Niall Fergusons vergessene „7. Killerapp“ = Der jüdisch-christliche Monotheismus

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Derzeit macht Niall Ferguson mit seinem Buch „The West & the Rest“ in den Feueilletons Furore. Die Auswahl der sechs Killer-Apps, ist in der Tat bestechend. Doch eine „unterschlägt“ Fergusson: die jüdisch-christliche Tradition einer monotheistischen Transzendenz. Es ist wie in der Bibel: nach der Formulierung jeder seiner 6 Killer-Apps sah Fergusson: „Und er sah, dass es gut war“. Aber die 7. Killer-App, die grundlegende, die Theologie des Westens, die ging vergessen, wie der Sonntag.

Hier darum die 6 Killer-Apps des Niall Fergusson und dazu-gesetzt den Beitrag, welcher die 7. Killer-Applikation, die „jüdisch-christliche Transzenden“ beigetragen hat.

1. Wettbewerb: Die Dezentralisation des politischen und ökonomischen Lebens ermöglichte das Aufkommen von Nationalstaaten und Kapitalismus.

Der erste Wettbewerb fand unter Gottesbildern statt: „Goldenes Kalb“ oder „Zehn Gebote“, „Moses“ oder „Pharao“, „Babylon“ oder „Israel“, „Mythras“ oder „Jesus“. Es setzte sich die christliche Religion im Westen durch (ab 325/381), die jeden Gläubigen anhielt, seine „Talente nicht zu vergraben“ sondern „mit ihnen zu wuchern“. Vorbild war darin gerade der Apostel Paulus, der stolz darauf war, sein Leben als Zeltmacher zu bestreiten und sich nicht von den Zuwendungen der Gemeinden aushalten liess. Dies Tradition wurde gerade im Calvinismus wieder offengelegt, als sich die Christenheit gegen die enorme Ressourcen-Verschleuderung der römischen Papstkirche wehrte. Darum wurden die calvinistischen Landstriche (Schweiz, Holland, Schottland, Vereinigte Staaten, Süd-Korea) überdurchschnittlich erfolgreich.

2. Naturwissenschaft: Das Verständnis und die drastische Veränderung der Natur stellte sich für den Westen als militärischen Hauptvorteil heraus.

Dadurch, dass der jüdische Gott ein Schöpfergott ist, der nicht in der Sonne, nicht im Mond und nicht in der Quelle oder einem Tier wohnt, wurde das ganze Universum dem forschenden Geist des Menschen zur „Gottsuche“ zur Verfügung gestellt (Physiko-Theologie). Diese „Gottsuche“ im „Buch der Schöpfung“ bescherte uns die Theorie Darwins (der in jungen Jahren Theologie studierte und dann sich auf Reisen machte) und die Relativitätstheorie Einsteins (der bekanntlich Jude war und „Gott in die Karten schauen“ wollte). Das Militär wurde stark durch den Kontakt mit der islamischen Kriegsreligion begünstigt. Im 8. bis 10. Jahrhundert wurde der Westen gezwungen Ritterheere, den berittenen „Gotteskrieger“ Allahs entgegenzustellen. Zwischen dem 14. und dem 18. Jahrhundert zwang die Abwehr der muslimischen Türken zu technischen Militärinovationen. Der Kampf mit Hitler gab dem Westen die jüdischen Wissenschaftler in die Hand (Einstein, Teller, Oppenheim), welche dann auch die Atombombe bauten. Die neuesten Militär-Innovationen werden heute von Israel und den USA in Palästina und im Hindukusch gegen „Gotteskrieger“ eingesetzt.

3. Eigentumsrechte: Das Gesetz als Schutz für Privateigentümer bei Streitigkeiten und Uneinigkeiten bildete die Basis für die stabilste Form der stellvertretenden Regierung.

Dadurch, dass Jesus sprach: „gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist“, wurde die „Weltrevolution“, der „blutige Umsturz“ als etwas nicht Wünschbares dargestellt. „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“: darum hilft es auch nicht „in dieser Welt“ jemandem rechtmässig erworbenes Gut wieder abzunehmen und umzuverteilen. Diese christliche „Rechtssicherheit“ schafft ein gutes Umfeld für Investoren. Das Patentrecht sicherte auch das „geistige Eigentum“: es wurde im Einflussbereich des Calvinismus entwickelt.

4. Medizin: Eine Branche der Naturwissenschaft, die eine bedeutende Verbesserung für die Gesundheit und die Lebenserwartung in den westlichen Gesellschaften sowie deren Kolonien zur Folge hatte.

„Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan, das habt ihr mir getan“ (Mtth. 25, 40): Christus ruft auf das Leiden in der Welt zu vermindern, er ruft auf zu tätiger Nächstenliebe: verbunden mit dem Imperativ zur Erforschung von Gottes Schöpfung und damit auch des menschlichen Körpers, bekommt die Verbesserung von medizinischen Behandlungen einen hohen Stellenwert: Henri Dunant schuf 1864 im „Roten Kreuz“ eine Institution, die sich der Verminderung der Leiden der Kriegsopfer verschrieb und damit der Medizin einen neuen Schub verlieh, wie auch die Krankenschwester Florence Nightingale die Lazarette und die Pflege verbesserte. Albert  Schweitzer suchte in Lambarene bei den Schwarzafrikanern bewusst die „geringsten meiner Brüder“.

5. Die Konsumgesellschaft: Eine Art des materiellen Lebens bei welcher die Produktion und der Kauf von Konsumgütern eine ökonomisch zentrale Rolle spielt.

„Nimm Petrus, metzg und iss“ (Apg. 13, 1-18): Mit der Auslegung dieses Verses der Apostelgeschichte beginnt die Reformation in Zürich. Die Konsumenschränkungen der katholischen Kirche fallen weg: die Fastenzeit wird abgeschafft: aber auch das masslose Schlemmen der Fastnacht. Der freie Christenmensch darf die Früchte seiner Arbeit geniessen – mit Massen und bescheiden – wann und wo er will. Die Freiheit zu konsumieren verbunden mit dem Appell zur Bescheidenheit führt zu immer raffinierteren Konsumgütern. So wird der Westen zum Hort von „High-End“-Produkten. Die Schweizer Uhrenindustrie, oder der Apple-Konzern zeugen für dieses Bestreben. „Zur Ehre Gottes“  die Perfektion anzustreben.

6. Arbeitsmoral: Eine moralische Grundstruktur und die Aktivität der Gesellschaft, ableitbar vom protestantischen Glauben, dienten als Kleister für die dynamische und potenziell unstabile Gesellschaft.

Erst hier wird der theologische Bezug der Killer-Apps genannt. Ja, die „moralische Grundstruktur“ der Gesellschaft ist im Westen jüdisch-christlich oder eben  – gerade im erfolgreichen Westen – Calvinistisch geprägt. Das calvinistische Arbeitsethos machte den reformierten Norden des Globus erfolgreicher als den im katholischen Rentenkapitalismus organisierten Süden mit seinen von Franzosen, Portugiesen, Spaniern und Italienern beherrschten Kolonien.

7. Theologie der Toleranz, der Nächstenliebe und des Gewaltverzichts.

Ohne den „Gottesfrieden“, welche die Kirche immer wieder innerhalb der Gesellschaft gepredigt hat und auf die Beine geholfen (etwa im 10. Jahrhundert in der Gottesfriedensbewegung) wäre die westliche Toleranz (die durch die schmerzliche Prüfung der Religionskriege des 16. und 17. Jahrhunderts ging) nicht denkbar. Der Streit wird geschlichtet, alle sind „in Christo“ versöhnt. Gerechte und Ungerechte werden erst am „Jüngsten Gericht“ bestraft oder belohnt. Bis dahin soll man brav seine Arbeit im Dienst des Nächsten tun. Diese Haltung erlaubte es dem Inder Mahatma Gandhi die Lehre vom Gewaltlosen Widerstand zu entwickeln, der nur gegen die christlichen Briten zum Erfolg führte. Gegen die unchristlichen Nazis hätte der „gewaltlose Widerstand“ keine Hauch der Chance gehabt.

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