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Das grösste Finanzgenie der Welt: Gisela M aus A, 73, Rentnerin und Hausfrau

Oktober 31, 2008

Ein Exklusiv-Interview.

Beiz 2.0: Liebe Frau M, Banken fahren global gegen die Wand wie die Fliegen, neoliberale Markt-Schreier betteln um Staatshilfen, die Aktienkurse weltweit spielen verrückt, erwachsene Hedgefonds-Manager weinen. Und Sie haben es geschafft, mit einem Investment von weniger als 15 Euro einen Gewinn von 1005 Euro zu erzielen, also eine Steigerung von 6700 Prozent. Wie in aller Welt haben Sie das geschafft?

Frau M: Naja, wissen Sie, mein Mann war Beamter, der war immer sparsam und sehr fürs Solide. Also Aktienspekulation und so ein Zeug, das war eigentlich gar nicht sein Stil. Wir hatten ja auch kein Geld zu verschenken! Deshalb hat es mich dann auch schon ein bisschen gewundert, als mein Mann vor 15 Jahren starb, dass er mir diese Wertpapiere da hinterliess. Naja, VW war damals ja auch ein solides deutsches Unternehmen, das muss man sagen. Die Aktien waren 1993 30 D-Mark das Stück wert. Weil ich von Aktien und dem ganzen Zeug nichts verstehe, habe ich die Papiere auf die Seite gelegt, als Notgroschen.

Beiz 2.0: Und dann?

Frau M: Und dann habe ich sie, ja irgendwie, einfach vergessen.

Beiz 2.0: Und als der Aktienkurs von VW auf 150 Euro stieg, da ist Ihnen nicht der Gedanke gekommen, zu verkaufen?

Frau M: Aber nein, das habe ich ja gar nicht mitbekommen. Je nu die Aktienkurse gehen mal rauf und dann wieder runter, aber den Wirtschaftsteil in der Zeitung überblättere ich immer, und mit dem Internet und solchen neumodischen Sachen, da kenne ich mich nicht aus. Ich habe mir halt gedacht, in meiner Sparkasse, da sind die Papierchen schon sicher, da fressen sie keine Mäuse.

Beiz 2.0: Und als dann am Montag dieser Woche der Aktienkurs auf über 500 Euro in die Höhe schoss, da haben Sie trotzdem nicht sofort verkauft? Sie sind mir ja eine ganz coole ausgebuffte Zockerin!

Frau M: Dass der Kurs so gestiegen war, das habe ich doch erst am Abend in der Tagesschau gehört. Und da hatte die Sparkasse doch schon zu!

Beiz 2.0: Und am nächsten Morgen?

Frau M: Da habe ich erstmal gut gefrühstückt und dann habe ich einen kleinen Spaziergang hinunter ins Dorf zu meiner Sparkasse gemacht. Da haben sie mir gesagt, sie hätten schon auf mich gewartet, weil ich die letzte VW-Streuaktionärin sei. Nuja, da hab ich die Dinger halt verkauft, für 1005 Euro das Stück. Aber dass ich dafür jetzt diese Auszeichnung bekomme als Finanzexpertin des Jahres, das finde ich doch ein bisschen übertrieben.

Beiz 2.0: Liebe Frau M., bitte verraten Sie unseren Lesern: Was ist das Geheimnis Ihres Erfolgs?

Frau M: Hauptsächlich Desinteresse und Unwissenheit.

Beiz 2.0: Ähm, ja, Ehrlichgesagt, das überrascht uns jetzt doch alle ein wenig.

Frau M: Und mich erst einmal!

Beiz 2.0: Und was sagen Sie dazu, dass der Chef der Freudschen Bank, Johann Mackermann, Sie nun zu seinem persönlichen Berater machen will?

Frau M: Das ist sicher nett gemeint von dem jungen Mann, aber ich habe es ja nicht mehr notwendig zu arbeiten. Ich arbeite höchstens noch ein bisschen in meinem Schrebergarten, das macht mir Freude, wenn da alles ordentlich und gepflegt ist und schön blüht.

Beiz 2.0: Sie sind so natürlich und bescheiden geblieben, bewundernswert! Was werden Sie denn jetzt machen mit Ihrem Geld? Haben Sie einen heissen Anlagetipp für unsere Leser?

Frau M: Ach, wissen Sie, ich gehe jetzt erstmal ein paar Tulpenzwiebeln für meinen Schrebergarten kaufen. Die müssen ja noch unter die Erde, bevor der Frost kommt.

Reload: VW-Aktie über 1000 Euro – der helle Wahnsinn im Börsenkasino

Oktober 28, 2008

Und da dachte man bis vor einem Monat, die Volkswagenaktie sei eine grundsolide, bodenständige Angelegenheit. Und gestern und heute stellt sie den gesamten DAX auf den Kopf mit Steigerungen von 200 auf bis zu über 1000 €uro pro Stück, während alle anderen Werte munter fallen. Der Grund:

Porsche will die Mehrheit bei VW. Und dafür kaufen die Porsches jetzt offenbar alles, was sie kriegen können, mit der Folge, dass der Markt restlos leergefegt ist und die anderen, die mit ihren Leeroptionen, die sich schon so auf die schlechte Konjunktur gerade in der Autorindustrie gefreut hatten, nun plötzlich ziemlich blöd aus der Wäsche gucken. Selbst die Experten verstehen anscheinend nicht viel besser als der blutige Laie und Kleinanleger, was da im Moment eigentlich abgeht. Aber das wäre ja nicht das erste Mal in den letzten Wochen.

Nix für schwache Nerven.

Vorauseilende, verpuffende Garantien?

Oktober 12, 2008

Nun erklären auch Austalien und Neuseeland, dass sie die Bankeinlagen ihrer Bürger garantieren wollen.

Weltweit passiert dasselbe: Die Regierungen beeilen sich, mindestens so viel zu versprechen wie die Nachbarländer auch. Und in jedem Land mögen viele Menschen beruhigt werden. Genau so viele aber dürften aufgeschreckt werden: So schlimm ist „es“ also? Und sich erstmals richtig mit diesem „es“ beschäftigen.

Die Krise wird also bewusst, und die Versicherungen der Regierungen wohl gleich wieder hinterfragt: Ist so was nicht nur zu versprechen, sondern überhaupt zu halten? Und schon stellt man sich den schlimmst möglichen Fall vor, dass die Leute wirklich zur Bank rennen…

Es ist alles eine Frage des Timings. Man darf nicht der Auslöser der Hysterie sein und muss doch Versicherungen abgeben, BEVOR die Menschen loslaufen.

Da wäre es natürlich wünschenswert, die Politiker wären vertrauenswürdig. Laut einer Umfrage des ZDF glauben etwas über 50 % der Deutschen den Versicherungen der Frau Merkel, mehr als ein Drittel tut es nicht…

Wir leben in sehr kritischen Zeiten, und die Fähigkeit zur gemeinsamen Massnahme gegen die Probleme muss trotz oder gerade wegen der Globalisierung erst noch bewiesen werden. Die Börsen haben – hoffentlich – die Panik vorsimuliert und leisten mit ihrer Beruhigung vielleicht einen Beitrag, dass Vertrauen gefasst wird. Das bleibt vorläufig nur eine Hoffnung. Die neue Woche wird es zeigen…