Bachmannpreis 2009

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Ich liebe Geschichten. Und ich muss diesmal nicht einmal den Fernseher aus dem Keller holen:  Man kann die Lesungen und Diskussionen auch ganz bequem im Internet an- und nachhören bzw. lesen: http://bachmannpreis.eu/de

Die „Tage der deutschsprachigen Literatur“, das war einmal „Deutschland  (und Österreich und die Schweiz) sucht den Superautor“, mit Marcel Reich-Ranicki als Dieter Bohlen, lange, bevor Casting-Shows überhaupt erfunden wurden! Und ist heute wieder etwas Besonderes: 14 Stunden lang Lesungen und Diskussionen über Literatur im TV in 3 Tagen – soviel Zeit muss schon sein…

Die Jury gefällt mir allerdings von Jahr zu Jahr weniger. Ich vermisse die grossen Literaturkritik-Haudegen. Ich vermisse auch einen Robert Schindel, diesen etwas seltsamen aber absolut wunderbaren Pflichtverteidiger der Autoren-Seite in der Jury, ich vermisse es, einem Iso Camartin beim Denken zuzuschauen, ich vermisse sogar  Iris (ti-)Radisch ein bisschen, die mich mitunter ziemlich genervt hat, aber zuletzt wenigstens noch eine Reibungsfläche bot.

Nach dem letztjährigen Tiefpunkt gibt es dieses Mal viele neue Gesichter in der Jury. http://bachmannpreis.eu/de/jury
Hoffen wir, es hilft.

Denn die Jury ist es ja auch, die bestimmt, welche Autoren überhaupt eingeladen werden.
Es wäre schön, der Bachmann-Preis würde wieder mehr eine Entdeckungs-Möglichkeit für neue literarische Talente werden, die noch keinen fetten Vertrag in der Tasche haben und die nicht bloss von den Verlagen nach Klagenfurt geschickt werden, um ihr nächstes Buch im TV zu promoten. Dass ich dieses Jahr fast keine von den Autorinnen und -toren kenne (ausführliche Portraits der Kandidaten gibt es übrigens in der aktuellen Ausgabe der Literatur-Zeitung „Volltext“ nachzulesen), halte ist deshalb für ein eher gutes Zeichen.

Einen Haufen Autoren habe ich in den letzten paar Jahren durch den Bachmannpreis für mich entdeckt. z.B. Sibylle Lewitscharoff , Yoko Tawada, Juli Zeh, Uwe Tellkamp, Lukas Hammerstein, Zoe Jenny, Jochen Schmidt, Pedro Lenz, Kathrin Passig, Christoph Simon. Aber nicht nur Preisgekrönte, sondern z.B. auch „Nichtleser“ Gion Mathias Cavelty, dessen geniale Parabel die Juroren grandios durchfallen liessen – aber wer die Frankfurter Buchmesse in den Luft sprengen will, der kann kein schlechter Mensch sein…  🙂

Diesmal lesen Ralf Bönt, Katharina Born, Karsten Krampitz, Lorenz Langenegger (CH), Christiane Neudecker, Jens Petersen (CH), Bruno Preisendörfer, Karl-Gustav Ruch (CH), Gregor Sander, Caterina Satanik, Andreas Schäfer, Linda Stift, Philipp Weiss und Andrea Winkler Geschichten vor.

Termine – im Netz oder auf 3sat:

Donnerstag, 25. Juni
Lesungen und Diskussionen
10.00 – 15.00 Uhr

Freitag, 26. Juni
Lesungen und Diskussionen
10.00 – 15.00 Uhr

Samstag, 27. Juni
Lesungen und Diskussionen
10.00 – 14.00 Uhr

Sonntag, 28. Juni
Preisvergabe
11.00 – 12.15 Uhr

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19 Antworten to “Bachmannpreis 2009”

  1. flashfrog Says:

    Meine Eindrücke der ersten 2 Lesetage: Die Jury ist nach dem Tiefpunkt letztes Jahr zum Glück wieder mehr mit den Texten beschäftigt als mit sich selber. Hildegard Keller (literaturgeschichtlich kompetent, erfrischend, sympathisch und ermutigend gegenüber den Autoren) und Paul Jandl (unprätentiös und meistens meiner Meinung) sind eine echte Bereicherung.
    Meike Feßmann ist einfach nur peinlich. Hat sie die Texte nicht gelesen? Nicht verstanden? Und wieso erinnert sie mich so an Silvana Koch-Mehrin?

    Die Texte der ersten beiden Tage fand ich zum großen Teil zu brav und bieder. Es ist ein in Schreibwerkstätten offenbar weitverbreiteter Irrtum, dass ein Text besser werde dadurch, dass man so viele unwichtige Details wie möglich aneinanderreiht.
    Nö, wird er nicht.
    Es kommt darauf an, die richtigen Detaiils auszuwählen und auf diese zu fokussieren. Zu beschreiben, wie sich jemand die Schuhe zubindet und welche Farbe die Schnürsenkel haben, langweilt mich als Leser einfach nur, wenn es null Relevanz für die Geschichte hat.

    Gefallen haben mir bisher:

    Andreas Schäfer: „Auszeit“ – Über einen Piloten, dessen Sohn getötet wurde. Für mich bisher der beste Text im Wettbewerb. Ein „großes“ Thema, eine stimmige, bildliche Sprache aber ohne diese überspannt-gezwungene Motivdrescherei, die mir so viele Klagenfurt-Texte verleidet, eine tolle Erzählstruktur – das Ungeheuerliche, was da passiert ist, erfährt der Leser erst nach und nach und so nebenbei, im Klanghintergrund sozusagen. Einziges Manko ist vielleicht, dass der Text ein Romananfang ist, und man merkt, dass er gerade erst „anrollt“ und die Lesung zu Ende ist, bevor er noch richtig abgehoben hat.

    Mein zweiter Favorit bisher ist Bruno Preisendörfer mit „Fifty-Blues“. Ich mag die verschiedenen Ebenen, mit denen der Text so scheinbar leicht und mühelos spielt – vom Slapstick bis zum Sinn des Lebens, Gott, Clown und Psychoanalytiker.
    Die Geschichte hat ein paar geniale Pointen und Metaphern, die wunderbar in den Kontext passen, ohne bemüht und verkrampft zu wirken.

    Gute Rollenprosa ist die Lebensgeschichte (bzw. das Exposé davon) eines DDR-Pfarrers von Karsten Krampitz. Da steckt eine Menge Material drin – Religion, Widerstand, Geschichte. Für Leser (und Jurorinnen) die mit DDR-Gefühl, Berliner Akzent und den Details deutsch-deutscher Befindlichkeiten nicht so viel anfangen können vielleicht nicht so der richtige Text.

    Interessant finde ich auch die Pausen-Diskussion über Google, Urheberrecht und die Digitalisierung der Literatur.
    Einerseits wünsche ich mir als Literaturwissenschaftlierin überall verfügbare und praktisch durchsuchbare elektronische Bücher und benutzerfreundliche Ausgabegeräte, Buch-iPods.
    Andererseits darf das aber nicht zu Lasten der Autoren und Verlage gehen, die gezwungen werden, das, was sie herstellen, quasi umsonst herzugeben, damit andere (Google) damit Geld verdienen.
    Da müssen erstmal vernünftige Regeln und Gesetze her und praktizierbare Bezahlmodelle, bevor man das online stellt, denn was einmal im Netz verfügbar ist, lässt sich nicht wieder zurücknehmen.

    Aber da Papierfressen immer noch gesünder ist als E-Book-Lesegeräte-Schlucken, mach ich mir vorläufig keine Sorgen um das Überleben der Bücher.
    Aber das wäre vielleicht einen eigenen Diskussions-Thread wert…

  2. Zappadong Says:

    Ich habe da reingelesen und muss sagen: Ist einfach nicht mein Ding.

    Vier Kostproben (die drei Schweizer und der „Fifty Blues“) – alle vier zu angestrengt literarisch (oder was die Leute halt so unter literarisch verstehen).

    Einer zum Gähnen, einer so voller Adjektive, dass mir trümmlet, alle künstlich auf literarisch getunt.

    Ich war lange Zeit in einem Kurzgeschichtenforum. 80 Prozent der Textanfänge dort waren besser als jener vom Fifty Blues (Sorry, Flashfrog, zu diesem Thema habe ich bessere und weit witzigere Texte gelesen).

    Bei Andreas Schäfer lese ich die ersten zwei Sätze („„Du hast ihn verklärt“, hatte Ruth gesagt, eingehüllt in ihre Gewissheit. „Du verklärst ihn bis heute“. Dunst hing über dem Gras, in dem hier und dort die Windungen des Gartenschlauchs schimmerten.“) und weiss, dass ich den dritten und alle folgenden nicht lesen muss.
    (Bemerkung in Klammer: Windungen schimmern nicht)

    Ich will Texte lesen, die meine Haut ritzen, in mein Herz dringen, bei denen mich der Erzählstil der Autoren vor Neid grün anlaufen lässt. Bei all den Texten, in die ich reingelesen habe, passiert das nicht. Da stellt es mir meine Widerstandsborstenhaare auf oder der Gähnreflex meldet sich.

    Ich sehe schon, ich bin nicht gemacht für den Bachmann-Preis und diese Art der Schreibe.

  3. Zappadong Says:

    PS: Finde den EDIT Knopf heute nicht … Den fünften Text habe ich mir angeschaut nach Flashfrogs Kommentar. Deshalb das „Zählgnusch“.

  4. Giorgio Girardet Says:

    @flashfrog
    Ja, ja der Bachmannpreis. Den verfolgte ich intensiv als ich in den frühen 1990er mein Studium hätte abschliessen sollen: Hey gehört doch voll zu meiner Ausbildung! Als Familienmensch gibt es dann wichtigeres. Nur noch zwei Bemerkungen.

    Hildegard Keller. Das freut mich. Zürcher Gewächs gross geworden unter dem grossen Mediävisten und Mystikforscher Alois Maria Haas. Ein sehr eigenständiges, auch ehrgeiziges Frauenzimmer mit grosser Auftrittskompetenz und dem grossen Überblick, den man haben musste, um von Alois Maria Haas (einem lesesüchtigen Klosterschüler) überhaupt bestehen zu können. Einmal hielt ich an der gleichen Veranstaltung einen Vortrag wie sie. Natürlich würde ich sagen, mein Vortrag war inhaltlich tiefgründiger ihrer war aber absolut perfekt in der Darbietung und Ausführung.

    Der Babyficker. Ich weiss es nicht mehr wann das war, aber Peter von Matt, damals Juror, hat diesem unsäglichen Mwc

  5. uertner Says:

    eben dieses unsägliche Machwerk wurde damals mit irgend einem Preis ausgezeichnet. Urs Allemann, ein Schweizer Provinz-Feuilletonist, war so plötzlich in aller Leute Mund. Ironischerweise brach er sich gleich nach der Preisverleihung ein Bein, und absolvierte dann an Krücken seine Triumph-Lesetournee durch die Eidgenossenschaft, bei der er stets durch ein Spalier empörter Mütter humpeln musste. Der einzige, der die Ehre der Jury rettete, war der Mitarbeiter der Vatikanzeitung „Osservatore Romano“, der nach Ablesen des Textes den Saal verlies.

  6. flashfrog Says:

    @Zappadong: Es gibt ja auch die Videos online. Magst du nicht vielleicht doch Karsten Krampitz eine Hör-Chance geben?
    Oder Andreas Schäfer?
    http://bachmannpreis.eu/de/audio_video/1928
    Ich glaube nicht, dass man einen 15-Seiten-Text nach 2 Sätzen beurteilen sollte.
    Ok, der Schlauch wird wohl eher „hindurchschimmern“ als „schimmern“, einverstanden. Aber den Aufbau der Erzählung finde ich wirklich sehr reizvoll, da werde ich nicht grün, aber ich habe das Gefühl, hier kann ich noch was lernen für mein eigenes Schreiben.

    Oder, was hältst du z.B. von Kathrin Passig (2006): http://bachmannpreis.orf.at/bachmannpreis/autoren/stories/110801/
    Oder Jochen Schmidt (2007): http://bachmannpreis.orf.at/bachmannpreis/autoren/stories/195920/
    Auch alles doofe „Hochliteratur“?

    @Giorgio: Der Bachmannpreis eignet sich meiner Erfahrung nach hervorragend, um dabei die Wäsche von Monaten wegzubügeln! 😉
    Hast du Lieblingsautoren oder Lieblingsjuroren aus der Zeit wo du das intensiv verfolgt hast?

    Ja, Hildegard Keller ist wirklich literaturgeschichtlich kompetent. Aber was mich besonders für sie einnimmt ist ihre warme, menschenfreundliche Ausstrahlung, die Wertschätzung, die sie dem anderen entgegenbringt.
    (Auch die Diskussionen zu den Texten kann man ja im Netz nachhören. http://bachmannpreis.eu/de/audio_video/1928 )

  7. flashfrog Says:

    Abstimmen für den Publikumspreis: http://bachmannpreis.eu/de/bachmannpreis/2107
    Ich vermisse auf dem Formular die Option „keiner von denen“…

  8. uertner Says:

    Ha, und nun hat der „Schweizer“ gewonnen! Naja. Irgendwie gibt es nicht mehr einen Literaturbetrieb mit Akteuren, die mit Herzblut die Szene verfolgen. Der Briefwechsel von Werner Weber stimmt nur noch melancholisch. Wer macht heute in der Schweiz noch den „Werner Weber“?

    http://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Weber_(Literatur)
    http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2005-49/artikel-2005-49-werner-weber-19192005.html
    http://ead.nb.admin.ch/html/wweber.html

  9. flashfrog Says:

    >> Ha, und nun hat der “Schweizer” gewonnen!

    @uertner: Ist doch prima, da können sich ausser den Österreichern alle mitfreuen!
    Texte zum Sterben kommen ja immer gut in Klagenfurt. 😉

    Uertner, hättest du nicht Bock dich zu bewerben, nächstes Jahr? Wenn du einen der Juroren persönlich kennst, hättest du doch ziemlich gute Chancen. Und ein paar Nebi-Autoren haben es schon nach Klagenfurt geschafft, wäre also eine gute Tradition.
    Am besten ein Text über Geschichte, Gott und psychische Grenzzustände, und wenn noch das Wort „Blogger“ drin vorkommt wird die Jury es „ungemein zeitgenössisch“ finden, und du hast quasi bereits deinen Preis in der Tasche. 🙂

    Den Text von Allemann kenne ich nicht, aber als reine Provokation erscheint mir das auch schwach und eine Verfehlung der Jury. (Wobei mir allerdings die Unterscheidung zwischen Text und Tat wichtig erscheint. Ich kenne Horror-Thriller-Autoren, die die schlimmsten Splattergeschichten schreiben, aber privat erstaunlich nette Menschen sind.)

  10. Zappadong Says:

    Ich habe am Samstag eine lange Antwort geschrieben, die ich dann mit einem dummen Klick in den endlosen Cyberspace befördert habe und nun fehlen mir Zeit und „Pfupf“, um das alles nochmals zu schreiben.

    Zum Hören der Texte: Ich will Texte LESEN! (Darum kaufe ich nie Hörbücher). Deshalb muss ein Text auch funktionieren, wenn man ihn „nur“ liest – dazu ist er schliesslich da.

    Eine grosse Ausnahme mache ich für Pedro Lenz, den ich genial gut finde. Er schreibt Mundart und da wird mir das Lesen zu kompliziert.

    Zu den Texten: In den Siegertext habe ich noch nicht reingelesen. Aber das Beispiel mit dem Gartenschlauch auf drei Absätze ausgedehnt. Mein Fazit: Würde ich so einen Text von einem Kollegen zum Testlesen erhalten, fiele er gnadenlos durch (ich hänge unten an, warum). Und da frage ich mich dann schon, warum man solche Leute einlädt – wo es doch so viel bessere gibt (oder bewerben die sich nicht?).

    So und jetzt meine Begründung, warum ich den von mir etwas näher angeschauten Text nicht gut finde:

    Auszeit

    „Du hast ihn verklärt“, hatte Ruth gesagt, eingehüllt in ihre Gewissheit. „Du verklärst ihn bis heute“.
    => Was für ein geschwollener, aufgeblasener Satz. Er klingt als Einstieg so gewollt „literarisch“, dass mir elend wird – und eigentlich könnte ich hier aufhören zu lesen.

    Dunst hing über dem Gras, in dem hier und dort die Windungen des Gartenschlauchs schimmerten.
    => Windungen schimmern nicht.

    Die Birkenzweige bewegten sich kaum, der Terrassentisch sah aus wie gestern, Teller, Schüsseln und Gläser, über Nacht beschlagen vom Tau.
    => Der letzte Satzteil wirkt unmotiviert angepappt, der es gibt keinen Satzrhythmus, das klemmt einfach nur.

    Lothar warf die Decke von sich und stand auf.
    => Hä???? Er war im Bett? Und er hat die Windungen schimmern sehen? Wie geht denn das?

    In der Küche trank er ein Glas Wasser, duschte unten, im Gästebad, und zog sich an.
    => Langweilig. Okay, okay, ich schnall die Message: Da fühlt sich einer fremd im eigenen Haus. Fehlt nur noch der rote Pfeil, der deutlich darauf zeigt.

    Bevor er das Haus verließ, wandte er sich um, eine Angewohnheit aus Pilotentagen, der Schnappschuss vor der vielleicht letzten Reise.
    => Da stolpere ich beim Lesen drüber. Muss den Satz zwei Mal lesen. Der Satz hat zwar einen Rhythmus, aber keinen, den ich mag.

    Die Kissen der Sitzgruppe waren verrutscht, der Überzug lag auf dem Boden, der Wind hatte ein paar Blätter durch die offene Schiebetür auf den Teppich geweht. Ruth schien noch zu schlafen, von oben war nichts zu hören.
    => Umständlich und passiv formuliert: „waren verrutscht“ / „hatte geweht“ und zu allem Elend noch ein „schien“. Und dann ist der letzte Satz in seiner Reihenfolge erst noch verkehrt herum. Wahrscheinlich alles Absicht, gefällt mir aber trotzdem nicht.

    @flashfrog: Man möge mir verzeihen, aber so einen Text lese ich nicht zu Ende.

  11. uertner Says:

    Ratschlag an Frau Zappadong: Ein Buch draus machen:

    „Furt mit dem Klagen: Frau Zappadong erklärt Klagenfurt: die ultimative Stilfibel für erfolgreiche Schreibe aus der Pampa!“

    Ich subskribiere hiermit ein erstes Exemplar und verspreche eine wohlwollende Rezension in der Schweizerischen Lehrerzeitung!

    Mit Pedro Lenz vollkommen einverstanden. Leider durfte er keine Dialekt-Texte in Klagenfurt lesen, aber für den „Nebelspalter“ machte er mal eine sehr schöne Kolumnen-Serie aus Schottland: wunderbares Schriftdeutsch.

  12. zappadong Says:

    @uertner: Ach, diese Ratgeber … nein danke. Ich entschuldige mich dafür, dass das mit der Rezension in der Schweizerischen Lehrerzeitung nichts wird.

    Pedro Lenz hat das, was ich bei den Texten, in die ich reingelesen habe, vermisst habe: Sprachwitz, ein geniales Gefühl für Rhythmus, eine unübersehbare Liebe zu sprachlichen Spielereien. Er jongliert mit der Sprache, wirft sie in die Luft, fängt Wörter auf eine Art ein wie kein anderer, und am Ende sitzt alles wie angegossen (Ich glaube, ich sass mit offenem Mund in seiner Lesung). Dabei wirkt er echt und unangestrengt. So, als mache er das alles mit Links.

    Der Lenz ist so einer, bei dem ich einen meiner seltenen Neidanfälle bekomme – weil ich weiss, dass ich das nie so hinkriegen werde wie er, weil es das hat, was mir fehlt. Solche Autoren mag ich. Sie sind mir Vorbild, legen die Messslatte ganz hoch. Ich setze zum Sprung an und hoffe, irgendwann ansatzweise in eine solche Höhe zu kommen.

    Neid ist aber nicht das einzige Gefühl, das bei Autoren wie Lenz aufkommt. Es ist auch Bewunderung. Und (sorry, das klingt jetzt vielleicht blöd) Dankbarkeit dafür, dass es Leute gibt, die mit ihren Texten so viel auslösen können.

    Auf den Pedro Lenz.

  13. flashfrog Says:

    >> Ich will Texte LESEN! (Darum kaufe ich nie Hörbücher).

    @Zappadong: Und ich liebe es, Geschichten vorgelesen oder erzählt zu bekommen. Gelegentlich bezahle ich sogar dafür. Ich lese nach überwundener Anfangshemmung mittlerweile sogar selber ganz gern vor. Die meiste Lyrik wird ja erst durch den Klang vollständig.

    Das Wort „Verklärung“ finde ich durchaus nicht falsch in einem Text, in dem es auch um die religiöse Dimension geht. Der Gartenschlauch ist natürlich die Schlange im Paradies, er schmmert durch das Gras hindurch wie die verdrängte Schuld durch den Text (sofern man ihn zu Ende liest), das ist eine stimmige Spiegelung von Motiv und Erzählform.

    >> => Hä???? Er war im Bett? Und er hat die Windungen schimmern sehen? Wie geht denn das?

    Na, er hat auf der Wohnzimmercouch übernachtet, ganz einfach. Für Leute, die das nicht herauslesen, braucht es wohl einen roten Gästebadpfeil… 😉
    Ich sehe in den von dir zitierten paar Sätzen wirklich keine schwerwiegenden Fehler, die den Text unverständlich oder unlesbar machen würden
    Du hast beschlossen den Text nicht zu lesen und nicht zu mögen. Das ist ok. Ich mag den Text. Das ist ja das Schöne am Bachmannwettbewerb.
    Ausserdem kann man ja auch aus den Fehlern anderer Autoren lernen. 🙂

    Vorschlag: Der Uertner bewirbt sich für den nächsten Bachmann-Wettbewerb und Zappadong lektoriert ihm den Text um die Ohren. 🙂

    Ja, schade, dass Pedro Lenz nichts mehr für den Nebi schreibt. Vielleicht sollten wir eine Petition starten.

    Pedro Lenz Portrait, Lesung und Diskussion vom letztem Jahr beim Bachmannpreis

  14. flashfrog Says:

    Ach, übrigens:
    Mi. 14.10.09 20:00 Uhr Zürich, Kaufleuten: Buchpremiere von Sibylle Berg.
    Geht jemand von euch hin?

  15. zappadong Says:

    @flashfrog: Lach mich nicht aus, aber beim Kaufleuten ist meine Hemmschwelle zu gross (ist nichts für ein Landei wie mich … ich glaube, ich würde mich unter all den „Szenis“ nicht wohlfühlen …. oder ist das ein Vorurteil)?

    Der Pedro Lenz schreibt zum Glück auch für die WOZ 🙂

  16. flashfrog Says:

    @Zappadong: Schade, du verpasst was.
    Mo, 06.07.2009: Lesung: Judith Hermann: Die bekannte deutsche Autorin präsentiert ihren neuen Roman „Alice“.
    Zum Beispiel. 🙂

    Im Kaufleuten war ich noch nie, aber das Publikum, das zu Sibylle-Berg-Lesungen geht, ist glaube ich nicht so besonders schlimm.

  17. zappadong Says:

    Ich bin so frei und hänge hier noch den Link zu meiner Literaturpreisrevolution (im Handtaschenformat) ein.

    http://zappadong.blogspot.com/2009/07/altersrevolution-oder-frau-zappadong.html

  18. flashfrog Says:

    @zappadong: Was ich nicht ganz nachvollziehen kann: Warum sollte ich neidisch sein, wenn ich einen grossartigen Autor entdecke, der bewundernswert mit Sprache umgehen kann und der mir die Welt so zeigt, wie ich sie noch nie gesehen habe? Im Gegenteil, ich freu mich wie blöde über so einen, wirklich gute Bücher kann es doch gar nicht genug geben!

  19. Richard K. Breuer Says:

    Jetzt hab ich mir das Hirn zermartert, woher ich Sibylle Berg „kenne“. Google Desktop sei dank, konnte ich es herausfinden. flashfrog schrieb mir mal, dass sie auf einer „phantastischen“ Lesung von Frau Berg war. Ja, ja. Da schließt sich wieder der Kreis.

    Zum Bachmannpreis gibt’s nicht viel von meiner Seite zu sagen, außer, dass ich nur die letzten beiden Texte gehört habe. Naja. Alles in allem, wenn ich hypothetisiere, dann komme ich zum Schluss, dass die Veranstaltung medial aufgeblasen und sich die Juroren in Szene setzen wollen (wenn sie schon mal sooo eine Plattform bekommen).

    Das Eigentümlichste war die harsche, heftige Kritik, die da vor den brav sitzen bleibenden Autoren breitgetreten wurde. Entsetzlich. Als würden die Juroren die literarische Allmacht mit dem Löffel gefressen haben. Ich bekam den Eindruck, als würde es hier um eine schulische Prüfung gehen.

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