Das Schweigen der Frauen

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Mit Befremden und einer gewissen Fassungslosigkeit habe ich folgenden Artikel der von mir an sich sehr geschätzten Literaturkritikerin Ursula März zur Kenntnis genommen:
http://www.zeit.de/2011/22/Frauendebatte/seite-1

Wir leben in einer Gesellschaft, deren beherrschende Systeme (die Politik, die Wirtschaft, die Religion, das Militär) jahrhundertelang ausschliesslich von Männern für Männer gestaltet worden sind.  Nach männlichen Regeln und Vorlieben (Geld Macht Sex). Frauen hatten nicht mitzureden. Deswegen berücksichtigen diese Systeme die besonderen Bedürfnisse von Frauen nicht. Im Gegenteil, sie wurden von Männern so eingerichtet, dass sie Frauen in finanzieller Abhängigkeit und untergeordneter Position halten.  Was ja sehr bequem ist für die Männer.
Nicht die Frau ist defizitär, das System ist defizitär. Deswegen ist eine Diskussion darüber, wie wir das System so ändern können, dass es Menschen beider Geschlechter die Chance auf ein selbstbestimmtes erfülltes Leben gewährt, wichtig und absolut notwendig.
Und dann kommt da eine und will Frauen, die solche grundlegende Gerechtigkeit einfordern, ernsthaft den Mund verbieten? Um in einen jahrhundertealten Zustand zurückzufallen, in dem Frauen nicht mitzureden haben? Liebe Frau März, halten Sie doch einfach mal 2 Jahre lang die Klappe, hm?

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8 Antworten to “Das Schweigen der Frauen”

  1. uertner Says:

    Hübscher Text von der Frau März. Gefällt mir. Wäre schön, die Diskursmaschine würde stoppen: aber es haben schon zu viele Frauen in ihr Karriere gemacht, so dass sie weiterklappern wird, wie früher die Kaffee-Tassen beim 9.30 Kontrollbesuch bei der Nachbarin. Hat sie schon abgestaubt? gebettet? gebügelt? die Küche wieder in Ordnung gebracht?

  2. uertner Says:

    Hmm, laut Wikipedia scheint aber Frau März im nicht mehr Männerbeherrschten Literatursystem so einiges erreicht zu haben.

  3. Mara Says:

    Mir ist erlich gesagt nicht ganz klar, was Frau März eigentlich sagen will – ausser dass sie der Diskussion müde ist. Und dass kann ich teilweise sehr gut verstehen. – Hat man doch den Eindruck, dass bei manchen die letzten 30 Jahre Diskussion spurlos vorbeigegangen sind.

    Es hält sie doch niemand davon ab 2 Jahren zu dem Thema zu schweigen. Hat Sie den vorher sich dazu schon mal geäussert?

    Und die die gerne weiter darüber diskutieren und auch einen generationenübergreifenden Dialog in dieser Hinsicht für keineswegs eine Zeitverschwendung halten, können ja auch gut und gerne ohne Frau März weitermachen..

    Der andere Aspekt – man sollte vermeiden Frauen in erster Linie als Opfer zu definieren – ich fürchte, da ist Frau März schlicht und einfach nicht ganz auf der Höhe der Diskussion. Da war der Diskurs ungefähr vor 10 Jahren.

  4. flashfrog Says:

    @uertner:
    „niemand ist den Frauen gegenüber arroganter, aggressiver und verächtlicher als ein in seiner Männlichkeit verunsicherter Mann.“ (Simone de Beauvoir: Das andere Geschlecht)

    @Mara: Ja, es ist anstrengend anzudiskutieren gegen Männer, die irgendwo im vorletzten Jahrhundert steckengeblieben sind und logischerweise gar kein Interesse daran haben, irgendetwas zu verändern, was ihnen ihre Privilegien oder zumindest ihre virtuellen Überlegenheitsgefühle nehmen würde.

    Anstrengend, nervig, ja, aber notwendig. Weil sich sonst eben nichts ändert. Weil wir, im Gegenteil, derzeit in vielen Bereichen einen Backlash erleben, der den von der Generation vor uns mühsam erkämpften sozialen Errungenschaften unserer Zivilisation für die Generation nach uns wieder den Boden unter den Füssen wegzuziehen droht.

    Ich wünschte mir nur manchmal eine differenziertere und weniger dogmatische Diskussionsweise. Eine Frauen-Zwnagsquote in Unternehmensführungen nützt meiner Ansicht nach z.B. wenig, weil es den meisten Frauen einfach gar keinen Spass macht, sich in dieser Männerwelt nach Männerregeln an die Spitze einer Hierarchie durchzuboxen. Warum nicht einfach mal ausprobieren, wie es wäre, ein Wirtschaftsunternehmen nach weiblichen Regeln zu führen? Teamwork und Co-operation, von der alle profitieren statt erbittertem Konkurrenzkampf um die Alphamännchenposition?

  5. uertner Says:

    @flashfrog
    Ich denke Dein Text und der Text der Ursula März haben letztlich mit dem lebensbiografischen Status zu tun. Darum lässt sich daraus auch schwerlich eine Debatte spinnen. Je älter ich werde desto weniger halte ich von „Gender-Mainstreaming“. Gender-Mainstreaming ist eine Ideologie die dazu diente für Frauen „geschützte Überholspuren“ zu schaffen. Aber selbst wenn denn die Frauen es geschafft haben: das Menschliche Geschlecht setzt sich immer noch aus dem alten Adam und der alten Eva zusammen. Und alles Geschwätz der Welt wird diesen Unterschied nicht wegbringen.
    Und natürlich hat die Simone de Beauvoir recht. Als Grossbürgertochter an der Seite eines philosophierenden Kachelmanns ohne Kinder hat sie ja auch nicht ein nachhaltiges Modell vorgelebt. Darum ist alles was sie schreibt Geschwätz.
    Simone de Beauvoir ist eine französische ideologische Sackgasse. Und die Deutschen haben schon immer zwei Dinge über alles verehrt: Ideologie und Sackgassen.

  6. Mara Says:

    Der Backslash ist ja leider schon da, wie erwartet vor ein paar Jahren aus den USA rübergeschwappt. Dort geht das Pendel ja schon wieder in die andere Richtung – aber in der Bewegungfrage waren die Europäer ja immer ein wenig langsamer… (Find ich immer lustig, dass die einzige literarische deutsche Epoche die angeblich den englischsprachigen Raum mit beeinflusst haben soll die Romantik sei. Stimmt das?)

    In der Frage der Quoten sind wir ja nicht derselben Meinung – ich halte es hier mit den Skandinavierinnen. Auch aus meiner Berufspraxis muss ich sagen, dass ausser durch die Einführung der Quote sich wahrscheinlich die nächsten 20 Jahre wenig ändern wird. Noch wichtiger als das liebe Geld ist den Herren in dieser Etage nämlich weiter unter sich zu bleiben. Für ein paar Prozentpunkte Gewinn verzichtet man gerne auf die komische Stimmung, die sich in einer Abteilung ergibt, wenn plötzlich Frauen anwesend sind..:-)

    Das das Pendel mal ein wenig da und dorthin geht, damit habe ich kein Problem. Mögen sich auch die ein oder anderen Frauen aus der Diskussion ausklingen. Worüber ich mich viel mehr aufregen kann ist es wenn die paar Alibifrauen in den Etagen als Beispiel herhalten müssen, dass wir ja grundsätzlich alle Frauen alles erreichen könnten – wenn sie nur wollten. Damit wird impliziert, dass Frauen ja eigentlich keinen beruflichen Erfolg wollen, keine Mitsprache und ja…..da ist es wieder das weibliche Wesen, dass alle doch so genau plötzlich wieder kennen. Ich glaube nicht an das weibliche Wesen, weder, dass wir genetisch bedingt diplomatischer sind, noch sanfter noch irgendwas. Wir sind das, was die Umgebung und unsere Kultur aus uns gemacht hat. Und da sind nun mal kleine Mädchen immer noch erfolgreichen wenn sie diplomatisch um etwas bitten – und nicht danach schreien. Die sonstigen kleinen feinen Unterschiede, ob die nun genetisch oder sonst wie bedingt sind, who cares.
    Es geht darum, entsprechend seiner Begabungen und Möglichkeiten in der Gesellschaft, ob öffentlich oder privat, seinen Platz finden zu können. Und ja, es ist auch ökonomisch fatal durchschnittliche Männer in der Managment weiter wergeln zu lassen, während gute Frauen an die gläserne Decke stossen. Echte Chancengleichheit ist insofern wirklich nur dann gegeben, wenn durchschnittliche Frauen dieselbe Chancen, (gerade auch Fortbildungschancen, lernen by doing!) haben wir durchschnittliche Männer. Tolle kluge ergeizige Frauen haben inzwischen alle Möglichkeiten. Jetzt sollte halt auch der Rest drankommen.
    Und ja, wenn eine Gruppe mehr Chancen bekommt, bekommt die andere Gruppe weniger. Auf der einen Seite verliert man Privilegien – ja aber dass Männer auch ein paar mehr Möglichkeiten bekommen, als immer nur sich als Ernäher definieren lasse zu müssen. – dass haben ja inzwischen auch die einen oder anderen Männer erkannt.

  7. uertner Says:

    Hmm, vielleicht ist diese „Ursula März“ nach mara eine: „Tolle kluge ergeizige Frauen haben inzwischen alle Möglichkeiten“. Sie sagt: Danke ich hatte jetzt, verschont mich mit dem Gedöns. Und damit wird der ganze Feminismus als Karriereförderungsmarschmusik einer nun arrivierten Generation entlarvt. Gerade die Figur, die auch Alice Schwarzer im Rahmen der Kachelmann-Affäre machte, hat vielen Frauen die Augen geöffnet über das Wesen des „Feminismus:

    http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/diverses/Das-Ende-des-Feminismus/story/30279934

  8. Mara Says:

    Man mag von Frau Schwarzer denken, was man möchte. Aber von ihr auf die aktuelle Feminismusdebatte zu schliessen ist doch ein sehr gewagter Sprung. So wie mir überhaupt scheint, dass der Tagi in seiner Weltsicht doch immer mehr Scheuklappen aufweisst – siehe den letzten Artikel über CEO^s in der Schweiz und Naipaul. Scheint gerade in ihr Backslash-konzept zu passen, Frauen zu ignorieren oder kleinzureden.

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