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Beizenblues II

Mai 10, 2009

Eigentlich habe ich nichts zu berichten. Es ist also schon fast eine Frechheit, einen neuen Artikel einzustellen. Warum ich es trotzdem tue?

Ich möchte mal wieder etwas anderes diskutieren als den Herrn Steinbrück und „die deutsche Mentalität“.

Dummerweise habe ich nebst den beschi … ähm … bescheidenen Abstimmungsvorlagen vom 17. Mai nichts zu bieten. 

Ich könnte allenfalls eine auch provkante Frage in die Beiz werfen. Zum Beispiel: Haben Sie schon mal ein Mobiltelefon (Ihres oder sonst eins) umgebracht? Wenn ja, wie und warum. Wenn nein, warum nicht?  Oder: Schummeln Sie beim Ausfüllen Ihrer Steuererklärung. Nein, lieber nicht. Sonst sind wir wieder dort, wo ich eigentlich weg wollte.

Ich hätte jetzt gerne nochmals einen Cappucciono, bitte.

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Welttag des Buches

April 22, 2009

Kleine Erinnerung: Am Donnerstag, 23. April 2009 ist Welttag des Buches.

Mal kurz nachgeguckt

April 15, 2009

Ist ja schon eine Weile her, das mit dem Gschtürm um facts.ch und allem näheren und weiteren drum und dran.

Heute, beim Organgensafttrinken fiel mir etwas ein (was Vitamine nicht alles auslösen können!) und ich ging nachgucken, ob man vom Big Brother immer noch dorthin kommt, wo man mal hingekommen ist. Man kommt.

Das fand ich noch ganz witzig (sorry, die Vitamine im Orangensaft).

Und noch etwas zum Schmunzeln, wenn wir schon beim Thema sind.

Beizenblues

April 13, 2009

Ich starre auf den Schaum meines Cappuccinos, öffne den Zuckerbeutel, streue die weissen Körnchen auf die Oberfläche, lausche dem leisen Knirschen und frage mich, was ich schreiben könnte.

Die ehrliche Antwort: Ich weiss es nicht.

Vielleicht über Obamas Vision einer atomwaffenfreien Welt.

Oder über Berlusconi, der das Campieren in der Erdbebenzone als neues Freizeitvergüngen definiert hat.

Ich könnte auch versuchen zu ergründen, worüber die Schweiz jetzt genau von der OECD informiert worden ist.

Allenfalls könnte ich der Frage nachgehen, ob der Politiker Müller gestern Abend vor der Sendung Giacobbo Müller etwas zu tief in irgendein Glas geguckt hat oder ob der immer so ist.

Aber irgendwie fehlt mir der Pfupf.

Das könnte daran liegen, dass die Welt so blödsinnig weit aus dem Ruder gelaufen ist,  dass man die 1. Aprilscherze nicht mehr als solche erkennt in der Zeitung, weil man sich heute alles als Möglichkeit vorstellen kann.

Auch das hier.  Und ganz ehrlich. That scares the shit out of me (vor allem, weil ich kürzlich bestätigt bekommen habe, dass es sich hier mitnichten um eine Verschwörungstheorie handelt). Also, gucken Sie in nächster Zeit öfters in den Himmel und machen Sie sich ein paar Gedanken. Einfach so.

Offener Brief an Erika Forster-Vannini

März 7, 2009
Vorbemerkung:
Der Ständerat hat am Donnerstag beschlossen, dass arbeitstätige Eltern, die sich um ihre schwer kranken Kinder kümmern wollen, keinen bezahlten Pflegeurlaub und kein Taggeld erhalten. Das alleine wäre erschütternd genug. Noch erschütternder waren die Begründungen. Zu teuer. Können wir uns nicht leisten. Zitiert wurde dabei u.a. Frau Forster-Vanini, und weil sie als Ständerätin des Kantons St. Gallen auch mich vertritt, schreibe ich ihr diesen offenen Brief (den ich ihr auch privat geschickt habe). Und weil dieser Brief persönlich ist und ich öffentlich dazu stehen will, habe ich ihn auch mit meinem eigenen Namen unterschrieben.

Liebe Frau Forster-Vannini

Als Ständeratin des Kantons St. Gallen vertreten Sie unter anderem auch mich.

Ich stelle ernüchtert, erschüttert und sehr, sehr wütend fest: Man kann heutzutage ungestraft eine Bank an die Wand fahren. Bezahlen dürfen das dann die Steuerzahler und Steuerzahlerinnen. Einen bezahlten Urlaub für Eltern von pflegebedürftigen Kindern (die ebenfalls Steuern zahlen für die an die Wand gefahrenen Banken) können wir uns hingegen „nicht leisten“.

Unsere Welt, unsere Schweiz ist sehr, sehr kalt geworden, wenn wir so weit sind, dass uns eine UBS alles und ein todkrankes Kind nichts kosten darf.

Ich bin nicht direkt von diesem Entscheid betroffen und trotzdem bin ich wütend wie schon lange nicht mehr. Wäre ich direkt betroffen, ich käme mir vor wie der letzte, wertlose Dreck – und sehr, sehr alleine gelassen

Glauben Sie mir, ich sähe mein Steuergeld viel, viel lieber bei einer Familie mit einem kranken Kind als in einer Bank.

Alice Gabathuler, Jugendbuchautorin

 

 

Ich will für die Milch nicht weniger bezahlen!

Dezember 23, 2008

Aber mich fragt ja keiner.

Wenn denn jemand fragen würde, könnte ich sagen: Familie Zappadong trinkt im Schnitt pro Woche ca. 10 l Milch. Damit würde sie pro Woche einen einzigen Franken sparen, pro Monat wären das vier Franken (dass man dafür in den meisten Cafés keinen Cappuccino mehr schlürfen kann, wollen wir an dieser Stelle mal kurz verdrängen).

Nüchtern gesehen hat Familie Zappadong nichts von einem billigeren Milchpreis. Immer noch nüchtern gesehen, will sie deshalb für die Milch gar nicht weniger bezahlen. Ja, stellen Sie sich vor: Familie Zappadong ist irgendwie ab dem Karren der Leute gefallen, die alles immer billiger wollen.

Denn irgendwo muss es so einen Karren geben. Weil. Gewisse Anbieter wissen genau, was „die Leute“ auf dem Karren wollen: Alles immer billiger und noch billiger. Am liebsten mit Kundenkarte, Sonderrabatt und mit einem geilen Aktionspreis darauf – am allerliebsten mit einem Gratishandy dazu, mit dem man die ersten acht Jahre kostenlos telefonieren kann. 

Wer die Zeche für diese Preistreiberei zahlt, spielt keine Rolle. Und sowieso, die Bauern jammern ja eh nur rum. Können ja nichts anderes, nicht wahr?  Oder doch? Ich bin nicht Bäuerin, aber ich glaube, wenn ich Milchkühe zu Hause hätte, wäre jetzt der Moment erreicht, wo ich sagen würde:  „Ihr könnt mich alle mal.“

Finden Sie, ich sei heute ein bisschen aggressiv drauf? Dann finden Sie richtig. Dummerweise komme ich auch noch direkt vom Einkaufen. Die Leute haben Geld ausgegeben wie die Blöden. An jeder Kasse Schlangen länger als die längste Pythonschlange der Welt, Shopper und Shopperinnen mit Einkaufswagen so gefüllt, dass man hätte denken können, dass ebendiese Welt morgen untergeht (samt Schlangen).  Es kann also nicht sein, dass die Kunden die rund CHF 1.55 für den Liter Milch nicht vermögen.

Vielleicht hätte man die Leute an der Kasse fragen sollen, ob sie wirklich billigere Milch wollen. Ob die 10 Rappen pro Liter tatsächlich so entscheidend sind, dass wir damit die Bauern einen Schritt weiter in die Frustration treiben.

Vielleicht hätte die Antwort überrascht. Ich würde es mir wünschen.

Alltag im Jahr der Krise

Dezember 20, 2008

Die Krise zieht in unseren Alltag ein. Unsere Firma verliert erste Aufträge. Das Amt für Arbeit anzurufen und sich nach Kurzarbeitsbedingungen zu erkundigen,  ist ein Ding der Unmöglichkeit. Der zuständige Beamte hat den Telefonbeantworter eingeschaltet, wahrscheinlich aus Arbeitsüberlastung. Die Vermutung wird bestätigt vom Vertreter des Arbeitgeberverbands, den ich als nächstes kontaktiere, und der mir mit Antworten auf meine Fragen weiterhilft

Das RAV ist bürokratisch wie immer. Betroffene Angestellte müssen sich mit AHV Ausweis persönlich am Schalter melden – nur um sich einen Termin geben zu lassen. Und dann, liebe Frau Zappadong, ist es noch offen, ob am Ende trotz aller Anstrengungen des Arbeitnehmers auch wirklich etwas ausbezahlt wir. Es klingt nach einer langwierigen, wenig erfolgversprechenden, frustrierenden Mission Impossible. Trotzdem. Wir informieren die betroffenen Angestellten.

Aber wir haben ja noch Glück. Wir haben noch Aufträge, Kunden und Arbeit. Im Gegensatz zu den 140 Angestellten der WKW Kunststoffwerke AG, die per sofort entlassen sind. Oder der unzähligen Angestellten der Region, die von Kurzarbeit betroffen sind.

Seit sieben Wochen gibt es bei uns im Ort die W-Leba, eine Organisation, die kostenlos Lebensmittel an Menschen mit geringem Einkommen verteilt.

„Die erst siebenwöchige Geschichte der W-Leba könnte also eine Erfolgsgeschichte heissen, wenn sie nicht auch darauf aufmerksam machen würde, dass dürre statistische Zahlen menschliche Schicksale beschreiben …“

schreibt der Journalist Reinhold Meier heute im W&O.

Alltag Ende 2008.

Abgründe

Dezember 15, 2008

In nicht einmal ganz zwei Monaten stimmen wir über die Weiterführung und Ausdehnung der Personenfreizügigkeit ab.

Während die Befürworter ziemlich passiv sind (oder habe ich etwas übersehen?), haben die Gegner das Leserbriefe- und Kommentareschreiben entdeckt.

Wie schon bei der Bundesratswahl vom 10. Dezember tun sich hier (beunruhigende) Abgründe und Gräben auf. 

Nein, jetzt folgt keine durchdachte, logische Abhandlung zum Thema. Ich habe keine. Ich stelle einfach nur fest und bin absolut und total ratlos.

Vielleicht können Sie mir weiterhelfen?

Papierkrieg

Dezember 9, 2008

Eine weitere Folge zum Thema „Grenzregiönlerin“

Heute konnte man in der Zeitung nachlesen, dass die EU nicht ganz so glücklich ist mit uns Schweizern. Unter anderem wird bemängelt:

Neben den staatlichen Beihilfen kritisieren die EU-Staaten einmal mehr die Umsetzung der Schweiz bei der Personenfreizügigkeit, insbesondere die 8-tägige Voranmeldepflicht für EU-Dienstleister. Quelle: newsnetz, der Bund

Nun, Sie erinnern sich vielleicht, wie einfach es sich von der Schweiz über die Grenze nach Liechtenstein fahren lässt. Falls nicht, können Sie es hier nachlesen. Etwas ganz anderes ist es, wenn Sie als Schweizer Firma im Liechtenstein eine Dienstleistung erbringen wollen.

Das geht dann so:

1. Ihre Firma muss ein Gesuch um Erteilung einer Bewilligung zur grenzüberschreitenden Dienstleistungserbringung im Ausland einholen. Dazu müssen Sie folgendes einreichen: Gesuchsformular, Handelsregisterauszug (aktuell), Staatsbürgerschaftsnachweis (Passkopie) des verantwortlichen Geschäftsführers sowie CHF 100 im Voraus auf ein Konto der Liechtensteinischen Landesbank überweisen.

Wenn dieses Gesuch bewilligt wird, gilt es für ein Jahr. Dann müssen Sie das Prozedere wiederholen.

2. Sie müssen jeden Ihrer Angestellten, der auch nur einen Fuss zwecks Dienstleistung ins Liechtenstein setzt, im Voraus anmelden. Dazu müssen Sie folgendes tun: Ein Formular ausfüllen, eine Passkopie (und allenfalls die Kopie der Niederlassungsbewilligung) sowie eine Kopie des Arbeitsvertrags Ihres Angestellten beilegen.

Tun Sie dies nicht rechtzeitig, bezahlen Sie nebst der Gebühr von CHF 60.00 pro Person eine Strafe von mindestens CHF 50.00 pro Person.

Wenn die Kopie einer ID oder eines Passes nicht sehr deutlich ausfällt, können Sie schon mal Post bekommen, in der man Sie auffordert, eine bessere Kopie einzuschicken.

Mittlerweile hat das Pass- und Ausländeramt des Fürstentum Liechtensteins von Frau Zappadongs Angestellten bis zu drei Arbeitsverträge und drei Fotokopien pro Person, denn man muss bei jeder Verlängerung alles wieder einschicken.

So was nennt man Papierkrieg. Kürzlich brannten Frau Zappadongs Sicherungen durch, weil sie zusätzlich zu den Bewilligungskosten auch die Strafkosten bezahlen musste (drei Tage zu spät gemeldet!) und sie rief völlig frustriert in den Telefonhörer: „Warum plagen Sie mich so garstig? Wir wohnen im gleichen Tal, 5 km voneinander entfernt.“ (Das „Gopfertori“ dachte ich nur.)

Wollen Sie die Antwort hören?

„Weil ihr Schweizer zuerst angefangen habt mit dieser unsäglichen Bewilligungspraxis – und es uns reicht!“

Ich danke Bundesbern ganz herzlich. Es gibt doch nichts Schöneres als absolut sinnlosen Papierkram. Stellen Sie sich vor: Ihre Leitung platzt, Sie wollen einen Liechtensteiner Handwerker … und der kann (theoretisch) erst in 8 Tagen kommen, weil ihn sein Arbeitgeber erst bei uns anmelden muss.

Ja, so ist es, das Leben in der Grenzregion.

Noch einmal Glück gehabt!

November 20, 2008

Als Grenzregiönlerin hat man ja ganz andere Probleme als die Städter im Herzen der Schweiz. Vor allem wenn man an der Grenze zum Fürstentum Liechtenstein lebt, diesem Kleinstaat mitten in Europa, der so klein ist, dass die Schweizer Armee schon mal zu spät gebremst und sich zu ihrem Erstaunen plötzlich mitten im Feindesland gefunden hat.

Zwar reden die „ennet dem Rhein“ (beinahe) wie wir, bezahlen mit dem gleichen Geld, besuchen unsere Berufsschulen, kaufen bei uns ein, arbeiten bei uns usw., aber sie sind halt doch „das Ausland“.  Und weil die mit der EU ein anderes Abkommen haben als wir, wurden wir Rheintaler zur Schengen-Aussengrenze. Etwas erstaunt lasen wir von Grenzhäuschen, Grenzposten und was es da noch alles an Trennendem und Kontrollierendem gibt. Ein paar von uns überlegten sich schon, in Zukunft schwimmenderweise (über den Rhein) ins derart abgeschottete andere Land zu gelangen, die meisten aber übten sich in Gelassenheit. Wo man seit Jahrzehnten einfach über die Brücke fährt, radelt, skatet, joggt, spaziert, würde es schon keine Schlagbäume geben. Zwar kamen ein paar Politiker die Sache anschauen, zwar wurden ein paar ernste (aber nicht unbedingt ernstzunehmende) Sätze gesprochen, aber nicht wahr, wir würden einfach weiterhin fahren, radeln, skaten, joggen und spazieren.

Jetzt ist auch offiziell eine Entwarnung gekommen. Beinahe jedenfalls. Es wird keine Grenzhäuschen auf den Rheinbrücken geben – dafür werden wir jetzt alle gefilmt, wenn wir über die Grenze fahren, radeln skaten, joggen und spazieren. Und vielleicht begegnen wir dann und wann einer mobilen Patrouille. Aber die kann man ja freundlich grüssen. Und seien wir froh, wird es beim Gruss bleiben, denn die guten Nachrichten seien für einmal zuletzt verkündet: Wir brauchen kein Visum! (Von Schutzimpfungen hat auch noch niemand gesprochen …) Da haben wir ja noch einmal Glück gehabt.