Alte Besen kehren gut?

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Man mag ja kaum seinen Augen trauen – die alte Garde steht also Gewehr bei Fuss,wenn sie in der Not gerufen werden. Jetzt bekommt also auch das Präsidentenamt der UBS einen aus der Pension zurückgerufenen.

Man fragt sich ja schon, welche Hintergedanken solche Berufungen haben. Erfahrung ist damit an der Spitze der UBS sicherlich vorhanden. Aber ist es das, was man jetzt auch nötig hat? Den welche Erfahrung wird hier wieder aktiviert. Die Garde wird wieder eingesetzt die auf Investmentbanking setzte, diejenigen die die letzten zehn Jahre entscheident mitgeprägt haben  und was unterscheiden sie von Ospel und Kurer ? – der Zusammenbruch geschah nach ihrer Pensionierung. Aber sonst?

Wenn man glaubt, alles könne wieder so werden wie früher – ja dann ist diese Entscheidung sicherlich nachvollziehbar. Wenn man aber wie viele glaubt, dass dieses unseres Finanzsystem neue Impulse braucht um Systemfehler zu beseitigen, ja dann bleibt nur ein unverständliches Kopfschütteln. Nix gelernt aus der Krise. Für dieses Jahr wünsche ich den Beteiligten eine grosse Portion Selbstreflexion.

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32 Antworten to “Alte Besen kehren gut?”

  1. uertner Says:

    Nein, liebe Mara, Du verkennst hier die Lage. „dieses unseres Finanzsystem“ ist ein merkwürdiger „Kohlismus“ („dieses unseres Land“) und decouvriert eine gewisse Sehnsucht, nach „grundlegenden Veränderungen“ einer „neuen Epoche“. Das Finanzsystem wird – wenn überhaupt – von den G 20 erneuert werden. Aber vielleicht herrscht hier gar kein Bedarf nach „Erneuerung“, vielleicht wollen die Asiaten nun einfach das Spiel weiter spielen, das wir ihnen beigebracht haben. Warum sollten nun alle Regeln umgestossen werden, nur weil sich der seit 1980 geltende Raubtierfinanzkapitalismus im Westen in die Sackgasse manövriert hat? Als Eidgenossen können wir nur von „dieser unseren Eidgenossenschaft“ sprechen, und diese hat durch das Gebaren des Herrn Ospel tatsächlich grossen Schaden erlitten. Dieser schlitzohrige Finanzpirat hat in seiner Diktatur kaum andersdenkende, anständige Manager hochkommen lassen. Darum kann die UBS nur gerettet werden, wenn man das deutsche, ellbogensichere Schlitzohr Grübel nochmals wirken lässt und ihm als Verwaltungsratspräsident den solid-biederen alt Bundesrat Kaspar Villiger beigesellt. Jüngere Kräfte sind wohl nicht vorhanden, denn diese wurden ja auf den Raubtierkapitalismus hin ausgebildet und geschult. Gerade jetzt braucht es Kräfte, die in der Welt vor 1980 schon gewisse Prägungen erfahren haben, denn wer nach 1980 sich auf das Bankenwesen eingelassen hat und erfolgreich sich darin bis heute behaupten konnte, der taugt nun wohl definitiv nicht für einen Wechsel. Immerhin hat Kaspar Villiger angeküdingt, dass für ihn der Verwaltungsratsjob ein full-time-job sein wird und er seinen Lohn auf 850’000 Franken begrenzen will, was immerhin eine Rückkehr eidgenössischer Bescheidenheit ist. Um die UBS zu retten muss aber die Eidgenossenschaft in Kauf nehmen, den germanischen Pitbull Grübel für 3 Millionen im Jahr anzuheuern. Wie die Deutschen sich ja bereitwillig dem eidgenössischen Finanzpiraten Joe Ackermann auslieferten.

  2. uertner Says:

    Hier eine interessante Einschätzung eines Journalisten, der auch schon etwas länger im Geschäft ist, und der zeigt, dass Villiger die Fehler des Finanzkapitalismus durchaus schon während seiner Amtszeit als Bundesrat erkannt hat, aber sich zu wenig Gehör zu verschaffen wusste.

    http://www.woz.ch/artikel/2009/nr10/schweiz/17605.html

  3. zappadong Says:

    Ich stimme uertner zu:

    Die Ausbildung der Jungen war geprägt durch genau das, was uns jetzt an die Wand gefahren hat. Die kennen nichts anderes. Wie auch? Die „Werte“, die man ihnen vermittelt hat, taugen nicht, einen Weg aus diesem Sumpf zu finden.

  4. Mara Says:

    @uertner
    Auch Ihnen sei gesagt, dass ich das despektierliche pseudovertrauliche „meine liebe..“ weder schätze noch akzeptiere, denn das bin ich für sie schliesslich nicht. Und wie ich schon mal länger ausführen durfte ist das schlicht und einfach ein billiger rethorischer Trick um jemanden kleiner zu machen.

    Ja, es ist unser Finanzsystem.. wessen auch sonst, und die Asiaten können garnicht so weiter machen wie bisher, weil ihnen der amerikanische Absatzmarkt weggebrochen ist, der die Überschussproduktion auf Pump konsumiert hat.
    Ob man nun will oder nicht, so wie bisher wird es ganz sicher nicht weiterlaufen, weil den Konsumenten auf die es Aufbaut schlicht inzwischen die Mittel fehlen. Das Problem auf ein paar geplatze Immobiliendeals zu reduzieren verharmlost einen Systemfehler – dass die Chinesen und Inder produzieren ohne zu konsumieren.

    Mag sein, dass die jüngeren auf dieses System hin trainiert wurden – aber“die Alten“ sind damit Gross und Reich geworden. Grübel hier einzusetzen heist den Bock zum Gärtner machen. Nicht die jungen Investmentbänker haben von 10 % Rendite geträumt, sie waren die Ausführenden aber nicht die Initiatoren. Jetzt ihnen die Schuld zu geben entlastet nur das verantwortliche Kader – und Investoren mit überzogenen Renditevorstellungen.

  5. uertner Says:

    @mara
    Ich verstehe nicht ganz, was Sie damit sagen wollen, wenn Sie so auf „unser Finanzsystem“ insistieren. Wer ist hier „wir“? Ich für meinen Teil habe an diesem „Finanzsystem“ nur sehr indirekt über das wenige Pensionskassenguthaben Anteil, ich habe keine Aktien, kein Geld auf Banken die nicht „verürtet“ sind (Kantonalbanken, Postfinance etc.), dies alles wie es sich als „uertner“ gehört. Als Eidgenossen ärgert es mich natürlich, dass Joe Ackermann in Deutschland und Ospel in den USA mit unserem guten Namen Schindluder getrieben haben. Das „wir“, das mich betrifft, für das ich mich mitverantwortlich fühlen kann, ist also die Schweiz, wo ich abstimmen kann. Das „Finanzsystem“ ist ja wie früher das „offene Meer“ eine ungeheure Angelegenheit und von einem einzelnen nicht rational zu durchdringen. Ich stelle fest: da haben Schweizer Banker Mist gebaut in den USA, grossen Mist. Also scheint es mir sinnvoll die Spitze der UBS so zu besetzen, dass ein unzweifelbarer Ehrenmann, wie Kaspar Villiger, sich an deren Spitze sich befindet, der als Familienunternehmer und besonnener Freisinniger eine solide ethische Fundierung hat und ein ausgebufftes Finanztalent wie dieser Grübel an der Spitze steht. Es geht ja nicht um die Organisation des Kirchenbazars, sondern um die Rettung der grössten Vermögensverwaltungsbank der Welt. Ich würde Sie auch gern dazu einladen, Sätze wie „die Alten sind damit gross und reich“ geworden, etwas zu differenzieren. Villiger war 15 Jahre Bundesrat und hatte dabei keine Gelegenheit „reich“ im Sinne eines Ospels zu werden. Anders sieht es für den deutschen Grübel aus, der zu weniger als einem zehntel des Jahreslohnes von Daniel Vasella eine wesentlich schwierigere Aufgabe lösen muss.
    Wenn Sie allerdings meinen, mit „unser Finanzsystem“ sei die „Oikumune“ gemeint, ja dann, bin ich sehr einverastanden. Nur dafür gibt es Kirchen. Aber auch bei diesen liegt die Sache so, dass diese nur so gut sein können, wie die Gläubigen, die sie aufsuchen. Es ist ja Fastenzeit, „Brot für alle“ ist eine sinnvolle Einrichtung und im übrigen meine ich, die Rettung der UBS ist endlich auch ein sehr sinnvoller Beitrag zur Bekämpfung der Krise. Und das vom Verwaltungsrat bestellte Personal scheint mir unter den gegebenen Umständen kein allzu schlechtes.
    Mir scheint Ihr undifferenziertes Bashen von „Alten und Reichen“ und Politikern mehr von einer Haltung „trau keinem über 30“ und bundesrepublikanischer Politikverdrossenheit inspiriert, als von kühler Weltklugheit.

  6. Frau Müller Says:

    Alter oder Reichtum sind per se keine Qualifikation, weder im positiven noch im negativen Sinne. Grundsätzlich stimme jedoch ich mit der Einschätzung von @ Mara überein. Die UBS-Spitze mit Villiger und Grübel besetzen, heisst zwei Böcke zum Gärtner machen.

    Wie Viktor Parma im WOZ-Artikel schreibt, war Villiger Bundesrat, als die Deregulierung der Finanzmärkte politisch durchgesetzt wurde und die Neoliberalen und Anti-Etatisten haben ihm hiefür applaudierten. Grübel wiederum ging mit seinen 60 Millionen, die er bei seinem Abgang kassierte, als grösster Abzocker aller Zeiten in die Geschichte des Landes ein.

    @ Uertner: Villiger als «unzweifelbarer Ehrenmann» zu bezeichnen ist m.E. eine Fehleinschätzung oder doch zumindest eine Überschätzung. Zwar hat er im Skandal um die in der Schweiz lagernden Vermögen der im Dritten Reich ermordeten Juden durchaus korrekt gehandelt und auch als Politiker ist er mir als anständig in Erinnerung. Aber war er auch erfolgreich?
    Als VR-Mitglied der Swiss Re ist er dafür mitverantwortlich, dass der einst grundsolide Schweizer Rückversicherer ebenfalls zu einer quasi Investment-Bank mutiert ist und jetzt tief in der Finanzkrise steckt.
    Und wie Rudolf Strahm mal sagte, hat Villiger «die Aussenpolitik über weite Strecken zu einer Bankgeheimnis-Politik gemacht».
    Hier nochmals der WeWo-Artikel aus dem Jahr 2003:
    http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2003-38/artikel-2003-38-ein-fast-tragischer-abgang.html

    Sehr witzig übrigens auch das Interview mit Grübel aus dem Jahr 2008:
    «Herr Grübel, mit Comebacks aus dem Ruhestand haben Sie Erfahrung. Reizt Sie die Bankenkrise nicht zu einem weiteren?
    Grübel: Sicher nicht. Wenn Sie CEO einer globalen Bank sind, nimmt dieser Job all Ihre Zeit in Anspruch. Doch irgendwann muss man ja auch noch leben.»

    http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2008-32/artikel-2008-32-die-ubs-aktion-ist-imageschaedigend.html

    Zum jetzigen Zeitpunkt weiss niemand, ob Grübel und Villiger die UBS retten können. Aber sicher ist, dass beide Männer das System verkörpern.

    Liest @ von Relax hier eigentlich mit? Dann würde mich seine Einschätzung wunder nehmen.

  7. uertner Says:

    @Frau Müller
    Ob Herr Villiger erfolgreich war oder nicht, kann ich vom Schiff aus nicht beurteilen, mir scheint er gewisse Werte zu verkörpern, die ich achtenswert finde. Ich weiss ja auch nicht wie sehr sie Patriotin sind, aber patriotische Rücksichten spielen hier eine Rolle. Und gewiss spielt auch eine Rolle, das Villiger eine Art „Schlussstein“ im Glaubwürdigkeitsgewölbe des Freisinns darstellt. Darum wird er ja auch mit Vorliebe vom Scharfschützen Mörgeli ins Visier genommen. Vor ein paar Jahren unterstellte Mörgeli Villiger unlautere Motive, es hätte für eine Ehrverletzungsklage gereicht, Villiger liess den Hund bellen und liess die GPK des Ständerates die Sache richtig stellen.
    Das dummdreiste herumpickeln an der Reputation Villigers kann nur zweien dienen: der SVP, die ja schon ihre „Allzweckwaffe Blocher“ in Anschlag gebracht hat oder dem Ausland. Es könnte ja auch einem Investitionsfond in Singapur einfallen, die von der Presse niedergeschriebene und börslich unterbewertete UBS zu kaufen, den Privatkundenstamm nach Singapur zu verlegen (wo es das Bankgeheimnis noch gibt?) und die UBS in der Schweiz (wo nach dem Fall des Bankgeheimnisses kaum mehr Standortvorteile vorhanden sind) einfach zu schliessen.
    Das Vorgehen von GM im Fall Opel lässt grüssen!

  8. Frau Müller Says:

    @ Uertner: Wie Einstein mal sagte: «Probleme kann man nie mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.»

    Villiger verkörpert ja geradezu dieses «unschweizerische System». Er hat als Finanzminister die Weichenstellungen für den Schweizer Finanzplatz vorgenommen, die zum Zusammenbruch geführt haben und als Verwaltungsrat der Swiss Re ist er mitverantwortlich für deren Untergang. Was ist daran patriotisch? Welche Werte verkörpern solches Handeln? Was finden Sie daran achtenswert? Und vor allem: Was ist an der Kritik, dass Villiger als VR der Swiss Re versagt hat, «dummdreist»? Die einzigen, die vorbehaltlos hinter Villiger stehen, sind seine Parteikollegen.
    Äusserst bedenklich finde ich, dass Sie Journalisten unterstellen, die UBS niederzuschreiben. Für den Niedergang der UBS ist die UBS selbstverantwortlich. Und es ist nicht Aufgabe der Presse, die UBS hochzujubeln. Das haben sie sowieso viel zu lange gemacht, ohne die Gewinnrekorde bis zu 20 Prozent je zu hinterfragen.

    À la bonheur! Wenn es die Aufgabe des UBS-VR-Präsidenten ist, Vertrauen zu gewinnen, dann hatte er bei Ihnen ja bereits Erfolg.

  9. von Relax Says:

    @ flashfrog: Danke für die Einladung zur Diskussion. @ Frau Müller: Danke für den öffentlichen Hinweis, dass noch von Relax-Senf fehlt.

    Lese ich Beitrag und Thread, erkenne ich ein Spiegelbild von der Mainstream Meinung, die in Leserbriefen und der öffentlichen Diskussion (Radio DRS / TeleZüri) zum Ausdruck kommt. Soll ich den Winkelried abgeben, indem ich Einspruch zu Feststellungen und Interpretationen erhebe, gemacht von Brain Power Vertretern mit geschliffener Formulierungstechnik? Soll ich allein gegen die Übermacht der vorherrschenden Meinung antreten? Auf Füssen herumtrampeln, die zum Teil in exklusiven High Heels stecken? (Quelle: Wikipedia Persönlichkeitsprofile). Womit ich mir grössere Probleme einhandle, wie mit einem lockeren von Relax Spruch mit Interpretierungsspielraum!

    Seit Wochen habe ich vor, den einen oder anderen Kommentar zu schreiben. Bis jetzt habe ich es nicht geschafft, weil sich die Ereignisse ständig überschlagen und ich immer das Gefühl habe, die neueste Entwicklung noch berücksichtigen zu müssen. Auf Journalisten und Medien habe ich wegen der lausigen Berichterstattung einen rechten Zorn entwickelt! Seit wenigen Wochen verstehe ich aber, dass die Entwicklungsgeschwindigkeit zum Teil daran Schuld ist, qualitativ mangelhafte Arbeit ins Netz zu stellen, bevor die nächste Nachricht den halbfertigen Artikel ganz entwertet. Mein Ärger richtet sich jedoch nicht nur gegen die Medien sondern auch im gleichen Ausmass gegen die Politik. Und wer jetzt meint, ich sei naiv und würde die Tunnelsicht pflegen, der irrt. Zwar werde ich in meinen ausstehenden Artikeln gegen Medien und Politik wettern, aber die Banken kommen nicht besser weg. Es ist zum Heulen, was die für einen Mist bauen. Wohlgemerkt, dies immer wieder von Neuem.
    An dieser Stelle möchte ich die Aussage nicht genau erklären, aber wenn ich schon gackere zwei Beispiele abgeben.
    a) Die unselige Boni Diskussion. Fakt ist, die CS und UBS Banker verdienen beim Fixlohn eindeutig weniger als die Peer Gruppe bei den Auslandsbanken. Rechnet man den Bonus dazu, sieht wieder alles ganz anders aus. Kappt man den ganzen Bonus, kommt dies de facto einer effektiven Gehaltskürzung gleich. Spürbar für Mitabeitende und unteres Kader.
    b) Wenn BR Merz und VRP Kurer die Auslieferung von Kundendossiers an die USA öffentlich damit rechtfertigen, dass es sich „nur“ um Dossiers von Steuerbetrügern handelt, ist dies für meinen Geschmack eine unglaubliche Schweinerei. Man hat dem Druck der USA nachgeben müssen, bzw. sich zwischen Pest und Cholera entschieden. Dies ist OK. (?) Deswegen jedoch eine öffentliche Vorverurteilung der betroffenen Kunden vorzunehmen, halte ich aus grundsätzlichen Erwägungen für nicht akzeptabel. Dieses Urteil steht den Gerichten zu, nach Ausschöpfung aller Rechtsmittel in der Schweiz und den USA. Ich finde es lächerlich,, wenn man 1 cm2 Arsch retten will, indem man der ganzen Bankkundenwelt versucht zu suggerieren, dass man nur ein paar Kriminelle opfert. Zu mehr taugt dieser Versuch nicht und Kunden werden diese Differenzierung nicht wahrnehmen (sie sehen nur den Dammbruch).
    c) Heerscharen von PR-Leuten, Medienprofis und Communication Consultants gehören gefeuert. Bei UBS und beim Bund.

    Also nach dieser Einstimmung, mein Kommentar zur laufenden Diskussion.

    @ Zappadong: Man hat Sie mir gegenüber als quirlige Portion Dynamit beschrieben. Lese ich Ihre immer engagierten Beiträge, kommen diese zwei Merkmale gut zur Geltung. Besuche ich Ihren Blog, kann ich mir gut vorstellen, dass Sie schöne, kreative und phantasievolle Kinder-/ Jugendbücher schreiben. Mit der dazu notwendigen Detailschärfe, die Ihnen im Umgang mit Banken und beim Blick auf die Volkswirtschaft leider fehlt. Was ich Ihnen nicht anlaste, sondern den Medien. Die haben es in fast zwei Jahren Finanzkrise nicht geschafft, der Öffentlichkeit verständlich zu machen, warum man UBS und CS (auch nicht eine ZKB oder die Raiffeisen Gruppe) nicht Pleite gehen lassen kann!

    Darstellungsversuch: Man könnte Migros oder ABB – willkürlich wegen der Anzahl Arbeitsplätze gewählt – Pleite gehen lassen. Dies wäre volkswirtschaftlich so dramatisch, wie wenn bei einem Menschen die gleichzeitige Amputation von einem Arm und einem Bein vorgenommen würde. Dieser Mensch wäre schwerstversehrt, aber lebensfähig. Die CH Volkswirtschaft könnte ohne Migros und ABB – mit markanten Schäden – überleben. Kann ein Mensch überleben, dem die Sauerstoffzufuhr genommen wird? Die Antwort ist bekannt. Lässt man CS oder UBS – oder eine der ausländischen Global Player Banken – Pleite gehen, wird der Volkswirtschaft der Sauerstoff genommen. Länder können bankrott gehen, aber nicht sterben. Genau wie ein Mangel an Sauerstoff zumindest zu schweren Hirnschädigungen führen kann, führt der Konkurs einer Grossbank zu schwersten Schädigungen der Volkswirtschaft und wegen der Globalisierung beleiben die Schäden nicht auf ein Land beschränkt.

    Zehntausende von Bankern und Wissenschaftlern auf der ganzen Welt beschäftigen sich ausschliesslich mit der Suche nach Schadensbegrenzung bzw. einer Lösung. Wenn also bei dieser Ausgangslage trotzdem „einfach“ nur die Geldschleusen geöffnet werden, liegt es nicht daran, dass sich nur Deppen mit dem Problem beschäftigen. Es geht ums nackte Überleben Frau Zappadong. Klappt dies nicht, dann brauchen die Kinder nicht mal mehr Kinderbücher. Dann kämpfen breite Bevölkerungsschichten um das Behaupten der Stufe eins auf der Maslow Pyramide.

    Darstellungsversuch zwei: Geht es Firmen schlecht, wird z. B. Kurzarbeit eingeführt. Um es diesen verhassten UBS-Bankern zu zeigen, könnten die doch einfach mal für unbestimmte Zeit zwei Tage in der Woche zuhause bleiben, bei entsprechender Lohnkürzung. Ja, was bei fast jedem Laden geht, kann man bei Banken nicht machen. Es sei denn man betrachtet die Schweiz als eine losgelöste Insel der Seligen, die auf den Weltwirtschaftsrhythmus pfeifen kann.

    @ Mara: Ich schätze allgemein Ihre Beiträge und habe schon manchen guten Denkanstoss mitgenommen. Bei Ihrer gewohnten persönlichen und professionellen Präzision, erscheint mir der Einleitungssatz im Artikel nicht ganz schlüssig, wird es doch umgangssprachlich als eine anerkannte Tugend wahrgenommen, wenn der (die) in der Not gerufenen, zum Helfen bereit sind. Die zweifelhafte Feststellung betreffend Alter als Arbeitsqualitätskriterium wurde bereits von Frau Müller bereinigt (danke Frau Müller).

    „Alter oder Reichtum sind per se keine Qualifikation,
    weder im positiven noch im negativen Sinne“.

    @ Frau Müller: Sie haben wie gewohnt Ihren Standpunkt mit Aussagen und Hinweisen begründet, weshalb ich es nachvollziehen kann, aber nicht voll umfänglich zustimme.

    @ uertner: Habe mal wieder mit schmunzeln eine uertner Argumentation gelesen und mich an gewissen Stilelementen und Formulierungen erfreut. Der Bemerkung zur G20 als bestimmendes Gremium, wohin die Reise hingeht, stimme ich grundsätzlich zu. Wann auf der Zeitachse welche Wirkung eintritt, ist jedoch faktisch noch nicht auszumachen.

    @ alle: Der Grübel ist für die UBS und die Schweiz ein Glücksfall, dass er noch mal in die Hosen steigt. Der 60 Millionen Bonus bei der CS ist schlicht mehr als verdient. Die CS wurde von der McKinsey Elite – Mühlemann und Buddy Wellauer – an den Grabesrand ge(miss)managed. Grübel hat freiwillig gekündigt, als ihm Wellauer vor die Nase gesetzt wurde. Er hatte da schon genug Geld, dass er frei in seinen Entscheiden war. Die Auferstehung der CS aus der Asche ist Grübel u n d TEAM zu verdanken. Natürlich ist es das Team, das den Erfolg ermöglicht. Aber das beste Team benötigt den sachverständigen und führungsstarken Chef, der letztlich Verantwortung für Entscheidungen übernimmt, welche über Erfolg und Desaster entscheiden. Von den Powerful Decison Makers, gibt es sehr, sehr wenige auf der ganzen Finanzwelt. Es ist kein Kunststück bei schönem Wetter und klarer Sicht auf der Kommandobrücke zu stehen, und das Personal den Dampfer steuern zu lassen. Wenn jedoch raue See herrscht und weder eine Küste noch ein Sternenhimmel zur Verfügung stehen, dann ist das Steuern eine Kunst die wenige beherrschen, weil sie dem Stress und der Dauerbelastung nicht gewachsen sind. Auf See und im Krieg gilt: Es wird gemach, was der Kapitän / Kommandant befiehlt. Die UBS ist schwerer See ausgesetzt und die Dauer der Stürme ist unbekannt.

    Der damalige Erfolg bei der CS ist keine Garantie für eine Wiederholung der Geschichte. Die CS in einem intakten Markt zurück zum Erfolg zu führen ist, war (im Rückblick ha, ha) erheblich einfacher, als die UBS in einer Finanzweltkrise zu retten, wo – zurzeit – nichts mehr berechenbar ist. Grübel ist für den Kampf gegen weiteren Absturz der richtige Mann am richtigen Ort zur richtigen Zeit. Und weil es bei jedem UBSler um den eigenen Arsch und das eigene berufliche Überleben geht, werden die Leute mitziehen, auch wenn ihnen der Grübel Stil zum Heulen und K .. sein wird. Unter normalen Umständen würde das UBS-Kader auf passiven Widerstand schalten. Es herrscht jedoch (Wirtschafts-)Krieg und wer keine Lust oder keine Kraft hat, die Grübel Kadenz mitzugehen, wird aussortiert, kommt unter die Räder, bleibt am Wegrand unbeachtet liegen. Glaubt jemand, dieses Alphatier hätte man sich geholt, wenn es echte Alternativen gegeben hätte? Vor der Krise gab es so rund zwei Duzend auf der globalen Finanzwelt. Die sind alle verschwunden, weil sie mit ihren Banken noch grössere Verlustlöcher gemacht haben, als Ospel etc. Gemessen an der weltweiten Konkurrenz, steht nämlich die UBS relativ gut da.

    Villiger hat viele Defizite für den Posten und wäre zu normalen Zeiten keine Wahl. Zu Grübel passt jedoch Villiger, weil es Grübel egal ist, wer unter ihm VRP ist und sich Villiger nicht ums Geschäft sondern um die politische Arbeit im In- und Ausland kümmern wird. Die Vorbehalte zu Villiger verstehe und teile ich zum Teil auch, aber sie sind für den Erfolg nicht relevant. Blocher, Brunner, Staehelin etc., alles Motzer, wo es um parteitaktische Ziele geht sowie um Neid und Missgunst.

    Der Rückzug und die Neuordnung der UBS geht nicht ohne Verluste ab. Grosse Banken werden jedoch von amtierenden Politikern auf der ganzen Welt – jeglicher Couleur und Parteizugehörigkeit – als SYTEMRELEVANT bezeichnet, weshalb inzwischen sogar die Notenpresse angeworfen wird.

    Es ist sehr zu hoffen, dass der Ossi und der Kaspar, das Schiff in ruhigere Gewässer führen können. Es geht ja um Steuermilliarden, wobei ich dieses Jammern von einem rechten Teil der Bevölkerung nicht akzeptiere, weil ein erheblicher Prozentsatz der Bevölkerung keine bzw. keine spürbare Steuern bezahlt. (Frau Müller hätte hier natürlich recherchierte Fakten geliefert, aber von Relax stellt zumindest keine Behauptung auf ohne sicher zu sein, dass der Pfeil im Schwarzen landet.)

  10. von Relax Says:

    Habe gerade folgenden Artikel entdeckt, welcher meine obige Aussage stützt.

    Handelsblatt.com 09.03.2009
    Führungspositionen
    Gute Aufsichtsräte sind schwer zu finden
    von Jeffrey Goldfarb (breakingviews.com)

    UBS, BP und RBS sind die jüngsten, die sich abmühen. In den Führungsetagen wird Reise nach Jerusalem gespielt, man holt die Granden der Szene aus dem Ruhestand oder sucht nach Persönlichkeiten mit beneidenswertem Pflichtgefühl. Die Krise hat viele in Misskredit gebracht und andere verschreckt. Die Erwartungen an die Unternehmenslenker sind inzwischen in den Himmel gewachsen.

    Der ganze Text unter:
    http://www.handelsblatt.com/finanzen/breakingviews/gute-aufsichtsraete-sind-schwer-zu-finden;2196755

  11. Mara Says:

    Nein, Alter und finanzieller Hintergrund sind wahrlich keine Qualifikationen für einen Job – egal welchen. Aber aus meiner Sicht ist in diesem Fall genau dass eingetreten, denn was Grübel und Villinger für ihre Posten mitqualifizierte war, dass sie nicht mit der aktuellen Finanzkrise in Verbindung gebracht worden sind – und das liegt in erster Linie an ihrem Alter und ihrer bereits erfolgten Pensionierung. Sie sind in dieser Krise eben noch nicht „verbrannt“ und können auf einen Vertrauensvorschluss zählen.
    @von Relax,
    aus der Innenperspektive kann ich ihren Ausführungen grösstenteils unterstreichen. Grübel wird sicherlich jemand sein der seine Mitarbeiter führen und motivieren kann – und Villinger jemand, der in der Politik genügt Kontakte besitzt um seine Bank wieder gut positionieren zu können.
    Aber das ist eben eine reine bankspezifische Perspektive – zum wohl der UBS als Einzelfirma.
    Aber was ist mit er politische, finanzmarktregulatorischen Perspektive? Aus meiner Sicht werden da die falschen Signale gesetzt. Und sowohl Grübel als auch Villinger stehen dabei für den Schritt zurück, wir wollen das alte System wieder „zum funktionieren bringen“.

    Ich kenne die Kreditstruktur der Schweiz für KMUs nicht wirklich. Aus anderen Länder aber weiss ich, dass gerade nicht die Grossbanken diejenigen sind, die den breiten Mittelstand mit Krediten versorgen. Auch wieviel des Kreditgeschäftes der UBS landes- und welcher Umfang international ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber mit vergleichbaren Ländern ergibt sich, dass die kantonalen Banken für die regionale Wirtschaft eine sehr viel bedeutendere Rolle spielen. Von daher fürchte ich, dass die volkswirtschaftliche Bedeutung der zwei Grossbanken hier sehr überschätzt und überzogen wird. Ich lass mich gerne mit vergleichenden Zahlen eines besseren Belehren – konnte sie aber noch nirgends finden.
    Hinzu kommt, dass hier eine gewisse Unverständnis ja nicht nur mir anhaftet. Die Informationen die zu dem heutigen Desaster geführt haben sind seit Jahren im Umlauf. Es ist also keine Welle des Unglücks die hier völlig ohne Vorankündigung über irgendjemand hereingeschwebt ist. Insofern hätte ich mir hier jemanden gewünscht, der genau diese Weitsicht auch vorher schon an den Tag legt – Jemand der vorhandene Informationen ernst nimmt, auch wenn sie gegen einen Optimismustrend/Pessimismustrend sprechen. Auf politischer Ebene heisst das umgesetzt, jemand der eine Vision dafür hat, wie solche Massentrends, und in die sind nach meiner Sicht die Banken geschlittert, systematisch z.b. über Richtlinien und Aufsicht entgegengetreten werden kann.
    In die UBS sind durch den Staat Milliarden gegangen – dieses Rettungsgeld einfach nur dazu zu nutzen alles wieder zum alten hinzubiegen – erscheint mir persönlich eine Missachtung der Zahlenden.

  12. von Relax Says:

    @ Mara: Eine sehr gute Auslegeordnung, versehen mit Fakten und Argumenten die ich akzeptiere.

    Allerdings sind UBS und CS sehr stark im Kreditgeschäft für KMU. Beweisversuch: Politik und Wettbewerbsbehörden und die Konkurrenz haben sich bis jetzt immer – zu Recht – gegen eine Fusion von CS und UBS gewehrt. Richtige Haltung zum Schutz der Kunden-Kreditinteressen, sprich um den Wettbewerb bei den Konditionen zu schützen. Für mehr Wettbewerb bei den Kreditkonditionen würde die Erteilung einer Banklizenz an die Postfinance sorgen.

    Dagegen sind unter anderem die Kantonalbanken und dieses Beispiel zeigt auch, dass die GIER allgegenwärtig ist. Die Ablehnung basiert wesentlich auf der Furcht, dass mit Zulassung einer Postbank – also schärferer Wettbewerb – die Gewinne der KB leiden könnte, womit kantonales Steuersubstrat verloren geht. Kantonalbanken und Schweiz. Nationalbank als garantiertes und üppiges Füllhorn (zum Ausschütten), ist in den Köpfen von Politik und Teilen der Öffentlichkeit verankert und zwar budgetmässig mit immer höheren Positionswerten. Die geächteten Banken als Verantwortlich für steigende Saläre, Dividenden für Aktionäre und für die SP als Garant für ganzjährigen Auftritt als Pestalozzi-Figur im In- und Ausland.

    Vor dem Finanzkrise-Knall haben Boni und Löhne in der Bankbranche perverse Züge angenommen, aber „wer unschuldig ist, werfe den ersten Stein!“ Ich könnte mit Argumenten über die Bankbranche herziehen, dass mir Frau Zappadong einen Kuchen schenken würde. Aber jede Medaille hat ja zwei Seiten und pauschale Moralschelte zeugt von einem Defizit an Wahrnehmung und Beurteilungsvermögen.

    Metapher: Da nimmt man ungefragt das Altersgeld der Oma und legt es an der Börse an, um es im Schlaf zu verdoppeln und – typisch für diese Metapher – schreit Mordio und spricht von Sauerei, wenn ein schmerzhafter Verlust entsteht, weil man die Börse als Einbahnstrasse begreift und fürs Mitmachen Belohung erwartet.

    Wenn in diesem Beispiel, Gewinn realisiert würde, dann bekäme die Oma stillheimlich ihr Kapital ohne Zinsen oder Gewinn zurück, denn der Gewinn gehört ja jenen mit der Idee (als Belohnung für skrupelloses Verhalten).

    Es geht mir gar nicht darum, die Banken unkritisch zu verteidigen, aber mir stinkt diese weit verbreitete öffentliche Doppelmoral. Es haben JA ALLE Bürger über Jahre vom Fehlverhalten der Banken profitiert, weil es Milch und Honig im Überfluss gab.

    Schon vor zwanzig Jahren war abzusehen, dass das Bankgeheimnis in der aktuellen Form keine Zukunft hat und ich bin dezidiert für Anpassungen an die Welt von heute, aber als Geschäftsmodell und nicht weil die USA und D mit Herrn Steinbrügg ständig Wahlversprechen machen, um wiedergewählt zu werden. Es geht nicht um Steuergerechtigkeit, es geht um die Wiederwahl und erst an zweiter Stelle um staatspolitische Ziele.

    @ Mara: Grübel und Villiger können die UBS nicht mehr zurück in die alte Fahrspur bringen, diese Befürchtung ist umsonst. Aber man muss doch ein Haus, ein Auto oder was immer man am Markt anbieten will, im besten Glanz erscheinen lassen, um das Ganze oder im Fall der UBS einen Teil davon, verkaufen zu können.

    @ Zappadong: Nachtrag zu meinem Erstkommentar. Es ist irreführend, wenn die Öffentlichkeit immer von den Banken spricht, die gerettet werden. Würden z. B. Bank Bär, Bank Vontobel oder Bank Wegelin, vor dem Aus stehen, würde der Staat nicht intervenieren, weil es keine systemrelevante Banken sind. Dies trifft – aus dem hohlen Bauch – auf ca. > 93 Prozent der Banken zu.

    Übrigens schlage ich allen Bankenhassern mal folgende Übung vor. Man / frau verzichte für zwei Monate auf jegliche Geschäftstätigkeit mit Banken. Also man holt das zustehende Geld ab oder lässt es sich bringen und mit den eigenen Verpflichtungen hält man es ebenso. Beim Einkaufen bietet man eigene Waren oder Dienstleistunge zum Tausch an. Bankautomaten werden nicht mehr berührt.

    PS: Es gibt durchaus Denkmodelle, wo in Zukunft jede Einzahlung und jeder Bezug, z. B. Fr. 10.- kostet. Versiegen Gewinnquellen, muss man nach neuen Ausschau halten, denn der Arbeitsaufwand und die anderen Betriebskosten sind ja vorhanden, auch ohne Börsengeschäfte. Und diese Schlussbemerkung ist nicht einfach als Satire zu verstehen.

  13. flashfrog Says:

    Es liegt wohl in der Natur der Medien, dass sie eine derart komplexe Situation, die nicht einmal die Experten in den Banken und an den Hochschulen verstehen, verkürzt und einseitig darstellen. Die Leute wollen eine Meinung lesen. Sie wollen eine Erklärung. Sie wollen einen Schuldigen.

    Aber @von Relax: Die Kritik lässt sich doch nicht so einfach von der Hand weisen. Die Frage, ob mit dem System, dass solche Auswüchse von Spekulation und Gier zulässt, und das uns da gerade mit Krabumm um die Ohren fliegt, ganz grundsätzlich etwas nicht stimmt, halte ich für dringend notwendig.
    Nur dass diese Frage ernsthaft gestellt wird, sehe ich nicht. Da traut sich offenbar keiner (zumindest öffentlich) ran.
    In die Vergangenheit zurückzurudern statt nach neuen Wegen zu suchen, halte ich jedenfalls auch nicht für den richtigen Ansatz.

  14. von Relax Says:

    Das System war schon lange krank, wenn mit Finanzanlagen signifikant und fortlaufend mehr zu verdienen war, als mit der Produktion und dem Handel von Gütern. Aber erneut, die Banken waren Werkzeug und Gewinner, aber auch getrieben von den Erwartungen der Kunden und Anleger, von den Märkten. So ist in den Zeitungsarchiven mein Hinweis zu überprüfen, dass g a n z grosse Pensionskassen in den USA und UK – im Namen der Versicherten, d.h. der normalen Arbeitnehmer – ständig Druck für mehr Rendite bei den Banken etc. gemacht haben. Pensionskassen waren massgeblich –in Vereinigung mit Banken und Hedge-Fonds – an riesigen Übernahmen, Fusionen etc. beteiligt, die immer zu grossem Arbeitsplatzabbau geführt haben. Diese militante Aktionen für mehr Rendite zur Aufbesserung der Renten der versicherten Arbeitnehmer in unteren Lohnklassen, sind unübersehbar Teil Marktentwicklung.

    Die UBS ist, sagen wir wie die Titanic, auf einen Eisberg gestossen. Überall strömt Wasser herein und das Schiff droht abzusaufen. In dieser Situation kann der Kapitän nicht in Sitzungen Schönwetterrouten planen, er muss primär und ausschliesslich das Schiff mit Passagieren und Mannschaft retten. Anschliessend kann er prüfen, welcher Teil der Fracht über Bord geworfen werden soll. Kümmert sich jetzt das Personal um Zukunftsrouten mit anderer Ladung, dann sauft der Kahn mit Mann und Maus ab. In dieser Situation kühl überlegen, Verantwortung übernehmen und ohne Wenn und Aber einen Entscheid mit allen Konsequenzen treffen, ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das nur wenigen Personen zu eigen ist. Ackermann und Grübel gehören dazu, weshalb es zu Grübel im Moment keine Alternative gibt und seine Berufung nichts mit einer Fahrt in die Vergangenheit zu tun hat. Momentan ist die UBS ein Spielball der Märkte und daran kann auch ein Grübel nichts über Nacht ändern.

    Ein erklecklicher Teil der Manager scheisst sich in die Hosen, wenn sie nur schon im normalen Tagesgeschäft einen Entscheid in Eigenverantwortung fällen sollen. Leser dieser Zeilen sollten mal im eigenen Umfeld darauf achten, ob ihre Chefs tatsächlich Führung und Verantwortung wahrnehmen. Wenn unklar ist, welcher Entscheid der richtige sein könnte, tendieren schwache Manager dazu, plötzlich grosszügig den Entscheid nach unten zu delegieren oder aber sie sichern sich ab, indem sie zum Chef sausen und um Anweisung bitten. Ist der Chef ausnahmsweise nicht erreichbar, wird die Kombination aus Unfähigkeit und dann natürlich Stress, als Kriterium wahrgenommen, warum man nur schon für diese wenige Stunden den Lohn für den ganzen Monat verdient hat.

  15. zappadong Says:

    Zitat: „Mit der dazu notwendigen Detailschärfe, die Ihnen im Umgang mit Banken und beim Blick auf die Volkswirtschaft leider fehlt.“

    Einspruch! Das ist zu einfach. Ich habe einen anderen Blickwinkel! Und es nervt mich gewaltig, wenn jemand diesen Blickwinkel als fehlende Detailschärfe abtut.

    „Was ich Ihnen nicht anlaste, sondern den Medien. “

    Nein, die Medien sind nicht schuld. Ich bilde mir ein, selber denken (und meine Umwelt beobachten) zu können … ich habe Banker in der Familie, unter meinen Kunden und ich habe vor allem sehr viele Kunden, die direkt von den Auswirkungen der Finanzkrise betroffen sind – extrem viele. Wie Sie vielleicht wissen, ist das St. Galler Rheintal eine der am stärksten betroffenen Regionen (weil die Finanzkrise die Industrie mitgezogen hat). Für diese Betroffenen, die auf Kurzarbeit sind und alle um ihren Job fürchten, ist das Wort „Boni“ ein Hohn, ein Schlag ins Gesicht.

    „Die haben es in fast zwei Jahren Finanzkrise nicht geschafft, der Öffentlichkeit verständlich zu machen, warum man UBS und CS (auch nicht eine ZKB oder die Raiffeisen Gruppe) nicht Pleite gehen lassen kann!“

    Mir ist sehr wohl klar, warum man diese Institute nicht Pleite gehen lassen kann. Und darum nervt mich das alles doppelt.

    „Nachtrag zu meinem Erstkommentar. Es ist irreführend, wenn die Öffentlichkeit immer von den Banken spricht, die gerettet werden. Würden z. B. Bank Bär, Bank Vontobel oder Bank Wegelin, vor dem Aus stehen, würde der Staat nicht intervenieren, weil es keine systemrelevante Banken sind. Dies trifft – aus dem hohlen Bauch – auf ca. > 93 Prozent der Banken zu.“

    Das ist noch viel beschissener. Man darf also eine systemrelevante Bank sein und unter diesem Deckmantel alles tun.

    Ich behalte meinen Blickwinkel bei. Und wütend bin ich wie sonstwas.

    Und eine kleine Berichtigung: Meine Jugendbücher sind nicht „schön“ – sondern hart und sie schauen hin. Auf die sogenannten Loser, auf die Säufer, auf die Aussenseiter, auf die von Eltern halb zutode geprügelten, auf die Gewalt. Ich hasse es, verniedlicht zu werden, ohne dass man meine Bücher gelesen hat. Man kann sie schlecht finden, meine Bücher, kein Problem. Aber sie einzuordnen, ohne sie gelesen zu haben, ist eine Frechheit.

    Wütende Grüsse

    Frau Zappadong

  16. Mara Says:

    @ von Relax.

    nur kurz zwischendurch: Vielleicht ist es deswegen so schwer im Moment Führungskräfte für die Finanzbranche zu finden, weil das Suchschema so eng ist. Bis jetzt sind nämlich nur weisse Männer über 55 „gefunden“ worden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es nicht auch ein paar erfahrene und kluge Frauen/Farbige (einzusetzen ist jede „Minderheit“) gibt, die ebenso geeignet wäre.

  17. zappadong Says:

    Immer noch wütend. Mir sind noch ein paar Dinge eingefallen:

    Shut up and sing (in Abwandlung heisst das dann wohl Shut up and write – nice little books for nice little children).

    Dass ich vielleicht wieder in die SP eintreten sollte (ja, da war ich lange Mitglied, deshalb vielleicht mein „unscharfer“ Blickwinkel).

    Dass ich das Wort „systemrelevant“ menschenverachtend finde (wenn man die Bedeutung dieses Wortes in seiner ganzen Konsequenz überdenkt, kann einem mehr als nur schlecht werden … )

    Okay, and now I’ll shut up and write.

  18. von Relax Says:

    Ich lasse das Wort „liebe“ weg, weil es sonst wieder gegen mich verwendet wird, was ich weder bewusst noch fahrlässig riskieren will. Also Frau Zappadong:

    Ja, ich habe noch keines Ihrer Bücher gelesen. Wollen Sie mir dies zum Vorwurf machen, wenn ich Ihnen trotzdem ein gut gemeintes und ehrliches Kompliment mache? Wenn ich einsichtig bin, zögere ich nicht mich zu entschuldigen. Was ich auch schon öffentlich getan habe. Aber in diesem Fall, mag ich nicht erkennen, für was ich dies tun sollte. Dumm gelaufen … kann ich da nur noch denken.

    Es ist in der Gesellschaft im Allgemeinen und in Beziehungen im Besonderen die Wurzel von Alltagsproblemen, dass man beim Interpretieren zu schnell die schlechteste Variante (worst case) wählt. Ein Gedankenfutter Feststellung, ausdrücklich für alle Leser geschrieben und nicht für eine spezifische Person.

    Es hat keinen Zweck, wenn Sie und ich einen Dialog über Banken führen. Unsere Sichtweisen sind zu unüberbrückbar. Seit langer Zeit. Ich mache durchaus bei Kritik und Banken Bashing mit, wenn es an Fakten festgemacht ist. Bei einer weltweiten Banken-, Finanz- und Wirtschaftskrise, können Sie doch nicht die Arbeitsplatzprobleme im Rheintal einer CH Bank zuordnen. Auch Anderes ist bedauerlich, aber nicht die Verantwortung der UBS.

    Es war nie meine Absicht Sie in Ihrer schöpferischen Arbeit unangemessen darzustellen. Im Gegenteil ich wünsche Ihnen Glück und Erfolg und die nötige Gelassenheit im Umgang mit Meinungen, die nicht zu Ihrem Weltbild passen.

    Relax-Grüsse

  19. zappadong Says:

    Doch. Die UBS ist mitverantwortlich an der ganzen Misere. Die Finanzkrise, ausgelöst von den „global Players“, den „too big too fails“, den „Systemrelevanten“ hat die Wirtschaft mitgerissen in diesem Strudel, bis hin zu den grösseren und kleineren Industrieunternehmen im Rheintal (na ja, eigentlich bis hin zu meiner Firma, nur ist meine Firma klein und flexibel genug, darauf zu reagieren – aber auch sie wird kleiner werden)

    Ich bashe nicht generell Banken. Das Geld unserer Firma ist seit Anbeginn bei der Raiffeisenbank sehr gut aufgehoben. Die lokalen UBS Angestellten sind sehr, sehr nett (Sohnemann hat sein Jugendkonto dort). Und bei der Kantonalbank bin ich ein Leben lang eine dankbare Kundin gewesen. Ich kann also durchaus unterscheiden. Nur: Mit den arroganten Deppen, die uns an die Wand gefahren habe, habe ich weder Mitleid noch habe ich Verständnis für sie.

    Nur, Sie haben recht, Relax: Sie und ich kommen meinungsmässig nicht zusammen. Ich fand und finde 60 Millionen Abfindung schlicht und einfach pervers unanständig. Kein Mensch „verdient“ so viel. Keiner.

    Im übrigen streite ich mich gerne mit Leuten, die nicht meiner Meinung sind und noch lieber mit Leuten, die ein ganz anderes Weltbild haben. Aber nicht, wenn sie mir von oben herab kommen. Und das sind Sie. Nun schon zum zweiten Mal (indem Sie mir gönnerhaft die nötige Gelassenheit wünschen).

  20. von Relax Says:

    @ Zappadong: Ein Wort oder eine Gest zuviel oder ein Wort oder eine Geste zu wenig und das Ziel ist nicht erreicht. Deshalb ist Kommunikation eine Kunst. Und über Kunst kann man schlussendlich immer geteilter Meinung sein. Ich könnte im Monet sonst was unternehmen um mich Ihrem Zorn zu entziehen versuchen. Es würde nicht helfen. Schade.

  21. zappadong Says:

    @von Relax:
    Kommunikation im Internet ist tatsächlich schwierig. Oft kommen Dinge nicht so an, wie sie gemeint sind. Bei mir sind heute zweimal Meldungen von Ihnen so angekommen, als sprächen Sie von oben herab zu mir, so wie ein Herrchen zu seinem Puddeli, das an der Leine in die falsche Richtung zieht.

    Ich bin zwar immer noch sehr wütend – weniger auf Sie als auf die ganze Situation, und zwar so wütend, dass das wieder einer dieser Tage war, an denen ich nichts Gescheites zu Stande gebracht habe vor lauter Wut im „Ranzen“ – aber ich möchte trotz allem und über alle Gräben hinweg die Hand reichen (und das meine ich nicht von oben herab, sondern auf Augenhöhe).

    Ich denke, wir müssen und können uns darauf einigen, dass unser Weltbild in der Tat sehr verschieden ist. Das macht die Sache ja eigentlich spannend.

    In diesem Sinne … Friedenspfeife?

  22. von Relax Says:

    @ Zappadong:
    Danke für für das Angebot der Friedenspfeife, das ich gerne und mit Freude annehme. Hätte es bedauert, wenn wir bei anderen Themen nicht weiterhin die Wortgefecht-Klingen kreuzen würden. Ihre geradlinige Art wird ja von mir wahrgenommen und geschätzt,

  23. von Relax Says:

    @ Mara:
    Ob es unentdeckte Talente gibt, kann ich weder pro noch contra beurteilen. Es könnten sich auch in der Schweiz noch geeignete Kandidaten befinden, aber ohne den spezifischen Track record wird man nicht wahrgenommen. Ausserdem neigen Menschen allgemein dazu, in der Krise auf Bewährtes zu setzen. Beispiel: Politiker reif für die Rente können in Verbindung mit unerwarteten Krisen knapp vor der Wahl, eine unerwartete Wiederwahl schaffen.

    Banken suchen für eine Vakanz immer Kandidaten, die genau über DIE Erfahrung für die Vakanz verfügen. Dies ist mit ein Problem, warum diplomierte KV-Absolventen durchaus Probleme haben können eine Stelle zu finden. OT: Kann ja noch nichts, muss erst eingearbeitet werden.. dafür haben wir keine Zeit.

    Muster sollen zeigen, dass es ein verbreitetes Verhalten im Alltag ist, die Suche auf einen Klon von … auszurichten.

    Mit dem richtigen Beziehungsnetz kann jedoch ein Metzgermeister plötzlich Chef von einer Schokoladefabrik werden..

  24. flashfrog Says:

    Was mich wütend macht: Die Politik, die Vertreter des Volkes, also sozusagen uns, sollte eigentlich regieren. Die Banken sollten der Wirtschaft ermöglichen, Investitionen zu tätigen.
    Banken, die hauptsächlich ihre eigene Profitmaximierung als Ziel betrachten, haben ihre Aufgabe verfehlt.
    Im Moment scheint alles auf den Kopf gestellt: Der Staat finanziert die Banken, die Banken würgen die Konjunktur ab und die Politiker zucken hilflos mit den Schultern und unterschreiben für das Volk Schuldscheine, weil es „keine Alternative“ gebe.

    @von Relax: Ein erheblicher Prozenzsatz der Bevölkerung zahlt keine „spürbaren“ Steuern? Wo liegt dieses tolle Land? Ich zahle für jeden Euro, den ich ausgebe, Mehrwertsteuer, meist 19%. Wir werden zahlen mit schlechterer Bildung, für die das Geld fehlt, mit abgebauten Arbeitsplätzen, mit weniger Rente, mit weniger Kultur, mit mehr sozialer Kälte.
    Und es würde mich sehr sehr wütend machen, wenn dieses Geld dafür ausgegeben wird, genau den Multimillionären, die dieses System aufgebaut und an die Wand gefahren haben, noch weitere Millionen in den Allerwertesten zu schieben.
    Und nein, ich finde es nicht normal, wenn „man“ der Oma ihr Erspartes stiehlt und verzockt. Noch weniger die Zukunft unserer Kinder und Enkel.
    Und ich kenne keinen Pensionär, der Wahnsinns-Renditen und Wertsteigerungen „verlangen“ würde, wenn das auf Kosten der Lebenschancen seiner Enkel geht.

    Auch das Bild mit den Kapitän im Sturm hinkt. Wir haben es hier nicht mit einem Naturereignis zu tun, das einfach so passiert wie das Wetter. Die Krise ist keine Naturkatastrophe, sie ist menschengemacht. Von solchen Leuten z.B.:
    http://www.faz.net/s/RubEC1ACFE1EE274C81BCD3621EF555C83C/Doc~E817017A7493D4FB5833A4E7D1380743A~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_aktuell

  25. Frau Müller Says:

    Wusst ich’s doch, dass @ von Relax hier scharfen Senf beizufügen hat! Haben Sie vielen herzlichen Dank, dass Sie uns an Ihren Einschätzungen teilhaben lassen. Sie haben sehr deutlich vorgeführt, wie das System funktioniert. Uneinigkeit herrscht – so wie ich es sehe – eher darüber, ob man dieses System retten will oder ob wir uns auf die Suche nach einem neuen System machen sollten.

    Was ich weiters sehe: Es rührt offenbar an ein Tabu, die UBS oder andere riesige Unternehmen zu kritisieren (oder wie @ Uertner meint: niederzuschreiben). Weil sie den Sauerstoff für ganze Volkswirtschaften liefern, ohne den alle einen Hirnschaden bekommen oder – wie mein Wort des Jahres heisst – SYSTEMRELEVANT sind.
    Damit kommt die UBS aber einer geschützten Werkstatt gleich, die vom Staat mit 6 Milliarden Franken alimentiert wird, wovon 2 Milliarden für die «flexiblen Lohnbestandteile» der Angestellten abgezweigt werden, ohne dass diese je Verantwortung für ihre Fehlleistungen hätten übernehmen müssen.

    Natürlich bin ich als Freiberufliche für die Volkswirtschaft völlig systemirrelevant und als Steuerzahlerin noch viel irrelevanter, dennoch trage ich mein Risiko von A-Z selber, ohne jegliches Sicherheitsnetz. Und ich frage mich: Wer bestimmt eigentlich, welche Unternehmen geschützte Werkstätten sind und welche den Gesetzen des freien Marktes ausgesetzt werden? Wer oder was ist eigentlich das «System»? Was bedeutet «relevant»? Und vor allem: Wollen wir wirklich unsere Volkswirtschaft auf geschützten Werkstätten aufbauen?

    Ich finde es faszinierend, wie Leute, die sich früher dem «Neoliberalismus» zuwandten, nun völlig hemmungslos die hohle Hand beim Staat machen, respektive sich von Staatsbeamten sagen lassen, wie sie zu wirtschaften haben. Aus meiner Sichtweise eine Kapitulation.

  26. uertner Says:

    „Systemrelevant“ sind im Moment auch die AIG, die USA und Obama hat ja gar GM als „Systemrelevant“ bezeichnet. Was heisst das? Die genannten Firmen dürfen nicht untergehen, Amerika darf nicht bankrott gehen und darum werden wir alle in der nächsten Zeit amerikanische Staatsanleihen kaufen, die uns mehr oder weniger freiwillig aufs Auge gedrückt werden. Nach der Logik von Frau Müller, wären also auch die ganzen USA eine „geschützte Werkstatt“ (vielleicht müsste man von einer Konsumstatt sprechen).
    Der Dollar ist nur noch durch die Drohung mit dem atomaren Tod gedeckt.

  27. zappadong Says:

    Herzlichen Dank an Frau Müller.

    Ebenfalls systemirrelevant:

    Frau Zappadong

  28. Frau Müller Says:

    @ Zappadong: In meinem nächsten Leben möchte ich als systemrelevante Bank wiedergeboren werden. Dann kann ich rumsauen bis zum Kollaps und bekomme doch immer mehr Milliarden in den Rachen geschoben.

    Beim Wort SYSTEMRELEVANZ denke ich an dieses Klötzchenspiel, bei dem ein Turm aufgebaut wird, indem unterhalb der Spitze Klötzchen herausgezogen und oben wieder aufgeschichtet werden müssen. Mit jedem Spielzug wird der Turm wackeliger – bis er umfällt. Verlierer ist derjenige, der ein Klötzchen herausgezogen hat, das für die Stabilität des Turms unverzichtbar ist. Wenn nun das ganze System von einem solchen Hasardeur abhängt, wie gut ist dann dieses System?

    Wenn Politiker GM/Opel als systemrelevant erklären, wollen sie damit nur ihre eigene Haut retten. Wer hat schon Lust, sich mit 100’000 neuen Arbeitslosen herumzuschlagen? Doch ist es einfältig zu glauben, dass der Staat einfach Geld über den Tisch schieben muss und dann die Arbeitsplätze und die Standorte erhalten bleiben. Die Wahrheit ist, dass die Nachfrage ausgefallen ist. Diese Nachfrage kann der Staat nicht ersetzen. Oder soll der Staat nun auch noch anfangen, Autos zu kaufen, um damit die Arbeitsplätze zu sichern?
    GM/Opel ist nicht Resultat der Finanzkrise, sondern der verfehlten Modellpolitik des Unternehmens und der daraus resultierenden mangelnden Nachfrage. Wer ein Auto wie Hummer produziert, macht sich selbst zum Dinosaurier. Aber vielleicht schenkt der Staat ja nun jedem Bürger einen Hummer.
    Zudem sind Opel und GM derart verflochten, dass – sollte sich Merkel entscheiden, Opel doch zu subventionieren – tatsächlich ein US-amerikanisches Unternehmen die deutschen Steuermilliarden erhielte.

    Die wichtigste Frage jedoch, auf die ich nie eine Antwort erhalte, lautet: Und jetzt? Wie geht es jetzt weiter?

  29. zappadong Says:

    Oh, Sie bekommen ganz viele Antworten, Frau Müller …. jeder Experte und jede Expertin gibt Ihnen eine andere. Deshalb dürfen Sie sich ruhig selber eine Antwort basteln und die dann als Expertenmeinung ausgeben. Viel schiefer als andere werden Sie damit nicht liegen. Und wenn Sie den Volltreffer landen, können Sie ein Buch schreiben, das dann zum Bestseller wird. Viel Glück.

    Frau Zappadong

  30. Zappadong Says:

    Ich grabe diesen Thread mal wieder aus, weil mir im Zusammenhang mit all den entlassenen Tamedia-Angestellten die vielen, vielen Entlassenen der Rheintaler Industrie einfallen (die halt eben nicht systemrelevant sind, aber dummerweise trotzdem eine Familie zu ernähren haben – oder mindestens sich selbst) und anderswo einfallen.

    Frau Müller hat in ihrem Kommentar geschrieben: Und jetzt? Wie geht es weiter?

    Zum Beispiel mit einem Gehalt von 10 Millionen Franken für irgendeinen Heini unserer too big to fail Bank.

    Mit Entlassungswellen in der Industrie. Bei uns im Rheintal ist das unter anderem im Moment die Oerlikon, die gestaffelt ihre Angestellten entlässt, nachdem die Kurzarbeit nicht gegriffen hat (keiner von denen hat 10 Millionen verdient – nicht mal im ganzen Leben).

    Mit Einzelschicksalen, bei denen es einem eng wird im Herzen.

    Im Blickpunkt der Öffentlichkeit und in vielen Blogs stehen die Tamedia-Leute. Ich möchte zusätzlich an all jene erinnern, die unbemerkt von der Öffentlichkeit vor die Tür gestellt werden, viele von ihnen mit mehr als ungewisser Zukunft.

  31. uertner Says:

    Sehr einverstanden. Aus dem Zürcher Oberland ist ähnliches zu vermelden, auch wenn noch 7 Baukranen im Dorf arbeiten.

  32. Zappadong Says:

    Und noch ein PS: Selten hat mich ein „alter Besen“ so enttäuscht wie Kaspar Villiger. Nein, ich habe nicht die Welt von ihm erwartet, nicht einmal eine Wende zum Besseren, aber dass er sich so schlecht machen würde, hätte ich ihm nicht zugetraut. Mit seinem Aussspruch über die Laien in der Politik hat dieser „Profi“ (in was eigentlich?) so viel Geschirr zerschlagen wie es nicht einmal ein Elefant im Porzellanladen könnte.

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