, massgeblich verantwortlich zu sein für die politischen Freiheitsbewegungen in Europa und Amerika. Aufbauend auf Werten, auf die sich auch Obama beruft, wenn er sich in der Nachfolge Abraham Lincolns und Martin Luther Kings sieht.
    Es geht Zweig in dieser Allegorie nicht in erster Linie darum, Calvin und den Calvinismus zu verdammen, sondern sich vehement gegen jede Form des Fanatismus, der nur die eigene Meinung als die einzige Wahrheit duldet und gegen jede Diktatur in geistlichen und geistigen Dingen und für die Toleranz auszusprechen.
    Ob man tatsächlich jede und jedwede Meinung tolerieren muss, ist eine Frage, über die sich sicherlich streiten lässt. Aber vielleicht sollten wir die literaturwissenschaftliche Diskussion über das Buch an anderer Stelle fortsetzen, im Calvin-Jahr wird sich sicherlich noch Gelegenheit bieten.

    (PS: Auch Castellio war Franzose, und die Deutschen sehen in Frankreich ihren wichtigsten EU-Partner, da gibts längst keine Ressentiments mehr.)

  13. uertner Says:

    @flashfrog. Danke für die Antwort. Mir scheint bei Zweig, den ich gar nicht gelesen habe, und über den ich nun einzig „vom Schiff aus“ eine Theorie entwerfe, folgendes Interessant.

    1. Ganz zu Recht die Frage, was duldet eine Gesellschaft an Abweichung und was nicht, auf Grund wessen. Aktuell ist ja der Fall des holocaust-leugnenden Bischofs, der nun wieder in den Schoss der katholischen Kirche zurückgeholt wurde. Es liessen sich noch weitere Fälle anführen. Im Theaterstück „Die heilige Johanna“ hat ja Shaw, wenn ich nicht irre, die Sache mal exemplarisch vorgeführt. Frau rettet das Vaterland, wird dann aber als Hexe verbrannt. Ein ähnlicher Fall ist der Professor und Holocaustleugner Robert Faurisson, der allgemein verurteilt und geschnitten wurde. Alle sind mit der Veruteilung Faurissons einverstanden; nur einer hat Meinungsfreiheit für ihn verlangt: Noam Chomsky. Auch unsere moderne Welt hat also ihre Tabus, deren Übertretung nicht geduldet werden. Wir sind kein Deut besser als das Mittelalter.

    2. Im Falle von Stefan Zweig scheint mir eine geistesgeschichtliche Gemenge-Lage vorzuliegen die interessant ist. Stefan Zweig ist, Österreicher, Jude und Deutscher Schriftsteller. Als Schriftsteller versucht er an der Deutschen Kulturnation zu bauen. Als humanistischer Freigeist dürfte er sowohl seine eigene Religion, wie auch jede Religionsübung überhaupt abgelehnt haben. Er war wohl Pazifist. Vor diesem Hintergrund wird es verständlich, dass er eine Allegorie wählte, die ihn wieder ins Zentrum der „Kulturnation“ brachte. Dadurch, dass er Calvin als abschreckendes Beispiel wählt, hat er alle Deutschen (Katholiken und Lutheraner) auf seiner Seite. Der böse ist der französische (Erzfeind) Ketzer Calvin.

    3. Wie die Verhältnisse zu Frankreich heute sind, kann ich nicht beurteilen. Ich las nur bei Sloterdeijk in der „Theorie der Nachkriegszeiten“, dass die beiden Nationen einander gleichgültig sind. Gerade in der Bewältigung der Finanzkrise machten sie nicht den Eindruck, dass Paris und Berlin Hand in Hand agieren.

  14. flashfrog Says:

    Ja, immer toll, wenn Leute über Bücher schimpfen, die sie nicht gelesen haben. 😉

    >> Wir sind kein Deut besser als das Mittelalter.

    Doch, wir verbrennen niemanden mehr bei lebendigem Leib. Wir löschen nur noch Accounts.
    (Nur um neuen Missverständnissen vorzubeugen: Du setzt jetzt aber nicht Holocaustleugner gleich mit Protestanten, die im Mittelalter für freie Religionsausübung kämpften?)

    >> Als humanistischer Freigeist dürfte er sowohl seine eigene Religion, wie auch jede Religionsübung überhaupt abgelehnt haben.

    Nö, er war selbst nicht religiös, aber er setzt sich in dem Buch, Castellio zitierend, ein für religiöse Toleranz: „Man lasse also Protestanten sein, die Protestanten sein wollen und Katholiken, die sich zum Katholizismus bekennen, man nötige nicht diese und nicht jene.“ (S. 206)

    Für Zweig gibt es keine Ketzer, denn die Idee, jemanden als „Ketzer“ zu verurteilen (und zu töten), nur weil er in religiösen oder weltanschaulichen Dingen eine andere Meinung hat als man selber, ist ja gerade das, wogegen Zweig anschreibt:
    „Seit Anfang der Welt ist alles Unheil von den Doktrinären gekommen, die unduldsam ihre Meinung und Weltanschauung als die einzige erklärten. (…) diese Fanatiker des Einheitsdenkens (…) verwandeln das natürliche nebeneinander der Ideen in ein Gegeneinander und in mörderischen Zwist.“ (S. 171)

    In Deutschland wurde das Buch übrigens verboten und die Erstausgabe 1936 vor der Auslieferung vernichtet. Die zweite Ausgabe erschien erst 1954, die französiche Übersetzung erschien 1946. Deine Erzfeind-Theorie ist also Unfug. Und ich kann dir versichern, dass die Deutschen heute gegen Frankreich keine Ressentiments hegen.

    Übrigens ist das „Reich Gottes“ ja die U-topie schlechthin. Wenn deiner Meinung nach jeder, der daran glaubt, ein Dummkppf ist… 😉

  15. uertner Says:

    Danke für die Präzsierungen: Die Erzfeind-Theorie stimmt eben doch noch: gerade im Exil wollte sich vielleicht Zweig in die „Kulturnation“ hineinschreiben. Umso verzweifelter musst er 1942 sein, als die Hitlerei auf dem Kulminationspunkt stand.

    Zu Servet ist noch zu sagen: der Mann leugnete die Trinität. Das war die Grundlage des Christentums seit dem Konzil zu Nicaea 325. Gemäss römischem Recht und gemäss der damals geltenden Carolina im Deutschen Reich hatte Servet durch diese Position sein Leben verwirkt. Calvin soll ihm in einem Brief schon gewarnt haben, er würde dafür sorgen, dass er den Behörden überliefert würde, sollte er Genfer Territorium betreten. Servet ist somit eine Art Selbstmordattentäter, der aus irgendwelchen persönlich-apolkalyptischen Gründen den Tod suchte. Calvin war ja ein brillanter Jurist, und soll für die Enthauptung plädiert haben. Der Rat von Genf aber (der unter dem Sittenregime Calvins ächzte) entschied sich für die bei Ketzern übliche Verbrennung.

    Natürlich ist das „Reich Gottes“ eine „Utopie“ wobei ich lieber von einer „Verheissung“ spreche, die nicht durch Menschenverstand hergestellt werden kann. Der grosse deutsche Theoritker der Utopie Ernst Bloch, sprach ja von „ubi Lenin, ibi Jerusalem“: mit den bekannten Folgen.
    Ich mag eher die Verheissungen, die an die Gesetze Moses gebunden sind, als die „Utopien“ die von „wissenschaftlich-rational“ ermächtigten Experten durchgesetzt werden. Die Enden nämlich regelmässig in eszessiven Bluträuschen: mögen sie nun „la terreur“, „Ausschwitz“ oder „Archipel Gulag“ heissen. Mir scheint der „Rationalismus“ war seit jeher blutrünstiger als der sogenannte „religiöse Irrationalismus“.

    Aber dein Kommentar hat mich ja echt weiter gebracht. Danke 😉

  16. flashfrog Says:

    Ist klar, die Utopie, an die man selber glaubt, ist immer die Wahre und die Dummköpfe sind immer die anderen. 😉

    Servet war kein Attentäter, er hat ja niemanden umgebracht. Er hat sich bloss erdreistet, eine unorthodoxe These zu vertreten.
    Und Denken ist für Zweig kein strafbares Verbrechen.
    Hinrichtung, Folter und allein die Androhung von Gewalt für Leute, die zufällig nicht in allen Punkten mit Calvins strenger Lehre übereinstimmen, ist für Zweig ein Verbrechen. „Einen Menschen töten heißt niemals, eine Lehre verteidigen, sondern einen Menschen töten.“ S. 177)

    Calvin wollte anscheinend das Zersplittern der jungen protestantischen Bewegung in unzählige, unter einander zerstrittene Sekten verhindern. Das ist nachvollziehbar.
    Castellio hatte die Sorge, dass eine neue protestantische Inquisition eingeführt wird und man die gleichen Fehler macht, deretwegen man sich vom Katholizismus verabschiedet hatte und deretwegen man selber Verfolgung erlitten hatte. Auch diese Sorge ist berechtigt.

    Und nochmals: Zweig war Österreicher. Castellio war Franzose, genauso wie Calvin.
    Unterstützt hat Zweig beim Schreiben des Buches übrigens der damalige Nachfolger Calvins in Genf, Jean Schorer.

    Wie kriegen wir jetzt wieder die Kurve zurück zum Obama-Thema? 🙂

  17. Frau Müller Says:

    @ Uertner (Januar 26, 2009 um 1:05): Nicht jeder der Depressionen hat, begeht Suizid. Aber 90% aller Menschen, die Suizid begehen, litten zuvor an Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen. http://www.biomedcentral.com/1471-244X/4/37
    Die Behandlung von Depressionen ist deshalb eines der wichtigsten Elemente der Suizidprävention. Werther fällt unter die 10% impulsiver Suizide.
    Ich kenne die Krankengeschichte von Montanelli nicht, vielleicht liess er sich mit Psychopharmaka behandeln, vielleicht hatte er ein Umfeld, das ihn tragen konnte, vielleicht konnte er sich mitteilen und um Hilfe bitten, vielleicht hatte er keine suizidale Disposition, vielleicht war sein Leidensdruck nicht so gewaltig, wie derjenige von Zweig, vielleicht ist er auf der Gratwanderung zwischen Lebenswille und suizidalen Phantasien einfach zufällig nicht abgestürzt.

    @ Uertner (Januar 29, 2009 um 2:27):
    Zu behaupten, dass wir (in Bezug auf Holocaustleugnung) Tabus haben und keinen Deut besser sind als im Mittelalter, ist kompletter Unfug.

    Lediglich in einem halben Dutzend Staaten weltweit ist die Holocaustleugnung ein Straftatbestand. Und auch dort bekommt man lediglich eine Busse oder ein paar Monate Haft und wird nicht – wie Flashfrog schon sagte – auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

    Die angelsächsische Rechtskultur gewichtet die Meinungs- und Redefreiheit weitaus breiter als in D/F/A/CH. Zensur gilt als Feind der Freiheit und des Fortschritts und der Demokratie. Der Staat hat nicht das Recht zu entscheiden, was gesagt werden darf und was nicht, und was historisch richtig ist und was nicht.

    Nicht ein Verbot oder die Zensur ist die beste Vorgehensweise gegen Hassreden, sondern der offen ausgetragene Streit mit den Urhebern solcher Gedanken. So würde ich persönlich es auch in der Beiz 2.0 halten. Dieser Streit darf dann auch ruhig lautstark und bitterböse sein.

    Es gibt diskutable Gründe, die Meinungsfreiheit in der historischen Diskussion zu schützen und Maulkorbgesetze zu vermeiden. Das Recht auf freie Meinungsäusserung gilt aber nicht absolut. Insgesamt zeigt die Erfahrung jedoch, dass Beschränkungen des Rechts auf freie Meinungsäusserungen kaum ein wirksames Mittel gegen den Missbrauch dieses Rechts durch Extremisten und Rassisten sind.

    PS. Wir können Obama auch drüben diskutieren. https://beizzweinull.wordpress.com/2009/01/20/barack-obama-hoffnung-wagen/

  18. Rik Says:

    Ein Gespräch zw. Cziffra und Roth über seinen neuen Roman „Antichrist“:

    Roth: „Ich scherze nicht. Ich meine wirklich Martin Luther (ist der Antichrist). Aber das übersteigt sicher Ihren Horizont, Fähnrich. […] Die Thesen von Wittenberg hatten eine einhellige Ordnung zerstört, Zwiespalt gesät, ohne dafür etwas Großes zu geben. Luther hat den Glauben reduziert, Gläubige gespalten, den ersten Schritt zum Heidentum getan. Er war der Vorläufer Hitlers.“
    „Das ist stark“, entschlüpfte es Cziffra, „Und das steht alles in Ihrem Buch?“
    Roth schüttelt den Kopf.
    „Leider nur verschlüsselt. Sei wissen, „Antichrist“ ist in Amsterdam erschienen. Die verstockten Protestanten hätten es nie gedruckt, wenn ich offen auf Luther losgegangen wäre.“

    [entnommen: Der Heilige Trinker – Erinnerungen an Joseph Roth von Géza von Cziffra – Berenberg Verlag]

  19. uertner Says:

    @Frau Müller. Bravo, ja die angelsächsische Rechtskultur ging gerade durch das Bad eines grossen Pluralismus auch in religiösen Fragen (allerdings nur im Rahmen des Christentums): allein die „Puritaner“ waren dann doch nicht so genehm und sie gingen dann auch nach Übersee.

    Was noch zu bemerken wäre: Die Gotteslästerung war in Grossbritannien bis vor kurzem noch ein Straftatbestand. Nun wurde das Gesetz (da es ohnehin in den letzten zwanzig Jahren nicht benutzt wurde) abgeschafft. Offensichtlich braucht eine Gesellschaft einen Zentralmythos, der nicht angetastet werden darf.

    Ich denke in der Wirtschaftskrise, die ja zum Grossteil eine Vertrauenskrise ist, werden „Glaubensfragen“ wieder mehr an Gewicht erhalten. Gerade die wichtige Stellung Zürichs und Genfs als Bankenplätze, beruht wohl historisch auf dem Vertrauen, das Calvinisten auf der ganzen Welt den „reformierten Städten“ entgegenbrachten. Auch das „Islamic banking“

  20. Frau Müller Says:

    @ Uertner. Sie glauben also, dass die Kirche/Synagoge/Moschee, die grosse Gewinnerin der Finanzkrise sein wird?

    Oder was meinen Sie mit «in der Wirtschaftskrise werden Glaubensfragen wieder mehr an Gewicht erhalten»?

    Der Calvinismus hatte gewiss einen Einfluss auf den Kapitalismus, den Status der Arbeit, den Handel und die Banken. Aber welchen Einfluss hat der Calvinismus heute auf die internationale Handelspolitik? Und wie reformiert sind die «reformierten Städte» Zürich und Genf heute noch?
    In Zürich ist der Anteil der Evangelisch-Reformierten massiv gesunken und beträgt gemäss Volkszählung 2000 noch 32,1 %, selbst der Anteil der Römisch-Katholischen beträgt noch immer 33,2 %, obwohl auch der gesunken ist, (3,4% sind Christkirchlich-orthodox, 1,4 % jüdisch und 5,8 % Islamisch). 16,9 % sind keiner Religion angehörig.
    Und viele werden wohl eine Religion eingetragen haben, fühlen sich aber einer diffusen esoterischen Wellness-Religion wohler.

    Und was das Islamic Banking betrifft, so ist das ein noch weitaus grösseres Nischenprodukt als Öko-Banking. Trotz Zinsverbot legen auch Araber ihr Geld in Genf am liebsten zinsbringend an, selbst in den hiesigen Filialen arabischer Banken.

    Apropos Finanzkrise und Glaubensfragen: Paulo Coelho war wieder in Davos.
    Frage des Journalisten: Zu welchen Werten wird die Gesellschaft denn jetzt zurückkehren?
    Coelho: Zu den wirklichen Schönheiten des Lebens, die nichts kosten, wie Spazieren gehen.

    Da werden sich die Millionen chinesischen Wanderarbeiter aber freuen!

  21. uertner Says:

    Dass Religion nicht aussterben wird, zeigt sich daran, dass gläubige Menschen mit viel Gottvertrauen Kinder zeugen, während geschwätzige Atheisten zwar das Feuilleton volllabern, aber oft mit ein bis zwei Alibi-Kindern von der Welt scheiden.

    Wie zu beginn des Kapitalismus wird „vertrauen“ geschaffen werden müssen: „Vertrauen“, gr. „pistis“ wird allgemein mit „Glauben“ übersetzt. zwischen Credo und Credit bestehen also Beziehungen. Der seit 1980 herrschende Raubtierkapitalismus (Thatcher, Reagan) hat die Vertrauensreserven der „WASPS“ aufgebraucht, die durch Pille, Abtreibung und Hedonismus ohnehin vom Calvinismus abgefallen sind.

    Ob Obama es gelingt den „american dream“ noch einmal zum globalen Leitmythos zu erheben ist die spannende Herausforderung der Zeit. Wer, Frau Müller, ist Coehlo?

  22. uertner Says:

    @rik
    Herzlichen Dank für die Stelle, die offenlegt welche düsteren Leidenschaften Schriftsteller motivieren. Gerade Joseph Roth – den ich nur sehr knapp kenne – mit seinen häufigen „Blut“-Metaphern erscheint hier tief getränkt von dem k.u.k.-Katholizismus der Habsburger. Natürlich ist Luther dem Katholiken der Antichrist, wie der Papst Luther den Antichrist darstellte. Die Kunst Schweizer Protestanten: die auf dem Schlachtfeld den Katholiken (Bergler aus der Innerschweiz) stets unterlegen waren (bis 1712) bestand also darin: zu glauben, dass der Papst der Antichrist sei, aber die Klappe nicht allzu sehr zu öffnen. Es entstand daraus eine etwas spiessige mentalität, die offene Konfrontationen meidet, aber für lange zeiten inneren Friedens gesorgt hat.

  23. zappadong Says:

    So, Herr uertner, jetzt einmal fast off-topic, weil es mir gerade den Hut „lupft“. Ich habe keine zwei Alibi-Kinder. Ich habe zwei Kinder! Zwei Menschen. Und haben tue ich sie eigentlich auch nicht, sie gehören sich selbst.

    Selbst wenn Ihre Bemerkung ironisch gewesen sein soll: Langsam hängt mir Ihr Atheisten-Bashing aus dem Hals heraus. Genau diese gross gespuckten Töne sind der Grund, weshalb ich keiner Religion mehr angehöre. Und weil ich kürzlich von einem gläubigen Christen mit einem Kreuz-Kettchen um den Hals hören musste, was für pervers schlechte Menschen Schwule sind (und dass Christen wie er in den Himmel kommen und solche wie ich in die Hölle), bin ich gerade saumässig schlecht auf das Christentum zu sprechen.

    Trotzdem kann ich immer noch unterscheiden zwischen den Institutionen und jenen, die glauben. Ich werde auch nie alle in einen Topf werfen. Und deshalb hätte ich jetzt ganz gerne, wenn Sie mich einfach Atheistin sein liessen und mir zwei wunderbare Kinder (ohne Alibi davor) zugestehen würden.

  24. Verbale Massenvernichtungswaffen? « beiz 2.0 Says:

    […] der Tat scheint, wie Frau Müller drüben so richtig bemerkte, der britische Herausgeber hier andere Vorstellungen davon zu haben, was […]

  25. uertner Says:

    @Zappadong. Nun wie Sie wissen: auch ich vermochte nicht mehr als zwei Töchter zu zeugen. Nichtsdestotrotz halte ich Sie für eine verkappte Protestantin, die bestimmt in den Himmel kommen wird: wenn nicht schon Ihre Lesungen vor 150 Jugendlichen ein „Himmel auf Erden“ sind. Mit den Alibi-Kindern der Feuilletonistinnen hatte ich auch bestimmt nicht Sie im Visier. Eher Gestalten wie die Zeit-Redaktorin Susanne Gaschke („Die Emanziptaionsfalle: erfolgreich, kinderlos, einsam“ 2005), die nun mit ihrem Einzelkind hausieren geht, dass sie auch nur einem in der feministischen Frauengruppe (wir lassen da keinen Macker ran) stümperhaft eingesetzten Diafragma verdankt. Wir müssen uns hinieden einfach tapfer anstrengen, wo wir dann landen werden, werden wir früh genug erfahren und steht nicht in unserer Hand. Machen Sie mich darum nicht für das Ungemach verantwortlich, dass von etwas übereifrigen Neochristen über Sie hereinbricht, die sich „auserwählt“ wähnen.

  26. uertner Says:

    Hmm, und die zwei dass/das-Fehler in einem Post bringen mich bestimmt in die Hölle.

  27. Frau Müller Says:

    @ Uertner: Nicht wegen Rechtschreibfehlern kommt jemand in die Hölle, sondern wegen seiner Selbstgerechtigkeit. «Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.» (Lukas 18, 9-14).

    Sie nennen einen psychisch Kranken einen «feigen Selbstmörder», an Gott zweifelnde «geschwätzige Atheisten», anderer Leute Kinder «Alibi-Kinder» und tun öffentlich Ihre Verachtung für alleinerziehende Mütter und Kinderlose kund.

    Ein wahrer Christ hingegen würde versuchen ein Lebensbeispiel zu sein und den Menschen Mut zu Ehe und Kindern, ja zum Leben und zum Glauben zu machen.
    Und statt selbstgerecht auf alleinerziehende Mütter herabzuschauen, würde ein wahrer Christ einer alleinerziehenden Mutter nach Kräften helfen.

    Manchmal frage ich mich, wie wohl Sie sich eigentlich in Ihrem eigenen Leben fühlen, wenn Sie andere wiederholt erniedrigen müssen. Ich frage mich, ob Sie mit Gott wirklich im Reinen sind. Aber das geht mich nichts an. Darum nehme ich meine Fragen auch wieder zurück.

  28. uertner Says:

    @Frau Müller. Schon Lichtenberg wusste: „einfacher ist es für eine Religion zu kämpfen, als nach ihren Geboten zu leben“.

    Nun scheinen Sie mir aber das Christentum sehr gut verstanden zu haben: wäre doch eigentlich keine schlechte Sache, oder?

    Ich wehre mich einfach gegen die Leichtfertigkeit mit der man heutzutage mit allem und jedem solidarisch sein will, nur mit dem eigenen Herkommen nicht (mit allen seinen üblen Tanten und Onkeln), gegen eine zynische Überheblichkeit und die rudelweise Hatz auf voreilig als „vorgestrig“ etikettierte.

    Und ab und zu poste ich etwas, um Sie auf den Busch zu klopfen: 😉

  29. zappadong Says:

    Moment mal. Man kann doch mit seinem Herkommen solidarisch sein, ohne gleich ein überzeugter Christ zu sein. Ich liebe meine Wurzeln, die sehr tief gehen (aber ohne Religion auskommen). Mein Grossvater zum Beispiel arbeitete im Bergwerk und hatte 15 Kinder – vom lieben Gott hat er nie gesprochen, dafür hat er heftigst auf den Tisch geklopft, wenn es um (ungerechte) Politik ging.

    Von meinen Eltern habe ich Toleranz und Liebe gelernt. Plus Respekt vor den Mitmenschen. Und sie haben mich gelehrt, dass man andere nicht kleinreden und kleinmachen muss, um sich selber zu bestätigen. Man kann auch einfach so in sich ruhen. Nur: Vom lieben Gott haben beide auch nicht gesprochen. Höchtens von der Ehrfurcht vor dem Leben.

    Sie sehen, Herr Uertner, ich antworte ohne Augenzwinkern. Dazu ist mir das Thema gerade zu ernst.

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