4. Gewalt oder „Unterhaltungsgewerbe“?: Carl Hirschmann verhaftet

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Es ist „nur“ Klatsch (kompetentes rating hier) und doch irgendwie ein Menetekel des Zeitgeistes. Carl Hirschmann, der „It-Boy“ der Zürcher Jeunesse doree, wurde verhaftet. Ob es sich um Nötigung gegenüber jungen Frauen handeln soll, wollte der zuständige Staatsanwalt noch nicht bestätigen. „tele-züri“ meldet solches. Die google-suche „Carl Hirschmann trennt sich von Freundin“ scheint sehr beliebt gewesen zu sein. Dass mit dem jungen Mann etwas nicht ganz koscher ist, war nicht erst zu vermuten gewesen als er die damals amtierende Miss-Schweiz Whitney Toyloy ihrem biederen Handwerker-Freund Kerim abspenstig machte. Die Stirne runzelte ich schon, als die Presse verkündete, der 27jährige habe sich nach 6 Jahren „Beziehung“ von der Tochter Jürg Marquards Freundin Raquel Lehmanns, Bianca Gubser (damals 19) getrennt, die nun eine blendende Karriere als Model eingechlagen haben soll.

Die Hirschmanns sind ein schwereicher Clan in Zürich (1 Milliarde), Verleger Marquard (500 – 600 Millionen) verlegt Hochglanzpapier mit Frauenfleisch (Cosmopolitan, Mädchen, Popcorn etc.). Man rechne: Bianca Gubser liess sich als 13jährige (oder wurde eingelassen?) auf den damals 21jährigen Erben ein.  Irgendwie meinte ich schon beim Lesen dieser Meldung, folgender Artikl komm hier zum Tragen:

Art. 187

1. Gefärdung der Entwicklung von Unmündigen
Sexuelle Handlungen mit Kindern
     
  1. Wer mit einem Kind unter 16 Jahren eine sexuelle Handlung vornimmt,
es zu einer solchen Handlung verleitet oder
es in eine sexuelle Handlung einbezieht,
wird mit Zuchthaus bis zu fünf Jahren oder mit Gefängnis bestraft.
     
  2. Die Handlung ist nicht strafbar, wenn der Altersunterschied zwischen den Beteiligten nicht mehr als drei Jahre beträgt.
     
  3. Hat der Täter zur Zeit der Tat das 20. Altersjahr noch nicht zurückgelegt und liegen besondere Umstände vor oder hat die verletzte Person mit ihm die Ehe geschlossen, so kann die zuständige Behörde von der Strafverfolgung, der Überweisung an das Gericht oder der Bestrafung absehen.
     
  4. Handelte der Täter in der irrigen Vorstellung, das Kind sei mindestens 16 Jahre alt, hätte er jedoch bei pflichtgemässer Vorsicht den Irrtum vermeiden können, so ist die Strafe Gefängnis.

Das hat aber die Presse (die berühmte 4. Gewalt) angesichts des vereinigten Geldes (1,5 Milliarden) und Glamours nicht so sehr interessiert. Jeder andere Normalsterbliche hätte mit einer Strafklage rechnen dürfen. Nicht so der Carl Hirschmann, der mit seinem Club „St.Germain“ eine „Bereicherung“ des Zürcher Nachtlebens gewesen sein soll. In eben diesem Club scheint der junge Mann ab und an eine junge Frau zum Oralsex genötigt zu haben. Als Vater von Töchtern macht mich die Sache ziemlich nachdenklich und erinnert mich an eine „Dame„, die durch ihre Provokationen „unter der Gürtellinie“ den Cybertod einer facts.ch-Moderatorin forderte und auch eine namhafte Poltitologin ins Schwitzen brachte.

Die Affäre Hirschmann zeigt eines: die Presse ist nicht mehr „4. Gewalt“ sondern nur noch „Unterhaltungsgewerbe“, wie Max Frenkel richtig in den Monatsheften bemerkte.

Klatsch gehört ja nicht in die „Beiz“. Aber ich möchte mich nachdem sich der Pulverdampf dieser Minarett-Diskussion verzogen hat (wir hatten einen Langenthaler Gemeinderat (SP) und einen Zürcher Kantonsrat (SVP) in der Beiz, die beide gleicher Meinung waren aber mit dem uertner nicht, hier flashfrog ganz herzlich dafür danken, dass Sie mich bis dato ertragen hat. Und ich muss Sie hier auch um Entschuldigung bitten, dass ich die Rheingrenze in dieser sehr Schweizerischen Debatte ihr gegenüber sehr stark markiert habe (mit Schlägen in empfindliche Stellen). Es ist nicht gegen „die Deutschen“ und auch nicht gegen Dich, flashfrog, gerichtet, sondern gegen die Dramaturgie des deutschen Diskurses , in der Du mir, flashfrog, manchmal gefangen scheinst. Wir können alle nicht aus unseren Häuten: mögen sie hier dicker und verletzlicher zugleich werden.

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14 Antworten to “4. Gewalt oder „Unterhaltungsgewerbe“?: Carl Hirschmann verhaftet”

  1. David Says:

    Mit Spekulationen in diesem Bereich, noch dazu, wenn der mutmassliche Täter namentlich bekannt ist, sollte man äusserst vorsichtig sein.

  2. Titus Says:

    Ich frag‘ mich, welchen Floh hier welchen Journalisten gebissen hat, um so eine Geschichte aus dieser Sache zu machen.

    a) Kennt den Typen ausserhalb der Zürcher Party-Szene niemand (darum schreiben auch alle fleissig, dass das der Sohn ist von… und liiert war mit…) und

    b) ist nur gerade mal bekannt, dass er verhaftet wurde, weil sich die Staatsanwaltschaft über die Gründe ausschweigt.

    Auf dem supertollen Newsnetz mit Tages-Anzeiger-Logo finde ich hingegen kein einziges Wort über die Beerdigung von Jean-François Bergier. Das ist eigentliche ein Skandal wert…

  3. uertner Says:

    @Titus
    Was beklagst du dich? über Bergier wurde bestimmt anlässlich seiner Abdankung in der Kirche das wichtigste gesagt (Nekrolog). Sodann gibt es einen Nachruf in der NZZ

    http://www.nzz.ch/nachrichten/schweiz/zum_tod_von_jean_franois_bergier_1.3942792.html

    vom wohl tüchtigsten Historiker der Schweiz Thomas Maissen. Auf Radio DRS 2 wurde bestimmt auch etwas gesagt.

    Die übrigen Medien dienen nicht der Information, sondern der Generierung von Aufmerksamkeit für Werbebotschaften. Mit: 1. Kirche, 2. NZZ, 3. Radio DRS 2 ist der intelligente Schweizer informiert.

  4. uertner Says:

    Dieser Klatschbeitrag wird über google eifrig gefunden. Etwas skeptisch macht mich allerdings die zielführende Suchanfrage: „Carl Hirschmann jude“.

    Warum die Tamedia ihren Starschreiber „constantin seibt“ einfach im Netz verheizt? Ich werde es nie begreifen.

    http://www.tagesanzeiger.ch/panorama/vermischtes/Playboy-Sohn-Unternehmer-und-Vielredner/story/24894093

    Interessant, wenn man meine biedere Empörung liest, ist die Sichtweise der postfeministischen Kollegin Michele Binswanger.

    http://www.tagesanzeiger.ch/panorama/leute/Carl-Hirschmann-und-das-GroupieSyndrom/story/20819879

    @Titus: Dass die Tamedia ihre Boulevard Star-Schreiber ins Gefecht ins Netz schickt stützt doch die These: hier geht es nur noch um Erregung von Aufmerksamkeit.

  5. zappadong Says:

    Tja … nach dem Lesen der ersten beiden Absätze wusste ich wieder, weshalb ich den Online-Tagi nur noch höchst selten lese. Aber weshalb der Seibt so einen Schrott zusammenschreibt, ist auch mir ein Rätsel.

  6. David Says:

    Kleiner Tipp: Wenn unten am Artikel „(Tages-Anzeiger)“ steht, bedeutet das, dass der Text im Print-Tagi erschienen ist.

  7. Pascal Says:

    Die „4.Gewalt“ wegen solchen unwichtigen Geschichten gleich abzuschreiben, halte ich für nicht richtig. Ich denke, dass die Medien weiterhin ihre Aufgabe als 4.Gewalt erfüllen, sie tun dies lediglich anders als früher. Viele Leser fragen halt nunmal solche seichten Geschichten nach und darum bekommen sie sie auch geliefert. Wer jedoch Storys mit etwas mehr Substanz mag, bekommt diese auch weiterhin. Zwar nicht unbedingt im Newsnetz, sondern in der papierenen Ausgabe des Tages-Anzeigers. Was eigentlich auch durchaus Sinn macht. Fast Food im Newsnetz, vollwertige Kost im Bezahlteil. Bleibt nur die Frage, ob da letztlich nicht die Marke TA drunter leidet…

  8. Titus Says:

    Die Gratiszeitungen setzen bekanntlich häufig auf den «People»-Teil, weil dieser viele seichten Geschichten hergibt.

    Ich habe noch von niemandem gehört, der während seinen Sommerferien zum Bahnhof rennt, um weiterhin mit seichten Geschichten versorgt zu sein. Man kann sich daher schon fragen, ob diese Geschichten wirklich jemand lesen will oder ob sie einfach nur gelesen werden, weil sie einfach gerade zur Hand sind.

    Es wäre einmal interessant zu beobachten, ob eine Gratiszeitung mit einfach geschriebenem, aber bildendem Charakter nicht mindestens gleich viel Anklang fände. Versucht hat es meines Wissens bisweilen niemand…

    Ähnlich ist es mit der Online-Publikation: Es wird immer angenommen, da müsse alles gratis sein. Ich für meinen Teil bin gerne bereit, dafür zu zahlen, erwarte dann aber eben keine seichten Geschichten und auch keine Agenturmeldungen, sondern sauber recherchierte Artikel und eine sachliche Berichterstattung. Diese Anforderung ist eigentlich nicht höher als für jede gedruckte Zeitung, nur dass man eben auch darin diese Artikel und Berichte immer seltener vorfindet… 😦

  9. Pascal Says:

    Hmm ich denke es gibt viele Grossmütter die fernab der Sommerferien zum Kiosk rennen um sich dort mit der SI, Bunten, Glückspost usw. einzudecken 😉

    Aber eine Gratiszeitung mit etwas mehr Qualität wäre schon spannend….

  10. flashfrog Says:

    Dass es Boulevard-Geschichten im Nuisancenetz gibt, ist wahrlich nix neues. Ich frage mich auch, was das Erkenntnisinteresse an dem hier gepsteten Beitrag sein soll. Zu testen, ob man mit Sex&Crime-Klatsch-Stories einen neuen Klickrekord in der Beiz erzielen kann?

  11. uertner Says:

    @flashfrog
    Genau, das war eine „Klicknutte“, die so designt war, dass sie möglichst weit oben in den „Google-Suchläufen“ erscheint. Allerdings bleibt der Ausgangspunkt der, dass es sich wohl nur ein Carli Hirschmann leisten kann, sich „per Boulvard“ als 27jähriger „nach sechs Jahren Beziehung“ von einer 19jährigen zu trennen. Diese Leute nutzen die Boulvardmedien als Zivilstands- und Standesamt. Eine ähnlich praktische Einrichtung bietet nur noch die muslimische Stunden-Ehe. Der Post hat in 4 Tagen 138 Klicks gebracht und ist so „besser“ gelaufen, als mancher seriösere Post.

  12. Samir S. Halabi Says:

    Ist carl Hirschman ein Jude jahr oder nicht!
    Ich glaube nicht.

  13. uertner Says:

    Die Blogstatistik zeigt uns immer wieder, dass diese Frage sehr viele Menschen zu beschäftigen scheint. Sehr viele stossen auf diese Seite durch die Google-Suchanfrage „Carl Hirschmann Jude“. Wer hier ab und zu liesst, weiss, dass mich solche Fragen ab und zu auch beschäftigen. Nur gerade im Falle Hirschmann halte ich die Frage völlig fehl am Platz. Ich sehe keinen kognitiven Nutzen darin, herauszufinden welchem Glaube die Ahnen Hirschmann fröhnten. Sein Verhalten dürfte sich nicht durch Judentum erklären lassen, wohl aber durch eine überdosis Wohlstand.

  14. uertner Says:

    Die Blogstatistik zeigt uns immer wieder, dass diese Frage sehr viele Menschen zu beschäftigen scheint. Sehr viele stossen auf diese Seite durch die Google-Suchanfrage „Carl Hirschmann Jude“. Wer hier ab und zu liesst, weiss, dass mich solche Fragen ab und zu auch beschäftigen. Nur gerade im Falle Hirschmann halte ich die Frage völlig fehl am Platz. Ich sehe keinen kognitiven Nutzen darin, herauszufinden welchem Glaube die Ahnen Hirschmann fröhnten. Sein Verhalten dürfte sich nicht durch Judentum erklären lassen, wohl aber durch eine überdosis Wohlstand.

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