Kabale und Liebe 2007 (Nebelspalter 8/2008)

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Der erste Akt des Dramas findet sich hier. Das Drama spielt im Sommer 2007 bis Frühjahr 2008. Es erschien vollständig im „Nebelspalter“ (8/2008). Die Handlung und die Orte sind frei erfunden, die Fakten wurden vollständig im Internet recherchiert und sind hier mit den Quellen verlinkt. Den „Nebelspalter“ kann man hier abonnieren.

Dramatis Personae:

Daniel Jositsch (42) Dr. iur. Professor, Major, Nationalratskandidat

Chantal Gallade (35) „angehende Erziehungswissenschafterin“, Ständeratskandidatin

2. Akt

Die Sache mit der Waffe

15. Juli 2007 im Hotel Baur au Lac

SIE (erschöpft): So schön, Dani. So nah ist der kleine Tod am grossen. Die kalte Mündung des Laufes an meiner Schläfe im Moment unserer glühenden Explosion. So schön wars noch nie. Wenn ich nur das schon früher einmal versucht hätte! Heirate mich, mein Major!

ER: Tatsache ist, wir sind ein <Winnng Team>: Politisch und privatim. Die Pressekonferenz war der Knüller. Du bist der Zürcher Medienstar, du schaffst es noch in den Ständerat!

SIE: Und du hast die scharfe Sachkompetenz. Was haben die gestaunt, die Journis. Ob sie wohl bemerkt haben …?

ER: Schreiberlinge sind dumme, faule Hunde, und sie stehen sowieso eher auf unserer Seite. Ausserdem bin ich auf den Wahlunterlagen noch verheiratet.

SIE: Und dort auch kein Major der Militärjustiz, du Schlingel: Das ist ja schon fast Betrug am Wähler, nicht?

ER: Wir müssen die Chance packen! Ich meine, du mit deiner Ständeratskandidatur: Du bist zwar sexy, …. ?

SIE: Ja, das bin ich, und das neiden mir all die Hyänen. Dani, meinst du es ernst, dann musst du die Dienstwaffe abgeben, denn seit jenem emotionalen Auftritt im Nationalrat habe ich mich als Waffengegnerin exponiert. Ich will nicht mit einem Mann unter einem Dach leben, der eine Dienstwaffe hat …

ER: Aber Chantal, du vertraust mir doch. Eben hast du noch ….!

SIE: Ja, habe ich, und es war sehr schön! Frauen sind irrationale Wesen, aber Politik muss rational und konsequent sein. Hast du nicht Unterschriften für die Armee-Abschaffung gesammelt, damals? Wie könnte man diesen eidgenössischen Waffenmythos besser aufbrechen, als wenn ein Offizier der Militärjustiz den Bann bricht …

ER: Chantal, ich habe unserer Liebe schon meinen Bund fürs Leben geopfert, nun geht es um die Offiziersehre, ich kann doch nicht einfach – ich bin Jurist! Was werden sie im Studentenverein denken?

SIE: Die erfahren doch nichts , deine CVP-Saufkumpanen. Ist doch Privatsache.

(herrisch:) Oder soll ich mit unserer Affäre an die Presse? Ob du als Ehebrecher auf Listenplatz 17 noch eine Chance hast?

ER: Okay, okay … (kleinlaut:) … ich werde die Dienstwaffe nächsten Monat beim Zeughaus abgeben.

SIE: Schwöre es! Auf unsere Liebe – nein, das taugt nicht. Auf Jahwe, den Gott deiner Väter – nein du bist Atheist. Auf die Weltrevolution! Ach, an die glaube ich ja selbst nicht. Auf deine eheliche Treue? Auf deine Offiziersehre?

ER: Nein: So wahr ich Bundesrat werde!

SIE: Gut, mein Major, das gilt, vor dem nächsten Treffen will ich die Empfangsquittung vom Zeughaus sehen. Besser kannst deinen Bubentraum, die Armee-Abschaffung, gar nicht betreiben. (maliziös:) Ich werden den Gutschein bei <agent provovateur> einlösen.



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