Kampf der Kulturen über Symbole

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schweikert_iran

Die Sache treibt mich schon seit einigen Wochen um. Es sind „Bauchreaktionen“ auf verschiedene Medienereignisse: „Aergernisse“. Und man denkt: „Nur nicht genau hinschauen, vielleicht bild ich mir das nur ein“. Aber die Anzeichen häufen sich, dass die vom Westen ehemals beherrschten Nationen begriffen haben, wie sie dem pazifistischen, spassgesellchaftlichen Westen zermürben und aushebeln können. Natürlich sind wir in der Schweiz mit dieser Affäre Gadaffi etwas feinfühlig und wehleidig geworden. Immerhin hat Lybien allen Ernstes die Auflösung unseres Staatswesens auf die Traktandenliste der UNO gesetzt. Der jüdische Komiker Sascha Cohen („Borat“) schlägt zielsicher in die Achillesfersen und Eiterbeulen der globalen Spassgesellschaft. Und im deutschen Wahlkampf regiert ein populistischer Unernst, der kaum noch von der satirischen Filmproduktion („Isch kandidiere“ und „Die Partei“) eingeholt werden kann.

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Natürlich können wir uns über den Erfolg von „twitter“ im iranischen Wahlkampf freuen, aber die getürkten Wahlen waren schliesslich ein Erfolg, Achmadinejad bleibt anerkannter Vertreter seines Landes, die Demonstranten gehen sehr ungemütlichen Zeiten entgegen.

Meine These ist: die sogenannt „postheroische“ westliche Gesellschaft verkennt das Hass– und Zornpotential, das ihr aus Gesellschaften entgegenschlägt, die nicht nur eine viel vitalere Demografie aufweisen (und darum „Helden“ und „Märtyrer“ im Überfluss haben), sondern auch durchaus noch „heroische“ Posen und auch Taten praktizieren. Das digitale Weltdorf macht offizielle Anlässe zu dankbaren Gratis-Plattformen für sehr effiziente symbolische Handlungen, die Bilder generieren, die in Echtzeit jedem Analfabeten auf dem Globus zugänglich werden und dort ihre Wirkung entfalten. Da ist einmal die deutsche Abhängigkeit von russischem Ergas. Im vergangenen Winter wurde der Ukraine und Bulgarien (und damit einem EU-Mitglied) einmal „probeweise“ das Erdgas abgestellt. Die Aufarbeitung dieses aussenpolitischen Muskelspiels für das gehobene russische Heimpublikum sieht so aus (ich kann kein russisch und vielleicht besingen ja die schönen Soldaten hier die Wolga oder den Dnjeper):

 http://www.youtube.com/watch?v=A7RD5ONjv8M

Dann ist da der Besuch von Bundespräsisdent Hans-Rudolf Merz in Genf um den iranischen Diktator Achmadinejad zu treffen. Man beachte die Kleidung.

http://www.nzz.ch/images/merz_iran_defaultFormatImage_1.2938651.1246964374.jpg

Während der Appenzeller sich in Anzug und Kravatte präsentiert, erscheint die iranische Delegation nicht in einer persischen Landestracht (wie etwas Gaddaffi dies als stolzer Dauer-Beduine macht) sondern in der Casual-Variante des Westens (Anzug und Hemd, keine Kravatte und oberster Knopf offen).

 http://www.2lounge.ch/wp-content/uploads/2009/03/calmy-rey_iran.jpg

Das Bild von Aussenministerin Calmy-Rey in Teheran beschäftigt die Gemüter in der Schweiz immer noch. Für einen Gasvertrag hat sich jene Frau, die mit dem Bestseller „Frauen, wollt ihr noch 962 Jahre warten?“ die Frauen in der Schweiz zur Eroberung der gesellschaftlichen Positionen aufrief, dem Kleider-Code jener Kultur unterworfen, die nicht nur die „Züchtigung des Weibes“ erlaubt, sondern auch im Extremfall Ehebrecherinnen steinigt.

calmy-svp

Natürlich ist solches ein gefundenes Fressen für die SVP: Weit subtiler ist es aber die „schweizerische Nationalschriftstellerin“, Ruth Schweikert, die eben ihr fünftes Kind geboren hat, auf eine Lesereise nach Teheran einzuladen. Die verschleierte „Powerfrau“ und Dichterin mit dem Baby dem Arm spricht für sich, ohne dass sie auch nur den Mund zu einem Statement öffnen muss. Noch pikanter wird die Sache, wenn man diese Null-Aussagen der Schweizerischen Literaturstipendiatin mit dem sehr mutigen Vorgehen ihres Lebenspartners, Eric Bergkraut, in der Sache der russischen Menschenrechtsaktivisten Politowskaja in Zusammenhang bringt.

Während also ihr mutiger Lebenspartner die vier Kinder hütet, ist die Dichterin in dieser merkwürdigen Doppelrolle: stillende Mutter, lesende Schriftstellerin unterwegs.

Wenn man ein Volk demütigen will, dann schändet man seine Frauen. Auf dem Balkan wurde dieses vor 15 Jahren in Massen getan. Serbische Milizen vergewaltigten massenweise Bosnierinnen. Die nicht-westliche Welt aber hat begriffen: bei den zarten Westlern muss es nicht gleich die rohe, physische Vergewaltigung sein, es genügt die symbolische Unterwerfung. Wenn der Westen einmal akzeptiert, dass er für Gas und Öl alle Werte, für die eine Alice Schwarzer und Mitschwestern Jahrzehnte kämpften, zu opfern bereit ist, dann braucht man die Kavallerie gar nicht loszuschicken (um in der Logik Peer Steinbrücks zu bleiben, des teutonischen Steuer-Gaddaffis), es genügt buchstäblich, dass der Westen weiss, das sie da ist. Wenn im Rahmen dieser Logik, der Iran in den Besitz von Atomwaffen gelangen sollte, dann gehen wir ungemütlichen Zeiten entgegen. Und „der letzte Preusse“, Peter Struck, hat recht, dies alles entscheidet sich letztlich am Hindukusch. Nur war der Hindukusch im deutschen Wahlkampf kein wirkliches Thema. Oder irre ich?

update: 14. Juli 2010:

Die hier angedachten Überlegungen flossen in eine Nebelspalter-Satire ein zum Aufruf der Kulturschaffenden vom Frühjahr 2010. Nun hat (((rebell.tv))) den Nebi-Beitrag entdeckt. Freut sich und fügt noch weiteres pikantes Detail zum Teheran-Trip der Frau Schweikert an:

(der skandal an jenem abend in theran: schweikart lüpfte die bluse auf der bühne und stillte mitten im podiumsgespräch ihr baby! an jenem abend waren bloss frauen im raum, welche den losen schleier irgendwo am hinterkopf hatten. will sagen: so „akkurat“ (würde mein neffe sagen) wie ruth schwekart, trägt kaum eine frau den schleier in theran ;-))) wie auch immer: selbst diese wildesten damen im raum, schüttelten den kopf… so „akkurat“ den schleier tragen und dann die nackte brust dem publikum zeigen… autsch!

Quelle (((rebell.tv)))

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38 Antworten to “Kampf der Kulturen über Symbole”

  1. flashfrog Says:

    Dass die SVP in populistischer Haudrauf-Manier durch dümmliche Verallgemeinerungen Ängste und Ressentiments schürt, das ist nicht verwunderlich.
    Schade ist, dass du, uertner, ein ebensolch undifferenziertes Schwarz-Weiss-Denken (der hilflose gute Westen – der böse Rest) an den Tag legst.
    Es gibt keinen „Kampf der Kulturen“. Es gibt einen Kampf von ein paar (politisch, religiös, wirtschaftlich) Mächtigen, die Religoin und Ideologie dazu missbrauchen, um die ganz normalen Menschen zu unterdrücken, die eigentlich nur das wollen, was ganz normale Menschen überall auf der Welt wollen: in Frieden, Würde und ohne Angst vor Gewalt leben, einem Beruf nachgehen, von dem sie leben können und ihre Kinder anständig grossziehen.

  2. Diana Says:

    Aus meiner Sicht befindet sich die Wahrheit irgendwo in der Mitte: Zwischen reisserischen SVP-Plakaten die uns suggerieren, dass wir schon morgen auch im Westen alle in Burkas rumlaufen müssen, weil wir nicht beizeiten rechts genug gewält haben einerseits und realitätsbefreiten Multikulti-Ideologen, andererseits, welche auch gar kein böses Wort richtung Orient gesendet wissen wollen.

    Doch, es GIBT den Kampf der Kulturen. Er wird nur nicht von allen gekämpft. Hier nicht, drüben nicht. Aber die, die ihn kämpfen sind derzeit am längeren Hebel. Hüben wie drüben.

  3. Mara Says:

    @ GG

    Ehrlich gesagt hab ich auch nach dem dritten mal lesen, nicht wirklich kapiert, was Sie damit sagen wollen….

    Was haben SVP Plakakte, an der arabischen Mentalität gescheiterten Verhandlungen, diktatorischer Grössenwahn, schlechte Komiker und divuse Ängste gemeinsam?

  4. uertner Says:

    @flashfrog
    „Friede, Würde“ einverstanden, das wollen alle. Die verschleierten Westlerinnen auf wirtschaftsmission illustrieren aber etwas anderes. Die westliche Frau ist bereit auf ihre Würde zu verzichten für ein bisschen Oel. Lieber warm (geheizt) und würdelos als kalt und würdig. Was der Feminismus ausgeblendet hat: Frauen sind auch „natürliche Symbole“. „Madonna“ hat aus der gezielten übertretung religiöser Tabus ihre Karriere gezimmert. Nun schlagen die geknechteten und unterdrückten zurück. Lieber dulden sie Terrorregimes und Diktatoren, wenn sie nur diesen ihren Hass auf den Westen zur Verwaltung anheimstellen können. Gaddaffi hat dies begriffen: 270 (Lockerbier) Menschenleben sind ein starkes Signal, aber der Bundespresident der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Premierminister Grossbritanniens, die sich wegen ein paar Tropfen Oel Seele und Gesicht verlieren sind weit mächtigere Signale: und unblutige. Nur, sie öffnen die Schleusen für den Zorn des Pöbels, der sieht: der Westen ist schwach, der Westen kann kein Blut sehen, der Westen fürchtet die kalten Winter.

    @Diana
    Die „Mitte“ zu suchen ist bestimmt eine pragmatische Vorgehensweise. Wir Schweizer üben uns täglich darin. Aber es gibt Fragen, die keinen Kompromiss zulassen.

    @Mara
    Ich gebe zu, der Post ist nicht wirklich stringent. Vielleicht ist es ja die Auserwähltheit ihrer Herkunft, die Ihnen dem allem gegenüber eine grosse Gelassenheit gibt. Ich bin sicher, dass man sich im Heiligen Land über das führungslose Torkeln Europas im Angesicht orientalischer Herausforderungen besorgtere Gedanken macht. Immerhin erkenne ich eine solche Besorgnis auch bei jüdischen Publizisten im Westen wie Henrik Broder und Maxim Biller.

  5. Mara Says:

    @ uertner

    Was meine Herkunft damit zu tun, mag wohl ihr Geheimnis bleiben. Das Zürich jetzt als geheiligtes Land gilt, mag die Zürcher sicherlich freuen…:-). Und Herr Broder kann sich herrlich pointiert über alles mögliche aufregen, seine Liste ist lang.

    Aber in Bezug auf Besuche im Iran kann ich mich sehr wohl noch an eine Luise Rinser in Nordkorea erinnern, an Idealisierungen der DDR etc. – Kopfschütteln. Seltsame Handeln im Angesicht von Diktaturen ist kein Privileg von heute und von scheinbar islamischen Staaten. Das auch Frauen korrumpierbar sind und manchmal Diplomatie über eigenen Würde setzen sicherlich auch nicht.

    Den West- vorderer Orient – konflikt würde ich nicht in der Kultur ansiedeln – die meisten die dort tönen haben nicht unbedingt eine Ahnung von Islam und islamischer Geschichte – sondern in der ökonomischen Lage und deren dadurch verletzten Eitelkeiten innerhalb einer Machismokultur.

  6. uertner Says:

    @Mara

    „in der ökonomischen Lage und deren dadurch verletzten Eitelkeiten innerhalb einer Machismokultur“

    In diesen Kategorien: Ökonomie (marxistischer Materialismus: ökonomische Lage) und Geschlechterkampf (Gendermainstreaming) sehen Sie die Lösung dieser Probleme. Das ist der Theoriestand der 90er Jahre: wenn alle einen BigMac und einen iPod sich leisten können und die Männer weltweit im Sitzen pinkeln, dann muss er kommen: der Weltfrieden. Diese heute gesetzlich festgeschrieben Ideologie nenne ich „Mainstream“.

    Das Problem liegt ihn einer Symbolsprache von Stolz, Ehre und Würde, die nicht einfach als „Machismus“ erledigt werden kann, sondern eine anthropologische Konstante darstellt. Im Westen sind (fast) alle satt und es wird gesitzpinkelt, die Symbolsprache von Ehre, Stolz und Würde wurde nach 1968 abgelegt. Im Osten aber gibt es – so scheint es mir – trotz grosser materieller Unterschiede (arm – reich) eine Kultur des Stolzes und der Würde, nicht notgedrungen mit der Islamistischen Zornbank (siehe Sloterdijk) verbunden ist aber ein Arsenal von symbolischen Waffen noch kennt, das wir im Westen „weggendert“ haben.

    Wir haben hier ein Problem. Das Lippenbekenntnis zum „säkularen Rechtsstaat“ wird dem wenig entgegenzusetzen haben.

  7. Mara Says:

    @uertner

    Ich habe keine Lösung für das Ungleichheitsproblem .. glaube auch nicht, dass es ein reine Konsumfrage ist , sondern eine Ressourcenverteilungsfrage – und ja..die Machtfrage wie mit den Ressourcen umgegangen wird.

    Aber als Scheidungsanwältin weiss ich auch wozu männlicher Stolz und Ehre und Würde führt, gerade auch wenn sie klassisch gelebt wird. Ihr Weltbild der heilen Ehe und Geschlechtertrennung in Ehren – aber sie ist aus meiner Sicht eher das Problem als die Lösung. Wenn z.B. Männer sich in erster Linie über ihren Job definieren – dann wird dass mit steigender Arbeitslosigkeit problematisch weil die Grundlage für ihr Ehrgefühl abhanden kommt.
    Ich trauere den alten westlichen Machtsymbolen keineswegs nach.

  8. uertner Says:

    @mara

    Nun sie outen sich hier als Agentin des Gendermainstreaming. Wenn Männer zunehmend Arbeitslos werden, könnte das ihre Lebensgrundlage gefährden, denn Scheidungen sind immer nur dann interessant, wenn es Ressourcen zu verteilen gibt. Ohne doofes Macho-Arbeitstier keine lukrative Scheidung.

    Der Schweizer Komiker Beat Schlatter wirbt: für männliches Kloputzen in der Partnerschaft (fairplay at home), für Händewaschen wegen Schweinegrippe, für Männer die Einkaufen und real hat er seine Mutter bis zu ihrem Tode gepflegt. Erfolgreich ist er nach helvetischen Massstäben auch. Mit diesem Image müsste er unter den Frauen beliebter sein als George Clooney. Wieso zum Teufel ist er immer noch Single?

  9. Diana Says:

    Also Stehpinkeln und damit das verbundene einsauen des Klos mit Brunzespritzern, auf die andere sich dann wieder setzen müssen, halte ich jetzt nicht zwingend für ein Symbol der Würde und erwartete definitiv von einem Mann, dass er selbige bei sich anspruchsvoller definiert.

    In diesem Zusammenhang ist mir Deine Position auch nicht ganz einleuchtend: Wenn Dir Geschlechtertrennung wichtig ist, bzw eine Frage der Würde, warum dann Anstoss nehmen an einer verschleiertern Schweizer Politikerin? Schliesslich steht schon in der Bibel, dass die Frau sich verschleiern solle, weil sie nur „ein Abglanz des Mannes“ sei.

    Man kann schliesslich auch ohne traditionelles Geschlechterbild durchaus erörtern, ob es wirklich so schlimm ist, lokale Kleidervorschriften einzuhalten wenn man ins Ausland reist, ganz besonders, wenn es darum geht, Vorteile für das eigene Land herauszuholen.

    Aus der Perspektive eines konservativen Geschlechterbildes müsste das dann erst Recht kein Problem sein. Es sei denn, das eigentliche Ärgernis liegt darin, dass es sich um eine Verbeugung vor der *islamischen*Kultur handelt und nicht darin, dass eine Frau Freiheiten aufgibt. Dann diskutieren wir hier aber nicht die Würde der Frau. Im gegenteil, dann is die Frau hier definitiv und auch aus Deiner Sicht nur ein „Symbol“, ein Objekt eben.

  10. uertner Says:

    @Diana

    Du beschreibst den Zwiespalt sehr gut: was ist symbol und was ist der Inhalt.

    Etwas ähnliches geschah im Zürich der frühen 90er Jahren als selbstbewusste Frauen, die in einem nuttigen Oufit an einer Lesbenparty in einer alternativen Kulturfabrik an einer Lesben-Party teilgenommen hatten, sich kolossal enervierten, dass sie im Tram dann von „Machos aus dem Balkan“ „Wie nutten“ gemustert wurden. Nach ihrer Lesart war ihr Nutten-outfit ein ironisches Zitat, das durch die erfolgreiche Durchführung der totalen Geschlechtergleichheit nun als Trophäe auch im öffentlichen Raum getragen werden durfte. Gewiss: alle intelligenten, in der Schweiz sozialisierten Männer „übersahen“ Souverän das outfit. Nur so „Scheiss-Machos“ die noch nicht Seminare in Genderdiskurs und Dekonstruktion besucht hatten, konnten sich der archaischen Symbolik der Strapse nicht entziehen.

    Was ich fürchte – und an mir als männlichem Rezipienten als physisches Unbehagen fühle -, dass durch solche symbolische Aktionen, der Westen als „schwach“ und „ehrlos“ gelesen wird. Dies hat gar nicht so sehr mit konservativ oder nicht zu tun. Sondern mit der Tatsache, dass man als Militärdienstleistender Mann, in die Situation geraten könnte, wegen solchem symbolischen Missmanagement, sich plötzlich auf einem Schlachtfeld wiederzufinden. Die gehypte Frivolität einer „Madonna“ gibt dem Gotteskrieger die Argumente für den „Dschihad“ in die Hand.

    Interessant ist die Auswirkung der Nachbarschaft zum Islam in der anglikanischen Kirche. Sie steht kurz vor der Spaltung wegen der Frage, ob Homosexuelle Männer (nach den Frauen) nun auch Pfarrer und Bischof werden sollen. Jene anglikanischen Bischöfe, deren Diözese in muslimischen Gebiet sich befindet, meinen sie würden nicht nur das Leben ihrer homosexuellen Priester, sondern allgemein das Leben von anglikanischen Christen aufs Spiel setzen, wenn sie homosexuelle Pfarrer und Priester zulassen.

  11. Mara Says:

    Zur Frage der Sinnentlehrung find ich seine Zusammenfassung für mich zumindest treffender..

    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,648339,00.html

  12. uertner Says:

    @Mara
    Kann vielem in dem Artikel zustimmen. Besonders: „Man muss in Bewegung bleiben“. Einer meiner ersten Artikel erschien im „Vorwärts“. Ich würde vielleicht einer Peter-Struck-SPD meine Stimme geben. Was ich aber hier im Thread verhandle geht nicht so sehr um links-rechts (das mag am Rande mitspielen) sondern um die Gendersymbole als politisches Kampffeld.
    Da soll doch Aussenministerin Clinton in Afrika schier die Contenance verloren haben, weil ein afrikanischer Student sie nach der Meinung ihres Mannes (Ex-Präsident) zu einem bestimmten Thema fragte.
    Ob nun die „progressive“ SP-Frau Calmy-Rey sich in Theran verschleiert, oder dies die „konservative“ Frau Kanzlerin Merkel macht ist einerlei. Fakt bleibt das von der UNO auf die Agenda gesetzte weltweite Gendermainstreaming (wir kämpfen am Hindukusch gegen die Burka) wird daran scheitern, dass auf den Ölquellen überall auf der Welt Machos sitzen, einige davon mit dem „roten Knopf“ auf dem Schreibtisch. So einfach ist das.
    Als Deutscher Soldat im Hindukusch würde ich mir reichlich veräppelt vorkommen, wenn meine oberste Führung für ein paar Tropfen Öl sich verschleiert, während ich dort „im Kampf gegen die Burka“ mein Leben riskiere.

    Pikantes Detail. Der älteste Sohn der Schweizer Schriftstellerin Ruth Schweikert soll – so sagte sie es jüngst im „Club“ auf SF – SVP gewählt haben!

  13. Mara Says:

    @uertner

    Nur ganz kurz – die Verbindung sehe ich in der Verunsicherung hinsichtlich alter konservativer Werte. Das was früher Konservativ war passt heute nicht mehr, scheinbare Rechts-Links Schemen funktionieren nicht, und alte Handlungsmuster sind überholt.

  14. uertner Says:

    @Mara
    ich sehe es wie der liberal-konservative Indro Montanelli, der Angesichts von Berlusconi sagte: wählt mitte Links. Weder CDU (ist mir zu links) noch FDP (zu neoliberal) sind konservativ. „Konservativ-sein“ ist nach 1968 gar nicht mehr möglich, weil man gleich mit der Nazi-Keule erschlagen wird. Dieser Keulungsreflex hat nur wenige aufrechte konservative hinterlassen: sie irren verzweifelt durch die Landschaft. NPD ist mit ihren völkischen Ideen auch nicht „konservativ“. Helmut Schmidt war konservativ. Aber diese SPD seh ich leider nirgends mehr.

  15. flashfrog Says:

    @Uertner: Konservativ kommt ja von conservare. Dann solltest du die Grünen wählen. Die sind sehr konservativ: Die wollen die Umwelt schützen, die hart erkämpften Rechte für Frauen und Minderheiten bewahren und die soziale Gerechtigkeit erhalten.

  16. uertner Says:

    @flashfrog
    Mit der Umwelt sehr einverstanden. Nur dass bei den Grünen (Joschka Fischer, der Metzgerssohn ausgenommen) sich die „Powerfrauen“ und die gendermaingestreamten Sitzpinkler versammeln. Ich bin eben auch für die Erhaltung des Bewusstseins über die Geschlechterunterschiede.

    Zur Erhaltung der „Errungenschaften von Alice Schwarzer“ müssten kluge Frauen mindestens eine Tochter gebären. Das ist die demografische Voraussetzung für „konservativ“ sein. Wer die Umwelt erhalten will, aber keine Kinder erzieht, die das auch wollen, wird selber aussterben und die Welt jenen überlassen, die sie kaputtmachen. Und in diesen Fragen sind mir die „Grünen“ zu chaotisch.

    „Die Errungenschaften von Alice Schwarzer“ werden entweder als ein „Karneval des Abendlandes“ (1968 – 2001), oder als dessen Endphase in die Geschichte eingehen.

  17. uertner Says:

    Ach, ja. Heiner Geissler ist ein wunderbarer Konservativer! Leider sehe ich keinen Nachwuchs.

  18. uertner Says:

    Züruck zum eigentlichen Thema. Eben aus der Gemeinedebibliothek zurück und folgendes Buch gefunden.

    http://www.schreibmitmir.ch/lekture/der-islam-der-westen-und-die-menschenrechte.htm

    Werde Ihre Stellungnahme bald posten.

  19. flashfrog Says:

    @uertner: Das Pinkelproblem ist nur ein Problem, wenn man von der völlig irrwitzigen Vorstellung ausgeht, Frauen seien irgendwie von Natur aus dazu geschaffen, erwachsenen Männern hinterherzuputzen.
    Wenn Männer ihren Dreck selber wieder wegmachen müssen, werden sie in der Regel schon aus purer Faulheit sehr schnell stubenrein.

    Und zu dem Buch: Ja, es ist in erster Linie eine Diskussion innerhalb der Kulturen. Denn weder „der Islam“ noch „der Westen“, nicht einmal „die Schweiz“ ist ein monolithischer Block, in dem alle dasselbe denken und dasselbe wollen.
    Uertner, du bist in der Frage der Menschenrechte für weibliche Menschen sicher näher an den Glaubenssätzen islamischer Fundamentalisten als an meinen Überzeugungen.
    Aber ich bin es eigentlich müde, diesen Geschlechterdiskurs hier zum 30sten Mal zu wiederholen. Wenn du nicht begreifst, dass es nicht um Männer gegen Frauen oder Frauen gegen Männer geht, sondern um eine gemeinsame lebenswerte Zukunft, dann ist und bleibt jede derartige Diskussion frucht- und sinnlos.

  20. Diana Says:

    @Uertner, Ja, schon eigentümlich, wie Du auf dieses bizarre Pinkelthema eingeschossen bist. 😉
    „Erhaltung des Bewusstseins um die Geschlechterunterschiede“. Was genau muss ich mir eigentlich darunter verstehen? Kaum jemand dürfte vergessen, wie er/sie unter seinen/ ihren Kleidern aussieht.

    Über die nicht wegdiskutierbaren physischen Unterschiede hinaus gibt es vielleicht noch sowas wie Tendenzen, die auch in egalitären Gesellschaften eine relative Konstante bilden, weswegen es wohl nie zu einem kompletten Wegfall tradierter Muster kommen wird. Was also bemängelst Du?
    Wo genau läge beispielsweise der Vorteil, eine Frau zum Kochen und Putzen zu zwingen, obwohl sie aufgrund Ihrer individuellen Veranlagung etwas anderes sehr viel besser könnte?
    Individuelle Fähigkeiten zu Gunsten aufgezwungener Geschlechterollen zu unterdrücken ist aus gesamtgesellschaftlicher Perspektive suboptimal. Das sieht man ja auch sehr gut im globalen Vergleich: Annähernd egalitäre Kulturen (westliche Industrienationen) sind in aller Regel wirtschaftlich, technisch und auch sonst entwickelter als solche mit stark patriarchischen Strukturen.
    Unterdrückung individueller Veranlagungen zu Gunsten aufgezwungener Schemata ist aufwändig und bindet Energien. Solche Gesellschaften werden auf Dauer entweder instabil oder stagnieren in ihrer Entwicklung.

    Ich argumentiere bewusst aus einer übergeordneten Perspektive, weil ich das Gefühl habe, dass Du dem simplen „Alle Menschen haben das Recht auf individuelle Entfaltung, ohne Ahnsehen ihres Geschlechtes, Rasse oder Religion“ nicht zugänglich bist.

  21. uertner Says:

    Nochmals mein Problem mit dem Schleier. Als Schweizer Wehrmann verteidige ich in extremis eine Rechtsordung in der die Rassismusstrafnorm gilt und Frauen frei sind sich so zu kleiden wie sie es wollen. Wenn nun die Schweizerische Aussenministerin in ein Land geht, in dem die Frauen den Schleier tragen müssen und in diesem Land „aus Respekt vor den Sitten“ sich verschleiert, dann gibt sie ein himmeltraurige Signal. Sie signalisiert den iranischen Frauen, die bei Gefägnisstrafe den Schleier tragen müssen: seht, selbst eine freie Westlerin kuscht vor dem angeblich religiösen Gebot der Verschleierung (in Wahrheit ist es ein Symbol des politschen Islam).
    Mir als „todesbereiten“ Wehrmann signalisiert sie: die Rechte, die wir im Westen uns erkämpft haben, sind wir sogleich bereit wieder aufzugeben, wenn ein Erdgas-Liefervertrag zu unterschreiben ist. Meine Bereitschaft, für dies „Frauenrechte“ auf dem Feld der Ehre zu sterben (in extremis) nimmt sehr ab.
    Elham Manea sieht dies in ihrem Buch so:

    Wenn es etwas gibt, das die ganze Diskussion über politischen Islam, humanistischen Islam, Identität und die Probleme Europas mit seiner muslimischen Minderheit auf einen Nenner bringt, dann ist es der Schleier. Diese Kleidungsstück hat eine grosse symbolische Bedeutung: Als die Schweizer Aussenministerin Micheline Calmy-Rey im März 2008 in den Iran reiste, um dort Präsident Mahmud Ahmadinedschad zu treffen, und zum Zeichen ihrerer „kulturellen Sensibilität“ ein weisses Kopftuch trug, brach in der Schweiz ein Sturm der Empörung los – mit gutem Grund, wie ich hinzufügen möchte.
    Die Schweizer Aussenministerin reiste in den Iran, um bei der Unterzeichnung eines milliardenschweren Erdgas-Liefervertrags zwischen dem Iran

  22. uertner Says:

    dem Iran und einem Schweizer Unternehmen offiziell Präsenz zu zeigen. Dies war eine Bedingung der iranischen Regierung gewesen: „Iran machte seine Unterschrift von der Anwesenheit eines Vertreters der Eidgenossenschaft abhängig“ (NZZ, 4.4.2008)
    Anscheinend bestand der Iran zudem darauf, dass die Ministerin während dieses offiziellen Besuchs ihr Haar bedeckte. Sie kam dem Ansuchen nach; „Calmy-Rey hat den Schleier akzeptiert, weil sie ohne ihn nicht nach Iran hätte reisen können. Wichtiger als diese Subordination waren ihr das Zustandekommen des Gasliefervertrags und das kurze Gespräch mit Ahmadinedschad, bei dem sie ihn, wie sie sagte, an die zahllosen Menschenrechtsverletzungen erinnerte, die in Iran täglich begangen werden. Offenbar hat die EDA-Vorsteherin ihre Persönlichkeit bewusst der Politik untergeordnet.“ (NZZ, ebd.)
    Die Schweizer Aussenministerin wurde dafür sowohl von Iranerinnen als auch von Schweizer Politikern scharf kritisiert. In Teheran erklärte eine junge iranische Philosophiestudentin: „Ich bin enttäuscht von dieser Frau“, und fügte hinzu: „Wir kämpfen weiter gegen den Kopftuchzwang, auch wenn westliche Politikerinnen ihre Unterwerfung offenbar freiwillig zelebrieren.“ FDP-Ständerätin Christine Egerszegi (GG: sie hat im Putz der Aargauer Frauentracht als „höchste Schweizerin“ (Nationalratspräsidentin 2007)

    die streibare Bundesrätin auf das „Frauen-Rütli“ begleitet, sie trägt auf dem Bild einen Hut, keinen Schleier) äusserte: „Ich verstehe Calmy-Reys Beweggründe nicht … Es ist unnötig, ein Kopftuch zu tragen.“
    Als Reaktion auf den Tumult rechtfertigte die Ministerin ihr Handeln mit den Worten: „Das war keine Unterordnung, sondern Respekt gegenüber den Regeln des Landes“. (NZZ Online 18.3.2008)
    Respekt?
    Ging es hier wirklich um Respekt? Ich möchte er einmal anders ausdrücken. Wenn Präsident Ahmadinedschad der Schweiz ganz offiziell einen Besuch abgestattet hätte, hätt er dann in Erwägung gezogen, seinen Bart abzurasieren? Hätte er seine Hand ausgestreckt und diejenige Calmy-Reys geschüttelt? (GG: Wie der Iraner dem unglücklichen Bundespräsidenten Merz begegnete, zeigt das Bild im Post oben) Die Aussenministerin unterliess es , Ahmadinedschad die Hand zu geben, aus Respekt vor seinen religiösen Überzeugungen. Hätte er dasselbe getan, wenn er in ihr Land gekommen wäre, hätte er dieses Zeichen des Respekts bekundet? Nein, das hätte er nicht. Diese symbolischen Gesten beruhen niemals auf Gegenseitigkeit. Und wenn sie nicht gegenseitig sind, dann hat das nichts mir Respekt zu tun. Ahmadinedschad hätte dieses Zeichen des „Respekts“ nicht bekundet, weil Kopftuch, Handschlag und Bart religiös konnotierte Symbole sind. Seine Auslegung des Islams will es, dass er einen Bart trägt, dass er einer Frau nicht die Hand schüttelt und dass sie ihr Haar verhüllen sollte. „Sollte“ ist hier das angebrachte Wort.
    Ministerin Calmy-Rey entschied sich aus pragmatischen Gründen, dieses Zeichen des Respekts zu zeigen – sie wollte einen lukrativen Erdgasvertrag abschliessen. Sie hätte dies auch ohne Kopftuch tun können, wenn sie darauf bestanden hätte, dass sie den Iran als offizielle Schweizer Amtsträgerin und nicht als Frau besuchte. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel tat genau dies, als sie 2007 Saudi Arabien besuchte. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass sie ein Kopftuch tragen würde, wenn sie sich mit Präsident Ahmadinedschad träfe. Es war Ministerin Calmy-Reys eigene Entscheidung, ein Kopftuch zu tragen.
    Wie die Teheraner Philosophiestudentin erklärte, haben Frauen im Iran nicht das Privileg dieser Wahlfreiheit. Ob sie es wollen oder nicht – sie müssen den Schleier tragn. Der Schleier war das Symbol, mit dem die islamische Revolution der Welt ihr Gesicht zeigte, indem sie verfügte, dass alle Frauen sich verhüllen sollten. Wenn Frauen im Iran die Freiheit hätten, zu wählen, ob sie den Schleier tragen oder ablegen wollten, dann hätte mich Calmy-Reys Handeln nicht gestört. Nicht ihr Haar interessiert mich, sondern die Botschaft, die sie mit ihrer Geste vermittelte.
    Die Schweizer Ministerin drückte keineswegs Respekt aus. Das Tragen des Schleiers ist im Iran nicht Tradition, sondern gesetzlich vorgeschrieben. Und das Gesetz erlaubt der „Sittenpolizei“, Frauen festzunehmen, die sich nicht schicklich und ordnungsgemäss kleiden, und sie zu zwingen, ein Dokument zu unterschreiben, in dem sie versprechen, „sich in Zukunft zu bessern“. Manche werden auch vor Gericht zitiert man erlegt ihnen unter Umständen eine Geldstrafe auf, ja, schlimmstenfalls schickt man sie sogar ins Gefängnis.
    Das Gesetz im Iran verletzt die Menschenrechte der Frau, denn es respektiert ihre Wahlfreiheit nicht. Und weil dieses grundlegende Recht nicht existiert, war die Handlung der Ministerin einer offizielle Botschaft, die diese Rechtsverletzung verharmloste – und ein Ärgernis für die iranischen Frauen, dier fortwährend versuchen, sich dem Gesetz zu widersetzen. Wenn sie dies nicht ständig täten, gäbe es dann die Notwendigkeit, wiederholt gegen iranische Frauen in der Öffentlichkeit vorzugehen? Warum zollte die Ministerin dem Präsidenten Ahmadinedschad und seinem dogmatischen politischen Islam „Respekt“, anstatt diesen Frauen ihren Respekt zu erweisen?“

    Soweit Elham Manea

    Dass dieses Problem der Kopfbedeckung auch bei Männern eine Rolle spielen kann, zeigt folgende Episode aus der Schweizer Geschichte.
    http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/barhaeuptige_diplomaten_1.3417108.html

  23. Mara Says:

    @uertner

    Ein Kniefall für die wirtschaftlichen Interessen – sicherlich auch ein nicht gering zu schätzender Teilaspekt der Ereignisse im August in Lybien. Das Eintreten von schweizer Diplomaten im Ausland für Menschenrechte in Dikataturen ist jetzt nicht unbedingt unser Aushäneschild – eher wird doch die Neutralität betont.

    Das hat weder was mit den handelnden Personen zu tun – noch mit Gender, Emanzipation oder Sitzpinkeln.

    Wenn ein Land etwas haben möchte – hier ÖL – und sich dafür im Ausland zum Deppen machen lässt, dann sollte man vielleicht seine Wünsche und Notwendigkeiten überprüfen – aber nicht die eigenen ethischen Vorstellungen.

  24. flashfrog Says:

    @uertner:
    >> Als Schweizer Wehrmann verteidige ich in extremis eine Rechtsordung in der die Rassismusstrafnorm gilt und Frauen frei sind sich so zu kleiden wie sie es wollen.
    >> Es war Ministerin Calmy-Reys eigene Entscheidung, ein Kopftuch zu tragen.

    Na, dann ist doch alles in bester Ordunung, oder? 😉

    @Mara: Ich denke auch, ob die Schweiz unter solchen Bedingungen überhaupt Geschäfte machen sollte mit einer nicht demokratisch legitimierten Regierung, die das eigene Volk unterdrückt und andere offen bedroht, das ist die eigentliche Frage.

    @uertner:
    Wenn ich eine italienische Kirche betrete, dann tue ich das übrigens auch nicht im Bikini. Aus Respekt. Auch, wenn ich den Papst nicht besonders leiden kann.

  25. uertner Says:

    @flashfrog & Mara

    „Ob die Schweiz überhaupt“: eine interessante Frage für den Rot-Kreuzstricknachmittag der Betschwestern.

    Eine interessantere und für Damen mit dem Deutschen Pass dringendere Frage wäre zu erörtern: „Ob es moralisch richtig ist das Deutschland der drittgrösste Waffenhändler der Welt ist, unter dem Atomschirm der vielgeschmähten Amerikaner eine Konfirmandenkultur lebt und seine Soldaten mit schlechter Ausrüstung und mangelnder emotionaler Rückendeckung in den Tod am Hindukusch schickt.“

    Und wenn man dies akademisch erötert hat zu mannhaften Taten schreiten.

    Aber vielleicht besprechen solche Damen lieber die Frage:
    1. Wie krieg ich Job und Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz?

  26. Mara Says:

    @uertner

    Diskutieren ja.. aber bitte nur dann wenn man derselben Meinung ist? – und wenn nicht geht man zum diffamieren über? Das haben Sie doch garnicht nötig- warum also der Griff in die unterste Trickkiste?

    Wenn sie wieder dazu übergehen können Argumente auszutauschen und aufhören den Beleidigten und Beleidiger zu spielen der nach nationalität, religionszugehörigkeit und was weiss ich fragt, bevor es weitergehen kann, bin ich gerne wieder dabei…

    @flashfragt

    Die Frage nach dem Wie der wirtschaftlichen beziehung stellt sich doch für alle Staaten – für die grossen vielleicht weniger heftig als die kleinen. Aber auch ein Schröder ist in erster Linie mit Wirtschaftsleuten in den Nahen Osten und nach China geflogen und nicht mit Menschenrechtlern….
    Was mich weniger ärgert ist, dass es das gibt – aber man sollte doch wenigstens auch dazu sthen und nicht Fremd- und Selbsttäuschung inszinieren.

  27. uertner Says:

    @Mara
    Na, Verzeihung, meine Beste, aber ab und zu geht das Temperament mit mir durch. Was ich nicht verstehe: Patriotismus in Deutschland so was von „out“, dass die Intelligenz auswandert und dann im Ausland weniger „Fremd- und Selbsttäuschung“ oder mehr „Eigenverantwortlichkeit“ fordert. Würde in D dafür gekämpft, von deutschen Patrioten, dann wäre auch Europa geholfen. Nur wie Henrik Broder richtig bemerkte – wie macht heute Deutschland Wahlkampf: „4 Millionen Arbeitsplätze“ (SPD), „Reichtum für alle) (linke), „Reichtum besteuern“ (linke): und keiner lacht. Egal welche Strömung der grossen deutschen Staatslinken in Deutschland die Wahl gewinnen wird: Gemütlich wird das nicht.

    Klammer geschlossen

    Hier folgende Meldung über RNA (Religiöse Nachrichten Agentur) zu unserem Thema:

    14. September 2009 / 14:08:36
    Französischer Minister fordert Burka-Verbot
    WELT
    In Frankreich schlägt die Debatte um ein sogenanntes Burka-Verbot weiter hohe Wellen. Einwanderungsminister Eric Besson hat sich nach anfänglichem Zögern nun auch für ein gesetzliches Verbot des muslimischen Ganzkörperschleiers eingesetzt. Dieser sei «nicht mit den Werten der Republik vereinbar», sagte er nach einem Bericht der Zeitung «Le Figaro» vom Montag. Er widerspreche insbesondere dem Grundsatz der Gleichheit von Frauen und Männern.
    RNA/sda
    Besson hatte sich anfangs gegen das Gesetz ausgesprochen und davor gewarnt, dass ein solcher Text zu gesellschaftlichen Spannungen führen könne. In Frankreich sind sowohl Kopftücher als auch jüdische Kippas und christliche Ordenstrachten im öffentlichen Dienst und in Schulen verboten.

  28. uertner Says:

    @flashfrog
    Die Ansicht, testosterongetriebene Hirne seien nicht ganz zurechnungsfähig, in Rechnung stellend, habe ich die ganze Argumentation der schweizerischen humanistischen Muslimin in meinem Kommentar abgetippt. Mir scheint die Frau Dr. ist einer Meinung wie ich, oder siehst du hier Differenzen?

  29. Diana Says:

    @Uertner:

    >>Aber vielleicht besprechen solche Damen lieber die Frage:
    1. Wie krieg ich Job und Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz?

    On a side note: Ich hatte von Geburt an den Schweizer Pass aber diesen freiwillig und mit Freuden gegen den deutschen eingetauscht.

    Ja, bei uns in Frankreich ist momentan ein Verbot der Burka in Diskussion. Das ganze ist aber komplexer als die Frage des Kopftuchverbotes an Schulen.

    Die Schule ist sozusagen Hoheitsgebiet des französischen Staates, dessen Nationalideologie der Laizismus ist, die strenge Trennung von Staat und Religion. Man kann also sagen, dass wer eine Schule oder anderes, öffentliches Gebäude mit welchen religiösen Insignien auch immer betritt, sozusagen blutt in eine katholische Kirche schreitet.

    Beim Burkaverbot geht es nun darum, dieses im Alltag anzuwenden, sprich, Frauen dürften diese auch nicht tragen, wenn sie ganz normal auf die Strasse wollen und das tangiert ganz eindeutig die individuelle Freiheit. Setzt man in Frankreich dieses Verbot durch, ist Frankreich ein Land, das eine staatliche Kleiderordnung hat – wie der Iran.

    Und das könnte beim Menschenrechtsgerichtshof, an den sich dann einige Muslime unter Garantie wenden werden, bös ins Auge gehen.

  30. Mara Says:

    @Diana

    Wie allerdings Strassbourg is ja nicht so eindeutig. In allen Fällen zu Kopftüchern an Universitäten und Schulen wurde das Verbot auch mit dem Argument der öffentlichen Sicherheit bestätigt.

    Zitat: (über djb)
    Er kam zum Schluss, dass das Verbot des Kopftuchs weder gegen das Diskriminierungsverbot des Art. 14 EMRK noch gegen die Religionsfreiheit nach Art. 9 EMRK verstößt, da sich das Verbot nicht gegen die religiöse Überzeugung der Lehrerin richte, sondern dem Schutz der Rechte und Freiheiten anderer sowie der öffentlichen Ordnung und Sicherheit diene. Nach dem Gerichtshof lässt sich das Kopftuch nicht mit der Botschaft der Toleranz, des Respektes sowie der Gleichberechtigung und Diskriminierung vereinbaren. Diese Botschaft aber müssten in einer Demokratie alle Lehrer ihren Schülern vermitteln.

    Sicherlich lässt sich die Entscheidung nicht ohne weiteres von Lehrerinnen/Studentinnen auf den Alltag übernehmen. Aber auch hier wird grundsätzlich dem Staat zugestanden zugunsten anderer Grundwerte zu handeln.

    PS: die Passfrage – bis jetzt habe ich einen Passwechsel hinter mir – und EU-Bürgerin zu sein, finde ich im Moment die attraktivste Lösung…

  31. uertner Says:

    @Mara
    Vorallem wenn der Lohn nicht in Euro ausbezahlt wird und nicht bei Peer Steinbrück versteuert werden muss.

  32. uertner Says:

    Und man in jenes Ausland gereist ist, wo nach Henryk Broder der „deutsche Doppeltraum“ in Erfüllung geht:

    „Auswandern und den Einheimischen dann noch in der Muttersprache erklären, wie die Intergration zu erfolgen hat“

  33. Mara Says:

    @uertner

    Ihr Weltsicht is mir ein wenig zu einfach.

  34. Diana Says:

    @Uertner: Wieso? Der Euro ist doch viel stärker als der Schweizer Franken.
    Aus Deinem letzten Satz werde ich auch nicht schlau. Ich nehme doch mal an, Du willst niemandem hier unterstellen, er/sie benehme sich im Ausland anmassend.

    @Mara, ja EU-Bürgerin zu sein ist vorteilhaft und ich identifiziere mich auch gänzlich damit. Auch wenn die Wurzeln zur Schweiz natürlich nie ganz verdorren werden, so empfinde ich meinen Passwechsel als weit mehr als nur eine Formalie, sondern als eine Anpassung an innere Realitäten.

    Das Argument mit der Wertevermittlung ist vermutlich das zugkräftigste, setzt allerdings die Prämisse voraus, dass das Kopftuch ein Symbol der Unterdrückung IST, was angesichts der vielen freiwilligen Trägerinnen problematisch wird. Auch wenn man „Freiwilligkeit“ im Kontext natürlich stark relativieren muss, so gibt es die „wirklich freiwilligen“ tatsächlich – und seien es nur irgendwelche extreme Konvertitinnen.

    Bei den Burkas der Frauen *ausserhalb der Schule* ist es, wie gesagt, schwieriger. Es geht im Grunde nur, wenn man definitiv unterstellt, dass diese Frauen alle dazu gezwungen werden. Diese Unterstellung als solche ist eine Provokation und genau deswegen tun sich auch unsere Politiker mit einem klaren Votum schwer. Rechtstaatlich ist es ja auch nicht gerade einfach.
    Ist es nämlich „nur“ ein Symbol für eine bestimmte Geschlechter-Rolle, dann fiele das tragen dieses Symbols und somit das Eintreten für die entsprechende Ideologie unter Meinungsfreiheit. Ausserhalb der Schule eigentlich erlaubt.

    Ich erörtere nur die Aspekte aus unterschiedlichen Perspektiven. Ganz persönlich wäre mir so ein Verbot eher heute als Morgen lieb, ich kriege jedesmal eine eiskalte Gänsehaut, wenn ich die verschleierten Damen sehe. Da es vermutlich vielen (Frauen) so geht stellt sich die Frage, inwiefern diese Befindlichkeiten in eine Entscheidungsfindung eine Rolle spielen sollten/dürfen/können.

  35. Mara Says:

    @Diana

    Es geht ja um den Staat/Gesellschaft als Wertevermittler im öffentlichen Raum. Da spielen schnell Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Demonstrationsfreiheit eine Rolle. Als dies kann man eigentlich rechtlich nur einschränken, wenn die Sicherheit und damit die öffenliche Ordnung gefährdet ist.

    Und so sehr ich persönlich gerne alle Burkas verbrennen möchte, is mir die Frage der höchstpersönlcihen Entscheidung für Lebensgestaltungen zu wichtig. Natürlich kann man die Freiwilligkeit solcher Burkatrageentscheidungen bezweifeln – ist doch gerade in islamischen Gemeinschaften der Gruppendruck besonders hoch. Aber wäre es dann nicht der erstmal staatliche Pflicht Frauen erstmal effektiven! Schutz zu geben bevor man über Verbote nachdenkt?

  36. blabla Says:

    geht das ganze auch mit weniger worten? oder müsst ihr solange denken, bis ihr endlich was tut? ist ja unglaublich, wieviel zeit ihr hier verschleudert.

  37. uertner Says:

    Hier ein Link auf die Geschichte des Karikaturenstreits.

    http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/dossier/story/18543789

  38. /sms ;-) Says:

    fernweh :-/ danke für deinen subversiven nachtrag 😉

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