Die Schweiz hat eine neue Hauptstadt und Zürich ein neues Satire-Magazin

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135 Jahre nach dem Nebelspalter wurde es ja auch langsam mal Zeit.
Reda, wie ist es dazu gekommen?

Reda El Arbi:
Der humor ist ja ein wenig spärlich gesät in der medienszene. Vor allem witz, wie ihn die handygeneration mag, sucht man vergeblich im Schweizer blätterwald. Um die „traditionelle“ satire zu verstehen, müsste man schon regelmässig zeitung lesen. Das macht kein schwein mehr. Die leute kaufen zwar noch zeitungen, lesen aber meist nur schnell die headlines und die gratiszeitungen im tram. Nun gibt es mit der Hauptstadt wieder ein produkt, auf das sich die leute freuen können, das sich nicht intellektuell vom mainstream absetzen will.

Boulevardsatire statt „Qualitätsjournalismus“?

Reda El Arbi:
Qualitätsjournalismus, wie man ihn noch vor 20 jahren kannte, gibt es nicht mehr. Es ist zeit, den journalismus neu zu definieren. Information ist beliebig. Ich möchte lieber einen leser zum lachen bringen als fünf zum nachdenken.

Ganz schön mutig, deinen Job bei Ringier an den Nagel zu hängen und in dieser wirtschaftlich für Medienunternehmer nicht eben einfachen Zeit etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Wird man eigentlich automatisch zum Satiriker, wenn man zu lange beim Blick arbeitet?

Reda El Arbi:
Ich habe meinen job beim Blick am Abend geliebt. BlaA ist wohl die einzige zeitung, die manchmal auch satirische ansätze zeigte. Man erinnere sich an die geschichte, als unser chef Peter Röthlisberger die sieben bundesräte mit Gaddafi verglichen hat. Und immer hat Gaddafi gewonnen. Das war grosses kino. Ja, die arbeit bei Ringier hat mich zu meinem blatt mitinspiriert.

Wer ist ausser dir noch wichtig bei der Hauptstadt?

Reda El Arbi:
Domenico Blass, Roland Schäfli, Ruru Tastan, Art Ringger, Thomas Meyer, Ian Constable, Christian Wyss, Helmi Sigg, Ian David Marsden und viele mehr.

Was erwartet die Leser in der ersten Ausgabe?

Reda El Arbi:
Wir enthüllen zum Beispiel, wie die Zürich-Filmfestival-fuzzis ihre promigäste auswählen, wir analysieren Zürcher männer, wir waren undercover bei den partychristen und wir haben die geilsten Kampusch-merchandise-products zum aktuellen bestseller.

Ist das nicht ein bisschen sehr geschmacklos?

Reda El Arbi:
Solche bücher und filme sind geschmacklos. Das ist sozio-pornographie. Leute, die solches zeugs kaufen, schauen auch pornos, um was über menschliche beziehungen zu erfahren.
Bei den anderen geschichten sind es mehr die übergrossen egos, bei denen wir sticheln.

Deinen Blog hast du erstmal auf Eis gelegt. Da sind sicher viele Leserinnen traurig…

Reda El Arbi:
Dagegen hilft ein Hauptstadt-Abo…

Und wie kommt man zur Hauptstadt?

Reda El Arbi:
Am schnellsten über unsere homepage:
http://www.hauptstadt-magazin.ch/
Für leute, die uns erstmal testen wollen, gibts da auch ein 3-monatiges probeabo.
Natürlich gibt es uns auch am kiosk in der hauptstadt und in ausgewählten locations wie dem Cabaret Voltaire. Wer sich beeilt, erwischt vielleicht noch ein exemplar, die erstausgabe war vielerorts schon am ersten Tag ausverkauft!

Hauptstadt 1 Titel

Reda El Arbi (41) ist Chefredaktor und Herausgeber des neuen Zürcher Satiremagazins „Hauptstadt“.

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8 Antworten to “Die Schweiz hat eine neue Hauptstadt und Zürich ein neues Satire-Magazin”

  1. flashfrog Says:

    Mehr zur Hauptstadt:
    http://www.energyzueri.ch/programm/id/neues-magazin/

  2. Mara Says:

    Da stellt sich natürlich die Frage, ob es Sinn macht sie zu lesen wenn man zu den wenigen täglichen BezahlzeitungsleserInnen gehört…wieder mal mehr Fragen als Antworten..;-)

  3. flashfrog Says:

    @Mara: Und ich dachte schon, das fragt hier gar keiner mehr! 🙂

    Für die Hauptstadt kann man auch bezahlen und wenn du zur Abwechslung mal was Niewovolles lesen willst statt dem Tagi – ich würd sagen: Ausprobieren 😉

  4. uertner Says:

    191 Besucher am 2. Oktober! Es wird wieder traffic gebolzt hier in der Beiz. Mir solls recht sein.

  5. Mara Says:

    @diana

    Wer zählt den den Tagi zum Niveauvollen..ich gehör zur konservativen Ecke…;-),,,
    is nur unpraktisch für die Tram, deswegen fahre ich immer mit dem Auto flöt…

  6. flashfrog Says:

    @uertner: Gute Artikel werden geklickt. 😉
    Und für solche Gelegenheiten haben wir die Beiz ja extra offengehalten.

    @Mara: Konservativ? Seit wann? 😉
    Ist der Nebelspalter hinreichend konservativ für dich?
    Aber eben, mit der NZZ in der Hand starren einen die Leute im Tram immer an als hätte man Intellekt und das wäre was Ansteckendes. Dabei ist leider nur die Dummheit ansteckend und durch Zeitungen übertragbar, zumindest das hat Sarrazin sehr gut erkannt.

  7. Mara Says:

    @diana

    beim Nebelspalter haben mich bis jetzt die Bildchen abgeschreckt..

    naja..man nennt das heutzutage wohl wehertkonservativ. Ich lese meinen Kindern Bücher vor in denen ganze Sätze verwendet werden.

  8. flashfrog Says:

    @Mara: Da hast du Glück, auf der aktuellen Ausgabe sind nur unten ein paar kleine Bildchen, die lassen sich problemlos mit einem BlaA abdecken.

    Und die Hauptstadt wimmelt geradezu von ganzen Sätzen. (Ist aber nicht überall jugendfrei. 😉 )

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