MacZürich und Jens Wiese: zwei Beizer im Tagi

Februar 7, 2010 von uertner

Unter den Erfolgen der hier in der Beiz bloggenden – eine kleine Übersicht über das vergangene Jahr müsste noch erstellt werden – darf besonders der Medienauftritt von “MacZürich” gewertet werden. Der “Tages-Anzeiger” versucht seine wegbröckelnde Abonenntenschaft (vielen ist das reflexartige SVP-Bashing verleidet) durch aus dem “Grossen Kanton” zuwandernde Neuabonnenten zu festigen. Auf sechs Seiten wurden “die Deutschen” als Menschen dargestellt. Und tatsächlich, um diese These zu belegen, hat die Tagi-Redaktion einen guten Griff getan.

http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/Der-Deutsche-ein-Mensch/story/11288503

Steuer-CD – kaufen oder bleiben lassen?

Februar 2, 2010 von flashfrog

2,5 Millionen investieren und 100 Millionen zurückbekommen. Das wäre eine gute Investition für einen finanzkrisengebeutelten Staat. Und Steuerhinterziehung ist in Deutschland eindeutig ein Kriminaldelikt. Geschädigt würde durch den Kauf auch eigentlich niemand, ausser den kriminellen Hinterziehern, die man eh auch nur dann verfolgen wird, wenn es sich wirklich um sehr grosse Fische handelt, der Kleinkram, also wenn da jemand 50 000 Euro über die Grenze geschmuggelt hat, würde den Verwaltungsaufwand ja gar nicht lohnen.

Allerdnigs ist es eine juristische und moralische Frage: Muss der Staat nicht Vorbild sein? Darf der selber mit Krininellen, die illegal Daten kopieren, Geschäfte machen? Und was wiegt schwerer, die Tat des Kopierers oder die Taten der 1500 Steuerbetrüger?
Und wessen Interessen stehen hier zur Disposition? Die Süddeutsche hegt den Verdacht, die FDP und auch Teile der CDU/CSU wollten ihr Wahl-Klientel der Reichen und Steuermüden nicht vergrätzen, indem man jetzt echt gegen solche Leute vorgeht. Lesenswert: http://www.sueddeutsche.de/finanzen/520/501772/text/

Aber wieso sollte der Ottonormalbürger in Deutschland sich eigentlich brav an die (Steuer-)Gesetze halten, wenn der Staat selber seine eigenen Gesetze bricht, wenn ihm das gewinnversprechender erscheint?

Und könnte so ein Dilemma nicht ganz einfach verhindert werden, wenn die Schweiz in solchen Fällen dem Nachbarn ein bisschen Amtshilfe leistet, so wie der gute Herr Steinbrück das auf seine charmante Art angeregt hatte?

Viel Stoff für brisante Diskussionen…

Btw. und bevor sich nun wieder alle auf die bösen Deutschen stürzen: Ist der Verkäufer der CD eigentlich ein Schweizer? :-)

Mehr Meinungen bei Thinkabout und Ronnie Grob.

Der Bund Abrahams und das säkulare Menschenrecht auf “Selbstbefleckung”

Januar 30, 2010 von uertner

Das Minarettverbot hat in der Schweiz die Parteien der wohlmeinenden Korrektdenker etwas aus der Bahn geworfen. Nachdem die CVP und andere Parteien plötzlich auf den Zug der Verbote mit Vorschlägen auch noch aufspringen wollten, ist es nun den Schweizer Grünen gelungen mit Realsatire allen anderen Parteien den Rang abzulaufen. Die Partei der Umwelt hat sich nach Kopenhagen auf ihr wahres Kerngeschäft: die Gendertheorie besonnen. Denn der Tag des jüngsten Gerichts soll uns – wenn wir den Weltuntergang schon nicht verhindern können – als perfekt gleichgestellte Männlein und Weiblein ereilen. Wenn nun die Beschneidung bei Frauen verboten worden ist, müsste dann nicht auch die Beschneidung der Männer bei Juden und Muslims verboten werden? So rein atheistisch säkular ein naheliegender Schluss.

Damit fallen die Grünen Radikalrationalisten hinter die Position des Apostel Paulus zurück, der die Beschneidung als äusserliches Zeichen von den Taten des Menschen abhängig machte:

17 Wenn du dich aber Jude nennst und verlässt dich aufs Gesetz und rühmst dich Gottes 18 und kennst seinen Willen und prüfst, weil du aus dem Gesetz unterrichtet bist, was das Beste zu tun sei, 19 und maßt dir an, ein Leiter der Blinden zu sein, ein Licht derer, die in Finsternis sind, 20 ein Erzieher der Unverständigen, ein Lehrer der Unmündigen, weil du im Gesetz die Richtschnur der Erkenntnis und Wahrheit hast -: 21 Du lehrst nun andere und lehrst dich selber nicht? Du predigst, man solle nicht stehlen, und du stiehlst? 22 Du sprichst, man solle nicht ehebrechen, und du brichst die Ehe? Du verabscheust die Götzen und beraubst ihre Tempel? 23 Du rühmst dich des Gesetzes und schändest Gott durch Übertretung des Gesetzes? 24 Denn »euretwegen wird Gottes Name gelästert unter den Heiden«, wie geschrieben steht (Jesaja 52,5). 25 Die Beschneidung nützt etwas, wenn du das Gesetz hältst; hältst du aber das Gesetz nicht, so bist du aus einem Beschnittenen schon ein Unbeschnittener geworden.26 Wenn nun der Unbeschnittene hält, was nach dem Gesetz recht ist, meinst du nicht, dass dann der Unbeschnittene vor Gott als Beschnittener gilt?27 Und so wird der, der von Natur unbeschnitten ist und das Gesetz erfüllt, dir ein Richter sein, der du unter dem Buchstaben und der Beschneidung stehst und das Gesetz übertrittst. 28 Denn nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist, auch ist nicht das die Beschneidung, die äußerlich am Fleisch geschieht; 29 sondern der ist ein Jude, der es inwendig verborgen ist, und das ist die Beschneidung des Herzens, die im Geist und nicht im Buchstaben geschieht. Das Lob eines solchen ist nicht von Menschen, sondern von Gott. Röm. 2, 17 – 29

Gleichzeitig torpedieren sie die “abrahamitische Wurzel” der drei monotheistischen Weltreligion (Judentum, Christentum und Islam), indem der Auftrag der Beschneidung eben gerade an Abraham erging

Das ist mein Bund zwischen mir und euch samt deinen Nachkommen, den ihr halten sollt: Alles, was männlich ist unter euch, muss beschnitten werden. 1.Mose 17, 10

Wo man sich jetzt wenigstens zwischen Juden und Muslims einig war, wird nun alles rationalistisch dem atheistisch-säkularisierten christlichen Dogma der Nicht-beschneidung unterstellt.

Während man für die Abschaffung der Sonderfriedhöfe für Juden und Moslems wenigstens noch rationale Begründungen anführen kann und man bei dem Verbot der Beschneidung der Frauen auf ihre verminderte Orgasmusfähigkeit beim Beischlaf hinweisen kann (Menschenrecht auf den weiblichen Orgasmus). Wird es beim geforderten Verbot der Beschneidung der Männer – die mag tatsächlich “irrational” sein – schon ungleich schwieriger, weil man ein grundlegendes Symbol der jüdischen und auch muslimischen Religion angreift.

Über den Einfluss der Beschneidung des Mannes auf den weiblichen, wie auch den männlichen Orgasmus sind verschiedene Meinungen im Umlauf. Jüdinnen sollen den beschnittenen Penis sowohl als ästehtischer als auch befriedigender empfinden, Christinnen sehen es wieder anders. Unbestritten scheint zu sein, dass die Vorhaut des Mannes bei der Masturbation eine gewichtige Rolle spielt. So kam es, dass sich in Zürcher Zeitungen bei der Diskussion um den unsinnigen Vorschlag eines Beschneidungsverbotes auch für Männer, rührige genderbewusste Ärztinnen sich für das Selbstbefriedigungsglück des Mannes zu sorgen begannen.

Damit wurde die Satire über die in Deutschland an Schulen angeblich eingeführten konfessionell getrennten Masturbationsräume, durch die Realsatire der Schweizer Grünen noch getoppt. Gleichzeitig dürfte nun allen klar geworden sein, was wir im Abendland gegen das Morgenland zu verteidigen haben: nicht nur das Recht auf Abtreibung und Leben ohne Burka, sondern auch das Recht auf männliche Masturbation. Wahrlich zwei Errungenschaften für die sich der Heldentod am Hindukusch lohnt!

Alle reden übers Wetter, aber keiner tut was dagegen

Dezember 14, 2009 von flashfrog

Das ist ein alter Klo-Spruch.
In Kopenhagen wird zur Zeit wieder mal übers Klima verhandelt. Das Ziel der meisten Länder scheint mal wieder zu sein, nicht so viel wie möglich zu tun, sondern – zumindest selber – so wenig wie möglich zu tun, um die Klimaerwärmung zu minimieren. Sowas nennt man gemeinhin: Nichts als heisse Luft produzieren.
Die G77, ein Zusammenschluss der Arschkartenländer, hat deswegen zu einem Boykott der weiteren Verhandlungen aufgerufen: http://www.zeit.de/politik/ausland/2009-12/kopenhagen-klimagipfel-afrika
Wie kommt das eigentlich, dass für notleidende Banken locker Milliarden über Milliarden zur Verfügung stehen, für notleidende Menschen heisst es: “Sorry, aber Afrika ist nicht systemrelevant”? Und das, obwohl fast alle Experten, die bei Trost sind, sagen, dass uns Dürren, Überflutungen, Stürme und dergleichen in der Zukunft so teuer zu stehen kommen werden, dass die derzeitige Krise geradezu lächerlich daneben wirkt?

Minarette in Deutschland: aufgekl. Muslima vs. Altkanzler

Dezember 11, 2009 von uertner

Die Debatte, die sich in Deutschland entspinnt, wo in der liberalen “Zeit” Altkanzler Schröder eingeladen wurde, seine Konfirmanden-Theorie über den “Islam” darzulegen, und der FAZ, in der Necla Kelec gekonnt kontert, scheint mit sehr symptomatisch. Obschon ich – ich wiederhole mich – noch nie in Berlin einen Döner gegessen habe und darum zu deutschen Fragen schweigen sollte, möchte ich die beiden Artikel hier in der Beiz anzeigen, zur Diskussion.

upgrade 12.12.2009: auch der Blick von heute schlägt seinen Lesern die beiden Texte vor! Die Beiz war wieder vorne!

Die Umgehung der Volksmeinung in Europa

Dezember 4, 2009 von thinkabout
Zum Videokommentar von Roger Köppel, der meiner Meinung nach recht flach ausfällt, in dem er aber natürlich den mangelnden Respekt Europas und der Welt für den demokratischen Volksentscheid der Schweiz anprangert, ist mir ein Kommentar aus den Niederlanden aufgefallen:
J Stensen     02.12.09 11:19

[...] nach das Debakel mit der EU-Konstitution (66% gegen) gestattet die Eilte keinen Volksentscheiden mehr.
Lasst euch nichts aufschwatzen über Rassismus, Faschismus oder Xenophobie und macht Ihre eigene Entscheidung.
Gratulationen und Verzeihung für die unzweifelhaft viele Rechtschreibfehler.

Den Schluss lasse ich bewusst so stehen, denn ich möchte darauf hinweisen, dass es einen besonderen persönlichen Antrieb braucht, sich in einer Fremdsprache zum Thema zu äussern und sich dabei die Blösse des unbeholfenen Ausdrucks zu geben.

Ich habe seit Jahrzehnten Kontakte nach Holland, und was hier angesprochen wird, ist genau das, was ich zu Fragen rund um den Beitritt zur EU wie zu Immigrationsproblemen immer wieder zu hören bekomme:

Das Volk fühlt sich in keiner Weise vertreten, repräsentiert oder Ernst genommen. Der Eindruck, von einer Classe Politique regiert zu werden, wird hierzulande von der SVP reklamiert – im Ausland wird es tatsächlich in vielen Staaten von breiten Bevölkerungsschichten so empfunden.

Dieses Problem zu unterschätzen, und in einer per se einmal rein formal gesehenen Marginalie eines Minarettverbots nun die Gelegenheit zu sehen, eine Menschenrechtsdebatte zu führen, hiesse, das Unverständnis in den weit verbreiteten, warum auch immer  frustrierten Bevölerkungsteilen Europas zu schüren. Es ist ganz deutlich davor zu warnen, eine intellektuell-elitäre Debatte über ideell angekratzte Menschenrechte auf die Spitze zu treiben, sich medial und politisch daran zu reiben und das Thema – nach beiden Seiten – zu schüren. Was die politischen Parteien und deren Häuptlinge, wie z.B. Darbellay (Friedhofsdiskussion)  und Levrat (Guantanamo-Flüchtlinge), nun in Sachen politischer Ausschlachtung der Situation vorführen, ist ziemlich abscheulich und bedenklich, da es aus der Mitte und von links kommt, wo ja schlussendlich die wirklichen Antworten und Strategien herkommen müssten.

Der Kritik, welche genau dies kommen sah und daher vor einem Ja warnte, entgegne ich dennoch:

Dass die Frage der Intergration des Islams in Europa aber jetzt auf den Tisch gekommen ist, und nicht in fünf oder erst zehn Jahren, dass die Frage in einem Land zu diskutieren ist, indem viele Probleme nicht schon in breiter Front Realität Auswüchse zeigen, sondern erst verständliche Befürchtung herrscht, sie könnten überhand nehmen, das ist gut, wichtig und absolut zu begrüssen. Es gibt allen Seiten die Chance, wenn sich die Gemüter einmal beruhigt haben, der Schock sich gelegt hat und das Denken wieder einsetzt, über mögliche Massnahmen zur besseren Verständigung zu diskutieren. Ich habe in diesen Tagen aus muslimischen Kreisen Stimmen gehört, die mich sehr ermutigt, und auch ein wenig beschämt haben: Es scheint ganz so, als wäre das Vermögen, einen durchaus irritierenden Entscheid, der vermeintlich persönlich diskriminierend verstanden werden könnte, für das zu nehmen, was er ist:

Ausdruck eines Unbehagens, dessen Gründe man sehr wohl orten und auch verstehen kann, was danach fragen lässt, wie diese Ängste abgebaut werden können: Es hilft den Muslimen überhaupt nicht weiter, wenn sich irgendwelche Kommentatoren über einen ängstlichen “undemokratischen” Entscheid (ein Absurdum für sich und eigentlich als Wertung in Medien- und Politikerkreisen ein Skandal) mokieren oder entrüsten, statt dagegen anzuarbeiten:

Mit Information, mit Gelegenheiten für Muslime, deren Integrationsbemühungen darzustellen und Probleme selbst zu orten, zu benennen und dabei nicht stehen zu bleiben: Integration zu fordern, ist kein Muslim-Bashing, sondern eine Bringschuld, die beidseits geleistet werden muss. Es mag sein, dass sich Zugereiste erst einmal anpassen sollen und müssen. Tun sie es aber, bemühen sie sich, so  sind sie auch zu unterstützen. Und ich bin sicher, dass sich auch dabei sehr viel Verbesserungspotential ausmchen lässt.

Es ist höchste Zeit, dass viel mehr über die konkreten Aspekte dieser Integration gesprochen, geschrieben und vor allem recherchiert wird. An die Arbeit, werte Journalisten und Blogger.

Wie ein Bündner seine Frau unterdrückt (ohne Schleier)

Dezember 1, 2009 von uertner

 

Minarette, Burckhardt & Fastnacht

Dezember 1, 2009 von uertner

Untenstehender Text war der “Basler Zeitung” zu komplex für die Publikation im Print, wofür ich alles Verständnis habe. Trotzdem sei er hier nun zur Diskussion gestellt. Disclaimer: er richtet sich an intelligente Leser und wurde von einer Print-Redaktion als zu heikel eingeschätzt. Und er entspringt dem Anliegen, integrativ zu wirken.

Der Kleinstaat ist vorhanden, damit ein Fleck auf der Welt sei, wo die größtmögliche Quote der Staatsangehörigen Bürger im vollen Sinne sind.

Jacob Burckhardt, weltgeschichtliche Betrachtungen (1869, gedr. 1905)
Giorgio Girardet

„Der Geist ist ein Wühler“ wusste schon Jacob Burckhardt, der Mann auf der Tausendfrankennote. In seiner drei Potenzen-Lehre der „weltgeschichtlichen Betrachtungen“ nennt er als Aufgabe der Potenz „Cultur“ aufzuzeigen, wenn in den übrigen Potenzen „Staat“ und „Religion“, die auf „Zwangsgeltung“ Anspruch erheben können Form und Inhalt nicht
mehr übereinstimmen.

Von aufgeklärt-konservativen, humanistischen und skeptischen Prämissen ausgehend, verwirft B. jegliche geschichtsphilosophische und providentiell-theologische Theorie und sieht den Gang der Geschichte ausschließlich aus der der Triebnatur erwachsenden kulturbildenden Kraft der Menschengattung bestimmt (nicht “Weltgeist” [etwa im Sinne Hegels], sondern “Menschengeist”). Dieser realisiere sich in der Wechselbeziehung der dreiPotenzen” Staat, Religion und Kultur. Die Bedeutung der Geschichte erkennt er in der “Kontinuität” als dem allgemeinen Maßstab für jegliche historischen Wertungen: in der “kulturellen Kontinuität der Bildung Alt-Europas”. (Quelle)

Wie steht es um den Basler Stadtstaat? Dessen höchster Repräsentant Regierungspräsident, „Kalif“, Dr. med. Guy Morin hat nicht nur Verbot für die angeblich rassistischen und diffamatorischen Plakate für die Minarett-Initiative gerechtfertigt, sondern auch konfirmandenhaft seiner Vorfreude über den Ruf des Muezzins Ausdruck verliehen.

Wie steht es um die Religion in Basel? Der generalstabsmässige Rückzug des Protestantismus aus dem Weichbild (Perspektiven 15) wurde durch den Kanzelstreit am Münster effizient beschleunigt und katholischerseits illustrierte „Röschenz“ die Kollision zwischen Schweizerischem Staatskirchenrecht und den despotischen Ansprüchen der römischen Hierarchie plastisch. Soweit die öffentlich-rechtlich anerkannten Religionsgemeinschaften der „Leitkultur“.

Oder ist nicht in Basel längst die „political correctness“ zur Leitkultur erhoben worden? Die klaglose Bereitschaft der 30% Kirchensteuerflüchtlinge sich in der Meinungsäusserungsfreiheit von der ängstlichen Rücksicht auf die 9% Mitbewohner leiten zu lassen, die sich als Muslime sich auf der Einwohnerkontrolle registrieren liessen (mit der koranischen „licence to kill“ für „Ungläubige“), legt den Gedanken nahe.

Oder bleibt die „Fastnacht“ mit ihrem träfen Witz die Leitcultur der Basler? Das Inserat, das in der „Weltwoche“ und anderen Medien geschaltet wurde und den Absender „CH-rette-Postlagernd-4001 Basel“ trägt, schlägt mit den Waffen des Witzes.

Es zeigt die Muslime, die am 11. Februar 2006 nicht Richtung Mekka sondern in Richtung des Schweizerischen Kalifenpalastes beteten, auf dass sie von Karikaturen verschont bleiben mögen, womit sie in ihrem Unverständnis für den säkularen Westen selber zur Realsatire und
Karikatur-Sujet wurden. Das „Jo“ und das „verrote“ deuten wie der Absender nach Basel.

Die Karikatur stellt die einzig richtige Frage: sind Muslime fastnachts-tauglich? Jacob Burckhardt war skeptisch:

„Und eine Komödie ist (im Islam: Anm. GG) unmöglich, schon weil es keine gemischte Geselligkeit (Männer und Frauen Anm. GG) gibt, und weil Witz, Spott, Parabel, Gaukler usw. die ganze betreffende Stimmung vorwegnehmen.“

Aber vielleicht mögen die Basler Muslime in ein freundeidgenössisches Fastnachtslachen mit einstimmen. Es wäre – mit oder ohne Minarett – der entscheidende Schritt zur Integration in die säkulare Humorgemeinschaft der „Confoederatio“: unserer „Lach- und Schiessgesellschaft“.

Kein Bedarf zum Stellvertreterschämen

November 29, 2009 von thinkabout

Jetzt sind sie wieder ganz gross, die intellektuellen Grossgeister in den Medien, die der Schweiz und damit uns Schweizern den Stempel der Borniertheit vor den Augen ganz Europas garantieren mögen. Der grosse Wettbewerb des Fremdschämens – oder meinetwegen des Stellvertreterschämens kann beginnen.

Es gibt aber auch ganz andere Reaktionen im Ausland – und Aktionen. So mag es durchaus vorkommen, dass sich ein deutsches Leitmedium fragt, wie denn wohl eine solche Abstimmung im eigenen Land heraus käme?

Das macht SPON – mit einem interessanten Zwischenergebnis:

knapp 16′000 Teilnehmer der Umfrage

Nach Entscheidung der Schweizer:

Sollen Minarette auch in Deutschland verboten werden?

antworten 79% mit JA.

Repräsentativ ist so was nicht. Aber mindestens so zuverlässig wie eine Meinungsumfrage von Claude Longchamp dürfte sie die Stimmung in Deutschland durchaus wiedergeben.

Update vom 30.11.09 um 18h25

SPON: “Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels
konnten SPIEGEL-ONLINE-User in einem Vote über das
Schweizer-Minarett-Verbot abstimmen. Nach Hinweisen, dass diese
Abstimmung von außen manipuliert wurde, hat die Redaktion das Vote
vorzeitig abgeschaltet.”
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,664135,00.html#ref=rss

Die Umfrage hat also keine Aussagekraft. Auf jeden Fall keine gesicherte, auch wenn es wünschenswert wäre, SPON würde über die Manipulation etwas mehr verraten.
Das würde nämlich nahelegen, zukünftig gänzlich auf solche Aktionen zu verzichten.

Anleitung zur Uni-Revolte (aus: Nebelspalter 2008)

November 18, 2009 von uertner

Da in Europa an den Universitäten wieder rebelliert wird: hier die 8 wichtigen Punkte, die zu beachten sind (Erfahrungen der Urchristen und 68er durch einen Unitopisten von 88/89 ausgewertet). Aus dem “Nebelspalter” (Probe-Abo: hier) vom September 2008:

Theorie und Praxis

Jugendrevolte in acht Punkten

Das Poesie-Album der Achtundsechziger ist bekannt. Wie kann die Studienzeit mit einer «Revolte» bereichert werden, die «soziales Kapital» stiftet, von dem man ein Leben lang zehrt? Ich bin ein verhinderter achtundachtziger «Unitopist». Darum kann ich mitreden. 1989 brachten wir die Berliner Mauer zum Einstürzen. Hier acht Punkte aus der Praxis:

1.Das Ereignis muss in eine globale Gleichzeitigkeit eingebettet sein (Stern von Bethlehem). Es muss heissen: in Paris, Prag, Hanoi und auch in Zürich. 1988 begann es an der Freien Universität Berlin. Zürich folgte.

2.Ein griffiges, lokales Feindbild (der Teufel) ist Conditio sine qua non. In Zürich war der Erziehungsdirektor ein Mann (Scheissmacho), hatte nicht nur Prinzipien (Betonkopf), nein, Gilgen reimte sich auch auf «Galgen». Ideale Vo- raussetzungen, um die ödipal-adoleszente Ablösung vom Elternhaus durch eine studentische Revolte zu adeln, denn 1980, als «Zürich brannte», waren wir noch Konfirmanden.

3.Die Sehnsucht nach der ganz anderen, besseren Welt. «Reich Gottes» nennen es die Christen, «klassenlose Gesellschaft» die Kommunisten, «Love and Peace» die Achtundsechziger. «Utopie» (Max-Frisch-Effekt) ist immer gut. Daher waren wir universitäre Utopisten eben: «Unitopisten».

4.Die rauschhafte Entgrenzung in einem grossen Event (Pfingstwunder). An einem bestimmten Tag x tritt ein Ereignis ein, von dem alle später sagen werden: Ich war dabei, oder ich war gerade krank. Insbesondere mediokre Gestalten packen diese Gelegenheit. Wer in Sport, Militär, Kultur oder Wirtschaft keine Rolle spielen wird, findet darin lebenslangen Trost: Ich war dabei («Res-Strehle-Effekt»).

5.Ein Manifest muss her (Bergpredigt). Dies wurde in früheren Studenten- bewegungen durch Vollversammlungen (heute «Theory-Slam») ermittelt. Die Alphamännchen treten hier in Erscheinung: Wer die schrägsten Fremdworte in metrischer Diktion brüllt, gewinnt («Thomas- Held-Effekt»).

6.Die Alphas übernehmen Arbeitsgruppen (Urgemeinden) und versehen sie mit einem Konzept in blumigen Jargon, mindestens zehn A4-Seiten («Moritz-Leuenberger-Effekt»). In dieser Phase gehen die Alphaweibchen dazu über, Pro- tokolle zu schreiben und untereinander auszumachen, welche von ihnen welchen Alpha als Besamer für die Aufzucht erhalten soll. Die Alphas übernehmen nun das Mitbrüllen feministischer Forderungen («Hans-Jörg-Fehr-Effekt»).

7.Durch einen eskalierenden Konflikt gibt es ewigen Nachruhm. Von der Studienzeit sollen Reliquien bleiben, die alle zehn Jahre in den Medien ausgestellt werden. 1988 beschlossen die «Unitopisten», in der Uni zu übernachten. Nicht so promisk wie die 68er, sondern keusch für eine «ganzheitliche Wissenschaft» leidend. Gilgen war dagegen. Polizei wurde aufgeboten (sehr wichtig für die erfolgreiche Bewältigung männlicher Adoles- zenzkrisen) und die Achtundsechziger und Achtziger der «Tamedia» berichteten breit über unser Martyrium.

8.Anbiederung (vom Saulus zum Paulus). Wenn arrivierte Grossintellektuelle «einknicken» und mit den Forderungen der Jugend sich solidarisieren («Adolf-Muschg-Effekt»): Dann war die Bewegung erfolgreich.

Nach der Theorie des «Sozialen Lernens in Zwölf-Jahres-Zyklen» (Siegenthaler, 1993) gibt es folgende Gliederung: Aktivdienstgeneration (1944), Ungarn-Antikommunisten (1956), Ho-Chi-Minh-Drögeler (1968) und Subito-Hedonisten (1980). Wir 88er hätten eigentlich erst 1992 rebellieren dürfen. Aber – ich frage – wäre die Mauer in Berlin 1989 gefallen, hätten die «Unitopisten» nicht im Frühjahr 89 in der Uni Zürich geschlafen? Das hat der Professor nicht bedacht.

Giorgio Girardet

PS: Die “älteste Satirezeitschrift der Welt” lässt sich auch auf Facebook verfolgen.