Europanichtwahl

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bäääh

Europa (das ist dieser Kontinent, der um die Schweiz drumrumliegt) hat gewählt.
Die Mehrheit der Europäer schien sich allerdings vor allem darin einig zu sein, nicht zur Wahl zu gehen.
Und viel mehr Menschen als bisher haben sich entschieden, anti-europäisch zu wählen.

Was mögen die Gründe dafür sein?
Frust mit der jeweiligen nationalen Politik? (Nationale Themen haben laut Umfragen eine grössere Rolle bei der Wahlentscheidung vieler Leute gespielt als europäische.)
Frust über die EU, die bei der Bewältigung der Krise viel offizielle heisse Luft produziert, aber faktisch nur sehr zögerlich zu konkreten Beschlüssen und noch weniger zu gemeinsamen Umsetzungen der schönen Worte findet?
Die tatsächlich sehr beschränkte Macht des Europäischen Parlaments?
Möglicherweise auch lokale Skandale wie das mangelnde Unrechtsbewusstsein Britischer Selbstbedienungs-Politiker, oder Berlusconische Pinup-Politikerinnen, die das Vertrauen der Menschen in die Politik beschädigen?
Oder eine noch wenig gefestigte demokratische Tradition in einigen osteuropäischen Ländern, die von der Krise besonders gebeutelt werden?

In Krisenzeiten scheint manchem das eigene Hemd näher als die Unterhose des Nachbarn, das ist verständlich. Aber ein Europa zerstrittener Einzelinteressen oder eine kommunistische Diktatur wollen trotzdem wohl die Wenigsten zurück.

Hier nochmal alle Wahlergebnisse zum Nachlesen

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2 Antworten to “Europanichtwahl”

  1. uertner Says:

    Europa, der Kontinent, der um die Schweiz herumliegt. Schön gesagt. Churchill wählte das kriegsverschonte, protestantische Zürich um 1946 in seiner Rede „Let Europe arise!“ zur Gründung der „Vereinigten Staaten von Europa“ aufzurufen.

    Doch „Europa“ entstand durch die Unterzeichnung der „Römer Verträge“ 1956 auf dem Kapitol durch die drei Katholiken Schumann, De Gasperis und Adenauer, als Wirtschaftsgemeinschaft unter stiller Föderung des US-Präsidenten.

    Der Balkan-Krieg hätte 1999 zur Geburtsstunde europäischer Eigenverantwortlickeit werden können, doch Europa vertraute mehr auf die NATO und damit den „grossen Bruder“ als auf eigene Kräfte. Der von Joschka Fischer in seiner visionären Rede skizzierte föderale Umbau der Union unterblieb. Und so blieb Europa ein sich nach Osten erweiterndes „Schlauraffenland“ ohne Willen zur Macht, ohne Opferwillen für die Charta der Europäischen Menschenrechte.

    Gerade Deutschland spielt im Europäischen Konzert eine verhängnisvolle Rolle: grösster Nettobeitragszahler, Einfallstor russisch-oligarichisch-mafiöser Geschäftsinteressen (hinter denen russische Grossmachtträume schlummern), Dienstunwilliger Militräverbündeter im „Kampf gegen die Burka am Hindukusch“. Trotz diesem mangelnden Willen zur geistigen Gestaltung Europas, geht aus Umfragen in ganz Europa Frau Merkel als populärste Politikerin Europas hervor (was beim jeztigen Umfeld nicht gar schwierig ist). Dieses Vertrauen in die Deutsche Kanzlerin gleicht aber mehr der Hoffnung auf die Heilige Madonna als einer real begründeten Zuversicht auf Problemlösungswillen. Die kühle Distanz zwischen dem Umkehrcharismatiker Obama und der rationalen Machtadministratorien Merkel war während des Deutschlandbesuchs unübersehbar. Deutschland verkauft sich selber (und damit europäische Stammlande) lieber an die Russen, als dass es an Seiten der Amerikanern für eine Erneuerung des Westens kämpft.

    Symptomatisch ist die „Rettung Opels“: Statt mit den franzosen und Italienern einen wahrhaft europäischen Autokonzern zu bauen, stützt sich Opel nun zu 35% auf die bankrotte GM und zu 35% auf eine russische Bank mit zweifelhaften Motiven (dahinter soll der russische Autobauer Gaz stehen, der selber am Abgrund steht und wahrscheinlich nur deutsches Know-How für sich retten will). Der vielgepriesene Zulieferer magna und die Mitarbeit erscheinen beim Deal plötzlich nur als Zaungäste.

  2. Titus Says:

    Was trägt denn der Nachbar für ne Unterhose? 😉

    Irgendwo habe ich aufgeschnappt, dass viele EU-Bürger meinen, was in Brüssel geschehe, gehe sich nichts an. Dies sei jedoch falsch, denn was in die nationalen Gesetze einfliesse, würde zu 80 – 90 % von der EU her bereits vorgegeben (hierzulande liegt der Anteil zwar einiges tiefer, aber doch noch hoch genug um merken zu müssen, dass wir schon längst um Brüssel nicht herum kommen – einfach ohne Mitspracherecht…).

    Mit anderen Worten: Es fehlt demnach an einem Gefühl der Betroffenheit. Das zeigt sich auch bei unseren Abstimmungen: Je betroffener sich die BürgerInnen fühlen, desto höher liegt die Stimmbeteiligung. Eher abstrakte, «technische» Vorlagen, mit welchen man kaum etwas anzufangen weiss, interessieren weniger.

    Somit müssten die verschiedenen Regierungen ihren BürgerInnen stärker verklickern, dass Brüssel oder die EU mehr ist als nur ein Nebenschauplatz…

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