Archive for November 2009

Kein Bedarf zum Stellvertreterschämen

November 29, 2009

Jetzt sind sie wieder ganz gross, die intellektuellen Grossgeister in den Medien, die der Schweiz und damit uns Schweizern den Stempel der Borniertheit vor den Augen ganz Europas garantieren mögen. Der grosse Wettbewerb des Fremdschämens – oder meinetwegen des Stellvertreterschämens kann beginnen.

Es gibt aber auch ganz andere Reaktionen im Ausland – und Aktionen. So mag es durchaus vorkommen, dass sich ein deutsches Leitmedium fragt, wie denn wohl eine solche Abstimmung im eigenen Land heraus käme?

Das macht SPON – mit einem interessanten Zwischenergebnis:

knapp 16’000 Teilnehmer der Umfrage

Nach Entscheidung der Schweizer:

Sollen Minarette auch in Deutschland verboten werden?

antworten 79% mit JA.

Repräsentativ ist so was nicht. Aber mindestens so zuverlässig wie eine Meinungsumfrage von Claude Longchamp dürfte sie die Stimmung in Deutschland durchaus wiedergeben.

Update vom 30.11.09 um 18h25

SPON: „Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels
konnten SPIEGEL-ONLINE-User in einem Vote über das
Schweizer-Minarett-Verbot abstimmen. Nach Hinweisen, dass diese
Abstimmung von außen manipuliert wurde, hat die Redaktion das Vote
vorzeitig abgeschaltet.“
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,664135,00.html#ref=rss

Die Umfrage hat also keine Aussagekraft. Auf jeden Fall keine gesicherte, auch wenn es wünschenswert wäre, SPON würde über die Manipulation etwas mehr verraten.
Das würde nämlich nahelegen, zukünftig gänzlich auf solche Aktionen zu verzichten.

Anleitung zur Uni-Revolte (aus: Nebelspalter 2008)

November 18, 2009

Da in Europa an den Universitäten wieder rebelliert wird: hier die 8 wichtigen Punkte, die zu beachten sind (Erfahrungen der Urchristen und 68er durch einen Unitopisten von 88/89 ausgewertet). Aus dem „Nebelspalter“ (Probe-Abo: hier) vom September 2008:

Theorie und Praxis

Jugendrevolte in acht Punkten

Das Poesie-Album der Achtundsechziger ist bekannt. Wie kann die Studienzeit mit einer «Revolte» bereichert werden, die «soziales Kapital» stiftet, von dem man ein Leben lang zehrt? Ich bin ein verhinderter achtundachtziger «Unitopist». Darum kann ich mitreden. 1989 brachten wir die Berliner Mauer zum Einstürzen. Hier acht Punkte aus der Praxis:

1.Das Ereignis muss in eine globale Gleichzeitigkeit eingebettet sein (Stern von Bethlehem). Es muss heissen: in Paris, Prag, Hanoi und auch in Zürich. 1988 begann es an der Freien Universität Berlin. Zürich folgte.

2.Ein griffiges, lokales Feindbild (der Teufel) ist Conditio sine qua non. In Zürich war der Erziehungsdirektor ein Mann (Scheissmacho), hatte nicht nur Prinzipien (Betonkopf), nein, Gilgen reimte sich auch auf «Galgen». Ideale Vo- raussetzungen, um die ödipal-adoleszente Ablösung vom Elternhaus durch eine studentische Revolte zu adeln (Constantin-Seibt-Effekt), denn 1980, als «Zürich brannte», waren wir noch Konfirmanden.

3.Die Sehnsucht nach der ganz anderen, besseren Welt. «Reich Gottes» nennen es die Christen, «klassenlose Gesellschaft» die Kommunisten, «Love and Peace» die Achtundsechziger. «Utopie» (Max-Frisch-Effekt) ist immer gut. Daher waren wir universitäre Utopisten eben: «Unitopisten».

4.Die rauschhafte Entgrenzung in einem grossen Event (Pfingstwunder). An einem bestimmten Tag x tritt ein Ereignis ein, von dem alle später sagen werden: Ich war dabei, oder ich war gerade krank. Insbesondere mediokre Gestalten packen diese Gelegenheit. Wer in Sport, Militär, Kultur oder Wirtschaft keine Rolle spielen wird, findet darin lebenslangen Trost: Ich war dabei («Res-Strehle-Effekt»).

5.Ein Manifest muss her (Bergpredigt). Dies wurde in früheren Studenten- bewegungen durch Vollversammlungen (heute «Theory-Slam») ermittelt. Die Alphamännchen treten hier in Erscheinung: Wer die schrägsten Fremdworte in metrischer Diktion brüllt, gewinnt («Thomas- Held-Effekt»).

6.Die Alphas übernehmen Arbeitsgruppen (Urgemeinden) und versehen sie mit einem Konzept in blumigen Jargon, mindestens zehn A4-Seiten («Moritz-Leuenberger-Effekt»). In dieser Phase gehen die Alphaweibchen dazu über, Pro- tokolle zu schreiben und untereinander auszumachen, welche von ihnen welchen Alpha als Besamer für die Aufzucht erhalten soll. Die Alphas übernehmen nun das Mitbrüllen feministischer Forderungen («Hans-Jörg-Fehr-Effekt»).

7.Durch einen eskalierenden Konflikt gibt es ewigen Nachruhm. Von der Studienzeit sollen Reliquien bleiben, die alle zehn Jahre in den Medien ausgestellt werden. 1988 beschlossen die «Unitopisten», in der Uni zu übernachten. Nicht so promisk wie die 68er, sondern keusch für eine «ganzheitliche Wissenschaft» leidend. Gilgen war dagegen. Polizei wurde aufgeboten (sehr wichtig für die erfolgreiche Bewältigung männlicher Adoles- zenzkrisen) und die Achtundsechziger und Achtziger der «Tamedia» berichteten breit über unser Martyrium.

8.Anbiederung (vom Saulus zum Paulus). Wenn arrivierte Grossintellektuelle «einknicken» und mit den Forderungen der Jugend sich solidarisieren («Adolf-Muschg-Effekt»): Dann war die Bewegung erfolgreich.

Nach der Theorie des «Sozialen Lernens in Zwölf-Jahres-Zyklen» (Siegenthaler, 1993) gibt es folgende Gliederung: Aktivdienstgeneration (1944), Ungarn-Antikommunisten (1956), Ho-Chi-Minh-Drögeler (1968) und Subito-Hedonisten (1980). Wir 88er hätten eigentlich erst 1992 rebellieren dürfen. Aber – ich frage – wäre die Mauer in Berlin 1989 gefallen, hätten die «Unitopisten» nicht im Frühjahr 89 in der Uni Zürich geschlafen? Das hat der Professor nicht bedacht.

Giorgio Girardet

PS: Die „älteste Satirezeitschrift der Welt“ lässt sich auch auf Facebook verfolgen.

Die Aussenministerin zum Calvin-Jahr

November 17, 2009

Da ich in der Beiz schon verschiedentlich zum Calvinjahr und zur Frage der Besinnung auf die Transzendenz in der Eidgenossenschaft, sowie der Frage der Verwendung von Symbolen im Kampf der Kulturen gebloggt habe, möchte ich hier es nicht versäumen, auf das Referat von Frau Bundesrätin Calmy Rey zum Abschluss des Calvin-Jahres hinzuweisen, das von der NZZ in verdankenswerter Weise wenigstens in der Schlusspassage der Öffentlichkeit zugänglich macht.

Zu den Gedanken der Aussenministerin möchte ich nur folgendes beifügen. Die Bundesrätin gibt bekannt, dass wir uns – wie auch Calvin – in einer Epoche des Übergangs befinden. Die Aussenministerin nimmt dabei Bezug auf eine Teleologie, die sie aber nicht ausweist. Sie attestiert Calvin für Genf ein gültiges Modell „für seine Zeit“ geschaffen zu haben, aber sie lehnt es ab, die Gültigkeit dieses Modells für die Gegenwart gelten zu lassen. Die Argumentation ist die mit der „Zeit“ und dem Durchbruch auf einen „Telos“ der Geschichte.

In diesen beiden Prämissen kann ich der Bundesrätin nicht folgen. Wer ein Volk regiert, muss sein Handeln am Ergebnis messen lassen und nicht an den Intentionen. Frau Calmy Rey hat keine Theorie dieser Gesellschaft, auf die hin sich die jetzt bestehende hin „vervollkommnen“ soll. Es ist der übliche Reflex des teleologischen Sozialismus. Ohne das Ziel zu benennen lädt uns die Frau Aussenministerin dazu ein, einen Schritt ins Leere, ins Ungewisse und Ungeprüfte zu tun. Dies halte ich für gefährlich. Im übrigen empfehle ich den Artikel ob seiner gerechten Einschätzung des Wirken Calvins zur Lektüre. Er zeigt, wie der Calvinismus ein wirksames Mittel gegen Turbokapitalismus und soziale Ungerechtigkeit beinhaltet und offensichtlich auch zu mutigen (vielleicht allzumutigen und leichtfertigen) Schritten in die Zukunft zu führen vermag.

Blogger zum Auftritt

Die ganze Rede.

Glückwunsch, Weltmeister Schweiz!

November 16, 2009

War das ein spannendes Finalspiel bei der u17-WM in Nigeria. Zwei grundverschiedene Spielarten: Die Gastgeber hatten mich gegen Spanien mit ihrem Zauberfussball und unglaublicher Schnelligkeit (Okoro, Emmanuel) schier aus den Socken gehauen vor Begeisterung. Die Schweizer sorgten mit diszipliniertem System und einem eingespielten Team dafür, dass die Eaglets im Final dazu so gar keine Gelegenheit fanden. (Vor 20 Jahren ist in Deutschland die Mauer gefallen, und jetzt weiss ich auch, wo die hingekommen ist. :-))
Und nach den Diskussionen der letzten Zeit in der Beiz finde ich es besonders schön, wie diese Schweizer Mannschaft die Integrationsfähigkeit für junge Eidgenossen aller Herren Länder zeigt. Was man erreichen kann, wenn man als Team zusammenarbeitet.
http://www.swissinfo.ch/ger/startseite/U17_Fussballer_der_Schweiz_sind_Weltmeister.html?siteSect=105&sid=11487912&ty=st
Glückwunsch an den Fussballweltmeister Schweiz! Südafrika kann kommen…

(In Deutschland entgegengesetzte Gefühle: Hier war der Sonntag ein Tag der Trauer um Nationaltorhüter Robert Enke, der sich am 10.11. das Leben genommen hatte. Lesenswerter Artikel dazu bei Thinkabout.)

Warum ich die Minarett-Initiative annehmen werde

November 9, 2009

Liebe Frau Zappadong, ich teile dann mal Deinen Bammel, und gehe noch einen Schritt weiter, hole tief Luft, und gestehe hiermit:

Ich werde zur Minarett-Initiative nicht nur leer eingeben. Ich werde die Initiative annehmen.

Für mich sind viele Dinge ungeklärt, gerade weil wir Schweizer sie im Willen, tolerant sein zu wollen, als befriedigend beantwortet betrachten. Vorauseilend. Ohne wirklich zu wissen, ob dem auch so ist. Vielmehr beobachte ich, dass wir uns reflexartig der Toleranz verpflichtet fühlen, während wir ALLEN Befürwortern reflexartige nebulöse Fremdenfeindlichkeit unterstellen.

Die Bemerkung, es ginge hier nur um Symbole einer Gemeinschaft und ihrer Religionsausübung, sind für mich nicht stichhaltig. Gerade, wenn es um Symbole geht, ist die Frage angebracht, was denn die Gemeinschaft, die nach diesen Symbolen fragt, mit diesen verbindet. Es wird mit Symbolen ein Zeichen gesetzt. Und mit deren Bejahung auch. Und da stehe ich nicht dahinter, nicht heute, nicht jetzt. Denn für mich sind die folgenden Fragen nicht geklärt, bzw. die Aussagen nicht entkräftet:

1.

Nicht wenige liberale Muslime hoffen darauf, dass die Initiative angenommen wird, weil sie durch die Kraft der Symbolik einen verstärkten Einfluss des konservativen Islams befürchten und sie in ihren Gemeinschaften entsprechende Einflussnahmen kommen sehen.

2.

Ein Ja zur Minarettinitiative würde einen Aufschrei in der Welt auslösen und unsere Intoleranz beweisen. Ich sage: Na und? Es ist nicht unser Problem, sondern unser Glück, dass wir über solche Dinge abstimmen können, und es ist nur ehrlich, auf diesem Weg seine Skepsis gegenüber einer fremden Kultur zum Ausdruck zu bringen: Ich kann nicht ja zu einer ein Strassenbild dominierenden Symbolik einer Religionsgemeinschaft sagen, von der ich befürchte, dass deren innere Kräfte die Integration in unsere Kultur eher behindern als fördern wollen.

3.

Ich will nicht Minarette akzeptieren, deren Bau u.U. von islamistischen Staaten finanziert wird, die mit der Verbreitung des Islams sehr wohl politisch-religiöse Ziele verfolgen.

4.

Es wurde angeregt, Imame an Schweizer Hochschulen auszubilden, um sicher zu stellen, dass hiesige Muslime von hiesig geschulten und in unserer Kultur lebenden und integrierten Geistlichen unterwiesen werden. Wie weit sind wir von einer allgemein entsprechend praktizierten Lösung entfernt?

5.

Ist es wirklich kein Argument, dass es ein Witz ist, über diese Frage überhaupt nachzudenken, während in vielen islamischen Ländern der Bau von christlichen Kirchen verboten ist und Christen ihren Glauben generell nicht ausüben können?

6.

Kann eine Religion, die in ihrem Kern die Trennung von Kirche und Staat nicht bejahen kann, weil das der eigenen Lehre absolut zuwider läuft, allen Ernstes erwarten, dass die Symbole dieser Religion bei uns im öffentlichen Raum gebaut werden können?

7.

Keine andere Religion verbindet innere Kontemplation und Eroberung so stark mit einander und kennt im Heute so ungehemmte Militanz für ihre Verbreitung. Eine Religion, die ihren missionarischen Auftrag zur weltweiten Verbreitung, auch auf Kosten anderer Glaubensgemeinschaften, nach meinem Dafürhalten in keiner Weise abgelegt hat, gestatte ich keine Türme in meinem Land.

8.

Es ist eine Tatsache, dass auch der überdurchschnittlich am Zeitgeschehen interessierte Schweizer generell über den Islam sehr wenig weiss – und das, was er weiss,  kaum je von Muslimen selbst stammt und in jedem Fall widersprüchlich ist.

Tatsache ist: Wir kennen einander nicht, oder viel zu wenig. Wir haben bisher zu wenig nachgefragt, und die Muslime Ihrerseits haben sich viel zu wenig erklärt und geöffnet.

9.

Ja. Minarette haben nicht für alle Muslime und in allen Ländern die gleiche Bedeutung. Stehen sie aber einmal, so kann die Symbolik instrumentalisiert werden. Und so lange wir nicht bereit sind, eingreifend, wertend und lenkend darauf hin zu wirken, dass der Glauben jeder Religion nach den bei uns geltenden übergeordneten Richtlinien der staatlichen Werte-Gesellschaft gelebt wird, so lange haben wir auch keine Sicherheit, dass diese Symbolik einmal eine Bedeutung erlangt, nach der wir ganz bestimmt nicht gerufen haben.

10.

Wir haben gerade mal geschätzte zwanzig Jahre mit einer starken Einwanderung aus islamischen Staaten erlebt. Wir sollten die Diskussionen rund um die Minarett-Initiative in jedem Fall zum Anlass nehmen, mehr Wissen zu sammeln. Und dort, wo das Wissen nicht zu erlangen ist, nicht eine Toleranz bemühen, die Nichtwissen kaschiert. Ich kann nur tolerieren, ja sogar annehmen, was ich wirklich kenne.

 

*

Damit ist keines der Themen der fehlenden Integration (z.B. junger muslimischer Männer und familiär unterdrückter Mädchen) angesprochen worden. Diese Diskussion hat in der Tat nichts mit Minaretten zu tun. Ich bin schlicht beim Symbol der Minarette geblieben. Muslime, die das lesen, dürfen mir glauben, dass ich sehr wohl einen Austausch der Kulturen wünsche und der Ausübung ihres Glaubens auf Schweizer Boden positiv gegenüber stehe. Aber ich kann keine Geister rufen (und die sehe ich sehr wohl), die ich ganz bestimmt gleich wieder los werden möchte.

Bemühen wir uns also um Verständigung, reden wir mit einander, erzählen wir uns, besuchen wir einander – und fragen wir uns vor allem selbst, was uns unsere Werte bedeuten, und wie wir sie am besten allen zugänglich machen können. Wirklich allen, die bei uns leben. In welcher Glaubensgemeinschaft auch immer.

Warum Uertner in der „Willensnation“ uertnert

November 9, 2009

Kurze Zeit war hier dieser Blog-eintrag eingestellt. Ich habe ihn nun in die „Willensnation“ ausgelagert. Zum einen will ich die user der Beiz nicht immer mit meinen Steckenpferden belästigen, zum anderen hat die Google-Suche mit gezeigt, dass die „credibility“ der „Willensnation“ bei Google grösser zu sein scheint, als jene der „Beiz 2.0“. Konkret: ein und derselbe Post, der in der „Beiz“ sogar ein paar Links mehr hatte und länger in der „Beiz“ lag als in der „Willensnation“, wurde 4 Plätze höher gerankt auf der dritten Trefferseite der Suche „Peer Teuwsen“.  Wenn mir jemand diese Mechanismen erklären könnte – ja, ich bin ranking-geil, ich will, dass meine Texte gefunden werden -, wäre ich ihr/ihm sehr verbunden.

Minarette, „Gutmenschen“, Gewissensprüfung und Amok in Ford Hood

November 6, 2009

Ich bin erschüttert über den Amoklauf in Ford Hood. Aber Zweck dieses Posts ist es nur nochmals auf den Punkt von Religion und Verteidigung der Menschenrechte aufmerksam zu machen. In meinem Mail an Reto Müller schrieb ich:

5. Zu Recht monieren die Islamischen Glaubensgemeinschaften die Absenz von muslimischen Feldpredigern in der Armee. Wie verhält sich ein muslimischer Schweizer Soldat, der auf Glaubensbrüder schiessen muss? Kann es muslimische
„Eidgenossen“ geben? Alle diese Fragen sind nicht geklärt. Die innerschweizer Katholiken waren als „Eidgenossen“ bereit
für die Zürcher und Berner „Ketzer“ wegen ihres Schwurs zu sterben (sie mussten aber im Sonderbundskrieg mit
Waffengewlt dazu gezwungen werden), ja sie gegen französische oder deutsche Glaubensbrüder zu verteidigen. Wird ein
Muslim im Ernstfall für die Freiheit auf sexuelle Freizügigkeit in der Schweiz auf einen rechtgläubigen Muslim schiessen, der die Schweiz von den „Ungläubigen“ befreien will? Ist der „eidgenössische Patriotismus“ in den Köpfen und Herzen unserer eingebürgerten muslimischer Mitbürger höher eingestuft als ihr heiligstes Credo?
Mir scheint es wichtig nun, die von meinen Gegnern in der Debatte geäusserten Meinungen zu diesem Punkt, hier nochmals zu zitieren. Reto Müller, der seinen Dienst geleistet hat, Gemeinderat (Exekutive) in Langenthal und Reallehrer schrieb:

Zu These 5:
Die Armee gehört abgeschafft. Konflikte in der Schweiz werden künftig gelöst, ohne dass man aufeinander zu schiessen hat.

Die SP, der Reto angehört, ist aber verschiedentlich schon für durchaus sehr bewaffnete Auslandeinsätze der Schweizer Armee eingetreten: Kosovo, Atalanta, etc.

Der User „David“ vom Blog „Substanz“ zeigt seine „Substanz“, in dem er auf den Punkt 5 antwortete:

5. Wie verhält sich ein Mensch, der auf Menschen schiessen muss? Diese Frage ist nicht geklärt. Ich für mich habe sie geklärt und habe mich für den Zivildienst angemeldet – dieser steht Muslimen ebenso offen. Wo kämen wir hin, wenn wir jeden „verbrennen“ würden, der nicht auf Menschen schiessen würde?

Wer aber „die Menschenrechte“ mit der Waffe in der Hand verteidigen soll, bleibt ungeklärt. Meine Entgegnung auf David war:

5. Du hast den Zivildienst gewählt. Falls du die Fähigkeiten gehabt hättest zu töten, und diese Fähigkeit dem Staat vorenthalten hast, hast du den Staat geschwächt. Genau darum ging es bei der nun abgeschafften „Gewissensprüfung“. Früher wurden Täufer verfolgt, verurteilt und ertränkt, weil sie als radikale individual-pazifisten jegliches demokratische Amt auf Erden (Schulpfleger bis Soldat) ablehnten. Mit dieser Praxis kam die Schweiz von 1500 bis 1798 gut zurecht. Fast 300 Jahre Frieden. Ab 1968 wurden die Dienstverweigerer softer angefasst, bis hin zur heutigen Armee mit ihren „frivolen Unglücksfällen“ (Oberleutnant a.D. Adolf Muschg). Wenn Muslime in der Armee dienen unter der Schweizer Fahne (kreuz!) geht das? Funktioniert das wirklich im Ernstfall? Das Dossier „Feldimame“ wird von der Armee derzeit unter Verschluss gehalten.

Nun hat die stärkste Armee dieser Welt, deren „commander in chief“ gerade mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, das Problem, auf das ich hier den Finger zu legen wagte. Es gibt für einen religiösen Mann, der bereit ist seine Pflichten gegenüber dem Vaterland wahrzunehmen ernste Probleme, wenn zu viel „Multi-Kulti“ um sich greift. Vorallem, wenn der publizistische Zeitgeist etwa so tönt („Das Magazin“ ): (finde die stelle nicht mehr) sinngemäss: Gesucht wird ein Begriff für Männer, die Militärdienst geleistet haben, aber trotzdem normal sind.
In der Schweiz wurde am 1. April 2009 die Gewissensprüfung für Zivildienstleistende als „Sparmassnahme“ abgeschafft. Zivildienstleister verstehen sich vielfach als „Gutmenschen“. Die christlichen Radikal-Pazifisten, die Täufer (auch „Wiedertäufer“) wurden in Zürich verfolgt (Manz, der erste „Märtyrer“), genau weil sie den Milizstaat schädigten (siehe hier). Sieben von ihnen wurden verurteilt und  in der Limmat ertränkt. Die Landeskirche hat sich im Bullingerjahr 2004 dafür entschuldigt.
Heinrich Bullinger schrieb in seinem „Zweiten Helvetischen Bekenntnis“ im Artikel 20 „von der Taufe“:
„Wir verwerfen auch alle anderen Lehren der Wiedertäufer, die entgegen Gottes Wort eigene Fündlein
(eigene, neue Gedanken: „Utopien“, „Visionen“ GG)  enthalten. Wir sind also nicht Wiedertäufer und haben mit ihnen rein gar nichts gemein.“
In der Auslegung des Gebotes „Du sollst nicht töten“ schreibt Heinrich Bullinger in der 9. Predigt der 2. Dekade, seines grossen Lehrbuches der reformierten Konfession:
Die feigen und ängstlichen Soldaten hingegen, die Gottlosen, Habgierigen, Gotteslästerer, der Ausschweifung Verfallenen, alle leichtsinnigen Schurken und Verräter, durch deren Feigheit, Gefrässigkeit, Wollust und Gottlosigkeit heutzutage blühende und bedeutende Gemeinwesen untergraben werden und zugrunde gehen, verdienen ewige Schande, hat doch Gott diese ruchlosen Schurken und Verbrecher in alle Ewigkeit verflucht.
Ich gebe zu: das tönt nach vorgestern, das ist nicht „tolerant“. Aber es war ein Mittel, diese abgrundtiefe Verzweiflung zu verhindern, welche den armen Armeepsychiater in Ford Hood in den Amok getrieben zu haben scheint. Es gibt einen Zynismus, der tödlich ist.
Wer also für „die Menschenrechte“ ist, muss mir erklären können, wie diese Menschenrechte mit einer „Multi-Kulti-Armee“ durchgesetzt werden können. Der Friedensnobelpreisträger Obama hat ein Problem. Ein Problem, dass der „intolerante, christliche Obrigkeitsstaat Zürich“ zwischen 1527 und 1798 nicht hatte. Diese 360 Jahre Frieden für den Kanton Zürich wurden durch die Hinrichtung von 7, sieben!, Täufern „erkauft“. Ich kehre zu meinem ersten Punkt zurück. Wo ich an Reto Müller schrieb:
Für Menschen, welche die Grundwerte des christlichen Abendlandes nicht teilten, war in Genf – wie noch weniger in den von der katholischen Inquisition beherrschten Gebieten – kein Platz, wie die Verbrennung des Trinitäts-leugners Servet 1553 zeigt. Auch heute „Verbrennen“ wir: Holocaustleugner, Moderatorinnen die an HitlersAutobahnbau erinnern, Rassisten, Schwulenhasser etc. etc. Jede Gesellschaft macht das, es fragt sich bloss welche „Verbrennungen“ wirklich hilfreich, welche intelligent und unumgänglich sind.
Ich hätte mir gewünscht, mir wäre es erspart geblieben, durch diesen Amok in Frod Hood, so schnell „recht“ bekommen zu haben.
 Nach Medienberichten hatte der 39-jährige gebürtige Jordanier und Muslim für den 28. November den Marschbefehl für den Irak erhalten und sich entschieden dagegen gewehrt.
Der unverheiratete Hasan war nach Medienberichten erst seit Juli in Fort Hood stationiert und soll schon seit langem eine Entsendung in den Irak gefürchtet haben. Schon seit Jahren habe er immer wieder gesagt, dass ein Einsatz in der Region das Schlimmste sei, was er sich vorstellen könne, hiess es weiter.
Was meinen die BeizengängerInnen?
 

4. Gewalt oder „Unterhaltungsgewerbe“?: Carl Hirschmann verhaftet

November 5, 2009

Es ist „nur“ Klatsch (kompetentes rating hier) und doch irgendwie ein Menetekel des Zeitgeistes. Carl Hirschmann, der „It-Boy“ der Zürcher Jeunesse doree, wurde verhaftet. Ob es sich um Nötigung gegenüber jungen Frauen handeln soll, wollte der zuständige Staatsanwalt noch nicht bestätigen. „tele-züri“ meldet solches. Die google-suche „Carl Hirschmann trennt sich von Freundin“ scheint sehr beliebt gewesen zu sein. Dass mit dem jungen Mann etwas nicht ganz koscher ist, war nicht erst zu vermuten gewesen als er die damals amtierende Miss-Schweiz Whitney Toyloy ihrem biederen Handwerker-Freund Kerim abspenstig machte. Die Stirne runzelte ich schon, als die Presse verkündete, der 27jährige habe sich nach 6 Jahren „Beziehung“ von der Tochter Jürg Marquards Freundin Raquel Lehmanns, Bianca Gubser (damals 19) getrennt, die nun eine blendende Karriere als Model eingechlagen haben soll.

Die Hirschmanns sind ein schwereicher Clan in Zürich (1 Milliarde), Verleger Marquard (500 – 600 Millionen) verlegt Hochglanzpapier mit Frauenfleisch (Cosmopolitan, Mädchen, Popcorn etc.). Man rechne: Bianca Gubser liess sich als 13jährige (oder wurde eingelassen?) auf den damals 21jährigen Erben ein.  Irgendwie meinte ich schon beim Lesen dieser Meldung, folgender Artikl komm hier zum Tragen:

Art. 187

1. Gefärdung der Entwicklung von Unmündigen
Sexuelle Handlungen mit Kindern
     
  1. Wer mit einem Kind unter 16 Jahren eine sexuelle Handlung vornimmt,
es zu einer solchen Handlung verleitet oder
es in eine sexuelle Handlung einbezieht,
wird mit Zuchthaus bis zu fünf Jahren oder mit Gefängnis bestraft.
     
  2. Die Handlung ist nicht strafbar, wenn der Altersunterschied zwischen den Beteiligten nicht mehr als drei Jahre beträgt.
     
  3. Hat der Täter zur Zeit der Tat das 20. Altersjahr noch nicht zurückgelegt und liegen besondere Umstände vor oder hat die verletzte Person mit ihm die Ehe geschlossen, so kann die zuständige Behörde von der Strafverfolgung, der Überweisung an das Gericht oder der Bestrafung absehen.
     
  4. Handelte der Täter in der irrigen Vorstellung, das Kind sei mindestens 16 Jahre alt, hätte er jedoch bei pflichtgemässer Vorsicht den Irrtum vermeiden können, so ist die Strafe Gefängnis.

Das hat aber die Presse (die berühmte 4. Gewalt) angesichts des vereinigten Geldes (1,5 Milliarden) und Glamours nicht so sehr interessiert. Jeder andere Normalsterbliche hätte mit einer Strafklage rechnen dürfen. Nicht so der Carl Hirschmann, der mit seinem Club „St.Germain“ eine „Bereicherung“ des Zürcher Nachtlebens gewesen sein soll. In eben diesem Club scheint der junge Mann ab und an eine junge Frau zum Oralsex genötigt zu haben. Als Vater von Töchtern macht mich die Sache ziemlich nachdenklich und erinnert mich an eine „Dame„, die durch ihre Provokationen „unter der Gürtellinie“ den Cybertod einer facts.ch-Moderatorin forderte und auch eine namhafte Poltitologin ins Schwitzen brachte.

Die Affäre Hirschmann zeigt eines: die Presse ist nicht mehr „4. Gewalt“ sondern nur noch „Unterhaltungsgewerbe“, wie Max Frenkel richtig in den Monatsheften bemerkte.

Klatsch gehört ja nicht in die „Beiz“. Aber ich möchte mich nachdem sich der Pulverdampf dieser Minarett-Diskussion verzogen hat (wir hatten einen Langenthaler Gemeinderat (SP) und einen Zürcher Kantonsrat (SVP) in der Beiz, die beide gleicher Meinung waren aber mit dem uertner nicht, hier flashfrog ganz herzlich dafür danken, dass Sie mich bis dato ertragen hat. Und ich muss Sie hier auch um Entschuldigung bitten, dass ich die Rheingrenze in dieser sehr Schweizerischen Debatte ihr gegenüber sehr stark markiert habe (mit Schlägen in empfindliche Stellen). Es ist nicht gegen „die Deutschen“ und auch nicht gegen Dich, flashfrog, gerichtet, sondern gegen die Dramaturgie des deutschen Diskurses , in der Du mir, flashfrog, manchmal gefangen scheinst. Wir können alle nicht aus unseren Häuten: mögen sie hier dicker und verletzlicher zugleich werden.

Minarettinitiative und die Ursachen von Jugendgewalt

November 4, 2009

Als Beizwirtin möchte ich kurz die Gelegenheit nutzen, noch einmal daran zu erinnern, warum wir eigentlich hier sind.

Wie ist die Beiz 2.0 entstanden?
Eines Tages im Sommer 2008 begab es sich, dass bei Facts 2.0, wo die meisten der heutigen Beizblogger und –kommentatoren damals aktiv waren, nach einem Gewaltvorfall, der damals grad durch die Medien ging, ein gewisser „robertintrio“ einen ausländerfeindlichen Kommentar veröffentlichte. Dieser Kommentar hat – zu Recht – Empörung in der damaligen Community ausgelöst. Diese Empörung wollte die Facts-Leitung offenbar nicht lesen und hat zahlreiche der Kommentatoren von der Facts-Page verbannt. Robertintrio durfte bleiben.
Wir übrigen gründeten daraufhin diesen Beiz-Blog oder fanden uns nach und nach hier ein.

Für mich ist die Beiz ein kleines Wunder: Ein Ort, an dem Menschen höchst unterschiedlicher politischer Überzeugungen, Religionen, Nationalitäten, Muttersprachen, Geschlechter, sexueller Orientierungen, Altersstufen und Berufe mit einander respektvoll über aktuelle politische, gesellschaftliche und kulturelle Themen diskutieren können.

Deshalb macht es mich besonders traurig, wenn ich ganz ähnliche Kommentare wie den von „robertintrio“ nun hier in der Beiz lesen muss.
Wenn ich sehe, wie die einstmals respektvolle Kommentarkultur durch eine einzelne Person, die sich hier fortgesetzt schlecht benimmt, teilweise zu einem derart polemischen Gezänk verkommen ist, dass eine Anzahl ehemaliger Beizler und Kommentatoren dem Blog aus diesem Grund den Rücken gekehrt haben, weil sie sich in der Atmosphäre verbaler Gewalt und persönlicher Angriffe hier nicht mehr wohlfühlen.

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Gehen wir die Sache mit der Minarettinitiative einmal streng logisch an:

Um ein Problem zu lösen, sollte man sinnvollerweise
1. das konkrete Problem erkennen und benennen
2. die konkreten Ursachen für das Problem erkennen und benennen
3. praktikable Lösungen finden, die die wirklichen Ursachen des Problems bekämpfen.

1. Das Problem. Zappadong hat hier das Problem zunehmender Jugendgewalt herausgegriffen, auf das ich mich im Folgenden exemplarisch beziehen möchte.

2. Die Ursachen.
a) Wäre die Urache für Jugendgewalt das Minarett, müsste Gewalt logischerweise im Umkreis eines Minaretts massiv verstärkt auftreten und mit weiterer Entfernung vom Minarett allmählich abnehmen. Das kann jeder an sich selbst empirisch überprüfen, indem er sich zu einem der 4 Minarette in der Schweiz begibt und beobachtet, ob sich bei ihm das Bedürfnis einstellt, Schweizer zu vermöbeln.
b) Der zweite Kandidat für die Ursache von Jugendgewalt wäre laut SVP und einiger Diskutanten hier: Der Islam. Wäre der Islam monokausal die Usache von Gewalt, müsste sich feststellen lassen, dass 1. die Mehrheit muslimischer gläubiger Jugendlicher gewalttätig ist, 2 weniger gläubige Jugendliche weniger gewalttätig sind, 3. nichtmuslimische Jugendliche unter keinen Umständen gewaltätig sind und 4. Omas mit Kopftüchern häufig und exzessiv auf Omas ohne Kopftücher eindreschen.
c) Ausserdem müsste festzustellen sein, dass es zu den religiösen Pflichten gehörte, Unschuldige zu mobben und spiitalreif zu prügeln.

Hält man a), b) und c) als monokausale Erklärungen der Jugendgewalt für groben Unfug, heisst es, sich weiter auf die Suche machen und nach anderen Ursachen für Jugendgewalt zu fahnden.
Wie von verschiedener Seite (uertner, Zappadong, Mathias, Bruder Bernhard) in der Beiz bereits angetönt, hat es gewalttätige Gruppen von Jugendlichen schon immer gegeben, und, nein, nie war das niedlich oder harmlos.

Warum wird ein Jugendlicher gewalttätig?
Mögliche Ursachen sind:
– (neben einer gewissen hormonell bedingten Unzurechnungsfähigkeit in einem gewissen Alter) aus Wut und Frustration
– weil sie einen Mangel an Anerkennung und positiiver Aufmerksamkeit zu kompensieren versuchen durch Taten, die ihnen wenigstens negative Aufmerksamkeit bescheren
– weil sie ein System ablehnen, von dem sie das Gefühl haben, sie haben darin von Anfang an die Arschkarte gezogen
– weil sie in Famile und Schule erlebte Gewalt, deren Opfer sie geworden sind, an den Nächstschwächeren abreagieren
– weil sie sich an Vorbildern von Männlichkeit orientieren, die aus Actionfilmen, Ballerspielen und Gangsterrap-Videos stammen
– weil es einfach Spass macht, die Erwachsenen zu provozieren, indem man genau die Dinge tut, die den netten Sozialarbeiter und die besorgte Lehrerin auf die Palme bringen
– weil normale ritualisierte Rangordnungskloppereien heute nicht mehr einem bestimmten Ehrenkodex folgen (1 gegen 1, keine Waffen, keine Schläge ins Gesicht oder in die Genitalien und wenn einer am Boden liegt oder blutet ist der Kampf zu Ende)
– weil es (zumindest in Deutschland) tatsächlich eine relativ grosse Gruppe von Jugendlichen gibt, die keinen Schulabschluss, keine Ausbildung und damit keine Chance haben, dem traditionellen Bild eines erfolgreichen Mannes gerecht zu werden und deswegen ihre vermeindliche Männlichkeit in anderen Phantasierollen zu erproben versuchen
– weil Jugendliche das Bedürfnis haben, sich an der Peergroup zu orientieren, zu Gruppen zusammenzuschliessen und sich durch Rituale (Mutproben, Männlichkeitsproben, Schmerzproben) als Gruppe zu definieren. Wer nicht mitmacht wird schnell selber Aussenseiter und Opfer.
– weil Jugendliche das Bedürfnis haben, sich als Gruppe von anderen Gruppen abzugrenzen (den Erwachsenen, den Idioten aus dem Nachbardorf oder der Nachbarstrasse)
– weil das Medienbild amerikanischer Gangs ihnen als Orientierungsmodell cooler, attraktiver und leichter erreichbar erscheint als andere Vorbilder (Lehrer, Pfarrer, Nobelpreisträger, Profifussballer, Astronauten)
– weil Bankspekulanten vormachen, dass man mit der grösstmöglichen Rücksichtslosigkeit am weitesten kommt
– weil überhaupt in weiten Teilen der Gesellschaft eine grosse Verunsicherung über die Werte dieser Gesellschaft herrscht und alles so lange als erlaubt gilt, wie man nicht bestraft wird
– weil tatsächlich viele, wenn sie Gewalttaten beobachten, lieber wegschauen, aus Angst, bei einem beherzten Eingreifen selber Opfer zu werden und diese Angst durchaus sehr gut begründet ist

Die Liste möglicher Ansatzpunkte liesse sich fortsetzen.
Wer die Religion einer bestimmten Minderheit pauschal für alles verantwortlich macht,, was in der Migrationspolitik in den letzten Jahrzehnten schiefgelaufen ist und dereit schiefläuft, der verkennt die Komplexität des Problems.

3. Aus den komplexen Ursachen sollten konkrete Massnahmen folgen, die auf jede erkannte Ursache einzeln eingehen und versuchen, diese Ursache mit pragmatischen, konkreten und praktischen Lösungen zu bekämpfen, anstatt sich in symbolischen Ersatzhandlungen zu verausgaben, die zu nichts führen.
Das wäre dann tatsächlich ein modellhaftes Vorgehen, das international Schule machen könnte. In vielen Bereichen wird das ja tatsächlich auch genau so versucht.

Aus dem oben Analysierten ergibt sich natürlich die Frage: Wenn nicht die Bekämpfung der realen Ursachen das Ziel der Initiative ist, was ist dann deren Ziel und Zweck?
Und welches Ziel verfolgen die Befürworter der Initiative damit, dass sie zu solch polemischen und polarisierenden Mitteln greifen, die die eigentlichen Ursachen des Problems verschleiern statt aufdecken und eine sachliche Diskussion verhindern statt befördern?

Nun, das scheint mir recht offensichtlich: Das Ziel ist die Radikalisierung der Positionen. Wie schon wiederholt in der Diskussion in der Beiz festgestellt wurde, zwingt diese Strategie die Teilnehmer der Diskussion, sich auf die eine oder die andere Seite zu schlagen und festzulegen. Nur wenige schaffen es, eine neutrale und gemässigte Postion standhaft zu behaupten (meinen grossen Respekt dafür an Zappadong!).
Eine Radikalsierung und Polarisierung nützt der SVP, die am rechten Rand politisiert und sich einen Gunstzuwachs aus dem Lager der gemässigten Mitte erhofft, indem sie Angst und Hass bei der bürgerlichen Mittelschicht schürt. Auf der anderen Seite profitieren davon radikale Islamisten, die triumpfierend darauf verweisen können, dass Musliime in der Schweiz diskriminiert würden und das Gewalt gegen Sachen und Menschen als Repräsentanten dieser „Unterdrückungsmacht“ quasi nur eine erlaubte „Notwehr“ darstelllen würde.
Jede islamistische Gewalttat ist Wasser auf dei Mühlen der SVP und rexhtsextremistischer Gruppierungen. Jeder verbale Gewaltakt der SVP ist ein Geschenk für die radikalen Islamisten. Beide verfolgen also ein gemeinsames Ziel.

Die Frage ist: Will die Mehrheit der Schweizer eine Gesellschaft, in der diese beiden Gruppierungen den Ton angeben, die politischen Themen vorgeben und die Art und Weise diktieren, in der sie diskutiert werden? (Nebenbei die vielleicht nicht ganz unwichtige Feststellung, dass diejenigen, die die Minarettinitiative am meisten betrifft, zum grossen Teil von der Abstimmung ausgeschlossen sind.)
Sind die Schweizer bereit, die Konsequenzen einer solchen Gesellschaft in Kauf zu nehmen?

Reto Müllers (SP, Langenthal) Replik auf den Uertner

November 4, 2009

Dem geschätzten Reallehrer und Gemeinderat von Langenthal herzlichen Dank und Gruss voraus.

Vor den Antworten ein freundeidgenössisches Intro:

Ortslob: Langenthal ist eine Musterstadt helvetischer Provinz. Das Geschirr das seinen Namen trägt hat manche nahrhafte Suppe und manchen Sonntagsbraten der Solidschweiz getragen. Der wohl grösste lebende Schweizer Poet, Pedro Lenz, hat hier die Eindrücke für seine „Provinzliteratur“ empfangen, den angehesehensten Unternehmer-Politiker-Offizier der Freisinnigen, Johann Niklaus Schneider-Ammann, vertreibt von Langenthal nicht nur Schweizer Qualitätsmaschinen in die ganze Welt, er hat die grossen liberalen Taten von Langenthal in den Geburtswehen der modernen Schweiz wieder in Erinnerung gerufen. 1826 sprach in Langenthal Johann Heinrich Pestalozzi mit letzten Kräften seine grosse Rede an die Schweizer Patrioten und 1822 versammelten sich in Langenthal die Offiziere der damals noch getrennten Kantonalkontingente zu einem frohen Fest, das die Waffenbruderschaft der Eidgenossen neu bestärken sollte. Die St.Galler Zeitung schrieb damals, Langenthal sei zum „Rütli des 19. Jahrhunderts“ geworden.

Berufslob. Reto Müller ist Reallehrer: einer der anerkanntenmassen schwierigsten Jobs im derzeitigen Umfeld.

Milizlob. Nachdem Reto Müller den Dienst mit der persönlichen Ordonnanzwaffe erfolgreich abgeschlossen hat (zeitweise unter dem Kommando seiner wesentlich jüngeren Freundin), ist er in die Gemeindeexekutive seines Gemeinwesens (Bild des Vorgängers)  gewählt worden, wo er seinen Milizdienst nun fortsetzt.

Bloggerlob. Reto Müller betreibt einen stets lesenswerten Blog, was neben all den Pflichten seines Berufes und seines Amtes höchste Anerkennung verdient. Trotz aller kritischen Häme meinerseits ist er auf diesem Hochseilakt zwischen Transparenz, die ins Priavate reicht und Amtsgeheimnis, auf dessen Verletzung seine Gegner und Widersacher freudig warten, bis dato nie gestrauchelt.

Ihm also das Wort:

Natürlich wäre es einfacher dem Uertner einfach Recht zu geben in seiner Email (siehe ganz zum Schluss oder diesen Artikel in der Beiz 2.0). Der Aufschrei, den es darob wohl auch medial geben würde, wäre gar noch interessant und spannend. Trotzdem kann ich meinem Herzen keinen Stoss geben, denn ich bin nach wie vor grundlegend von meiner Haltung und Meinung überzeugt. Sorry, Giorgio.

Ich wollte eigentlich zu den genannten Punkten nur kurz Stellung nehmen – auch in Rücksichtnahme auf Lesende wie Bruder Bernahrd, die so lange Statemens nie und nimmer durchlesen – doch auch hier wollte ich mich dem Vorwurf der Schludrigkeit entziehen und ich weiss, dass Uertner wohl die Zeit und Argumente finden wird, mich neuerlich zu fordern, was mir dann wieder zeitliche Probleme einbringen könnte. Doch nun mal meine „erste“ * Stellungnahme zu Uertners aufgeworfenen Punkte:
* Sie werden feststellen, dass ich viele einzelne Themen und Punkte bereits in vorangehenden Posts beantwortet hatte und zur Sache des Minaretts in Langenthal stets eine klare und bejahende, aber auch fordernde Haltung einnahm.

Zu These 1:
Calvin – selbst Verfolgter und auf Grund meines Wissens in Frankreich gar zum Tode Verurteilter wegen seines Bruches mit dem katholischen Rom – ging tatsächlich nicht unzimperlich mit seiner Gegnerschaft um. Aus dieser Tatsache seines Hintergrundes und dessen respektive deren fanatischer Religiosität, die sich auf EINE Wahrheit hin beruft, zu schlussfolgern, dass wir erneut gleich handeln soll(t)en, wie das aus meiner Sicht im Mittelalter bereits falsch lief, ist aber absolut ebenso falsch.
Heute müssen wir zwischen gesellschaftlicher und medialer Kritik unterscheiden (die beide nicht lebensbedrohlich sind), welche hier im Beispiel Uertners als Scheiterhaufen fälschlicherweise hinzugezogen werden. Dahingehend dass sich die Geschichte meiner Ansicht nach nie wiederholt, weil die Indikatoren jeweils andere sind und daher höchstens die Resultate der bereits existenten Geschichtsschreibung ähneln, haben wir heute relative viele Gesellschaftsphänomene, die unter Beschuss geraten, die sich aber durch die Mittel der Rechtfertigung, Erklärung und gegenseitiger Toleranz wieder rehabilitieren können. Darauf konnten sich auf dem Scheiterhaufen verbrannte Menschen nun wirklich nicht berufen.

Zu These 2:
Ich stimme zu. Bezüglich religiösen Freiheiten und der geschlechtlichen, aber auch religiösen Gleichstellung gebärdeten wir uns in der Schweiz lange mittelalterlich. Aus meiner Sicht ist dies aber kein Grund die nun errungenen freiheitlich, liberalen Fortschritte wieder aufs’ Spiel zu setzen und mit einem JA zur Minarettinitiative einer einzelnen Gruppierung – auf Grund verschiedener Intentionen – wiederum den Weg zurück ins Mittelalter zu weisen.

Zu These 3:
Ich stimme zu, dass politisch und gesellschaftlich der Druck intensiviert werden könnte, dass innerhalb der religiösen Gemeinschaften ein näheres und kulturübergreifendes Zusammenrücken möglich sein müsste. Dies einzig dem Islam als Manko anzulasten wäre aber verfehlt. Einige Vereine – wie das Forum für fortschrittlichen Islam – taten hierfür erste Schritte, die es weiter zu führen gilt.
Absolut primär in dieser These ist mir hierbei die Einführung eines Imam-Studiums an Schweizer Universitäten. Wenn wir die Traditionen bezüglich Religionen und Staat natürlich nicht korrigieren können, so benötigen wir zumindest dringend Schweizer Islam-Gelehrte in den Moscheen, welche den Rechtsstaat, seine Geschichte und ebenso die Strömungen der unterschiedlichen politisch motivierten oder nicht motivierten islamischen Gesellschaften kennen und hierbei als Intellektuelle und Schweizer Studierte eine wichtige Brückenfunktion übernehmen können.
Zu verlangen, dass die islamische Gesellschaft – intrinsisch motiviert – päpstlicher zu sein hat, als wir Christen, wäre aber auch vermessen, da ich sonst als Protestant in den Gottesdienst nach Basel, nach Chur und nach Einsiedeln müsste, um selbst dieser Forderung nachzuleben.

 Zu These 4:
Edler als das Verbot einer möglichen Missinterpretation der Symbolik eines Minaretts wäre natürlich die Forderung nach einer weiteren Welle humanistischer Aufklärung der Gesellschaft der modernen Interpretation eines Minaretts gegenüber. Erklärungen welche auf ein Machtsymbol hindeuten, kommen aus unaufgeklärten Staaten zu welchen die Türkei nach wie vor leider dazugezählt werden muss. Für die Schweiz bedeutet ein Minarett eine Beschmückung einer religiösen Bildungs- und Glaubensstätte. Angesicht dessen, dass in Langenthal die (gemäss Glaubensbekenntnis grundsätzlich relativ radikal und kriegerisch ausgerichtete) Glaubensgemeinschaft der Sikhs von der Gesellschaft unbehelligt einen schmucken Tempel errichten kann (vgl. http://www.religionenschweiz.ch/bauten/gurdwara.html) und dahingehend die seit 17 Jahren friedlich und unbemerkt lebende islamische Glaubensgemeinschaft Langenthals ihre bis anhin schmucklose und unauffällige Moschee (http://www.20min.ch/images/content/1/4/3/14373163/1/1.jpg) mit einem 3-Meter-Türmchen ohne Balkon und vertraglich garantiert ohne Lautsprecher aufwerten will, ist für mich verständlich und der anti-islamische Aufruhr demgegenüber man gegen das Bauansinnen der Sikhs nichts einzuwenden hatte unverständlich.
Hierbei gilt vielleicht noch zu erwähnen, dass Langenthal im 20. Jahrhundert als „liberales Grütli“ der Schweiz galt und dieser Tradition verpflichtend wohl auch rund 20 christliche Kirchen beherbergt.
Zudem möchte ich beifügen, dass zur Minarettthematik bereits in dieser Stellungnahme (http://retomueller.blogspot.com/2009/07/mehrheit-ist-fur-das-minarett.html) meine Meinung und Forderung gegenüber beiden Partnern klar zum Ausdruck kommt.

Zu These 5:
Die Armee gehört abgeschafft. Konflikte in der Schweiz werden künftig gelöst, ohne dass man aufeinander zu schiessen hat.

Zu These 6:
Betrachten wir diesen Aufruf mal demografisch öffentlich, anstelle von peinlich privat, gilt es die Familienpolitik dahingehend zu lenken, dass das Kinder kriegen für Schweizerinnen UND Schweizer attraktiviert wird. Da stimme ich voll und ganz zu. Dafür gehören aus meiner Sicht künftig aber nicht wieder die Mütter an den Herd und ein reines 100% Einkommen des strammen, omnipotenten Mannes dazu, sondern viel mehr schulergänzende, schulische und familienentlastende, respektive –ergänzende Betreuungsangebote. Was meine Person betrifft, werde ich früh genug in die Produktion von sozialdemokratischem Nachwuchs einwilligen. Zu beachten gilt, dass Frau Oberleutnant noch jung ist und wir beide Familienmenschen und nicht kinderverzichtend karrieregeil orientiert sind – was sich aber – um der rückläufigen Geburtsrate der SchweizerInnen Herr und Frau zu werden – künftig auch nicht mehr ausschliessen sollte. Demografisch haben wir 2030 ein riesengrosses Problem. Zugegebenermassen: Aber nicht – wie heute befürchtet –  bezüglich des Islams, sondern wegen der zahlreichen Pflegeplätze für demente und sonst pflegebedürftige alte Menschen, welche zu diesem Zeitpunkt schlichtweg aus heutigen Kostengründen fehlen werden. Das sind Probleme, die wir zuerst auszuräumen hätten… das religiöse demografische Problem folgt gemäss (meiner Ansicht nach) unseriöser Verlaufsmodelle frühestens 2070.

Zu These 7:
Dass es heute unter Jugendlichen Konflikte mit massiver physischer und psychischer Gewalt gibt, welche das Mass des Bisherigen – auch in ihrer medialen Bewältigung und der Art der Verbreitungskanäle – übersteigen, ist eine Tatsache. Diese Konflikte müssen thematisiert werden und die Täter gehören bestraft. Dass wir hierfür wahrscheinlich einer Verschärfung des Jugendstrafrechts bedürfen, da die gesellschaftlichen Kontrollmechanismen hinsichtlich der tagtäglichen Zivilcourage (Hinschauen und Reagieren an Stelle von Wegschauen und Akzeptieren) nicht mehr funktionieren, muss von links bis rechts diskutabel sein, ohne dass die einen als Rassisten und die anderen als Idealisten abgestempelt werden. Dass Peer-Groups sowohl bei „Schweizer-Klatschern“, wie „Jugo-Klopfern“ – um mich dem sprachlichen Jargons Uertners zu bedienen – aber auch weiblichen Mobbinggangs eine grosse Rolle spielen, braucht wohl gesellschaftsdynamisch nicht weiter erklärt zu werden.
Die Konflikte aber dadurch lösen zu wollen, dass wir Minarette verbieten, ist doch völlig abartig. Dass wäre vergleichbar damit, dass wir Verkehrsunfälle dadurch verhindern wollten, dass wir Autoantennen verböten. Ganz abgesehen davon, dass man in diesem Beispiel davon ausgehen müsste, dass Moscheen die Peer-Groups stützen und schützen würden, was wohl nicht der Fall ist. Was ich noch sage will:. In der Schule arbeiten wir nebst der Vermittlung von Lerninhalten auch ständig an der von Lebensinhalten, um solchen Dynamiken zuvor zu kommen.

Zu These 8:
Gegen einen gut integrierten muslimischen Menschen können wir als fortschrittliche, liberale und aufgeklärte Menschen wohl nichts einwenden. Oder?
Für den Glauben lohnt sich festzustellen, dass es weder eine Kirche, noch einen Tempel, noch eine Moschee bräuchte, um diesen auszuleben. Die Frage bleibt in einer gleichberechtigten Gesellschaft eher die, ob wir bereit sind, gänzlich auf diese Kultstätten zu Gunsten der Menschenrechte verzichten. Hierbei lohnt es sich auch auf die aktuelle Diskussion der Kreuze in italienischen Schulzimmern, respektive des Entscheides des europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte hinzuweisen (http://www.bluewin.ch/de/index.php/17,193081/Kreuz_sei_Symbol_italienischer_Tradition/de/news/ausland/sda/).
Auf Grund unserer Schweizer Verfassung und meines juristischen, wie auch gesellschaftsgerechten Verständnisses ist es heute nicht opportun, dass wir einseitig Einschränkungen hinsichtlich der religiös sichtbaren Emissionen einer bestimmten Bevölkerungs- oder Glaubensrichtungen erlassen. Konsequenz: Aus meiner Sicht ist die Minarettinitiative eigentlich ungültig.

Zu These 9:
Ja, da bin ich wahrlich inkonsequent. http://retomueller.blogspot.com/2009/08/geschachtetes-fleisch-bei-coop.html
Ich bin Vegetarier. Ich verstehe Fleischesser nicht.
Was bezüglich dieser Traditionen gesagt werden muss, ist, dass ich dafür bin, dass sich alle Religionen modernisieren und mit ihrer jeweiligen Gesellschaft als konstruktive Alltagsbegleiter eine positivistische Haltung und Strömung einnehmen und beeinflussen, welche in ihrer religiösen Tradition möglichst humanistische Züge der modernen Gesellschaft verkörpern. Das klingt recht trivial atheistisch. Ich weiss das. Doch ich will damit konkret sagen: Schweiz und Scharia geht nicht. Kinder zwangsverheiraten und Mädchen beschneiden oder auf Grund ihres Geschlechts benachteiligen gibt’s nicht und gehört bestraft. Und – als wohl geringste Auswirkung dieser Ansichten – Schächtfleisch essen, da es reiner sei, obwohl dies im Koran wahrscheinlich als Gesellschaftsanweisung und nicht als religiöses Gesetz vorgesehen war, braucht’s in der heutigen Moderne eigentlich auch nicht. Egal wie man heute in der Schweiz schlachtet ist das Fleisch rein.

Zum Schluss:
Auf Grund der Historie Verhaltensschlüsse für die Zukunft zu ziehen, finde ich äusserst schwierig, da ich – wie bereits erwähnt – nicht daran glaube, dass sich die Geschichte wiederholen wird, noch, dass wir dieselben Missetaten einem anderen „Volk“ zufügen müssen, bloss weil wir es den Katholiken und den Juden in der Zeit des Zweiten Weltkrieges auch schon anheim kommen liessen.  Das ist doch Mumpitz.
Was die These eines modernen Schweizer Islams mit internationalem Potential anbelangt, so werden wir diesen eher prägen, wenn wir eine universitäre Islamausbildung begründen, als Minarette zu verbieten.
Ich gebe dahingehend Recht, dass die Zustimmung zur Initiative hinter vorgehaltener Hand – auch in sozialdemokratischen Kreisen wohl grösser ist – als offen zugegeben wird. Ich verwehre mich auch gegen den leichtfertig geäusserten Ausspruch, dass Gegner des Minaretts bloss Rassisten seien. Ich gebe zu, dass wir alle angesprochenen Probleme lösen müssen. Objektiv muss aber auch zugegeben werden, dass diese Probleme wohl kaum an einem oder vielleicht zehn Türmen hängen, welche dereinst in der Schweiz stehen könnten. Die Initiative löst kein Problem. Sie ist ungerecht und sie diskriminiert einen Teil unserer Bevölkerung. Sie gehört aus allen Gründen abgelehnt. ¨