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Bilaterale Überlegungen zum Tag der Deutschen Gem-Einheit

Oktober 3, 2009

Unaufgeregt, unprätentiös, normal. So könnte man wohl die Art beschreiben, wie die Deutschen (von ein paar Idioten mal abgesehen) mit ihrer Nationalidentität umgehen im Oktober 2009. Und das ist, nach den manisch-depressiven Verwirrtheiten des letzten Jahrhunderts, eine sehr angenehme Entwicklung. Wir sehen uns als mittelgosses Mitte-Land mitten in Europa mit mittelmässigen Politikern und mittelmässigem Wetter und fühlen uns eigentlich ganz wohl dabei.

Da verwundert es mich immer wieder, beim Blick über die Grenze zu beobachten mit welcher Vehemenz, ja Verbissenheit die (Deutsch-)Schweizer Nachbarn um ihre nationale Identiät streiten. Als wollten sie da etwas nachholen, das die EUropäischen Nachbarn bereits im letzten Jahhundert hinter sich gebracht hätten.
Mich erstaunt und fasziniert, wie weit Selbstbild, vermutetes Fremdbild und tatsächliches Fremdbild der Schweiz mitunter auseinanderdriften (siehe z.B. Muschg vs. Widmer):
Ist es nicht eventuell doch ein klein wenig vermessen, sich als einzig wahre Demokratie und Vorbildmodell für den Rest der Welt zu betrachten? Oder ist man tatsächlich umgekehrt, nicht Vorbild, sondern ein hoffnungslos veraltetes Auslaufmodell in einer Welt mit globalen Problemen, die sich nur noch global lösen lassen, und einem vereinten Europa, in dem nur noch die Schweiz nicht mit den andern Jungs spielen mag?
Und ist das alles dem Rest der Welt nicht eher ein bisschen egal?

Europanichtwahl

Juni 10, 2009

bäääh

Europa (das ist dieser Kontinent, der um die Schweiz drumrumliegt) hat gewählt.
Die Mehrheit der Europäer schien sich allerdings vor allem darin einig zu sein, nicht zur Wahl zu gehen.
Und viel mehr Menschen als bisher haben sich entschieden, anti-europäisch zu wählen.

Was mögen die Gründe dafür sein?
Frust mit der jeweiligen nationalen Politik? (Nationale Themen haben laut Umfragen eine grössere Rolle bei der Wahlentscheidung vieler Leute gespielt als europäische.)
Frust über die EU, die bei der Bewältigung der Krise viel offizielle heisse Luft produziert, aber faktisch nur sehr zögerlich zu konkreten Beschlüssen und noch weniger zu gemeinsamen Umsetzungen der schönen Worte findet?
Die tatsächlich sehr beschränkte Macht des Europäischen Parlaments?
Möglicherweise auch lokale Skandale wie das mangelnde Unrechtsbewusstsein Britischer Selbstbedienungs-Politiker, oder Berlusconische Pinup-Politikerinnen, die das Vertrauen der Menschen in die Politik beschädigen?
Oder eine noch wenig gefestigte demokratische Tradition in einigen osteuropäischen Ländern, die von der Krise besonders gebeutelt werden?

In Krisenzeiten scheint manchem das eigene Hemd näher als die Unterhose des Nachbarn, das ist verständlich. Aber ein Europa zerstrittener Einzelinteressen oder eine kommunistische Diktatur wollen trotzdem wohl die Wenigsten zurück.

Hier nochmal alle Wahlergebnisse zum Nachlesen