Bücherregal 2.0

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So. Noch ein Nagel da rechts in die Pixel. Sitzt es gerade?  Naja, macht nichts. Hauptsache, es hält.
Ich hab hier in der Beiz mal ein virtuelles Bücherregal angenagelt. Da könnt ihr Bücher reinstellen, die ihr gerade lest, oder eure Lieblingsbücher. Oder Bücher, die ihr gar nicht mögt. Eure Leseeindrücke festhalten und teilen, diskutieren, Links zu interessanten Rezis posten, Bücher von befreundeten Autoren vorstellen…
Ich freue mich auf viele Lesetipps und kontroverse Diskussionen.

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26 Antworten to “Bücherregal 2.0”

  1. flashfrog Says:

    Ich fange gleich mal an:
    Kürzlich gelesen habe ich „Der dritte Zustandvon Amos Oz.
    Hatte mir das Buch damals sogar vom Autor signieren lassen, als er gemeinsam mit dem palestinensischen Autor Izzat Ghazzawi (mittlerweile verstorben) eine Vorlesung gab. Dann war das Buch irgendwo unten im Stapel verschwunden, weil der Titel sich nach Langeweile anhörte (völlig zu Unrecht). Der Stapel spuckte es nun wegen des Ghaza-Krieges und der Diskussionen darüber in Maras Blog wieder aus.

    Der Roman handelt vom Leben des Israelis Fima, eines ganz zauberhaften LOBOs, der so beschäftigt damit ist, mit sich selber zu streiten und zu diskutieren, dass er das wirklich Wichtige im Leben vergisst. Er ist ein hochintelligenter Intellektueller, charmant, charismatisch und sensibel, schreibt gelegentlich für Zeitungen, kümmert sich rührend um seinen Stiefsohn, aber sein Leben scheint ziellos dahinzutreiben. Nicht nur die Haushaltsführung leidet sehr unter seiner Zerstreutheit. Und mit seinem Insistieren geht er gelegentlich allen gewaltig auf die Nerven. Aber wirklich böse sein kann man ihm nie. Gern wäre er ja Ministerpräsident, dann würde er den Frieden herbeiführen und sowieso alles besser machen. Derweil diskutiert er mit der Kakerlake in seinem Küchenschrank.
    Und das wirklich Wichtige im Leben? Wer wissen will, was das ist, der muss das Buch schon lesen. 🙂

  2. zappadong Says:

    öhm … geht das nur mir so: Ich sehe die Blogroll schon eine ganze Weile nicht mehr.

  3. flashfrog Says:

    @zappadong: Wenn du auf die Startseite des Blogs gehst: rechts, ein bisschen nach unten scrollen. Da müsste sie sein.

  4. uertner Says:

    Schön wird das hier eingerichtet 😉 auf ein tolles Interview von Peer Teuwsen hin in der „Weltwoche“
    http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2007-30/artikel-2007-30-reiches-schoenes-grauenhaftes.html

    lese ich gerade „Heile Welt“ von ebendiesem Walter Kempowski, und er scheint mir einer der bedeutenderen Autoren Deutschlands zu sein. Das Buch handelt von einem aus der Ostzone stammenden sich in den Schuldienst in einem Landkaff auf der Lüneburger Heide sich einrichtetenden, nicht mehr so ganz jungen „Junglehrer“. Die stärke des Textes ist seine intelligente Montage von Details die Fugenhaft verschränkten Floskelthemen (jähnicke mit h und ck) die über eine scheinbar ewig-gleiche „heile Welt“ gesponnen wird, die so heil nicht ist. Überall lauern Erinnerungen an allzudeutsche Katastrophen, die halb verdrängt, halb selbstverständlicher Teil der Menschen bleiben, die hier – wie seit Jahrhunderten – weiter leben müssen. Diesem Buch gelingt es auf sehr intelligente Weise mein „Unbehagen“ Deutschland gegenüber zu verdichten und auf intelligente Weise zur Sprache zu bringen. Hätte man mehr Kempowski und weniger Böll gelesen: Deutschland wäre ein besseres Land. Dies die vorerst überspannte These eines begeisterten Lesers. Bin gespannt, was Jähnicke noch zustösst.

  5. flashfrog Says:

    Kempowski mag ich nicht, ist mir zu geschwätzig, das hat er mit Grass gemeinsam. 🙂
    Aber Wolfgang Borchert habe ich gerade für mich entdeckt und ich bewundere dessen sprachliche Präzision, seine Kühle und gleichzeitig tiefe Menschenfreundlichkeit. Schade, dass der nicht überlebt hat.
    Und Wolfdietrich Schnurre würde ich dir ans Herz legen wollen, wenn dich die deutsche Nachkriegszeit interessiert. Auch so ein wunderbarer Erzähler, der heute schon fast wieder vergessen geht.

  6. flashfrog Says:

    Ich habe übrigens gestern „Utopia“ von Thomas Morus angefangen. (Unsere Calvin-Utopie-Diskussion hat mich angeregt.)
    Es liest sich überraschend heutig.

  7. uertner Says:

    In Utopia kommen auch die Schweizer vor, wie sie zu Zeit Thomas Morus wahrgenommen wurden: „So mieten denn die Leute aus Utopia Krieger aus allen Ländern, vor allem aber aus dem Volk der Zapoleten …

  8. flashfrog Says:

    Ja, wie sich Zeiten ändern… 😉
    Bitte verwechsel auch nicht das Deutschland im Jahr 2009 mit dem Deutschland der 40er und 50er Jahre des letzten Jahrhunderts. Der Generation der heute 80jährigen folgten die Wirtschaftswunderkinder. Danach die 68er. Denen ging es in D nicht bloss um Sex und Drogen, das war auch ein Abrechnung mit der Kriegsgeneration.
    Dann kam die Generation Golf und inzwischen sind die Kinder, die nach dem Mauerfall geboren wurden, schon erwachsen.
    Du liest also das Weltbild der Grosseltern- und Urgrosseltern-Generation.

  9. uertner Says:

    @Zappadong: Das mag der Unterschied zwischen der Schweiz und Deutschland sein: die Schweiz hat ein ungebrochenes Verhältnis zu seiner Geschichte, Deutschland, das sich alle 50 Jahr „verstolpert“ tut sich schwer damit. Ich meine von Generation zu Generation wird mehr an Eigenheiten, Tradition, Schuld, Mentalität weitergereicht, als Deine Generation, die nach dem Mauerfall und der „Freude-Friede-Eierkuchen“-Stimmung zu denken begonnen hat, erahnen kann. Gerade im Ausloten dieser Brücher mit viel Humor und Resignation und im Weiterbestehen alter Strukturen unter der Firnis immer neuer „Modernität“ liegt die grosse Stärke der Prosa Kempowskis. Er schaut hin, wertet nicht, stellt fest und zeigt, wie die Menschen trotz allem ein Leben zu gestalten versuchen.

    Die Unbrauchbarkeit der „Utopia“ von Morus ergibt sich aus sarkosophischer Perspektive aus drei Elementen:

    1. Die Utopier lasse die Tiere von Sklaven schlachten, weil sie diese Arbeit eines freien Mannes unwürdig finden.

    2. Die Utopier führen nicht selber Krieg für ihren Staat sondern lassen andere für sich kämpfen.

    3. Thomas Morus will, dass sich die Eheleute vor dem Beischlaf nackt sehen und so „sehenden Auges“ in die Sexualität eintreten. Das ist sehr unerotisch gedacht.

    In allen drei Kernbereichen strebt der „Utopier“ eine „Reinheit“ an, die nicht mit der fleischlichen Verfassung des Menschen vereinbar ist. Und von diesem Kritikpunkt aus lassen sich alle späteren „Utopien“ sehen. Meist sind es: pazifistische, vegetarische, oder sexuelle Erlösungsfantasien, die in die Wirklichkeit umgesetzt ständig zu totalitären Katastrophen führen: Vegetarismus, Pazifismus, Feminismus, Nazismus: alle diese Ismen wollen nicht mit dem Fleisch des Menschen richtig umgehen. Und scheitern. Interssant, ist das dieser Mangel der „Utopien“ schon in der Ur-Utopie angelegt ist.

  10. flashfrog Says:

    Nicht zu vergessen: der Journalismus, der Anachronismus, der Aphorismus, der Rheumatismus…

  11. Frau Müller Says:

    Der Vollständigkeit halber seien auch noch der Alkoholismus, der Protestantismus, der Kannibalismus, Impressionismus, Kulturrelativismus, Moralismus, Tourismus, Metabolismus, Klassizismus, Sado-Masochismus, Helvetismus und nicht zuletzt der Optimismus erwähnt.

    Oder wollen Sie diese Ismen, die die Menschen in totalitäre Katastrophen geführt haben, etwa unterschlagen?

    Das Ziel jeder Aufklärung ist der Verzicht auf jeden Ismus. Denn der Ismus ist es doch, der das Vernünftige ins Unvernünftige übertreibt.

  12. flashfrog Says:

    Sie sagen es, Frau Müller, diese Neigung liegt wohl so tief im menschlichen Organismus begründet, dass die Organisten es immer gleich übertreiben müssen. Die werden dann radikale Cellisten oder Germanisten, wenn nicht gar Einkaufslisten oder Skipisten.
    Aber das wäre jetzt wohl schon wieder Zynismus.

  13. Frau Müller Says:

    Der Sinn des Lebens
    Terry Eagleton, Ullstein Verlag 2008, Fr. 32.90

    Ein schmales Büchlein mit «Der Sinn des Lebens» zu betiteln, mutet keck an. Ist das Thema nicht viel zu gross und vertrackt? Der Autor gesteht freimütig: Nur Komiker und Verrückte wagen sich daran. Wer jetzt an den Monty Python Film «The Meaning of life» denkt, liegt gar nicht so daneben: Terry Eagleton ist Brite durch und durch, und sein gescheites, kenntnisreiches und augenzwinkerndes Essay liest sich überaus amüsant.

    Wenn die Welt aus den Fugen gerät, kommt notgedrungen die Sinnfrage auf. Bevor man aber Antworten sucht, muss man erst einmal klären, wie denn die Frage nach dem Sinn des Daseins sinnvoll zu stellen sei. Es ist nämlich nicht wurscht, wie man fragt. Mit falschem Fragen macht man sich irre, mit richtigem Fragen macht man sich unverwundbar.
    Sodann nimmt Eagleton die billigen Antworten fundamentalistischer Sinnstifter auseinander, die nicht einmal Opium fürs Volk verbreiten, sondern bloss «Crack für die Masse».
    Auf originelle und unterhaltsame Weise erläutert der Literaturprofessor und trotz allem immer noch bekennende Marxist wie Geistesgrössen von Aristoteles über Marx, natürlich, bis Wittgenstein die Frage nach dem Sinn des Lebens beantwortet haben. Mit einer überraschenden Wendung setzt er schliesslich zu eigenen philosophischen Überlegungen an – ohne sich zu versteigen. Dabei entwickelt er seine Gedanken eher anhand von Fragen, als dass er fertige Antworten liefert. Doch der «postmodernen Beliebigkeit» wie auch der rein subjektiven Sinngebung erteilt er eine klug begründete Absage.

    Eagletons Fazit: Möglicherweise gibt es keinen Sinn, aber wenn es einen gibt, dann lässt er sich nicht in ein Wort fassen und ist auch nicht als irgendein zu erreichendes Ziel zu begreifen. Als soziales Lebewesen kann der Mensch seinem Leben nur praktisch Sinn geben, in Form von konkreter Zuwendung an Andere. Er stellt sich ihm mit Aristoteles als «soziale Praxis» dar, der im christlichen Liebesbegriff der «Agape» aufgeht. Eine Liebe, die nicht exklusiv auf den Partner und die Familie bezogen ist, sondern eine inklusive, gemeinschaftliche Liebe.
    Wenn solche Erkenntnis nicht die Lektüre eines Buches lohnt, was dann?

  14. uertner Says:

    Terry Eagleton ist ein wunderbarer Autor. Habe wissenschaftliches von ihm gelesen sehr gut. Es spielt keine Rolle mit welchem Begriffsinstrumentarium man zu denken beginnt, die wirklichen Denker treffen sich immer wieder auf den „allgemeinplätzen“.

    Ein Buch, das ich soeben als „lesenswert“ getaggt habe: „Zorn und Zeit“ von Peter Sloterdeijk auf dem Jahr 2006. Es wurde soeben mit einem Preis ausgezeichnet. Dank einer umfänglichen Rezension habe ich seine Metaphorik schon für den Artikel über Daniel Vasella genutzt, der Dienstag 24.2.2009 in der „Basler zeitung“ erscheint: „Super-Dan“ im Kampf der Kulturen: oder Vasellas Zorn, vatikanische Ehtik und protestantischer Ethos.

  15. uertner Says:

    @frau Müller

    Da kommt das Wort „Agape“ zwar nicht vor, ist aber auch eine interessante Stelle:

    http://www.ekd.de/calvin/leben/mensch/lieblingsbibelstelle.html

  16. flashfrog Says:

    Achja, der gute Terry Eagleton! Erinnert mich an das toughste Seminar, das ich jemals besucht habe: Critical Theory bei einer feministischen New Yorker Marxistin: Alle post-modernen Denkschulen in einem Semester.
    Weil ich aus Deutschland kam, war ich bei ihr irgendwie als Marx-Experte gebucht. Wie sollte ich dieser Amerikanerin erklären, dass der Marxismus ein paar Jahre nach dem Fall der Mauer und dem Zusammenbruch des „real existierenden Sozialismus“ in Deutschland nicht gerade en vogue war? 🙂
    Ich glaube, meine besten Lehrer und Mentoren im Leben waren iimmer die, an denen ich mich am meisten reiben konnte. Bei und gegen Professor Ebert habe ich argumentieren gelernt in den verschiedenen Denkschulen, denn @uertner: nein, es ist nicht wurscht. Wer über Gemeinplätze und Oberflächlichkeiten hinauswill, der sollte zumindest versuchen zu verstehen, wie der andere denkt und warum.

    Mein Lieblingsbuch über den Sinn des Lebens ist natürlich dashier:
    http://flashfrog.wordpress.com/2008/09/17/rezi-sibylle-berg-sex-ii/

  17. flashfrog Says:

    Mein Lieblings-Prof debütiert als Roman-Autor, und dann noch mit einem religiösen Thema. Bin supergespannt auf die Buchpremiere.
    http://www.piper-verlag.de/pendo/buch.php?id=13701&page=buchthemen&pagenum=6&thema=93&sort=&auswahl=A

  18. uertner Says:

    Soeben fertiggelesen:

    Der Schweizerspiegel von Meinrad Inglin

    Ein Hammer-Gesellschaftsroman, der zum Verständnis der Schweiz (Gegensatz SVP vs. SP, Probleme des Freisinns) unerlässlich ist.

    Die breit angelegte Familiengeschichte beginnt mit dem Kaisermanöver im Jahr 1912 und endet mit dem Abbruch des Landesstreiks 1918. Die drei Söhne des Nationalrats und Oberst Amman durchleben die entscheidende Zeit in verschiedenen Postionen und treffen je nach Temperament unterschiedliche politische Entscheidungen, die Tochter lässt sich scheiden, weil sie aus dem mief einer „konventionellen Ehe“ ausbrechen will. Inglin, der nicht nur Philologie sondern auch Psychologie studierte gelingt es psychologisch stimmige Charaktere und Situationen zu entwerfen. Er zeichnet eine Schweizer Bürgerfamilie mit ihrer Verwurzelung im bäuerischen Element, wie sie sich den „Forderungen der Zeit“ stellt. Severin, der älteste wird Redaktor bei einer freisinnigen Zeitung und sehr germanophil, Fred liebäugelt mit dem Bauernleben seiner Cousins und ist pragmatisch, offen und besonnen, wird Offizier und muss sich in der Zeit des Generalstreiks dann unter dem Eindruck der Grippe-Epidemie bewähren. Paul, der ironisch distanzierte Schöngeist, erhofft sich erst vom Krieg, dann von der russischen Revolution eine „Erneuerung“. Die drei Söhne stehen somit in der Stunde des Generalstreiks in drei verschiedenen Lagern. Severin weibelt für ein autoritäres Regime, Paul marschiert mit den proletarischen Dienstkameraden und Fred steht als Offizier mit seinem Zug in der Mitte des Hurrikans.
    Meinrad Inglin gibt hier als Waise katholischer Herkunft ein präzises und stimmiges patriotisches Gemälde. Die Entwicklung der Charaktere unter den Belastungen der Zeit wird sehr schön herausgearbeitet. 1938 erschienen wurde der Roman zu einem der wohl gültigsten Gesellschaftsromanen der „geistige Landesverteidung“.
    Wer die Schweiz und die Welt aus der Blocher kommt verstehen will, muss dieses Buch gelesen haben.

    Sehr anrührend ist der Lebenslauf, den Inglin 1948 anlässlich des Erhalts des Ehrendoktors 1948 verfasst hat.

    http://www.ammann.ch/n1/bio.php?id=167

    Den ähnlichen Stoff hat auch der arrivierte Literaturprofessor Robert Fäsi seiner Erzählung „Füsilier Wipf“ zugrunde gelegt, die 1938 verfilmt wurde und zum Inbegriff des Films der „geistigen Landesverteidigung“ wurde.

    Hier ein interessanter Aufsatz dazu;

    http://de.memoriav.ch/dokument/Sortiedulabo/sdl_hintergründe_füsilierwipf.pdf

    Beim Durchlesen stelle ich fest: die Eingriffe am Werk Fäsis durch Lindtberg hat auch Inglin in seinem Roman vorgenommen: er spielt in allen Landesteilen und verschränkt somit auch die italienische und französische Schweiz mit in die Geschichte der Familie Ammann.

  19. flashfrog Says:

    Sibylle Lewitscharoff hat den Buchpreis der Leipziger Buchmesse gewonnen. Das freut mich sehr. Ich hatte die Autorin vor 10 Jahren beim Ingeborg-Bachmann-Preis „entdeckt“ (ja, damals konnte man dort noch neue literarische Talente entdecken), wo sie mich mit ihrer wunderbaren Sprachkunst begeistert hat. Leseprobe:
    http://bachmannpreis.orf.at/bp98/s_lewitscharoff_txt.html

    Danach hatte ich sie ein bisschen aus den Augen verloren.

    Ihr neuer Roman „Apostoloff“, für den sie jetzt eben den Buchpreis bekommen hat (gegen die Konkurrenz von Daniel Kehlmann, auf den wohl die meisten Buchhändler hier getippt hatten, oder Wilhelm Genazino) handelt von zwei sehr unterschiedlichen Schwestern, die sich auf eine Reise in die Heimat ihres bulgarischen Vaters begeben. Den haben sie als Leiche mit im Gepäck. Eine Rezi von Denis Scheck, wegen der ich mir das Buch fast nicht gekauft hätte gibt es hier:
    http://www.daserste.de/druckfrisch/thema_dyn~id,272~cm.asp
    Meine dann später.

  20. flashfrog Says:

    Doofe Schlagzeile, aber gute Rezi: http://www.focus.de/kultur/buecher/brands-buecher/jesus-roman-machtgierig-und-sexbesessen_aid_388641.html
    (Der Redakteur hat ja auch in Tübingen studiert.)

  21. flashfrog Says:

    Ich hatte Ihnen etwas über Sibylle Lewitscharoffs Roman „Apostoloff“ versprochen.
    Das Buch handelt von der schwierigen Auseinandersetzung einer Tochter (oder genauer: zwei Töchtern) mit dem Vater-Land, das in diesem Fall Bulgarien heisst. Die Reise durch die Schönheiten und Hässlichkeiten des real existierenden Bulgarien, auf der sie sich der (physischen und mentalen) Überreste des Vaters, der aufgrund einer depressiven Erkrankung seinen Töchtern das Leben nicht leicht gemacht hat, endgültig zu entledigen versuchen, ist zugleich eine Reise in die schwäbische Kindheit der Tochter. Wunderbare Bilder tauchen auf, monströse Bilder, wunderbare Figuren wie die geradezu märchenhaft anmutende Lilo. Ein Netz von Ge- und Zeitschichten, von Assoziationen und Leitmotiven, von Alltag und religiöser Symbolik, ein schillerndes Gewebe wird da gesponnen, dass es ein Genuss ist.
    Auch von Lewitscharoffs Kunst-Sprache bin ich, wie schon bei „Pong“ begeistert. Ein rares Glück für einen Sprachfetischisten, eine Autorin zu finden, bei der jeder Satz im Rhythmus stimmt, die dem Leser mit wenigen Federstrichen so lebhafte Figuren und Bilder vor die Augen stellt, die einen mit ihren Wortschöpfungen beim Lesen immer wieder verzückt innehalten lässt!
    Ok, bisweilen wirkt das auch ein wenig maneriert, aber für den Glücksfall, eine Autorin zu finden, die ihren eigenen ganz unverwechselbaren Stil hat, nehme ich auch das in Kauf. 🙂

  22. Mara Says:

    Mein letztes Buch: Der Orientalist.

    http://www.amazon.de/Orientalist-Auf-den-Spuren-Essad/dp/3940731056

    Spannend geschrieben, mit vielen Seiten Geschichte und Geschichtchen – und grossartigen Zusammenfassung von unterschiedlichen philosophischen/religionsgeschichtlichen Strömungen. Ich war zwar mit seiner Betrachtungsweise Einzelner nicht immer einverstanden…:-), aber seine 2 Seiten z.B. über Martin Buber sind spannend klug und bringen neue Denkanreize – und Anreize manche Dinge nochmal woanders nachzulesen.

  23. flashfrog Says:

    @Zappadong: Das Buch „Ruhm“ von Daniel Kehlmann würde ich dir sehr empfehlen: Eine Satire über das Schriftstellerleben, die dir als „Betroffener“ die Lachtränen in die Augen treiben könnte. Es verrät dir die ultimative Antwort auf eine bestimmte Frage. Und du erfährst, warum du nie, also wirklich niemals eine Lesereise in die Mongolei unternehmen solltest. 🙂

  24. flashfrog Says:

    Lese gerade „Angriff auf die Freiheit“ von Juli Zeh und Ilija Trojanow.
    http://www.hanser-literaturverlage.de/buecher/buch.html?isbn=978-3-446-23418-5

    Zwei gute Autoren. wichtiges Thema. Kennt jemand von euch das Buch?

  25. uertner Says:

    Na der Inhalt ist wohl absehbar. Nachdem Du nun letzthin endlich 1984 von George Orwell gelesen hast dürfte es mit etwas Phantasie als facebook-userin leicht auszumalen sein was da drin steht.

    1984 wurde ja sinnigerweise plötzlich vom Kindle-e-book zurückgezogen und die US-Army will keine facebook-profile mehr von US-Soldaten sehen. Die wissen schon warum.

  26. flashfrog Says:

    Naja, viele neue Erkenntnisse waren in der Tat nicht zu erwarten.
    Zu viele Wiederholungen und Redundanzen, das Buch macht ein bisschen den Eindruck eines auf 140 Seiten gestreckten Essays zum Zwecke der Wahlwerbung für die Piratenpartei.
    Aber immerhin bringen die beiden Juristen Zeh und Trojanow die merkwürdige Rechtsauffassung mancher Politiker, die hinter vielen Bürgerüberwachungsgesetzen steht, und die haarsträubende Unzweckmässigkeit dieser Gesetzesvorhaben zur Terrorbekämpfung ziemlich gut auf den Punkt, um die Frage zu stellen, wozu diese Gesetze denn dann dienen sollen.

    Manchem Spiegel-Redakteur („Netz ohne Gesetz“) und manchem Blick-Kolumnisten, der den wirren Unfug aus dem Spiegel hemmungslos abschreibt ( http://www.blick.ch/news/fam/basta-125570 ), würde ich das Buch bedingungslos empfehlen. 😉

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