Posts Tagged ‘Community-Management’

Der anonyme Mopp – ein anonymer Leserbrief an David B.

Januar 6, 2009
Der anonyme Mop
Der anonyme Mopp

Lieber David,

wie man ins Netz hineinschreibt, so schallt es heraus.

Wem vor seinen eigenen Lesern ekelt und graust, würde man denken, müsste der sich nicht zu allererst selber fragen, ob er so schreibt, dass er die richtigen Leser anspricht?

Aber das wäre vielleicht zu pauschal gedacht, und ungerecht pauschalisieren, das wollen wir ja vermeiden.

Dieser Artikel ist ja schon um einiges differenzierter als anderes (Artikel im Netz leider nicht mehr aufzufinden), was wir auch schon gelesen haben. Das möchte ich ausdrücklich betonen.

Aber als Literaturwissenschaftlerin muss ich entschieden Einspruch erheben und Goethe in Schutz nehmen:
Das Gedicht „Der Zauberlehrling“ (hier nachzulesen) handelt von einem Azubi, der sich eine Rolle anmasst, die ihm nicht zusteht. Und weil er sein Handwerk einfach nicht beherrscht, gerät er in Not, bis ihm das Wasser bis zum Halse steht. Die Besen hingegen, also die Mopps, die geben sich ja redliche Mühe.
Denen ist kein Vorwurf zu machen.

Als ich im April letzten Jahres bei Facts 2.0 als Moderatorin ins kalte Wasser geworfen wurde, habe ich mich anfänglich tatsächlich ein wenig so gefühlt und habe mir deswegen die Berufsbezeichnung „Zauberlehrling“ ausgesucht (die du mir hier offenbar gemopst hast). Im Wissen, dass ich noch viel zu lernen hatte. In der Hoffnung, dass, sollte etwas aus dem Ruder laufen, jemand erfahrenerer und gelassenerer als ich da wäre, um die Sache wieder hinzubiegen. Nunja. Nie aber wäre mir in den Sinn gekommen, den Besen die Schuld zu geben

Gelernt habe ich inzwischen einiges über Community-Management:

– Vor allem und am wichtigsten, dass eine gute, funktionierende Community dem Moderator die Arbeit enorm erleichtert, weil die User dann selber ein Interesse daran haben, das Niveau der Diskussion hoch zu halten und Störenfriede und Dummköpfe aus ihrer Plattform fernzuhalten.

– Dass (ceterum censeo) wiedererkennbare Pseudonyme keinesfalls mit Anonymität gleichzusetzen sind, sondern die allermeisten Menschen, die unter Pseudonym schreiben, moderationstechnisch genauso unproblematisch sind wie die meisten derjenigen, die unter Realnamen schreiben.

– Dass, wer versucht, möglichst viel Klickvieh durch Boulevardisierung und SEO auf Sex & Crime zu generieren, bekommt, was er verdient: Den Bodensatz der Kommentatoren.

– Dass es folglich nicht darauf ankommt, möglichst viele, sondern die richtigen Leser anzusprechen, anstatt Menschen, die Qualitätsjournalismus und echte Diskussionen auf einem gewissen intellektuellen Niveau zu schätzen wissen, von der Website zu vergraulen.

 – Und dass Medien, wenn ihnen an ihrem Online-Auftritt etwas liegt, die diffizile Zauberei nicht irgendwelchen Studenten überlassen dürfen, sondern einem Redaktor (oder einer -torin) mit einem klaren Konzept.

Web 2.0 heisst nicht, lästige Leserbriefe widerwillig in Kauf zu nehmen.
Web 2.0 heisst, die User ernst zu nehmen und die wunderbaren Möglichkeiten des Dialogs im Netz zu nutzen.

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Bigbrother links to partnerwinner.ch

Oktober 18, 2008

Das neuste Infohäppchen in Sachen FACTS2.0 ist wirklich eine besondere Erwähnung wert.

Wir wissen:Der Geschäftsführer der Partnervermittlungsagentur partnerwinner.ch tut sich erstaunlich schwer mit der Aufgabe, das Management einer News-Diskussions-Community nicht vor die Wand zu löschen.

Seine Eingriffe in den Austausch unter Usern und in die Kommentar-Debattenkultur sind zu einer Löscher-Kultur verkommen, und der Kontrollwahn des Lüscher-Gespanns hat ganz offensichtlich auch vor der Einsichtnahme in persönliche Nachrichten unter Usern nicht Halt gemacht.

Als Kunde der Partnervermittlungsagentur partnerwinner.ch würde ich mir da so meine Gedanken machen, wie weit ausgebildet der Bewachungs- und Begleitungsimpuls des Geschäftsführers meines Dating-Portals wohl sein mag? Welche Vermutungen zur Persönlichkeitsstruktur und zur Einstellung des Herrn Partnervermittlers gegenüber seinen Kunden sind wohl naheliegend, wenn man nun auch noch weiss, dass eine Web-Adresse wie bigbrother.ch direkt auf, ja genau, Sie haben es schon geahnt, auf partnerwinner.ch führt?

Ein besseres Zeichen für das abgehobene Unverständnis vom Umgang mit Anonymität und persönlicher Integrität gibt es wohl nicht. Oder will hier jemand witzig sein – und offenbart damit einfach nur seinen eigenen flapsigen Umgang mit dem Schutz der Persönlichkeit?

Nur 32 Sündenfälle der FACTS-Redaktion bei 17000 Versuchungen

Oktober 16, 2008

Nur 32 private Nachrichten seiner User will FACTS2.0 gelesen haben. Das ist ja, gemessen an 17’000 insgesamt, nichts, ja fast weniger als nichts. Sagt uns FACTS. Oder vielmehr: Tamedia sagt uns das in der Person von Christoph Zimmer, Leiter Unternehmenskommunikation des Konzerns. Was sagt uns das jetzt genau?

Also, mir sagt das folgendes:

·        Erst einmal ist es ein Eingeständnis, dass FACTS2.0 private Post der User liest.

·        Tamedia selbst sieht in diesem Verhalten kein Problem, denn hier nimmt der Verlag selber Stellung.

·        Wenn Sie das 170-seitige Tagebuch Ihrer Freundin lesen, oder das Ihrer Tochter, und Sie werden dabei erwischt: Wie fühlen Sie sich dann, wenn Sie zu Ihrer Verteidigung anführen müssen, Sie hätten ja (bis jetzt) nur eine Drittelseite gelesen?

·        Im Sommer 2008 dürften vielleicht 150 User das Portal regelmässig benutzt haben (selten waren mehr als 20 User aufs Mal zu registrieren, die meisten davon Stammgäste, und Redaktoren mitgezählt).  Es ist daher mit starker Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Redaktion mit den 32 gelesenen privaten Nachrichten also 32mal die Privatsphäre ihrer treusten Benutzer verletzt hat.

·        Im konkreten Fall bedeutet das: Journalisten dürften nicht selten Berufskollegen ausspioniert haben.

Ich wage mal eine Prognose:

Die Geschichte wird nicht allzu grosse Wellen werfen. Tamedia wird die Sache aussitzen. [Morgen können wir ja scheinbar immerhin lesen, wie sich das in der Korrespondenz dann so anfühlen mag…]

Und auf Internet-Portalen mit Journalisten, die sich als engagiert und web-affin bezeichnen, wird es weiter chic sein, über den Sinn und Unsinn von anonymem Bloggen und anonymen Kommentaren zu Artikeln zu diskutieren, während ein Datenskandal wie der vorliegende bagatellisiert wird.

Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren. Denn von Medien habe ich ja keine Ahnung.

Aber ich weiss, was ich selbst als User eines Portals von den Diensten erwarte, die es anbietet. Ich glaube nicht, dass ich mich darin gross von einem Journalisten unterscheide. Selbst wenn er von Tamedia arbeiten sollte. Diese Wahrscheinlichkeit wird ja immer grösser. Das ist dann allerdings auch ein Teil des Problems, vermute ich mal. Denn welcher Medienarbeiter kann es sich schon leisten, sich dieses Sprungbrett quasi selber abzusägen?

Community-Management und Kommentar-Moderation bei Facts 2.0

September 30, 2008

Ugugu macht sich Gedanken zu einem aktuellen Fall in einem Schweizer News-Aggregations-Portal.