Heute neu: „Das Buch Blocher“

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Der Autor Markus Somm und Christoph Blocher anlässlich der Buchvernissage (Bild von www.tagblatt.ch übernommen)

Blocher: der Stachel im Fleisch Europas

„Dann lieber keine Ideale, als solche wie sie Blocher hat“ so liess sich jüngst Maxim Biller in der „NZZ am Sonntag“ zitieren. „Blocher“ ist zu einem Klischee, einem lieben Feindbild geronnen. Seit der Self-made-man und damalige Parteipräsident der Zürcher SVP am ominösen 6. Dezember 1992 im „Alleingang“ – dass die Grünen, die radikale Linke und der damalige sozialdemokratische Bundesrat Otto Stich mit Blocher stimmten, wird gern ausgeblendet – die Abstimmung gegen die Integration der Schweiz in den EWR (erweiterten europäischen Wirtschaftsraum) gewann, gilt er dem schweizerischen Establishement des Wirtschaftsfreisinns als gefährlicher Demagoge, der sich weder durch Verketzerung, noch durch Wahl in den Bundesrat zähmen liess. Nun legt Markus Somm, Inlandchef der „Weltwoche“, die zweite autorisierte Biografie (die erste erschien 1995, unautorisierte gab es 1994 und 2002) des berüchtigsten Schweizer Politikers vor. Eine platte Propaganda-Schrift? Nein, eine süffig geschriebene, mäandrierende Erkundung im Dickicht von helvetischen Militäranekdoten und Filz-Internas, die geschichtlich ausholt und Blocher, in den Zusammenhang des angelsächsischen Liberalismus und eidgenössischer Direktdemokratie stellt. Somms These: das Abdriften der verfilzten Eliten nach Links führt dazu, dass Blocher, als Unternehmer, Oberst der Milizarmee und Nationalrat  – eine geglückte männliche Sozialisation der „alten Schweiz“- als erratischer Findling im Zeitgeist der linken Postmoderne nach dem Mauerfall stehen bleibt. Martin Walser formulierte es so:Blocher ist nicht rechts, er ist richtig. Ich halte ihn für ein Monument der Richtigkeit. (….) sein Eigensinn imponiert mir einfach.“  EU-Kommissar Jacques Delors versucht den Querschläger für Europa zu gewinnen. Blocher: „Sie sind Franzose und daher von Haus aus zentralistisch eingestellt. Ich bin Schweizer, wir lieben den Föderalismus. Sie sind Sozialist, das macht sie erneut zum Zentralisten. Ich bin bürgerlich-liberal, deshalb ist mir der Zentralismus zuwider. Schliesslich sind Sie Katholik, Sie haben einen Papst und sind schon aus religiösen Gründen dem Zentralismus zugetan. Ich bin Protestant und trete daher für das Individualistische ein.“ – „Très intéressant.“ meinte der Franzose: man kam sich nicht näher. Der Ringier-Chef-Publizist Frank A.Meyer („Cicero“-Kolumnist) versucht zu verhindern, dass es zu einer direkten Begegnung zwischen seinem Freund Bundeskanzler Gerhard Schröder und dem verhassten „Rechtspopulisten“ kommt. Bundesrat Blocher wartet mit seinem Vortrag vor den Verlegern, bis der „verspätete“ Bundeskanzler da ist. Schröder amusiert sich – zum Ärger Frank A.Meyers – köstlich über die launige Rede Blochers.

Alle Vertreter der Familie Blocher, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus dem Königreich Württemberg in die Schweiz einwanderte, hatten eine Mission. Es waren Idealisten, pietistische Theologen, Sozialisten, germanische Sprachpuristen, missionierende Abstinenzler    alles stramme Eidgenossen, keiner zeigte braune Anwandlungen. Auch der Vater Christoph Blochers, Ewald Blocher, war Pfarrer in der Zürcher Arbeiter- und Bauerngemeinde Laufen am Rheinfall. Doch Christoph rebelliert, bricht aus dem strengen Mief des Pfarrhauses aus: der 15jährige beginnt nach der Sekundarschule 1956 eine Lehre als Landwirt: ein hartes Brot. Die Mutter gibt ihm eine Bibel mit folgender Losung mit: „Wie wird ein Jüngling seinen Weg unsträflich gehen? Wenn er sich hält nach Deinen Worten.“ (Ps. 119,9). Das Abitur wird der gelernte Bauer später auf einer Abendschule nachholen und in Zürich, wo die Bürgersöhne und -töchter ihr kleines 68 abfeiern, Jura studieren. Blocher ist auch ein „68er“: aber „von der anderen Seite“. Der Doktorand tritt 1969 als Rechtskonsulent in die EMS-Chemie ein – eine Zwischenlösung, eigentlich will er später Richter werden. Aber schon 1972 ist er Mitglied des Verwaltungsrates, 1983 wird er nach dem Tod des Besitzers die Firma übernehmen, indem er sich mit 20 Millionen Franken verschuldet. Seinen ersten politischen Kampf focht er in seiner damaligen Wohngemeinde Meilen aus. Gegen alle Dorfgewaltigen rettet er an einer tumultuösen Gemeindeversammlung einige Hektaren bestes Ackerland vor der Überbauung durch den Weltkonzern Alusuisse. Ein Sponti-Grüner? Nein: ein konservativer Rebell. Die blamierten Ortsparteien buhlen um den begabten Redner. Er schliesst sich „zufällig“ der kleinen, 1919 gegründeten SVP an, der ehemaligen „Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei“ die sich nach dem Ersten Weltkrieg in den protestantischen Landgemeinden der Kantone Bern, Zürich und Schaffhausen vom zunehmend elitär werdenden Freisinn (der Staatsgründungspartei von 1848 ) abspaltete. Es folgt ein rascher Aufstieg: 1974 Gemeinderat von Meilen, 1975 Zürcher Kantonsrat, 1977 wird er Präsident der Zürcher Kantonalpartei (bis 2003), 1979 Nationalrat, 2003 Bundesrat. Mit Referenden verteidigt er 1985 vergeblich die Stellung des Mannes als „Oberhaupt der Familie“ gegen das neue Eherecht, erfolgreich verhindert er 1986 den Beitritt der Schweiz zur UNO. Seither ist der „Volkstribun“ nationales Ärgernis. Mit dem überschüssigen Spendengeld der UNO-Kampagne gründet er die AUNS (Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz), seine ihm treu ergebene Referendumsmaschine. Der Rest ist bekannt: aus der kleinsten (1980er: 10%) wird die grösste Bundesratspartei (2007: 29%), die auch Katholiken, Welsche, Tessiner , Lohnabhängige und die Jugend hinter sich sammelt. Im Epilog legt Somm, Sohn eines freisinnigen Spitzenmanagers, seine eigene biografisch-ödipale Verstrickung mit seinem Idol offen. Wer kein Schweizkenner ist, tut gut daran sich lesend Namen und staatskundliche Details zu notieren, denn das süffige, streckenweise allzu geschwätzige Buch hat weder Personenregister, noch Zeittafel, noch erhellende Schemata zum Schweizer Staatsaufbau, noch ein Glossar der Dialektwörter. Wer das politische System der Eidgenossenschaft und das Phänomen Blocher in einem ideengeschichtlichen Kontext verstehen will, wird diese engagierte, 520-seitige und sorgfältig illustrierte Biografie mit Gewinn lesen.

GIORGIO GIRARDET 

 Somm, Markus. Christoph Blocher: der konservative Revolutionär. Appenzeller Verlag, 2009. 

Weitere Rezensionen des Buches: NZZ (rz.), Tages-Anzeiger (Iwan Städler), „Die Zeit“ (Joe Lang), „St.Galler Tagblatt„, Kapitel-Abdruck in der „Weltwoche“, „Schaffhauser Nachrichten„, der Stadtwanderer-blog

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19 Antworten to “Heute neu: „Das Buch Blocher“”

  1. uertner Says:

    Da die „Tageszeitung“ (Berlin) diesen Text dem deutschen Publikum nicht zumuten wollte: hier in der Beiz. Das letzte Mal, als Printmedien einen Text von mir nicht ihrem Publikum zumuten wollten, war es der Aufruf zur (dann doch unerwartet erfolgten) Abwahl Blochers. Naja: für sowas gibt es die „Beiz“.

  2. flashfrog Says:

    Da sind unsere 7 Zwerge ja wieder vollständig. 🙂
    Gut geschriebene Rezension, Kompliment, lieber uertner!

    Mich würde interessieren, ob die Biografie auch gelegenltich kritische Töne gegenüber ihrem Gegenstand anschlägt…

  3. Matthias Says:

    Ziemlich weichgespült, diese Rezension. z.B. der Seibt schreibt hier zur Übernahme der Ems-Chemie z.B.:

    Einige Jahre darauf starb Vater Oswald. Seine Söhne wussten nicht, was tun. Der junge Chef Blocher malte die Zukunft in düsteren Farben – kaum Eigenmittel, miserable Marktchancen. Bald waren die Söhne bereit zum Verkauf. Sie gaben Blocher den Auftrag, einen Käufer zu suchen. Blocher fand einen ungenannten Investor und empfahl dringend den Verkauf.

    Einige Wochen später stellte sich heraus, dass die Person, die den Konzern so düster beurteilt hatte, nicht nur dieselbe Person gewesen war, die den Käufer gesucht hatte, sondern auch dieselbe Person, die ihn gekauft hatte: Christoph Blocher.

    Und es war auch dieselbe Person, die den Kaufpreis ausgehandelt hatte: 20 Millionen Franken für einen Konzern, dessen innere Werte die Presse damals auf 80 Millionen Franken schätzte.

    Aber was weiss ich schon.

  4. uertner Says:

    @flashfrog
    Kritik kommt nur am Rande vor. Deutlich wir der Auftritt in Ankara gegeisselt, aber sonst vertritt Somm die These, das seien alles Ressentiments von Gegner, die er zu hart angefasst, die er als Heuchler und Inkompetente dargestellt hatte.
    @Matthias
    Zufällig kenne ich beide Autoren. Seibt hat an einer Veranstaltung mal gesagt, Journalisten schreiben Geschichten, die – vielleicht – auch wahr sind. Seibts Stärke ist die knackige Verpackung des Inhalts, die durchaus auf das Publikum schielt. Das Tagi-Publikum will Blocher als Hassfigur, also muss was hässliches da sein. Im übrigen ist ja der Bericht aus dem Du zitierst ziemlich ausgewogen und träf. Somm blendet in diesem Moment die Fragwürdigkeit der Transaktion gänzlich aus. Hier wird geschildert, wie Silvia Blocher ob der Vorstellung verzeweifelt plötzlich als Witwe mit einer Schuld von 20 Millionen dazustehen und wie Gerhard Blocher, der Pfarrer, ein protestantisch ermutigendes Wort spricht: Wenn Gott will das die EMS-Chemie gerettet wird, dann wird er dem Christoph die Kraft geben. Zu erwähnen wäre noch, dass die EMS-CHemie ihren Ursprung in der Krisen- und Kriegswirtschaft der Schweiz hat.Kein vernünftiger Mensch würde sonst eine Chemiefabrik in Graubünden ansiedeln. Dieses Verdienst muss man Blocher zugesteteh: er hat mit hartnäckiger Schlauheit Arbeitsplätze in der Schweiz gesichert.

  5. Frau Müller Says:

    An den oben verlinkten Rezensionen, insbesondere derjenigen vom Tagi, fällt auf, dass sie ihre Leser mit dem Holzhammer davon abhalten möchten, das Buch zu lesen. Das nenn ich langweilig und auf paradoxe Art weichgespült! Als ob der Tagi seiner Leserschaft keine Herausforderung zumuten könnte. (Wenn ich dann wieder die Kommentare unter dem Artikel lese, wird allerdings auch klar, dass einigen Newsnetz-Usern das differenzierte Wahrnehmen und die Neugierde in der Tat nicht gegeben sind.)

    @ Uertners Besprechung hat mich hingegen animiert, das Buch zugleich zu bestellen. Nicht die Biographie und die Motivation Blochers per se interessieren mich, sondern vielmehr der zeitgeschichtliche Kontext und die politischen Mechanismen in denen er wirkt.
    Haben Sie vielen Dank für diese spannende Rezension!

    Hier übrigens noch der Link zum Zeit-Artikel. Wie nicht anders zu erwarten ist Joe Langs Rezension von Markus Somms Biografie über Christoph Blocher zu einer kleinlichen Abrechnung mit dem ehemaligen Bundesrat geraten. Manchmal verrät eine Rezension eben mehr über den Rezensenten, als über das Buch.
    http://www.zeit.de/2009/08/CH-Christoph-Blocher?page=all

  6. bd Says:

    Danke uertner.

  7. flashfrog Says:

    Mir gefällt an der Rezension von Uertner gerade, dass er versucht, einen neutralen Eindruck von dem Buch zu geben (was ihm offenbar geglückt ist) und auf das Lesen neugierig zu machen (was offenbar auch gelungen ist), ohne der Versuchung zu erliegen, die Gelegenheit zu nutzen, um hauptsächlich seine persönliche Meinung über Blocher kundzutun.

  8. uertner Says:

    @Frau Müller
    Haben Sie dank für die Blumen. Der Rezension von Joe Lang möchte ich zugute halten, dass Sie die historische Arbeit Somms ernst nimmt und kritisiert, wo er als ideengeschichtler anderer Ansicht ist. Joe Lang entpuppt sich aber hier als der von der französischen Revolution besoffene utopistische Kathole, der er ist. Mir scheint seine Rezension trotz allem die klügste, die ich gelesen habe.
    Meine Rezension war eher als Provokation für die Leserschaft der „Tageszeitung“ gerechnet, da dort Blocher nur mit den epitetha „Rechtspopulist, Milliardär, Rassist“ etc. geschmückt wird.

  9. Frau Müller Says:

    Von Jo Lang halte ich so viel wie von Daniel Vischer und Geri Müller. Sie sind für mich Politclowns samt und sonders, die es im Gegensatz zu einem Joschka Fischer nie geschafft haben und auch nie schaffen werden, sich aus ihrem ideologischen Gefängnis zu befreien, sich mental und politisch weiterzuentwickeln und mehrdimensional zu denken. Item.

    Die anderen Rezensionen sind dermassen plump, dass es einfach ist, klüger zu wirken.
    Wirklich klug finde ich die Langsche nicht, eher verkrampft, weil sich Jo Lang nicht von seiner eigenen Position lösen kann.

    Überdies sieht er den Splitter, im Auge seines „Bruders“ (in der Nazigolddebatte), aber den Balken in seinem eigenen Auge nimmt er nicht wahr (absolut einseitige Israelkritik, resp. völlige Kritiklosigkeit gegenüber der Gewalt und dem Antisemitismus der radikal-islamistischen Palästinensern und ihrer Verbündeten).

    Möglicherweise hätte es den Rahmen des Zeit-Artikels gesprengt, aber soweit ich mich aus der Distanz erinnern kann – und Sie erwähnen es in ihrer Rezension ja auch – wurde der EU-Beitritt 1992 mit Hilfe der Grünen gebodigt.

    Wenn auch teils aus unterschiedlichen Motiven, so waren die Grünen damals doch mehrheitlich gegen die Politik der EU, die sie als umweltschutzfeindlich und zentralistisch kritisierten. Damals sprachen sie sich für ein Europa der Regionen als implizites Gegenmodell zur EU als Wirtschaftsraum aus, in dem die kulturelle Vielfalt, die Selbstbestimmung und die demokratischen Rechte erhalten und gefördert werden sollten.

    1991 forderte die Grüne Partei den Abbruch der EWR-Verhandlungen und kündigte Widerstand gegen ein eventuelles EG-Beitrittsgesuch an. Wie die SVP waren die Deutschschweizer Grünen gegen den EU-Beitritt. Aber um sich klar von den rechtsbürgerlichen EWR-Gegner zu distanzieren und die ökologisch-sozialen Argumente in den Abstimmungskampf zu bringen, gründeten grüne, linke und LdU-Parlamentarier ein eigenes gegnerisches Komitee.
    Nach dem Nein zur EU betrieben die Grünen in Sachen EU Slalompolitik. Doch meiner Einschätzung nach gibt es unter einigen links-grünen Wählern ein konstantes Misstrauen gegenüber der EU.

    Die direkte Demokratie ist eben auch einigen Grünen und Linken wichtig. Das wäre doch mal ein interessanter Anknüpfungspunkt für die Buch-Rezension von Jo Lang gewesen.

  10. Bruder Bernhard Says:

    @Frau_Mueller: unvergessen, die unheilige Allianz der Grünen mit der Rechten, 1992. Unvergessen meine damalige Wut über diese ZottelseppenInnen (ja, so ungerecht werde ich in der Wut). Unvergessen!!!!

    Damals habe ich ihnen nach der verlorenen Abstimmung (auf Lorahaha…) diese Sendung aufs Auge gedrückt – der Patriotemix I – hier grad nochmals !!!!

  11. Frau Müller Says:

    @ Bruder Bernhard: Eine absolut unverhältnismässige Reaktion von Ihnen! 😉 Ich bin stark im Einstecken, aber bei dieser Lora-Sendung musste ich nach sieben Minuten das Handtuch werfen.

    Die Grünen haben sich ja nicht nur 1992 mit der SVP ins gleiche Bett gelegt. Auch bei der Lex Koller (Kein Grundstückerwerb durch Ausländer! Kein Ausverkauf der Heimat!), dem Agrarfreihandel (Protektionismus! Antiglobalisierung!), bei zahlreichen Armee-Reformen (keine Auslandeinsätze! Schmid abschaffen!) und gegen die USA/NATO machten sie gemeinsame Sache. Jo Lang und Christoph Blocher verbindet eben mehr als ihnen lieb ist. Nicht nur politisch.

  12. flashfrog Says:

    Danke für die interessanten Hintergrundinfos!
    Das erklärt, warum ich die Rezension von Lang nicht verstanden habe.
    Hatte doch gleich irgendwie den Verdacht, dass das nicht ausschliesslich an mangelnder Intelligenz meinerseits liegen könnte. (Schliesslich hab ich nebenher die schwere Version des Zeit-Sudokus gelöst. 😉 ) Ich bin mir nicht sicher, ob der durchschnittliche deutsche Zeit-Leser, der höchstens eine verschwommene Vorstellung davon hat, wer dieser Blocher überhaupt ist oder was ein Bundesrat, ob dieser Leser aus dieser als Rezenzion getarnten Privatabrechnung viel schlauer wird als ich.

  13. uertner Says:

    @flashfrog
    Die Rezension von Joe Lang wurde nur in der Schweizer Auflage der „Zeit“ gedruckt. Es gibt ja seit dem 4.Dezember eine spezifisch Schweizerische Ausgabe der „Zeit“ mit zwei bis drei Seiten zur Schweiz. Dass man in Deutschland nichts Positives über Blocher lesen möchte, ist ja der Grund, weshalb diese Rezension in der „Tageszeitung“ nicht gedruckt wurde.
    @Frau Müller
    Dass die Grünen ab und zu mit der SVP stimmen und schwimmen muss ja nicht gegen die Grünen sprechen. Selber war ich 1992 für den EWR wohlweislich wissend, dass wir nicht der EU beitreten. Die Grünen sahen die hohen Standards im Umweltschutz damals durch einen Beitritt zur EU bedroht. Leider haben wir diesen Innovationsvorsprung, den Schweizer Tüfftler und Ingenieure in den 80er Jahren erreichten leichtfertig verloren. Die EU hat im Umweltschutz aufgeholt.

    Da ich nun schon in der „Zeit“ aber auch in der NZZ von namhaften Experten Artikel gelesen habe, dass der Euro-Raum die Krise womöglich nicht überleben wird (weil die wirtschaftshaltungen und Metalitätsunterschiede zu gross sind), könnte es sein, dass der Entscheid vom 6. Dezember 1992 letztendlich ein sehr kluger und weiser war.

  14. flashfrog Says:

    @uertner: Achso, ich habe die Rezi online gelesen und nicht auf die Rubrik geachtet.

    Die taz ist so ziemlich das linkeste Blatt, das es in D gibt.
    Aber ich glaube nicht einmal, dass es daran lag.
    Blocher hat ausgespielt. Das weiss man mittlerweile auch in D. Und in D ist er einfach nicht bekannt genug, um seiner Biografie einen ausführlichen Artikel zu widmen.

    Deine Mutmassungen über die EU – es erstaunt mich immer wieder über die Massen, wie du aus ein, zwei Artikeln, die du aus irgendwelchen Medien aufgegabelt hast, dir ein theoretisches Bild bastelst, das mit der Realität so rein gar nichts zu tun hat. 🙂

  15. uertner Says:

    @flashfrog
    Nun als Literaturwissenschaftlerin magst etwas von den Worten verstehen und was sie bewirken. Als Historiker erlaube ich mir darauf hinzuweisen, dass es auch Fakten gibt und sich diese in seriösen Medien oft ankündigen (oft nur in blossen Worten gewiss). Aber wenn das öffentlich-rechtliche ARD folgende Nachricht online stellt, dann dürft vielleicht dies auch eine staatsgläubige Literaturwissenschaftlerin interessieren:
    http://boerse.ard.de/content.jsp?key=dokument_335674

  16. uertner Says:

    Die „wochenzeitung“ bringt, was alle Rezensenten von Somms Blocher-Buch unterschlagen haben:
    http://www.woz.ch/artikel/2009/nr08/schweiz/17535.html

    Von dem allem schreibt Somm keine Zeile.

  17. flashfrog Says:

    @uertner: Glaub doch nicht alles, was in der Zeitung steht.
    Manchmal ist eine kleine Sprachanalyse in der Tat hilfreich:
    Es „werden angeblich schon Extrem-Szenarien durchgespielt, was passieren würde, falls ein Staat in der Euro-Zone tatsächlich vor der Pleite stünde.“
    „Er soll Anfang der Woche gesagt haben, es gebe im Euro-Raum einige Länder, die in Zahlungsschwierigkeiten kommen könnten.“

    Und dann zu deinen unbenannten Sensation-Experten: „Die Folgen wären fatal: Die Euro-Zone könnte auseinanderbrechen, befürchten Experten, die Gemeinschaftswährung wäre ernsthaft in Gefahr. Doch damit rechnet kaum jemand. Die meisten Experten gehen davon aus, dass die Politiker und Notenbanker kein Land einfach schwups fallen lassen.“

    Du schreibst doch selber, du weisst doch, wie Meldungen gemacht und aufgebauscht werden.

  18. uertner Says:

    @flashfrog
    Na, mögest du recht behalten. Mit Beschwichtigungsrhetorik haben wir Eidgenossen in der letzten Zeit so unsere Erfahrungen gemacht. Seit bald zwei Jahren ist bei der UBS „Das Ende vom Tunnel“ in Sicht. Doch dieser „Tunnel“ gleicht immer mehr jenem der dürrenmattschen Erzählung.

  19. flashfrog Says:

    @uertner: Wir werden alle zusammen untergehen. 🙂

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