Tagi, Magi, alles weg?

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Der Tagi trennt sich von seinen Mitarbeitern.
Das Magi trennt sich von seinen Lesern.
(Viele von uns kennen das Gefühl ja bereits aus eigener Erfahrung.)
Der Blick ist schon da, wo die anscheinend grad hinwollen.
Und auch im Fernsehn scheint das Geldverdienen schleichend immer wichtiger zu werden als der Content.

Wie Herr Canonica so treffend formuliert:

““Ich persönlich bin skeptisch geworden gegenüber den journalistischen Möglichkeiten im Internet. Das Gerede um die Möglichkeiten des Citizen Journalism begreife ich nicht. Wir sollten uns allmählich Gedanken machen, ob es klug ist, qualitativ hochstehende Inhalte kostenlos anzubieten.”

Diese Gedanken machen sich offenbar viele im Moment. Aber sollte die folgerichtige Lösung wirklich die sein, konsequent auf qualitativ hochstehende Inhalte zu verzichten?

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11 Antworten to “Tagi, Magi, alles weg?”

  1. uertner Says:

    In der „Willensnation“ habe ich mir Gedanken dazu gemacht, ob zwischen dem Misstrauen Canonicas zum „Citizen Journalism“ und einer etwas „katholischen“ Auffassung des „Gate-keeping“ allenfalls Parallelen bestehen. Wer sich als „Chef“, „Wortführer“, „Beichtvater der Banker“, „Kurator“ einer „Schule des Lebens“ (kurzum als „geweiter Priester“) sieht, der hat offensichtlich Mühe mit dem „Diskurs auf Augenhöhe“ der im Web 2.0 möglich geworden ist.
    http://willensnation.blogspot.com/2009/05/katholisches-zum-calvin-jahr.html

  2. flashfrog Says:

    Uertnersches Welterklärungsmodell These IV.
    BINGO! (Was hab ich jetzt gewonnen? 😉 )

  3. uertner Says:

    @flashfrog
    Den Konditionierungs-Award für bürgerliche Denkweigerung.

    @alle
    Interessant, was ein Vertreter der Personalkommission in der Woz schreibt:
    http://www.woz.ch/artikel/2009/nr24/schweiz/18018.html

  4. flashfrog Says:

    Und Bruder Bernhard zum Schweigen der Lämmer Journalisten:
    http://www.bruderbernhard.ch/latriperie/?p=334

  5. Titus Says:

    Zitat: «Das Gerede um die Möglichkeiten des Citizen Journalism begreife ich nicht.»

    Mir scheint, als ob Herr Canonica darüber erschrocken ist, dass es nebst der Gilde der Journalisten auch noch einige seiner LeserInnen wagen, über ein bestimmtes Thema nicht nur Fragen zu stellen, sondern auch noch darüber zu schreiben (mit mehr oder weniger Erfolg).

    Das ist ja schon beinahe so wie wenn ein Arzt darüber erschrickt, dass ein Patient selber gewagt hat sich zu behandeln… (mit mehr oder weniger Erfolg).

    Oder der Koch, der erschrocken feststellt, dass andere auch gut kochen können… (mit mehr oder weniger Erfolg).

    Oder…

  6. uertner Says:

    Interessant folgende zwei Beiträge:

    Da ist einmal Margrit Sprecher, die „grand dame“ des helvetischen Gesellschaftsjournalismus und bis 2003 Redaktorin auf der „Weltwoche“ zur Lage des schweizer Journalismus

    http://www.zeit.de/2009/26/CH-Margrit-Sprecher

    Und andererseits gibt es eine sehr interessante Diskussion über Management-Gehälter der Chefredaktoren bei Stöhlker:

    http://www.stoehlker.ch/weblog/2009/06/17/mittwoch-journalisten-verdienen-zuviel/

  7. uertner Says:

    Was mich am meisten erschüttert: es ist ein deutsches Medium und ein eingebürgerter Deutscher, welche Ross und Reiter nennen. Wir scheinen keine intellektuelle Selbstreinigungskräfte zu haben.

  8. flashfrog Says:

    Hoppala, Sozialplan vergessen:
    http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=82902
    (via bugsierer)

  9. flashfrog Says:

    @uertner: Merci für die Links!

    „Noch schlimmer ist, dass nichts, was Vollblutjournalisten zu bieten haben, noch geschätzt wird. Die Hartnäckigkeit und die Gründlichkeit, mit der sie ein Thema verfolgen, kosten zu viel Zeit und zu viel Geld. Die Haltung, die sie dabei an den Tag legen, ist lästig, ihr sprachliches Können überflüssig. Wichtig ist allein der Gebrauchswert des Geschriebenen. Niemand interessiert sich, in Zeiten des journalistischen Fastfoods, für 1000 kenntnisreiche Zeilen über den historischen Zusammenhang eines Bürgerkriegs. Besonders bitter ist es, wenn der Ressortleiter ihr hochspannendes, wichtiges Stück zugunsten eines Beitrags des Gastrokritikers zusammenstreicht.“

    ( http://www.zeit.de/2009/26/CH-Margrit-Sprecher?page=2 )

    Dieser Idealismus erinnert mich an einen meiner Lieblingsartikel zum Thema: „Das Regime der Flanellmännchen“ von Michael Jürgs. Der Artikel stammt aus der FAZ vom letzten Jahr, scheint mir aber geradezu prophetisch, was die aktuellen Entwicklungen angeht:

    „Richtig ist: immer wenn es kriselt, glauben Flanellmännchen, nunmehr schlage ihre Stunde und die Rettung in Gefahr und Not seien Entlassungen, Kürzung der Honorare, Verzicht auf teure Recherchen. Unrichtig aber ist, dass ausgedünnte Magazine ohne Eigenheiten an den Kiosken reißenden Absatz finden würden.“

    Und:

    „Falls dabei nur Selbstdarsteller und Gossenjungs auf der Strecke bleiben, ist das nicht mal eine üble Nachrede wert. Aber seit sich zu viele Kaufleute einbilden, Journalismus sei ein Beruf wie der ihre auch, trifft es auch Männer und Frauen, die ihr Handwerk beherrschen, unbestechlich sind, Haltung haben, moralisch handeln oder an das glauben, was sie tun. Talent und Instinkt und Leidenschaft sind nicht lehrbar, Marketing ersetzt nicht das Gespür für den Markt, eine Zielgruppe anzupeilen, ohne ein eigenes Ziel zu haben, endet in Gruppendiskussionen. Zu viele Manager großer und kleiner Verlage sind heute aber zutiefst überzeugt davon, sie könnten qua Position auch das, was Könner können.“

    ( http://www.faz.net/s/Rub475F682E3FC24868A8A5276D4FB916D7/Doc~EF390C392B09A43DFA76C90C818D7965C~ATpl~Ecommon~Scontent.html )

  10. flashfrog Says:

    Hehe, noch was Hübsches: Das Nuisance-Netz und das Orthogravieh:
    http://blog.persoenlich.com/?p=956
    (via https://twitter.com/phogenkamp )

  11. uertner Says:

    Und hier geht die Tagi-Geschichte weiter:
    http://www.woz.ch/artikel/2009/nr25/schweiz/18031.html

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