Die UBS sucht unser Vertrauen

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Die grösste Schweizer Bank, die krisengeschüttelte UBS, führt heute ihre Generalversammlung durch. Ich habe mir die Berichterstattung heute um 12h30 im Radion bei DRS 1 kurz angehört.
Wiederum wurden langatmig und ausführlich die falschen Fragen gestellt. Und dennoch ist genau dies der Indikator des grössten Problems.

Dieses grösste Problem ist nicht, dass die UBS weiter Boni bezahlt (bzw. nicht kommunizieren mag, dass sie vertraglich gar nicht anders kann, weil das niemand hören oder glauben will, obwohl das sehr gut nachzuvollziehen ist).

Das wirkliche Problem ist der Abfluss der Kundengelder. Darin spiegelt sich der Verlust an Vertrauen bei jenen Menschen, die das Betriebskapital für Gewinne zur Verfügung stellen müssten: Geld. In Form von Anlagen. Und die sollen, bitteschön, möglichst sicher sein. Oder möglichst Rendite versprechen. Leider wird nicht kommuniziert, wo welches Geld abgezogen wird. Ist es Geld, für das den Anlegern nach ihrer Meinung nicht mehr genügend Rendite winkt, oder ist es Geld, für das nach wie vor Sorge besteht, dass es verloren gehen könnte? Ist es eher ersteres, so ist das eine Krux, aber das kleinere Problem, als wenn der zweite Grund überwiegt.

Tja, wie stellt eine Bank – oder überhaupt eine Firma – neues Vertrauen her? Es ist eine an sich schon heikle Aufgabe. Bei einem Unternehmen, das so in den Fokus der Medien (nicht nur der Justiz) geraten ist, wird sie noch schwieriger.

Dabei kommt auch der Zeitpunkt, wo eine solche Firma bei der Basis ihrer Kunden wieder neu auf deren richtiges Augenmass vertrauen können muss. Die Klagetöne über gemachte Fehler müssen Fragen zur Zukunft weichen und sich mit jenen Personen beschäftigen, die das Steuer jetzt in die Hand nehmen. Vertrauen muss nicht nur geschaffen werden, es muss sich auch neu bilden.

Die Bedeutung, die dabei die Medien haben, ist gross. Sie wird hoffentlich von Medienschaffenden wahr genommen, die nicht dem Rausch der plötzlich gefühlten eigenen Bedeutung unterliegen und nicht klüger sein wollen, als man es in dieser Situation sein kann.

Der grosse Rest wird „sich informieren“. Und nicht so sehr viel dagegen tun können, dass sich eine persönliche Meinung festsetzt – und man selbst nicht so genau weiss, wie viel die taugt.

Und darum ist hier auch höchste Zeit für den Schluss dieses Beitrags.

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5 Antworten to “Die UBS sucht unser Vertrauen”

  1. zappadong Says:

    Schön, dass du wieder da bist – sag mal, sind tatsächlich schon vier Wochen vorbei?

    Zu den Boni:
    Doch, man könnte deine Klammersätze kommunizieren – so endlos kompliziert und überhaupt nicht nachvollziehbar ist das nicht – und dann anfügen oder noch lieber zusichern, dass sich diese Praxis in Zukunft ändern wird.

    Zum Vertrauen:
    Wenn der neue Verwaltungsratspräsident den scheidenden Vorgängern, die verwischt, verwedelt, schöngeredet und einiges mehr getan haben ein herzliches Dankeschön für ihre Arbeit hinterherflötet,(http://twurl.nl/5payiq), dann erstickt mein Vertrauen schon, bevor es überhaupt eine Chance hatte, auch nur ansatzweise zu keimen.

    Sieht aus, als spielten die UBS im Moment „Good guy“ (Villiger) / „Bad guy“ Grübel. Der Villiger pläuderlet nett und der Grübel entlässt knallhart.

    Und das „Bodenpersonal“ badet die Suppe aus.

  2. zappadong Says:

    Für Interessierte: Die NZZ hat Villigers Rede publiziert:

    http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/der_marke_ubs_wieder_ihren_alten_glanz_zu_verleihen_1.2401620.html

    Nachdem ich diese Rede nachgelesen habe, finde ich Maras Frage von damals

    https://beizzweinull.wordpress.com/2009/03/04/alte-besen-kehren-gut/

    mehr als berechtigt.

    EDIT: Und bei einem genaueren zweiten Nachlesen ist mir sogar richtig schwubberig elend geworden.

  3. zappadong Says:

    Unbeding anschauen (ist zwar nicht UBS, aber sehr, sehr interessant – Achtung, kommt in zwei Teilen):

    http://www.thedailyshow.com/video/index.jhtml?videoId=224261&title=elizabeth-warren-pt.-1

    http://www.thedailyshow.com/video/index.jhtml?videoId=224262&title=elizabeth-warren-pt.-2

    In Teil 2 erklärt Elizabeth Warren in sehr einfachen Worten, wie es zu dieser riesigen Krise gekommen ist, und welche zwei Möglichkeiten wir haben, mit ihr umzugehen.

    Leider deuten Villigers Worte in Richtung Möglichkeit, die uns geradewegs in die nächste Krise führen könnten.

  4. thinkabout Says:

    @Zappadong 16. April 11h25:
    Die Verlautbarungen zu den Boni höre und interpretiere ich ein bisschen anders. Hier kann man sehr wohl auch die Aussagen so deuten, dass man die Boni-Mentalität ändern will und ändert. Und bestehende vertragliche Zusagen lassen sich nun mal nicht immer so einfach unter den Tisch fallen. Nicht mal für Banken.

    Was die Rede von Villiger betrifft:
    Auch ich finde sie schwach. Sage aber: Abwarten. Villiger wurde schon als Bundesrat unterschätzt. Zudem gilt: In der jetztigen Situation den Scheidenden hinterher schiessen ist verlorene Energie. Der Blick muss nach vorn gehen. Rosen streuen muss allerdings auch nicht sein.
    Ich schreibe nochmals: Abwarten.

  5. zappadong Says:

    @thinkabout: Es soll ja schon wieder „Begrüssungsboni“ geben. Und zwischen den Zeilen der Rede lese ich: Wir bekommen die besten nur, wenn wir mehr bezahlen und bitte, Staat, halte dich da raus, du kapierst das eh nicht …. und da fängt es dann halt schon wieder an – ausser jemand oder mehrere Jemande haben den Nerv, Grenzen zu ziehen.

    Zum Abwarten: Hektische Betriebsamkeit wäre tatsächlich äusserst unangebracht – aber etwas mehr Profil würde ich mir schon wünschen.

    Wir Unbeteiligten können eh nichts anderes tun als abwarten – und hoffen. Leider ist mir in Sachen (Gross)Banken so ziemlich aller Optimismus abhanden gekommen. Ich denke, Elizabeth Warren (das ist die aus den Links in meinem letzten Kommentar) hat recht, wenn sie sagt, dass sich innerhalb der nächsten sechs Monate entscheiden wird, welchen Weg wir einschlagen werden – den zurück zu mehr Regulierung und Richtlinien oder den „anything goes“ Pfad, der uns geradewegs in diese Krise geführt hat und der uns auch geradewegs in die nächste Krise führen wird.

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