Posts Tagged ‘Giorgio Girardet’

Hugo Loetscher, der Schweizer Weltbegutachter ist tot

August 19, 2009

Zürich, die Schweiz, trauert um Hugo Loetscher. Die Politiker, die Kutlurverwalter, die Zentralbibliothek. Das Radio hat die Progamme umgestellt und die Reporter holen Stimmen ein. In „zehn vor zehn“ äusserte Cicero-Preisträger, Bundesrat Leuenberger auf Züritütsch seine Betroffenheit. Für 3sat wird er untertitelt werden müssen. Die Laudatio auf den 80. Geburtstag vom 22. Dezember wird nicht gehalten werden. Loetscher gehörte zum Stadtbild der Stadt an der Limmat, der er immer wieder in Erinnerung rief, dass auch die Sihl, die das Arbeiterquartier Aussersihl abgrenzt kein zu vernachlässigender Zufluss darstellt. Dabei konnte er sich die Arroganz der Zürcher nie leisten, weil alles an ihm gegen ihn sprach: ein Katholik in der Zwingli-Stadt, ein Arbeitersohn am Bankenstandort, ein Schwuler im Sechseläutenumzung heterosexueller Tüchtigkeit.

Er überlebte als Maulwurf. Er machte seinen sozialen Standort zum Programm, aber nicht als lärmendes soziales Engagement, sondern als ironisch-wache Zeitgenossenschaft. Schon in seinem Erstling „Abwässer: ein Gutachten“verwebt er autobiografisches mit reportagehafter Berichterstattung. Der sachlich feststellende, aber immer auch ironisch-humorvolle Blick auf die Realität ist Lötschers Sache. Berühmt wurde er mit seinem autobiographischen Werk „Der Immune“, in der Schweiz kennen auch Literaturbanausen seinen Satiren-Band „Der Waschküchenschlüssel“.

Als Reisender hat sich Lötscher der „anderen Seite“ angenommen. In Los Angeles blickt er nach China, für Zürichs Städtepartnerschaft mit der chinesischen Stadt Kunming hat er sich engagiert und immer wieder reiste er nach Brasilien.

Andere werden mehr über ihn schreiben. Als ausgemusterter Train-Soldat wird er mir in ewiger Erinnerung bleiben, weil er dem eidgenössischen Trainpferd ein sachkundiges literarisches Denkmal errichtet hat. Dies 1989 im Band: „Die Fliege und die Suppe und 33 andere Tiere in 33 anderen Situationen.“

Er hatte den Schweizer Blick des Versicherungsexperten. Und als solcher war er für einen Finanzplatz unerlässlich. Denn Gefahren und Schäden, die der behäbigen Zwingli-Stadt drohten, die ihn gern an den Aperos in ihren gediegenen Zunfthäusern sah, die sah er schon kommen in den Favelas Brasiliens oder in den Kloaken Zürichs. Er war eine weltkundige literarische Rückversicherungsanstalt. Grossartig ist auch seine Aufsatzsammlung zur Schweizer Literatur „Lesen statt Klettern“.

Sein letztes Werk wird in den nächsten Tagen ausgeliefert: „War meine Zeit meine Zeit“

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Facts 2.0 feiert Geburtstag, aber wer genau ist da „uns“?

September 10, 2008

Facts 2.0 feiert Geburtstag, Beiz 2.0 gratuliert.

Hier feiert sich Facts selbst. Mit 100 000 Gästen. Na, hoffen wir mal, man hat genügend Sekt eingekauft…

Schon toll, wenn man mehr Klicker als die Weltwoche zählen kann, und das so ganz ohne Eigencontent und dafür mit (unter anderem) dem Content der Weltwoche.

Immerhin erreichte die Zahl der eingeloggten User bei Facts 2.0 heute, als ich eben schaute, eine 2-stellige Zahl: 11! Das ist doch nicht schlecht nach nur einem Jahr. Und 3 von den 100 000 kamen sogar zum Gratulieren!

Aber man schaue sich den Sebstgratulationstext ein bisschen genauer an, so etwas ist schliesslich ein Ereignis, das muss gewürdigt werden:

dafür traute uns wenig später jemand zu, das Zünglein an der Waage bei der Blocher-Abwahl gewesen zu sein.

Super Sache! Aber die Frage sollte erlaubt sein: Wer genau ist da „uns“?

Update: Da dieses Artikelchen nun inzwischen anderwärts verlinkt ist, wo nicht jeder die Geschichte mitverfolgt hat, sei kurz aufgeklärt, dass der Journalist, der diesen scharfzüngigen Zünglein-Artikel verfasste, Giorgio V. Girardet, bei Facts kurze Zeit später unzeremoniell vor die Tür gesetzt wurde. Wieso scheut man sich im Facts-Geburtstagsartikel jetzt vor der Nennung des Realnamens?

Und wäre dieser Geburtstag nicht vielleicht eine schöne Gelegenheit für einen kleinen Dank an die Mitarbeiter, Kolumnisten und User gewesen?

Nein, kein Dank, nur Eigenlob ist da zu lesen, stattdessen bedankt sich Herr Lüscher bei Christoph Blocher (!) und stilisiert Facts 2.0 zur besseren Weltwoche. Ist es tatsächlich das, was man sich bei Facts als Ziel gesetzt hat? (Das würde zumindest einiges erklären… 🙂 )

Nein, auch ich fühle mich in diesem kuscheligen „wir“ nicht mehr eingeschlossen, nachdem man meinen Account wortlos gelöscht und meine unter Realnamen geschriebenen Artikel und Kommentare anonymisiert hat.

Ein wenig traurig finde ich, dass man offenbar noch immer jeden wohlgesinnten Menschen, der es wagt, kritische Fragen zu stellen, als „erbitterten Feind“ betrachtet. Das scheint mir eine krasse Fehleinschätzung der Realität und eine deutliche Überschätzung der Bedeutung von Facts.